Als Calvin, der etwas schulfaule Held in Bill Wattersons Comicbänden “Calvin und Hobbes” einmal in den Ferien krank wird, besteht er darauf, dass er diese zwei Wochen Ferien jetzt nachholen dürfe, da er ja auch zu Hause hätte bleiben müssen, wenn Schule gewesen wäre. Im letzten Bild des Comics sieht man ihn eifrig mit seinem treuen Stofftiger Hobbes das Gesetzbuch studieren, sicher, dass es darin irgendeine entsprechende Stelle geben müsse.
Krank war ich am Wochenende auch, über die weitere Analogie kann man nachdenken, ich finde jedenfalls die Geschichte lustig. Nach der Podiumsdiskussion am Freitag habe ich leider nichts mehr mitbekommen und könnte nur vom Hörensagen schreiben. Nach der “Räuber”-Vorstellung gab es eine “Final-Night-Party” im TIK. Anschiend lief alles entspannt und angemessen, aber nicht herrausragend.
Zur Podiumsdiskussion: “Es muss nicht immer Schiller sein – zeitgenössische Dramen in den Deutschunterricht!” war der Titel und das kann man so stehen lassen, fanden die Diskussionsteilnehmer anscheinend nach der ersten Runde und diskutierten die meiste Zeit lieber über ein Fach “Theater” an der Schule. Auch interessant. Ein besonderes Merkmal der Diskussion war übrigens, dass es sehr viel Austausch mit dem Publikum gab, das leider nicht sehr zahlreich erschienen war (keine einziger Lehrer war anwesend)! So hörte man Schüler-, Lehrer- (auf der Bühne!), Theater- und Verwaltungsmeinungen und die meisten waren sich einig: Theater böte eine geeignete Ergänzung zum Deutschunterricht. Im Gegensatz zu Montag fehlte leider jemand, der in den entsprechenden Entscheidungsgremien sitzt und erklären könnte (oder von dem man dies wenigstens verlangen könnte), warum dies denn dann nicht auch so gemacht wird. Ein wenig unter ging auch eine Diskussion darüber, welchen Stellenwert ein solches Theaterangebot für Schüler haben sollte. Ab welcher Klasse soll es Unterricht werden? Wieviele Stunden? Ein benotetes Fach? Wahlfach/Pflichtfach? Sind nicht auch Sportvereine, politische oder soziale (Jugend-)Arbeit und andere Kunstformen sehr förderungswürdig und sollten besser mit der Schule vernetzt sein? Man hörte viele Meinungen, aber eine Auseinandersetzung mit diesen Fragen kam erst ganz zum Schluss und damit leider ein wenig zu kurz. Wie am Montag bleibt nur festzustellen, dass viel zu wenig öffenltich über diese Fragen diskutiert wird.
Übrigens gab es viele Leute an unserem Haus, die beklagten/warnten/zynisch bemerkten, dass bald wohl viele andere Häuser das “Fit-fürs-Abi”-Konzept übernehmen würden. Persönlich finde ich, dass es gar kein wünschenswerteres Ergebnis gäbe! Es gibt offensichtlich einen Bedarf an diesem Austausch und dem Diskussionen, die hier stattgefunden haben, und das bestimmt nicht nur in Baden-Baden.
In diesem Moment endet unsere Kindermärchen-Vorstellung, der normale Spielbetrieb läuft jetzt schon wieder zwei Tage, morgen tritt hier Bruno Ganz auf (das ist keine Schleichwerbung, die Vorstellung ist ausverkauft). An den Schulen müssten jetzt eigentlich die ersten Vorabi-Klausuren geschrieben werden – und nicht nur in Deutsch. Schule ist nicht Theater und Theater ist nicht Schule, aber die beiden haben doch ähnlich Ziele. Hoffen wir, dass sie sich nicht aus den Augen verlieren. Und der Blogger nicht am Pathos erstickt.
(BT)