Drogen, Drogen, Drogen

“Welche Droge passt zu mir?”, heißt der provokante Titel der Inszenierung des Klecks-Theaters Hannover, die am Sonntag bei “Hart am Wind” gezeigt wurde. Redakteurin Lina Oberacker sah in der Arbeit von Regisseur Harald Schandry eine Mutter auf der Suche nach dem Mut, ihr Leben zu bewältigen.

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Hanna, eine junge Frau. Hausfrau, Mutter eines kleinen Jungen und Gattin ihres Mannes. Voller Liebe und Kraft soll sie sein. Das ist es doch, was von ihr erwartet wird. Der Sohn möchte eine Mutter haben, die ihn liebt. Der Mann ebenso. Und stark soll sie sein.

Aber sie schafft es nicht, ihren Sohn zu lieben. Genauso wenig schafft sie es, ihrem Mann eine starke Gattin zu sein. Hanna schämt sich, sie schämt sich schrecklich für ihre Schwäche. Sie muss stark sein, um diese Schwäche zu überwältigen. So wie der Philosoph Seneka sagte, denn „Liebe ist unvereinbar mit Furcht.”

Immer wieder bezieht die Schauspielerin das Publikum mit ein. Lässt es sich verschiedene Situationen vorstellen. Immer wieder betont sie, dass wir uns nicht trauen, uns der Mut fehlt. Wir trauen uns nicht, bekannte Wege zu verlassen und uns zu neuen Ufern zu bewegen. Die Angst hält uns davon ab. Macht uns verletzlich, schwach.

Im Stück kommen zu diesem Zeitpunkt die Handwerker ins Haus. Über den Lehrling bekommt die Mutter, gespielt von Dagmar Poppy, so an ihre erste Tablette. Ihre Welt wird bunt, ist nun voller Liebe. Ihr Sohn ist der Beste der Welt. Ihr Ehemann der Tollste. Sie strahlt, ist sorglos, zufrieden und frei. Da lässt sich doch über die kleinen Nebenwirkungen, wie ein paar Läuse, leicht hinwegsehen.

„Es ist wichtig, nicht von Drogen abhängig zu sein.” Sie versucht, ihren Konsum zu rechtfertigen. Liest immer wieder Zitate von Seneka vor. Und Drogen, die nehmen wir schließlich nicht für uns, sondern für unsere Mitmenschen. Für diejenigen, von denen wir geliebt werden wollen.

Sie setzt sich mit der Materie auseinander, klärt uns über die verschiedenen Drogensorten und ihre Wirkungen auf. Und man muss auf seinen Körper aufpassen, betont sie.

Die Wirkung der Drogen lässt nach. Hanna kämpft mit sich. Denn man muss sich schließlich selbst unter Kontrolle haben. Ein Teufelskreis beginnt, die Drogen nehmen überhand. Als sie ungewollt von ihrem Mann schwanger wird, verliert sie die Macht über sich selbst. Pumpt Drogen in sich hinein, möchte das Kind verlieren. Mehr und mehr, immer mehr nimmt sie.

Das Bühnenbild ist schlicht gehalten, der Fokus liegt auf Dagmar Poppy. Fabelhaft und mitreißend stemmt sie die Rolle der jungen Hanna. Hin und wieder verlässt sie die Bühne, kommt ins Publikum. Selbstbewusst steht sie dann wieder vorne, reißt uns in ihren Bann. Die Momente des Entzugs sind authentisch dargestellt und regen einen zum mitfühlen an. Eine erwachsene Frau,  die doch nichts möchte, außer liebenswert zu sein. Eine Frau, die Verantwortung tragen sollte und doch dem Drogenkonsum erliegt. Ein Frau, die mit sich selbst kämpft. Mit der Situation überfordert ist. Den Konsum als einzigen Ausweg sieht, um Mut zu erfahren. Ein Stück, mit durchgehend steigender Spannung. Mit Sicherheit ein sehenswerter Part bei „Hart am Wind”.

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