Der Eröffnungsabend

Kurz ausgedrückt: Es wurden Schuhe geworfen, Witze erzählt und getanzt. Das war die fulminante und rasante Eröffnungsshow des 18. Schülertheatertreffens. Außerdem richtetetn Jens Antefuhr (Vertreter des Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt) und Jutta Rehpenning (Vorstandsmitglied der LanZe) Grußworte an die Teilnehmer. Umrahmt wurde die Veranstaltung durch Arizona (Diva), Katharina (Mauerblümchen), Bronko (Macho in Form eines Putzteufels) und der Earl of Grey (Adliger, der den Zeiten Bismarcks hinter hert trauert). Diese Vier werden die Theatergruppen auch noch weiterhin begleiten.

Es folgte die Aufführung von “Die Kleinbürgerhochzeit” der Gruppe “Kleinbürger” der Landesschule Pforta:

Langsam verhallt das große Getuschel. Das erste Stück des diesjährigen Schülertheatertreffens kann beginnen. Bald. Gleich. Jetzt! Das Licht geht an und acht aufgesetzte Personen sitzen starr nebeneinander auf ihren Stühlen. Die verschiedenen Figuren versuchen zwanghaft ein Gespräch zu führen. Doch das, was entsteht, ist alles andere als eine angeregte Konversation. Es wird nicht hingehört und besonders die Anekdoten des Vaters laufen ins Leere. Viel lieber wird über Belanglosigkeiten wie den Verzehr von Kabeljau philosophiert. Und man fragt sich nur: Was soll das denn werden? Was wollen sie sich denn sagen, oder besser, wollen sie sich überhaupt etwas sagen? „So: Jetzt seid doch mal lustig!“ Eine scheinbar unpassende Anweisung, aber man wünscht sich inständig, dass die Charaktere anfangen zu agieren. Und plötzlich: Sie springen auf! Wollen tanzen – Walzer! Aber falsch gedacht: Es wird sich an den Klamotten gezogen, aneinander gezerrt und geschuppst. Eine absurde Art von Theater wird gezeigt. Die Figuren nehmen sich nun wahr, sie beleidigen und blamieren sich – eine verbale Eskalation. All diese Entgleisungen gipfeln in einem, im wahrsten Sinne des Wortes, hammerharten, ersehnten Knall. Einer der so mühevoll vom Ehegatten gebauten Stühle wird zerschmettert – eine Befreiung?! Einfach so? Sind es nur ein Stuhl und ein Tisch, die zertrümmert werden? Oder sind es Platzhalter für Menschen? Emmy wird von ihrem Mann geschlagen. Sie ist verletzt. Wir auch? Können wir mit ihr fühlen, obwohl sie ihrer besten Freundin die Hochzeit versaut? Eine unvergessliche Hochzeitsfeier kann man nur im Kreise geliebter Menschen erleben. Diese acht Kleinbürger sind grundverschieden, mit den anderen und auch mit sich selbst unzufrieden. Und gar das Brautpaar scheint am Ende des Abends an ihrer Liebe zu verzweifeln: „Jetzt ist nichts mehr heilig!“ – „Nein, es ist Hochzeitsnacht!“. Die Gruppe zeigte uns einen Hochzeitsabend, der abstruser nicht hätte sein können und appellierte daran, eigene Konflikte kritisch zu überdenken.

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