Feuer. Altgriechischer Gesang. Ausgefallene Kostüme.
Das Musiktheater Oresteia hat mich mit seiner Pyrotechnik und Performance beeindruckt, doch wie viele Wiener am Donnerstag Abend gemerkt haben, ist das Stück sehr anspruchsvoll gewesen, da es nötig ist sich über das Stück und die Handlung der Orestie vorher zu informieren. Man wird von griechischem Gesang unterhalten, welcher eine lange Sequenz in dem Stück einnimmt. Nach einem Ausfall der Technik hat die Inszenierung kurz vor Ende eine zweiminütige Pause einlegen müssen. Es war sogar die Rede von Sabotage. Jedoch ist die Stimmung am Resselplatz nicht gekippt. Mit der Karlskirche im Hintergrund wirkt die Performance noch atemberaubender.
Stella Whitney Fuhs
Oresteia – ein Musiktheater in altgriechischer Sprache.
Ich habe das ganze Stück auf den Höhepunkt gewartet. Auf irgendeine Explosion, aber es gab keine. Selbst das Ende war für mich nicht zu erkennen. Die Technikpannen haben mich zusätzlich vewirrt. Ich empfand das Stück als sehr anstrengend und ich hätte gerne zu jedem einzelnen Teil eine Erklärung gehabt. Dem Männerchor konnte man sehr gut zuhören und auch die verschiedenen Klänge haben die ganze Inszenierung sehr mystisch gemacht. Die Kulisse war bestens geeignet und die Karlskirche rötlich beleuchtet. Nur die Handlung habe ich leider nicht verstanden, am liebsten hätte ich genau wie die zwei Enten, die dann am Wasser gelandet sind, alles von der Vogelperspektive beobachtet.
Pia-Maria Fünck
Atonalität im großen Rahmen oder einfach gesagt: tolle Kostüme und ein bisschen Feuer, machen noch lange keine gute Show.
Beim Betreten des Areals sieht alles sehr vielversprechend aus. Massenhaft Leute scharren sich vor dem Areal vor der Karlskirche. Die erste Sequenz der Orestie lässt auf ein großes Spektakel hoffen, mystische Gestalten planschen aus dem grünen, dreckigen Wasser hervor, doch schon in der nächsten Sequenz wird diese Mystik vernichtet, da die schrille Stimme eines Mannes, welcher sich darum bemüht Frauen-Sopran zu singen, alles zerschmettert. Da helfen selbst die groß angekündigten „Specialeffects“ nichts mehr, welche im Grunde einfach ein paar kleine unspektakuläre Feuerchen sind. Keine großen Explosionen oder ähnliches, jedoch viel Rauch, der die Massen eher vertreibt und es unmöglich macht etwas zu sehen.
Das Herumwandern während dem Stück und die ständige Suche nach einem Platz wo man alles im Blick hat, nervte dann auch schon irrsinnig. Hier hat es sich einfach noch nicht herumgesprochen, dass sich Wandertheater einfach nicht positiv auf die Gemüter des Publikums auswirkt.
Der musikalische Aspekt ist einfach Geschmacksache. Entweder man mag die Musik von Iannis Xenakis oder eben nicht. Man konnte zwar eindeutig hören, dass das kleine Ensemble zwar stimmlich gut ist, jedoch gingen sie in diesem riesigen Areal damit baden.
Mit der Hoffnung, dass der Kinderchor zum Schluss noch alles herausreißt, war es dann wohl auch eine Hoffnung zu viel.
Corinna Harrer
Eine Publikumsstudie
Im Grunde genommen besteht Oresteia aus einer Menge griechischem Gejaule zu mystischen Bewegungen. Generell wären die Voraussetzungen gegeben, ein bemerkenswertes Stück zu produzieren, denn die Location ist gigantisch. Einerseits stört die Zuseher aber das Fehlen einer nachvollziehbaren Handlung – nur etwa 10 Minuten des eineinhalbstündigen Werkes sind Deutsch –, andererseits ist eine Donauinselfestatmosphäre entstanden, die für das schwere Stück fehl am platz ist.
Zwielichte Gestalten, Betrunkene, verkappten Musikstars und aufgebrachten Damen, bei Oresteia kamen sie alle vor – nur leider im Publikum anstatt im Stück.
Die großartige Kulisse geht ein wenig verloren und wenn man nicht zufällig richtig steht entgehen einem die meisten Aktionen. Grundsätzlich wirkt die gesamte Aufführung wie ein pompöser Beginn zu einem tollen Stück, auf das man leider vergeblich wartet.
Letztendlich waren die Zuseher und Menschen im Publikum mindestens genauso interessant wie die einenhalbstündige Show – denn diese konnten immerhin ihre Gedanken artikulieren.
Katharina Köberl
Schlagworte: Iannis Xenakis, jugendFREI, Oresteia, Wiener Festwochen