Dramoletti

Ein Auszug aus Lutz Hübners “Dramoletti. Ein Kabarett”, den der Autor heute in seiner Impuls-Inspirations-Einführung zum dritten Workshop zum “Spiel des Lebens”-Material machte:

Gitti hat erst ein Jahr nichts gemacht und dann einen Stückvertrag an der Komödie Kassel. Da ging’s dann aber nicht weiter für sie, deshalb ist sie nach Berlin gezogen, hat mit Logopädie angefangen, wieder geschmissen und macht jetzt als ABM mit ihrem Freund so ein Clownsspiel für Grundschulen über Verkehrserziehung und das läuft wohl ganz gut.
Horst hat ja direkt eine große Rolle in einer neuen Serie bekommen und ist nach Köln gezogen. Dann haben sie aber wohl nur den Piloten gedreht und der wurde nicht gesendet. Er hat dann im Scharazan gejobbt, noch ein paar Drehtage bei ‚Verbotene Liebe’ gehabt und ist jetzt wohl Miteigentümer von der Bar. Sein Freund hat mehrere Häuser in der Südstadt.
Günther war als Anfänger in Trier, wurde aber nach dem zweiten Jahr nicht übernommen, dann kam eine Tournee mit irgendeinem alten Fernsehstar und danach hatte er die Schnauze voll. Er hat dann mit Freunden eine Kulturscheune in Mendig gegründet. Das ist da bei Koblenz. So Ausstellungen und Malkurse und im Sommer immer ein Kleinkunstfestival.
Da macht er manchmal noch seinen Boris Vian Abend.
Katharina ist immer noch in Neuss, macht jetzt aber nur noch zwei Stücke pro Spielzeit wegen der Zwillinge, ihre Mutter wohnt jetzt bei ihr.
Kiki hat in dieser Comedyserie mitgespielt, hat dann geschmissen und ist nach Berlin, hat da aber praktisch nicht gearbeitet, ist dann wieder nach Leipzig und versucht da wohl eine Casting Agentur aufzubauen. Säuft wohl immer noch wie ein Eimer.
Ulla hat voll die Karriere hingelegt.
(Stille)
Naja, die war ja schon immer so. Ich glaube, mit der hat keiner mehr richtig Kontakt.
Andi ist an drei Theater hintereinander immer beim Intendantenwechsel raus geflogen. Er ist gerade in Berlin und versucht ein Drehbuch los zu werden, das scheint aber nicht so gut zu laufen. Ich habe ihn beim Workshop kurz gesprochen. Der ist jetzt schon auf Stütze. Auch gruselig, oder? Ich hab noch ein halbes Jahr, dann muss ich mir auch was überlegen.
Ach ja, Stefan war Regieassistent in Bielefeld, sechs Jahre, dann haben sie ihm eine Studioinszenierung gegeben, Philoktet, aber da haben ihn die Schauspieler nach zwei Wochen abgesägt.
Der hat jetzt einen Bioladen in Münster.
Und das läuft wohl ganz gut.
Ich meine, wir zappeln uns hier ab und der macht einen auf Bio. Echt.
Das ist doch nur schräg, oder?
Ein Bioladen.
Ich weiß echt nicht, als ausgebildeter Schauspieler einen Bioladen?
Das ist doch irgendwie, wie wenn man als…okay, ich weiß nicht, aber ich fand das schon sehr, sehr schräg.

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