PTSdT(1) >> „Leo“ und „White Rabbit / Red Rabbit“ (Vol. 1)

PTSdT* Teil 1: Samstag, den 21. April 2012

„Leo“ (Circle of Eleven, Schottland/Deutschland)

Leo war lustig.
Leo war neu.
Leo war besonders.
Leo war bunt.
Leo war kreativ.
Leo war suspekt.
Leo war unglaublich.
Leo war einprägend.
Leo war all dies und vieles mehr!

Stellt eine Kamera auf und schließt sie an den Beamer an. Dreht den Beamer um 90° nach (ob links oder rechts hängt von eurer Raumsituation ab), so dass das Bild „senkrecht“ steht. Stellt die Kamera so auf, das das Beamerbild nicht zu sehen ist, aber  man Boden und mindestens zwei Wände sehen kann.
Jetzt legt euch auf den Boden, rutscht mit den Füßen an die Wand. Wenn der Beamer jetzt richtig herum gedreht ist, „steht“ ihr auf dem Beamerbild an der Wand die durch die Drehung zum Fußboden wird – wenn nicht, einfach den Beamer um 180° drehen 😉
Jetzt hebe langsam deine Beine an. Und tata! DU SCHWEBST! Richtig gehört. Und das ist die Grundidee von „Leo“.

LEO liebt Oldenburg!

LEO liebt Oldenburg!

Anfangs weiß Leo von nichts. Er kommt auf die Bühne: Diese besteht aus zwei dunkelblauen Wänden (hinten und links), einer roten Wand (rechts) und einem hellblauen Fußboden (unten – kleiner Spaß!) – doch im Video ist die rote Wand der Fußboden (kein Spaß!). Bedeutet: Der Koffer an der Wand auf der Bühne liegt in der Videoprojektion auf dem Fußboden.
Wie gesagt: Am Anfang weiß Leo nichts. Der Witz entsteht durch (natürlich) gesetzten Zufall. Er überschlägt die Beine kurz ohne den Boden zu berühren und „fällt“ nicht. Urkomisch! Als nächstes „denkt“ er die hellblaue Wand wäre eine Art Kraftfeld. Herrlich! Dann kommt aus seinem Koffer Musik zu der er tanzt und akrobatische Einlagen bietet. Grandios! Und so könnte ich weiter machen. Seinen Hochpunkt erlebt das Stück mit einem einfachen Stück Kreide. Ein Stuhl, ein Tisch. Dann eine Katze die nicht reagieren will – wie auch? Als Gegenpart ein Fischglas und ein Papagei, der im realistischen Fenster sitzt. Ein Traum – und wunderschön gezeichnet an die hintere Wand (auf der Bühne und im Video, die bleibt hinten ;-)); und ja, er zeichnet um 90° gedreht! Eine Kunst. Dann das große Finale: Durch Videoanimation und überlagerte Bilder erweckt das Geschehen zum Leben…aber ich möchte nicht alles verraten, falls es noch jemand sehen will.
Zwischendurch fiel mir noch etwas auf. Anfangs versuchte ich immer beides im Blick zu haben. Bühne und Projektion. Doch dadurch das der „Witz“ des Stückes erst durch die Projektion Sinn ergab, blieb man mit dem Blick dann doch dort hängen. Dennoch lohnt sich der Blick in den „Bühnenraum“ durchaus auch immer mal, denn wenn Leo im Video „entspannt“ an der Wand lehnt, so hat der Schauspieler die Aufgabe sich nur mit dem Arm vom Fußboden weg zudrücken und zu hoffen das die Schuhe rutsch-fest sind. Probiert es einfach mal aus 😉
Fazit: Leo ist mit 70 Minuten Länge einfach perfekt. Das Stück bewegt sich zwischen Theater, Zirkus und „Zauber“-show und kann von 4- bis 104-jährige Zuschauer alle begeistern. Es ist einzigartig, erfindet sich alle zehn Minuten komplett neu und wird nie langweilig oder langatmig. Dem Produktionsteam ist eine wunderbare Inszenierung gelungen die wirklich neu und in keinster Weise vorhersehbar ist. Eric: Applaus, stehend; Bravo rufend!

"Leo"s Zugabe - Spontan und Witzig

"Leo"s Zugabe - Spontan und Witzig

„White Rabbit / Red Rabbit“ (Nassim Soleimanpour, Iran)


„Rabbit“ (ich werde den Stückname ab jetzt so abkürzen) ist bewegend und aufwühlend. Es ist die spannendste Lesung gewesen die ich je gesehen und gehört habe. Aber genau aus diesem Grund schreibe ich dazu heute noch nichts – bzw. nicht viel. Weil sie jedes Mal anders ist:
Das Stück wurde von Nassim, einem damals 29jährigen Iraner am 25. April 2010 geschrieben – zumindest eine bestimmte Textstelle. Die „Inszenierung“, oder besser gesagt das Konzept sieht vor, das der Leser, der Schauspieler, das Stück zuvor nicht lesen darf und nichts darüber weiß. Er öffnet nach Beginn der Vorstellung einen Umschlag und wird vom Autor begrüßt. Und ab diesem Moment ist jede Lesung anders. Zum einen wird das Publikum durch bzw. über den Schauspieler vom Autor aus aufgefordert Dinge zu tun oder der Schauspieler selbst wird zum „Objekt“ für den Autor. Und was, schreibe ich euch nachdem ich alle fünf Lesungen gesehen habe und so berichten kann, was jede Lesung ausgemacht hat. Wo steckt der Witz, welche Sprache funktioniert besser, wie unterschiedlich reagiert das Publikum, welche Darsteller geben was wie wieder?

Rabbit (Vol. 1) - Das Ende

Rabbit (Vol. 1) - Das Ende

Damit ihr dennoch wisst, wann ich „das Stück“ gesehen habe, poste ich Bilder der ja jedes mal anders laufenden Lesung. Ein Beispiel ist unter anderem das es eine Szene gibt, in der fünf Leute aus dem Publikum ausgesucht werden – für was, erfahrt ihr später – die dann fotografiert werden sollen. Hier das Bild von heute (und ich verspreche mich morgen weiter nach vorn zu setzen). Gelesen hat für das erste mal übrigens Gregor Weber, „Tatort“-Kommissar und selbst auch Autor (ganz links im Bild).

Rabbit (Vol. 1) - Die Gruppe

Rabbit (Vol. 1) - Die Gruppe

So, das war es dann für heute. Oder besser gestern.
Beste Grüße aus Oldenburg, Eric…

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*) PTSdT = Performance-Theater-Stücke des Tages

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