PTSdT(3) >> “Cue China”, “Ten Journeys” und “Lachen”

Performance-Theater-Stücke des Tages – Teil 3: Montag, den 23. April 2012


Cue China (AT, Ant Hampton, England)

Ich möchte ehrlich sein. Es ist das Erste was ich auf dem PAZZ sehe von dem ich nicht begeistert bin. Punkt. Dennoch für euch zur Info:
1. PAZZ in Progress: ist der Rahmen den das Festival Projekten bietet sich weiterzuentwickeln und in einem Arbeitsstadium erste Ergebnisse zu zeigen. Die Performance wird im Sommer zum Malta-Festival seine Uraufführung “feiern”.
2. Ant Hampton ist ein typischer Engländer, relativ nett – auch wenn er mir Fotos während der Präsentation verboten hat*, obwohl ein Anderer alles filmte *grummel* – also sind die Fotos eher anderer Natur; ach ja, und er hat schöne Schuhe.

Die Schönen Schuhe des Ant Hampton - Nachgespräch.

Die schönen Schuhe des Ant Hampton - Nachgespräch.

3. Ist seine Idee nicht neu: Zwei Menschen sitzen sich gegenüber, schauen sich durch Halb-Spiegel an. Wenn ein Beamerbild das Glas trifft, verschwindet der Mensch dahinter und man sieht die Projektion. Hauptsächlich war ein Chinese zu sehen, der über die Arbeitsverhältnisse in den lokalen Fabriken sprach. So verschwinden Identitäten der Zuschauer und der Projektionspersonen und Text kann unterschiedlichste Ebenen annehmen.
4. Ich freue mich 2014 in Oldenburg das fertige Ergebnis zu sehen – vielleicht kann es mich dann überzeugen. Momentan leider noch nicht.

You see all and nothing. - Vorbereitungen für die Performance #versuchsanordnung

You see all and nothing. - Vorbereitungen für die Performance #versuchsanordnung

*) Dieses Foto entstand in der Vorbereitungsphase…

“Ten Journeys to a place where nothing happens” (Juha Valkeapää und Taito Hoffrén, Finnland)

Das Pfand- *ähh, Pfannkuchen überall anders gemacht werden, anders aussehen und schmecken wissen wir ja alle. Aber das man damit eine besch—eidene Performance richtig gut machen kann, ist mir neu. Eine Reise nach Finnland – und zurück.

Ich habe einen Disney-Pfannkuchen bekommen *yeahr'...

Ich habe einen Disney-Pfannkuchen bekommen *yeahr'...

Man(n) nehme*:
“8 Eier
2 Liter Kefir, Sauermilch oder Naturjoghurt
1 kg Weizenmehl
4 TL Backsoda
4 TL Salz
eine Handvoll Zucker und Öl zum Backen”
…mische das alles gut durch und gebe es in eine heiße Pfanne auf einem mobilen Mini-Cerankochfeld in der Mitte eines Zeltes welches mit ca. Zuschauern gefühlt ist, die alle auf zwei Performer sehen, welche eben jenen Teig braten bzw. die fertigen ausgeben, dabei ein halb-traurig-halb-glückliches finnisches Volkslied singen und dem Raum, also dem Setting, mit ihrer Kleidung den letzten Schliff verleihen. (*Puh!*) Fertig ist der Beginn der Performance.
Und so bleibt es bis zum Ende. Das einzige was sich ändert ist das aus dem Singen eine andere Aktion wird. Mal schaut man ein Video, dann wird ein Baum zerkleinert, dann Tee gekocht, dann mehr Pfannkuchen gebacken, dann ein Bär reingebracht, dann ein Musikgast eingeladen. Und dazwischen: Geschichten aus dem Tagebuch der Performance lesen, da das Vorgelesene ein Finnisch-Englischer-Kauderwelsch ist. Aber das passt auch wieder ins Bild der beiden Performer. Zwei echte Finnen, wie sie le(i)ben. Geschmackssache!

“]”"Wir machen uns einen Bären" oder "Wir nerven jeden Tag das Festivalpublikum mit Kettensägenlärm" [;-)]

"Wir machen uns einen Bären" oder "Wir nerven jeden Tag das Festivalpublikum mit Kettensägenlärm" [;-)

*) zitiert aus: “Zehn Reisen an einen Ort, an dem nichts passiert” (Umschlagseite 4) von Juha Valkeapää und Taito Hoffrén, übersetzt von Katja von der Ropp und verlegt von PAZZ 2012.

“Lachen” (Antonia Baehr, Deutschland)

Es ist Dienstag früh. Ich sitze im Hotel beim Frühstück und am anderen Ende des Raumes nimmt Frau Baehr Platz. Ich habe am Abend davor angefangen diese Kritik zu schreiben und hatte eine Blockade – passiert. Ich habe mich nicht getraut sie anzusprechen.

Ich bekomm' sie nicht scharf - nur am lachen die Frau! #nachgespräch

Ich bekomm' sie nicht scharf - nur am lachen die Frau! #nachgespräch

Einige Stunden später setzte sie sich im Foyer der Exerzierhalle neben mich und ich habe sie ohne nachzudenken und aus dem Blauen heraus gefragt: “Was ist für sie Lachen?” – Darauf die Antwort: (Sie lacht. Dann denkt sie kurz nach.) “Eine Geste. (Pause) Bewegung von Körper und Klang. (Pause) Lachen ist Identitätsmerkmal. Lachen bewegt und bewegt sich. Es wandert zwischen den Menschen und ist flexibel. (Pause) Wie unsere Identität flexibel ist – durch das Lachen.”

Rien-Laugh-Lachen - Ein überaus interessantes Buch; und sie wieder am lachen!

Rien-Laugh-Lachen - Ein überaus interessantes Buch; und sie wieder am lachen!

Und genauso kann man die Performance “Lachen” bezeichnen. Ein Meer aus Lachen, ein Rauschen im Publikum und die Erweiterung des Horizonts. Am Anfang erfährt man das es Lachpartituren gibt und viele verschiedene Autoren solcher. Dann geht es schon los. Via Beamer wird der Autor an die hintere Wand projiziert und schon geht das “Konzert” los. Verschiedene Lachsalven von Antonia lösten ganz andere im Publikum aus. 50 Minuten ging die Vorstellung verschiedenster Lacharten: Vom einfachen Kichern, über Horst-Schlämmer-Grunzen, das Jauchzen von glücklichen Lachmomenten oder herzhaftes Bauch-Krampf-auslösendes-Lachen! Später wurde immer mehr Bühne genutzt, Requisiten eingesetzt und mehr mit Licht gearbeitet. Es baute sich auf und endete in einer Audioaufnahme der Künstlerin mit ihrer Mutter.  So wurde am Ende aus dem Solo-Chor*-Stück noch ein Dialog-Chor-Moment (*Chor=Publikum).

Ich bin einige Male fast vom Stuhl gefallen. Vor allem wenn man Lacharten personalisieren konnte und sie mit Freunden und Verwandten im Bekanntenkreis “abgleichen” konnte. Herrlich!

Scharf! Also das Bild...und Einblicke in das Buch!

Scharf! Also das Bild...und Einblicke in das Buch!

So, das war viel Text in den letzten Blogs – deswegen: Bald gibt es wieder Bilder ;-) — genauer gesagt habe stelle ich euch im nächsten Blog die Container-City vor.

Liebe Grüße aus Oldenburg, Eric.

Schlagworte: , , , , , , , , , , , ,

Kommentieren