„Wie auf Klassenfahrt“

Interview mit Daniel Nerlich am Rande der Bühnenbegehung

Daniel Nerlich mit Regisseurin Mina Salehpour, Foto: Vanessa Renner

Daniel Nerlich mit Regisseurin Mina Salehpour, Foto: Vanessa Renner

Im Mittelpunkt von Fatima steht eine Gruppe von Jugendlichen. Als Fatima auf einmal mit dem Hijab, der traditionellen muslimischen Kopfbedeckung, aus dem Urlaub zurückkehrt, beginnen ihre Freunde über die möglichen Ursachen ihrer Verwandlung zu spekulieren. Daniel Nerlich spielt im Stück Fatimas Freund. Junge Bühne: Ihr seid gerade aus Hannover angekommen. Was passiert jetzt?

Daniel Nerlich: Als Schauspieler will man sofort die Bühne sehen. Vor allem natürlich, wenn man sie noch nicht kennt. Wie sieht alles aus, wie passt das Bühnenbild.

Junge Bühne: Das erfahrt ihr dann bei der Bühnenbegehung?

Daniel Nerlich: Genau. Da bekommen wir alles zu sehen, auch die Garderoben und die ganze Umgebung der Bühne. Dann können wir auch noch ein wenig proben.

Junge Bühne: Was ist an einem Gastspiel so besonders?

Daniel Nerlich: Es prickelt schon mehr als sonst. Ich mag das, denn es ist alles andere als Routine. Es ist alles neu, man kennt das Publikum nicht. Und dann hat es schon auch so etwas von Klassenfahrt, wenn man mit der gesamten Truppe wegfährt.

Junge Bühne: Werdet ihr Schauspieler bei der Bühnenbegehung dann auch schon langsam nervös? Oder ist das für euch so sehr Alltag, dass ihr gar nicht mehr aufgeregt seid?

Daniel Nerlich: Das ist Typsache. Vielleicht auch ein wenig abhängig von der Rolle, die man spielt und der Erfahrung, die man schon hat. Aber ich kenne auch ganz alte Hasen, die noch nervös sind.

Junge Bühne: Wie ist das bei dir?

Daniel Nerlich: Ach, ich sehe Lampenfieber als etwas Positives. Ich meine die Aufregung schützt vor Unaufmerksamkeit. Für mich ist das Lampenfieber der Weg in die Konzentration. Aber natürlich bekommt man mit der Zeit immer mehr Routine und kennt sein Handwerk immer besser.

Junge Bühne: Du sprichst das Handwerk an. Fällt es dir schwer, in verschiedenen Stücken gleichzeitig zu spielen?

Daniel Nerlich: Nein nein. Das ist mein Job, das ist selbstverständlich. Darüber mache ich mir gar keine Gedanken. Man hat da in seinem Gedächtnis für die verschiedenen Rollen einzelne Schubladen. Die ziehst du auf und holst den Text raus. Aber natürlich gibt es Figuren, die man mehr mag und andere weniger.

Junge Bühne: Welche magst du?

Daniel Nerlich: Ich spiele gern die schwierigen Figuren. Figuren, die nicht so nah bei mir sind. Denn Ich will was erleben, wenn ich auf die Bühne gehe.

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