„Am Anfang is´ nix – ma gucken was dann“…Treffender hätte man einen Titel für die Präsentation des Theaterlabors Essen nicht wählen können. Von Klaviermusik begleitet schlossen die Gastgeber einen langen, harten und sehr intensiven Tag würdig ab.
Begrüßt wurde das Publikum von zwei Moderatoren die „Der Hahn ist tot“ anstimmten, um die Zuschauer aufzuwärmen und aufzulockern.
Wie der Titel schon sagt, „am Anfang is´ nix“, nur die Vorgabe, dass es sich im heutigen Impro-Stück um einen Krimi drehen sollte. Auch gab es keine Schauspieler, die auf Vorgaben des Publikums reagieren mussten, nein. Die einzelnen Rollen wurden mit Freiwilligen aus dem Publikum besetzt.
Die Ermittler, die sich nach einem ehemaligen Techtelmechtel zutiefst verabscheuen, mussten den grausamen Mord an einem fünfjährigen Kleinkind auflösen, der in der Kantine mit einem Löffel zu Tode geprügelt wurde.
Agent Sturm und seine Kollegin Uschi führten viele Verhöre durch, sprachen über Fußpilz und einige heiße Spuren, bis der Verdacht, wie immer, auf den Gärtner fiel.

Doch dieser war zur Tatzeit mit Ermittlerin Uschi zusammen und am Ende konnte nur eine Aussage der tourettekranken Kantinen-Chefin Petra den Fall aufklären und den wahren Bösewicht festsetzen, der in einer spektakulären Sackhüpf-Verfolgungsjagd schließlich von Agentin Uschi gestellt wurde.
Nach eifrigen „Zugabe!“-Rufen endete der Impro-Abend in einer Runde Impro-Theater offen für alle.
Die Szenen waren sehr schön anzusehen und besonders Agent Sturm zeichnete sich durch Wortwitz, dramatische Emotionsausbrüche und den ein oder anderen frechen Spruch aus und erntete reichlich Gelächter und Lob der Zuschauerschaft.
Auch Tourette-Petra hatte einen ausgezeichneten, leider zu kurzen Gastauftritt und auch das Moderatoren-Duo sorgte für einen unterhaltsamen Einstieg.
Wie nicht anders zu erwarten (man bedenke: Die Akteure waren Impro-Amateure) gab es einige „Blocks“ (verneinen von Möglichkeiten) und langatmige Situationen, die aber dank des weisen Einschreitens der Moderatoren nicht zu oft auftraten.
Die Vorgaben des Publikums waren meist gut und über der Gürtellinie, was dem Stück auf jeden Fall eine Menge gebracht hat.
Es war ein durchweg unterhaltsamer Impro-Abend, durchzogen von guter und stimmungsvoller Klaviermusik und einigen Schenkelklopfern, die den Zuschauer mit einem Lächeln auf dem Gesicht in die Nacht entließen und den Tag angemessen beendeten.
Der Impro-Abend hat besonders durch die Zugabe Lust auf mehr Improvisations-Theater gemacht und durchwegs gut unterhalten und amüsiert.

Die Leistungen der Akteure waren oft überraschend gut und die vielen Blocks waren zwar ein kleines Manko, aber alles in allem war es doch ein schöner Abend.
Und die Moral von der Geschicht: Über Fußpilz lacht man nicht!
Moritz Pollok (Bühnenakteur bei “E-Motion
– Was bewegt dich?” des Jungen Schauspielhaus Bochum)
Schlagworte: Improvisationstheater, Junges Schauspielhaus Bochum, Schauspiel Essen, Unruh®-Festival 2012, Young Experts