Am Anfang treffen sich alle jungen Schauspieler des Ruhrgebietes in der Casa. Das ist vielleicht ein Gewusel. Überall stehen und sitzen junge Menschen, die eines gemeinsam haben: Sie spielen dieses Wochenende alle Theater. Ihre, meist eigenen Produktionen, werden in Essen auf die Bühne gebracht.
Doch was kann man eigentlich erst einmal machen, damit sich die jungen Erwachsenen aus dem ganzen Ruhrgebiet kennenlernen?



Während des Unruhr Festivals wird ein Experiment durchgeführt: „Anstatt Schule“. Denn die Jugendlichen sind schließlich nicht in der Schule, sondern verbringen vier Tage lang im Theater.
Als erstes stellt man sich in Kleingruppen vor, redet über Arbeitsweisen und die Arten, in denen Projekte entstanden sind, über die Planung und die Inszenierung. Manch eine Gruppe übt drei Monate für ihr Stück, eine andere setzt sich sieben Monate lang mit ihrem Stück auseinander.
Es entsteht ein reger Austausch zwischen den Schauspielern zu Fragen wie: Wer schreibt die Texte, was soll das Stück bewirken, wie liefen die Proben ab und was macht man, wenn Leute krank werden.



Außerdem sollen sich die jungen Schauspieler eine Performance oder eine Interaktion mit Passanten ausdenken, die zeigt, wie man Arbeitsweisen aus den Proben auf den Schulunterricht adaptieren kann, um ein besseres Lernklima zu erschaffen.
Nach dem Zusammentragen der verschiedenen Ideen wird noch angeregt über das Schulssystem diskutiert. Noten und Leistung seien heutzutage sehr wichtig, so würde viel Druck auf die Schüler erzeugt. Dieser sei eher unproduktiv und würde sich negativ auf einen auswirken.
Am darauffolgenden Tag ist es Aufgabe, die am Tag zuvor entstandenen Ideen in einer Performance in der Essener Innenstadt zu präsentieren.
Interviews zu den Ideen für Stadt als Bühne
Man läuft in Zweierreihen durch die Fußgängerzone und singt zu „Aus den Blauen Bergen kommen wir, unser Lehrer ist genauso dumm wie wir….“ seine selbst weitergetexteten Strophen. So entstehen lauthals vorgesungene Strophen wie „mit dem Pickel auf dem Zinken, sieht er aus wie`n roher Schinken“ oder „mit List und Tücke schreiben die ne vier, wir Schüler sind ja klüger mit dem Spickertrickbetrüger“.



Von einem Präsentationsort geht es zum Nächsten. Mit bunter Kreide wird der Boden des Willy Brandt Platzes mit Assoziationen zu Schule und Theater bemalt, es werden Menschenpyramiden gebaut, die Liedtexte währenddessen vorgetragen und Schulszenen nachgespielt.
In diesen zwei Tagen ist eindeutig klar geworden, dass man das schulische Arbeiten der Lehrer nicht auf die Erarbeitung einer Theaterproduktion anwenden kann.
Erst wenn der Lehrer von seiner steifen, verschulten Methode absieht und beginnt, mit den Jugendlichen auf einer Ebene zu arbeiten, kann ein Lern- und Übungsprozess beginnen.
Ein Geben und Nehmen von Ideen und Methoden seitens des Lehrers und des Jugendlichen ist wichtig.
Erst, wenn eine Harmonie zwischen beiden entsteht, wenn man sich auf Augenhöhe begegnet, ist es möglich, produktiv und effizient zu arbeiten.
Shannon hat die AkteurInnen im Anschluss nach ihren Eindrücken und Erfahrungen befragt:
Camilla L.
Schlagworte: Junges Schauspielhaus Bochum, Junges Theater an der Ruhr Mülheim, KJT Dortmund, Schauspiel Dortmund, Schauspiel Essen, Textlabor am Schauspiel Essen, Theater Duisburg, Theater Oberhausen, Unruh®-Festival 2012, Westfälisches Landestheater Castrop-Rauxel, Young Experts