Ein lauer Wind weht im Innenhof des Luxus-Hotels Cloître des Célestins. Unter dezent beleuchteten Platanen werden Champagner und exotische Häppchen gereicht- lächelnde Gesichter, die grandes dames in aufwendigen Kleidern, die Herren im Smoking, die Kulisse könnte auch einem James-Bond-Film entstammen. Eingeladen sind die Mäzenen, private Geldgeber, sowie politische und kulturelle Persönlichkeiten. Das Festival organisiert solche aufwendigen Abende als Anreiz und Dankeschön an die Mäzenen, deren Spenden etwa 5% vom 12 Millionen-Euro-Volumen des offiziellen Festivals ausmachen.
Weniger formell (liegt es am Alkohol?) geht es im mittelalterlichen Garten am Fuß der erleuchteten Mauern des Papstpalastes zu. Ein aufwendiges Buffet, guter Wein und lauter Gesichter, die man eigentlich kennen müsste, formen den Rahmen der wunderschönen Premierenfeiern. Da die meisten Künstler im Festival-Kontext international arbeiten, langfristig Projekte und Koproduktionen planen und bei den Programmatoren der unterschiedlichen Festivals präsent sein müssen, sind solche Begegnungen für sie unverzichtbar, eine kleine Entschädigung für das sonst knappe Budget und Dosen-Essen.

Parallel dazu eine Menge schöner Menschen in der Festival-Bar, Journalisten, die auftretenden Künstler und das Team trifft sich auf Getränke, gute Musik und Gespräche, glitzernde Augen, jeder scheint froh, hier zu sein.
Einmal auf dem Festival eingeladen oder involviert, kann man sich vor Gesprächen und sonst unerreichbaren Bekanntschaften kaum retten. Da die Stadt so klein ist und es ungefähr eine Handvoll Veranstaltungen vom offiziellen Festival am Tag gibt, läuft man permanent Theater-Menschen über den Weg, die ausnahmsweise keine überarbeiteten Unmeschen sind, da sie 1. froh sind, in der anonymen Touristen-Masse ab und an ein Gespräch zu führen, man 2. dem blauen Himmel, dem leichten Mistral und der mittelalterlichen Kulisse einfach nicht widerstehen kann und sie 3. denken, dass du wichtig bist, weil du dich auch über längere Zeit an verschiedenen Orten des Festivals herumtreibst. Wer also arbeitsloser Schauspieler oder Regisseur ist, sollte sich irgendwie ins Festival schmuggeln und fleißig lächeln und reden!
Lennart Boyd