Fit Fürs Abi in 5 Tagen

Schonmal vorweg – ein Interview mit Gernot Plass zu „Homo Faber“.

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Gernot Plass legte in dieser Spielzeit eine eigene Bühnenfassung von HOMO FABER vor und inszenierte diese am Theater Baden-Baden. Er wurde 1966 in Wien geboren und ist sowohl Schauspieler als auch Autor, Regisseur, Musiker und Komponist. Er absolvierte ein Musik- sowie Schauspielstudium am Konservatorium der Stadt Wien. Es folgten Engagements im In- und Ausland. Gernot Plass ist Gründungsmitglied des TAG in Wien (Theater an der Gumpendorfer Straße). Dort arbeitet er auch als Schauspieler („Iaxnbruad“, „Wisching Well“, „Yann und Beatrix“, „Herr Mautz“ u.a.) und Theatermacher („Hamlet Sein“, „Der Prozess“, „Richard 2“). In der letzten Spielzeit inszenierte er im Rahmen von Fit Fürs Abi DER PROZESS von Franz Kafka.

Wenn man den Roman mit der Bühnenfassung vergleicht, merkt man, dass ein paar Figuren gestrichen worden sind. Wie wandelt man einen Roman in ein Theaterstück um?

Man muss prinzipiell sagen, dass im Roman andere Regeln gültig sind, als im Drama. Das sind zwei ganz unterschiedliche Literaturgattungen. Ein Roman hat natürlich diese ganze Innensicht, diesen Ich-Erzähler. Das ist ein Vorteil. Die Gedanken, die Walter Faber hat, die Beschreibung der Umgebung, das ist auf der Bühne sehr schwer umzusetzen. Ich habe versucht diesen narrativen, epischen Text in einen Dialog zu übersetzen. Dabei reduziert man zwangsläufig die Figuren. Das ist aber nicht nur Reduktion, sondern auch Konzentration. Ich musste den Roman auf die Haupthandlung reduzieren, ihn verdichten und somit auf den Punkt bringen. Es gibt in HOMO FABER viel epische Garnitur aber es gibt auch eine wunderbare dramatische Handlung. Auf die habe ich mich konzentriert.

Sie verwenden in der Bühnenfassung einen ganz besonderen Sprachstil. Durch die Verwendung von Jamben schaffen Sie einen schnellen Rhythmus. Warum haben Sie so geschrieben?

Der Jambus, der Rhythmus der Sprache ist etwas Uraltes und gleichzeitig etwas Neues. Rap Musik ist zum Beispiel nichts anderes als Rhythmische Rede. Rap Musik macht nichts anderes als die Klassiker. Es entsteht ein Sprechrausch aber auch ein Hörrausch.

Ich habe mich mit dem Pentameter und mit dem Jambus auseinander gesetzt. Mittlerweile bin ich ganz gut geübt und kann fast jeden Text – theoretische, soziologische, wissenschaftliche Texte – in Jamben setzen. Dadurch entsteht diese Dichte, die mich so interessiert.

Das Bühnenbild ist insgesamt sehr schlicht. Warum?

Ich bin ein starker Vertreter des leeren Raums. Ich glaube nicht, oder nicht mehr, an die so genannte Illusionsbühne. Das Theater besitzt einen Vorteil: die Phantasie. Die Phantasie des Betrachters. Da gibt es ein paar Tricks, die gab’s schon bei Shakespeare. Die leere Bühne, die die Phantasie anregt. Es kann alles erzählt werden und das Publikum glaubt das. Natürlich gibt es Hilfsmittel: Technik, Ton und Licht. Manchmal stehen ein paar Sessel herum, die Schauspieler nehmen zwei Sessel, einen Koffer und sagen: „Wir sitzen in einem Jeep“ und das Publikum kümmert sich nicht um die nicht stattfindende Illusion, sie wollen wissen, wie es weitergeht.

Homo Faber ist ein Sternchen Thema in Baden-Württemberg. Was macht die Geschichte für junge Menschen spannend?

Diese Frage habe ich mir auch gestellt. Eigentlich ist die Hauptfigur, die Figur, mit der man sich identifiziert ein reifer Mann. Er wird in dem Roman 50, ist in der Midlife-Crisis und hat Krebs. Er steht kurz vor dem Tod. Warum der Roman für junge Menschen so beeindruckend oder interessant ist, dass ist mir fast ein Rätsel. Aber irgendwie ist es so. Ich habe den Roman auch als Jugendlicher gelesen und war beeindruckt. Dieser Mensch, Walter Faber, der sehr reduziert ist und eine sehr gefühlskalte Haltung gegenüber seinen Mitmenschen hat, erzählt wie das Leben funktioniert. Vielleicht ist es diese Erklärung des Lebens die junge Leute interessiert.

dsc_001blog(Gernot Plass beim Interpretationsworkshop von „Der Prozess“ am Dienstag)

Marlen

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