„Körper formen“ und „Mit dem Körper formen“

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»Klatsch!«

Ist das erste was wir hören als wir den Ausstellungsraum des Heidelberger Kunstverein betreten. Da, wieder ein „Klatsch!“ und fröhliches Kindergeschrei.

Geräusche bei denen es jedem Ausstellungsleiter voll schlimmer Vorahnung eiskalt den Rücken runter laufen sollte. Doch Susanne Weiß, Kuratorin des Heidelberger Kunstvereins begrüßt und nur mit einem freudigen Lächeln und führt uns in die Ausstellung „Wir bleiben bis 1000 Uhr“ von Jan Bünnig.

Hier sehen wir den Ursprung der Geräusche und sofort kribbelt es auch bei uns in den Fingern! Die Kinder und Jugendlichen werfen mit vollem Körpereinsatz nasse Tonklumpen gegen eine weiße Wand und formen dabei ein abstraktes, dreidimensionales Wandkonstrukt. Wofür man von den Eltern im Wohnzimmer böse Blicke ernten würde ist hier sogar ausdrücklich erwünscht!

In der Werkstatt Körper formen – in Bewegung, Körper als Material, die von  Tänzerin Anna Till geleitet wird, sollen die Kinder im ersten Schritt mit einem Material, einem Körper….in diesem Fall weicher Ton, bekannt gemacht werden. Kunst bedeutet nicht, schon vorher zu wissen was entstehen soll. Ein Kunstwerk kann auch aus dem Zufall entstehen. Es ist nicht immer nur ein starres Sitzen mit Pinsel in der Hand. Nein, mit dem gesamten Körper kann Kunst geschaffen werden.

In Bezug auf die performativen Skulpturen des Künstlers Jan Bünnig sollen die Kinder sich nun als „Kunstbotschafter“ mit den aus Ton geschaffenen Kunstkörpern auseinandersetzen. „Was ist das für ein Material? Wie fühlt der Körper sich an? Wie wurde er geschaffen und wie steht er im Raum? Ist er schwer, weich, groß oder klein…?“ Und dann eine für die Kinder besonders spannende Aufgabe: „Wie kann ich dieses Skulptur mit meinem eigenen Körper nachbauen? Kann ich meinen Körper alleine so formen oder baue ich mit der Hilfe von anderen Teilnehmern ein Menschengerüst?“ Komplizierte Aufgaben, die die Kinder und Jugendliche trotzdem voller Elan bearbeiten. Skulpturen werden von allen Seiten unter die Lupe genommen. Die Kinder verbiegen, verrenken, strecken und beugen sich, probieren die besten Positionen im Raum aus. Grimassen werden geschnitten; es wird viel gelacht aber auch ernsthaft über die Skulpturen diskutiert.  

Das Besondere an diesem Workshop ist, dass man die Ausstellungsstücke nicht nur betrachten sondern auch anfassen und fühlen darf, ja sogar soll. Die Werke von Jan Bünnig werden alle 30 Minuten bewässert, damit sie ihren Ursprung und ihre Natürlichkeit bewahren. Denn genau das ist es, was der Künstler ersucht: den Schaffensaugenblick zu konservieren und die Schönheit des Moments auszudehnen. Die Skulpturen sind eher minimalistisch und abstrakt aber gerade dadurch lassen sie dem Betrachter die Möglichkeit zur Assoziation: Was ist das für ein Körper? Kann man nicht sogar sagen, dass er, eingefangen in dem Moment der Entstehung, lebt?

Ein Besuch in einer Kunstausstellung der ganz besonderen Art.

Was uns wohl beim nächsten Workshop erwartet…?

Posieren mit der Skulptur "Atem 2"

Posieren mit der Skulptur "Atem 2"

 

lustiges treiben mit Leiterin Anna Till

lustiges Treiben mit Leiterin Anna Till

 Artikel von Kim Dieregsweiler

 

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