Ich spreche, also spiele ich?

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Ich lese Zeitung,

ich lese eine lustige Zeitung,

ich lese entrüstet die Zeitung,

ich lese konzentriert die Zeitung,

ich verstecke mich hinter der Zeitung,

…eigentlich lese ich gar nicht Zeitung.

 

Aber was mache ich dann? Ganz klar! Ich spiele Theater.

Als wir die Werkstatt im Zwinger³ des Jungen Theaters am Theater und Orchester Heidelberg betreten sitzen dort 3 Jugendliche einfach nur auf einem Stuhl, im Hintergrund leise Musik…und lesen Zeitung. Ein paar Minuten geht das so, dann wird die Musik plötzlich ausgeschaltet und die 3 Jugendlichen richten ihren Blick auf die Gruppe der anderen Teilnehmer von denen sie die ganze Zeit mit scharfem Blick beobachtet wurden. Und dann wird diskutiert. Wer hat wie gelesen? Und haben sie alle nur „gespielt“ gelesen oder hat jemand wirklich bewusst die Zeitungsartikel gelesen? Eine so simple und alltägliche Tätigkeit wie das Lesen einer Zeitung wird plötzlich zur schweren Herausforderung. Denn es ist gar nicht so einfach etwas natürlich und realistisch zu spielen, wenn es ja eigentlich nur Show, nur ein Theaterstück ist. Da wirkt vieles plötzlich aufgesetzt.

Wie genau man eben das umgehen kann, und welche Rolle der Einsatz von Sprache beim Theaterspielen hat, wird den Jugendlichen in der Werkstatt Schlagfertig! unter der Leitung von Beata Anna Schmutz aus der Theater Performance RAMPIG gezeigt. Denn gerade beim Theaterspielen, wenn man in verschiedene Rollen schlüpfen muss, ist es wichtig die eigene Identität niederlegen zu können und die eigene, teilweise auch von der Gesellschaft geprägte, Grenze zu überschreiten.

Mit verschiedenen performativen Trainings sollen die Teilnehmer zuerst einmal ihren Körper mit Mimik, Gestik und Körperhaltung bewusster wahrnehmen. Denn allein schon durch die Haltung des Körpers wird auch die Sprache verändert. Anschließend geht es an die Sprache an sich. Rhythmus, Tempo und Tonlage werden auf ihre Auswirkung auf das gesprochene getestet. Auch geht es in dieser Werkstatt nicht um das Sprechen an sich, sondern auch um den Inhalt des gesagten. So wie wir den Text interpretieren, so sprechen wir ihn auch. Dabei kann es auch mal zu Missverständnissen kommen, wenn man beispielsweise ein Stück aus einem anderen Kulturkreis spielen möchte. Und genau das wollen die Jugendlichen in diesem Workshop herausfinden: Kann man mit einem traditionsreichen Theatertext die persönlichen und inneren sprachlichen Grenzen überwinden?

Ein spannendes Experiment, dessen Ergebnis wir am Sonntag erfahren werden…wir sind gespannt!

Kritische Auswertung

Kritische Auswertung

 

 Artikel von Kim Dieregsweiler

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