Jeanne d’Arc – Die Popikone

klubszene_a

 

Die junge Neuköllner Oper parodiert das Heldentum per se.

Heldenepen erfreuen sich seit der Antike einer gleichbleibenden Beliebtheit: selbst heute, im ach so abgeklärten Jahrhundert des Individualismus‘ und des Internets, strömen wir immer noch in Scharen ins Kino, um uns den neuesten Marvel-Superhelden-Streifen anzusehen und irgendwelche Übermenschen anzuhimmeln.
Das junge Ensemble der Neuköllner Oper hat sich zusammen mit dem KiJuKuZ „Alte Feuerwache“ in ihrem Projekt „Odyssée d‘ Orléans- THE D’ARC KNIGHT RETURNS“ das Heldentum vorgenommen- und es gründlich persifliert.
Auf der Bühne sind zwar als milde Hommage an das Mittelalter ein paar Holzscheite, Kettenhemden und Schwerter verteilt- aber die Darsteller_innen tragen feuerrote Bob-Perücken und sprechen Denglisch. Die engelsgleichen Melodien, die sie singen, stehen im krassen Kontrast zu den bitterbösen Lyrics.
Sie bemängeln die künstliche Barbie-Perfektheit von Jeanne d’Arc und anderen historischen und zeitgenössischen Vorbildern. Sie wünschen sich keine cleane Heilige, sondern jemanden, der sie auch liebt, wen sie „halbnackt und total besoffen“ nach Hause kommen. Und sie sehnen sich nach einer klaren Ansage. Denn warum ist es ok und politisch, wenn sich „in Russland alle ausziehen“ und die, die das auf MTV machen, sind dann „einfach nur Bitches?“
Viel Herablassenheit, viel heitere Religionskritik aber auch todernste Angelegenheiten wie die Flüchtlingsproblematik werden hier zu einem schrillen Cocktail aus Popkultur und philosophischen Betrachtungen zur Emanzipation und Selbstfindung gemixt. Das Resultat:
Eine selbstironische, pechschwarze und politisch unkorrekte Hymne an die Imperfektion.
Dazu will der todernste Appell an die Zuschauer am Ende gar nicht so recht passen.
Text und Bild: Morgane Llanque

Kommentieren