Gib dir die Kugel, Alter

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 Marcel Klein | Foto: Martin Kaufhold

 

Theater Regensburg | Auf dem Höhepunkt der Geschichte von „Homevideo“ bekommt der 15-jährige Jakob Hassbotschaften mit der Aufforderung, sich umzubringen. Eigentlich dreht er gerne Filme, spielt in seiner Freizeit Gitarre, hat streitende Eltern und ist schwer verliebt in Hannah. Ein ganz normaler Jugendlicher also – bis eines Tages ein sehr intimes Video von ihm an die Öffentlichkeit dringt. Das Cybermobbing beginnt, doch allein bei Beleidigungen im Internet bleibt es nicht.

Am 30.5. feierte das Theaterstück, bei dem Mia Constantine Regie führt, im ausverkauften Jungen Theater Regensburg Premiere. Das Theaterstück „Homevideo“ ist ein Werk nach dem gleichnamigen Fernsehfilm von Kilian Riedhof und wurde von Can Fischer für die Bühne bearbeitet. „Homevideo“ schafft es, die Emotionen der einzelnen Charaktere greifbar zu machen. Man kann sich vor allem in Jakob sehr gut hineinversetzen. Der Zuschauer leidet und fühlt mit dem Mobbingopfer. Marcel Klein verkörpert die Rolle des Jakobs überzeugend.

Ebenso gut spielt Stephan Hirschpointer Hernry, den Anführer einer gemeinen Clique. Die Schauspieler haben sehr persönlich und feinfühlig gespielt.

„Homevideo“ ist entsprechend seiner Thematik ein modernes Werk. So werden z. B. Chatverläufe mitsamt Emojis auf Jakobs Zimmerwand projiziert. Das geschickte Bühnenbild, das im Wesentlichen aus Jakobs Zimmer besteht, verkleinert sich im Laufe des Stücks und symbolisiert Jakobs anfängliche Freiheit, später die ausweglose Lage in der er sich befindet. Die Zimmergröße entspricht dem seelischen Zustand von Jakob – genial!

Es ist ein nachdenklich machendes Stück, dem grandiose Schauspieler Leben einhauchen und das Publikum mitnehmen.

Im Premieren-Nachgespräch mit der Regisseurin Mia Constantine, dem Autoren Can Fischer, Esther Christmann von der Jugendschutzstelle und Michael Lindner, der für Bühne und Kostüm verantwortlich ist, gaben die vier Einblicke in die Vorbereitung der Aufführung und beantworteten Fragen des Publikums. Gemeinsam mit den Zuschauern wurde das Verhalten der dargestellten Charaktere thematisiert und hinterfragt.

„Homevideo“ ließ niemanden kalt, es ist ein sehr einfühlsames und realistische Werk, das zeigt, dass das Thema Cybermobbing längst zur Lebenswirklichkeit der Jungen Generation gehört und fatale Folgen in einer unfassbaren Dimension hat. Dieses Bühnenstück wirkt nach und führt die eigene mangelnde Medienkompetenz sowie auch die Frage nach dem eigenen Verhalten im Cyberspace vor Augen.

Unbedingt zu empfehlen!

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