Mei Brouda, da Reiba Kneissl

Die Geschichte vom Schachermühlhiasl

Von Johannes Frank

Landestheater Oberpfalz | Die Schwester vom Hiasl liest seinen letzten Brief aus dem Gefängnis vor. Darin betont er, dass er das alles nicht wollte und lieber mit ihr spielen würde, als auf die Todesstrafe zu warten. Während Cecilia, genannt Cilly, das vorträgt, bekomme ich Gänsehaut und bin sofort für das Stück gefangen.

Der Räuber Kneissl war eigentlich ein guter Mensch, bevor ihn die böse Welt einholte. Er hat es nicht leicht gehabt, stammt er doch aus der Schachermühle, einem abgelegenen Wirtshaus und von verrufenen Eltern ab. Da ist zum einen die Mutter, eine geborene Pascolini, Italienerin, über die man sich im Dorf das Maul zerreißt. Sie lässt sich zum Diebstahl von Wertgegenständen aus der Kirche überreden, wird aber von den Gendarmen erwischt und landet im Zuchthaus für viele Jahre. Der Bruder Loisl schießt aus Angst auf zwei Polizisten und wird erschossen. Mathias wird als Komplize verhaftet und ebenfalls eingesperrt. Im Gefängnis beginnt er eine Lehre als Schreiner. „Er ist geschickt mit den Händen“, das hat ihm schon sein Vater beim Herrgottschnitzen gesagt. Das Gerede der Leute und die Untaten seiner Familie scheinen den starken Hiasl nicht vom rechten Wege abzubringen. Zunächst scheint alles gut. Er kommt frei, bekommt eine Stelle in einer Werkstatt und lernt Matilda, die Liebe seines Lebens kennen.

Dann aber sind die Gendarmen wieder auf seiner Spur und seine Geschichte macht die Runde. Der Schreinermeister fürchtet um seinen Ruf und entlässt ihn. Um zu überleben, muss er stehlen und ist jetzt ständig auf der Flucht vor der Polizei. Er gleitet auf einen Abgrund zu…

Diese Geschichte wird in Oberpfälzer Mundart erzählt, wirkt durch die ungekünstelte Spielweise der Schauspieler natürlich und passt perfekt zum „Wilden Bayern“. Johannes Aichinger als Mathias Kneißl strahlte Charisma, Mut und ein gutes Herz aus. Christian Hofmann brillierte mit Witz und gutem Timing – ob nun als pedantischer Gendarm, als „oides Weiberl“ oder als Loisl. Claudia Lohmann war als Mutter nicht unterzukriegen. Last but not least verzauberte Doris Hofmann als Cecilia und Matilda durch ihr dynamisches und zugleich natürlich-kindliches Spiel die Zuschauer.

Das Volksstück von Christian Schönfelder unter der Regie von Till Rickelt war auch musikalisch ein Genuss: Die Lieder stammten von dem bayerischen Sänger und Musiker Georg Ringsgwandl und fügten sich gut in die Geschichte. Wie ein Trachtenjanker, der am Hals kratzt und zu eng ist, ist diese Geschichte vom Räuber Kneissl schön aber auch zum Sterben traurig. Das ist Heimat. So fühlt sie sich manchmal an. Dem nostalgischen Heimatgefühl bei „Mein Bruder, der Räuber Kneissl“ kann man sich nicht entziehen.

 

Räuber(c)JochenSchwab

 

Mein Bruder, der Räuber Kneissl |Foto: Jochen Schwab

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