Wildes Treiben bei den wilden Theatertagen

Nackte Haut, Intrigen und Sex – Das Staatstheater am Gärtnerplatz präsentiert „Gefährliche Liebschaften“ unter der Regie von Josef E. Köpplinger und der Musikalischen Leitung von Andreas Kowalewitz.

Von Julia Deppe

Staatstheater am Gärtnerplatz | Die Marquise de Merteuil und der Vicomte de Valmont sind ein eingespieltes Team – sie spinnt Intrigen, er verführt reihenweise die Frauen von Paris. Um jedoch noch „größeren Ruhm“ zu erlangen, will er die tugendhafte Madame de Tourvel für sich gewinnen. Aus seinem Vorhaben wird eine Wette zwischen ihm und der Marquise. Als Gewinn verspricht sie ihm eine Liebesnacht mit ihr. Doch dann verliebt sich der Vicomte in Madame de Tourvel, was Merteuil in rasende Eifersucht stürzt. Aus dem neckischen Spiel wird ein aggressiver Kampf ..

Gefährliche Liebschaften | Foto: Thomas Dashuber

Gefährliche Liebschaften | Foto: Thomas Dashuber

Das Liebeskarussell dreht sich.

Die Bühne des Theaters am Bismarckplatz drehte sich unaufhörlich – verwickelte die Figuren immer weiter in ein Netz aus Intrigen und Lügen. Ein großer Spiegel, der über der Bühne hing, verdoppelte das Geschehen noch, als ob die dargestellten Sünden noch gesteigert werden sollten. Zeitweise konnten sich die Zuschauer selbst beim Beobachten des wilden Treibens beobachten. Wurde bei den Requisiten gespart, hieß es bei den Kostümen klotzen statt kleckern. In schillernden Barockkleidern wirbelten die Darsteller über die Bühne. Von den Intrigen und den Lügen bleiben am Ende nur Wut, Kampf und der Tod.

Eingängige Melodien und die geschickte Verwendung von Erinnerungsmotiven hinterließen einen insgesamt positiven musikalischen Eindruck. Die Partitur ist Stephen Sondheim gewidmet. Dass dieser ein großes Vorbild des Komponisten ist, klingt auch in der Musik mehrfach an. Die durchgehende Vertonung des Texts wirkt leider besonders im ersten Teil mitunter verkrampft. Hier hätten auch einige Passagen durchaus gesprochen werden können.

Mit nackter Haut wurde nicht gegeizt – auf die zahlreichen Sexszenen reagierte das Publikum aber keinesfalls schockiert. Szenenapplaus gab es besonders für Anna Montanaro, die als Marquise de Merteuil stimmgewaltig ihre Intrigen spann. Hier bleibt vor allem der Song „Liebe macht uns schwach“ im Gedächtnis. Am Ende flog sogar ein Blumenstrauß auf die Bühne.

Im Nachgespräch mit Köpplinger (Regie), Marc Schubring (Musik) und den drei Hauptdarstellern Anna Montanaro (Marquise de Merteuil), Armin Kahl (Vicomte de Valmont) und Julia Klotz (Madame de Tourvel) wurde ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert. Ein schöner Abschluss für einen gelungenen Abend.

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