Wachsender Wahnsinn

„Foxfinder“ begeistert mit Intensität und schauspielerischer Glanzleistung

Von Anja Seemann

 

Foto: Sebastian Worch

Foto: Sebastian Worch

Theater Schloss Maßbach – Unterfränkische Landesbühne | Überschaubar ist die Zahl der Zuschauer, die sich am Theater am Haidplatz eingefunden haben, um das Stück „Foxfinder“ der britischen Schriftstellerin Dawn King zu erleben. Auf den ersten Blick lässt die Handlung an Stoffe wie „Biedermann und die Brandstifter“ oder „V wie Vendetta“ denken, und auch wenn dem Stück etwas Parabelhaftes zu eigen ist, so überrascht die Inszenierung von Augustinus von Loë mit viel Einfühlsamkeit und großer Wirkung durch kleine Mittel.

Der Fuchs geht um

In einem autoritär regierten England wurden Füchse zum Staatsfeind Nr. 1 erklärt. Ihnen wird nachgesagt, sie könnten den menschlichen Verstand manipulieren und Bürger in Bestien verwandeln; sie würden kleine Kinder töten und für Missernten sorgen – kurzum:  Füchse gelten als Inbegriff alles Bösen und als dafür verantwortlich, wenn Staat und Gesellschaft zerfallen. Der junge „Foxfinder“ William Bloor (Benjamin Jorns) wurde seit seinem fünften Lebensjahr dazu ausgebildet, von Füchsen „kontaminierte“ Gebiete ausfindig zu machen. Als das Bauernehepaar Samuel (Ingo Pfeiffer) und Judith (Susanne Pfeiffer) Covey mit seiner Ertragsquote zurückliegt, wird William bei ihnen einquartiert, um herauszufinden, ob ein Fuchsbefall Schuld an dem Niedergang des Hofes ist.

Der Mensch ist dem Menschen ein Fuchs

Wie Mäuse gefangen in einem Labyrinth huschen die Schauspieler über die Bühne, wenn sie während eines Szenenwechsels das Bühnenbild (Robert Pflanz) aus einem Gewirr dielenartiger, frei beweglicher Holzwände umformen. Die Figuren wirken nicht eindimensional, sondern werden in das Verhältnis ihrer Umstände und ihrer Erlebnisse gesetzt: Der kleine Sohn von Samuel und Judith ist bei einem Unfall ertrunken und Sam wird seitdem von Schuldgefühlen zerfressen. William ist ein Produkt des Regimes: Ihm wurde eingetrichtert, als Foxfinder müsse er in Körper und Geist rein sein und daher alle emotionalen Empfindungen unterdrücken. Er stellt weder die Existenz noch die zerstörerische Macht der Füchse infrage. Als sich bei ihm nach und nach Zweifel an diesen Lehren einschleichen und sein ganzes Weltbild zu zerfallen beginnt, schwappt seine Besessenheit mit den Füchsen auf Samuel über, der zu einem fanatischen Fuchsjäger mutiert und in den Füchsen die Mörder seines Sohns sieht. Absehbar, aber nicht vorhersehbar gipfelt Williams und Samuels wachsender Wahnsinn in einer Tragödie.
Benjamin Jorns gelingt als William eine atemberaubende Darbietung, die in Zusammenspiel mit den nicht weniger starken Leistungen von Susanne und Ingo Pfeiffer sowie Lisa Oertel als Nachbarin Sarah von der ersten bis zur letzten Minute Intensität auf der Bühne garantiert. Am Ende gab es tosenden Applaus trotz zurückhaltendem Publikumszulauf für diese Perle der Theatertage. Ein echter Geheimtipp!

 

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