Stereotype Zwischentöne

Das Theater Bamberg behandelt mit „Das schwarze Wasser“ die Themen Integration und Chancengleichheit
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Von Julia Deppe

Theater Bamberg | Wie funktioniert Integration? Gibt es so etwas wie Chancengleichheit? Können mehrere Kulturen in einem Land friedlich zusammenleben? Und wie gehen Jugendliche mit kulturellen und sozialen Unterschieden um? Roland Schimmelpfennigs Stück „Das schwarze Wasser“ behandelt aktuelle Themen und passt somit gut in den politischen Spielplan des Theaters Bamberg. Es ist die zweite Regiearbeit Sibylle Broll-Papes seit Beginn ihrer Intendanz.
In einer lauen Sommernacht treffen zwei Gruppen Jugendlicher aufeinander. Frank, Olli, Freddi und Cynthia stammen aus der gutbürgerlichen Schicht, während Karim, Murat, Leyla und Aishe Kinder von Gastarbeitern sind. Sie alle verbringen die Nacht zusammen, schwimmen, tanzen, trinken, flirten und überwinden kulturelle und soziale Schranken. Zwanzig Jahre später treffen sie wieder aufeinander, doch die sozialen Unterschiede sind deutlicher denn je. Während die einen Rechtsanwalt oder Lehrer geworden sind, arbeiten die anderen als Kassiererin oder Döner-Verkäufer.

„Die Gesellschaft hat zwei Gesichter“

Sechs Darsteller sprechen abwechselnd die Texte, inklusive der Regieanweisungen von Schimmelpfennig. Dabei wechseln sie in der Erzählung sowohl Ort als auch Zeit. Der schnelle Wechsel der Repliken, der eine gute Zusammenarbeit der Darsteller untereinander voraussetzt, ist dabei perfekt abgestimmt. Die Bühne ist leer bis auf acht kleine Leinwände, die den Sternenhimmel, die Lichter einer Großstadt oder auch ein schwarzes Wasser projizieren. Zusammen mit der Livemusik von Jan Schöwer bilden diese Projektionen den Rahmen der Handlung und treiben sie voran. Allerdings passiert ansonsten nicht viel. Durch die narrative Erzählweise und die permanenten Zeitsprünge ist es teilweise schwer, der Geschichte zu folgen. Die Musikeinsätze waren zwar sehr gelungen, aber führten leider nur bedingt zu Abwechslung auf der Bühne.
Wie geht unsere Gesellschaft mit Neubürgern um? Wie werden sie integriert? Und welche Chancen haben sie auf dem Arbeitsmarkt? Die Inszenierung zeigt, wie sich zwei Gruppen zunächst vorsichtig annähern, sich jedoch wieder aus den Augen verlieren und dann nebeneinander existieren, ohne sich anzusehen. Von Chancengleichheit für die „Gastarbeiterkinder“ ist keine Rede. Das Thema des Stückes ist durchaus aktuell, nur wurde es oberflächlich und stereotypisch behandelt. Gibt es wirklich nichts dazwischen? Gibt es nichts zwischen Rechtsanwalt und Döner-Verkäufer? Oder zwischen Kassiererin und Schuldirektorin? Diese Fragen bleiben offen. Durch die narrative Erzählweise kommt außerdem keine Spannung auf und so können sich selbst 90 Minuten sehr in die Länge ziehen.

Fotos: Martin Kaufhold

 

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