Langsam kommt man auch ans Ziel

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Schauburg – Theater am Elisabethplatz
von Bernadette Niedermeier
Das Münchener Jugendtheater Schauburg bringt „Die Entdeckung der Langsamkeit“mit zu den bayerischen Theatertagen. Mit Beat Fäth als Regisseur haucht das Ensemble dem bekannten Roman von Sten Nadolny neues Leben ein, allerdings in deutlich verkürzter Form, da 400 Seiten nicht in 90 Spielminuten passen. Da dieses Stück für Jugendliche ab 13 ist, wird der Schwerpunkt auf die Jugendzeit der Hauptfigur John Franklin gelegt.
John ist aufgrund seiner Langsamkeit und seiner verzögerten Wahrnehmung in der Schule ein Außenseiter. Beim Ballspiel dient er „nur“als Schnurhalter, wird verspottet und sogar geschlagen. Selbst sein eigener Vater will John los werden und ist deshalb froh, als der sich auf ein Schiff flüchtet, um Seefahrer und Entdecker zu werden.
Das Stück zeigt, wie aus dem verspotteten Jungen letztlich ein hoch geachtetes Mitglied der britischen Gesellschaft wird. Dies wird in Episoden erzählt. Dazu gehört Johns erste Seeschlacht.Hier tötet er versehentlich einen dänischen Soldaten, weil er zu langsam ist, den Griff um dessen Hals zu lockern. Aus einer weiteren Seeschlacht geht er als Held hervor und verschafft sich so das erste Mal in seinem Leben Anerkennung und Respekt. Er heiratet und gründet eine Familie. Es bleibt sein großer Traum, die Nordwestpassage zu entdecken und schließlich erhält er das Kommando über ein Expeditionsschiff Richtung Arktis. Dort rettet er seine Mannschaft und das Schiff durch überlegtes Handeln und genaue Beobachtung der Naturgegebenheiten vor einem todbringenden Sturm.
Während seiner letzten Expedition stirbt Franklin an einem Schlaganfall.Schauspieler und Bühnenbild. Das Bühnenbild ist sehr spartanisch gehalten und besteht im Wesentlichen aus weißen Bögen, die Schiffsbüge darstellen, sozusagen als Angelhaken für die eigene Visualisierung, denn sonstige Ausstattung und Requisiten gibt es nicht. Ein Highlight der Aufführung sind die Klang- und Soundeffekte. Auf die Sekunde genau mit der Musik abgestimmt, springen die Darsteller über die Bühne oder setzen selbst ein Instrument an die Lippen. Sogar Prügeleien sind auf die Klänge abgestimmt. Die Kompositionen von Taison Heiss erzeugen immer wieder eindrucksvolle Stimmungen.
Während der Seeschlacht etwa trommeln, flöten und tröten die Schauspieler wild
drauflos.John Franklin wird von Greulix Schrank verkörpert, und zwar im Wortsinn. Die Langsamkeit wird zum Ausdruck gebracht, indem er im ganzen Stück nur einen Satz spricht. Er besteht die Herausforderung, allein durch Mimik und Gestik die Gefühle und Sorgen von John Franklin darzustellen. Als Gedankenstimme dient Peter Wolter. Gemeinsam mit den anderen fünf Schauspielern wird der Lebensweg von John Franklin auf moderne, minimalistische Weise gezeigt, wobei auch Elemente aus dem Tanztheater einfließen. Das Ergebnis ist ein interessantes Stück mit Tiefgang, das davon erzählt, dass man trotz eines Handicap nicht aufgeben sollte und seine Ziele
verwirklichen kann.

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