Wild und teuflisch

Von Leonie Dinkloh

The Black Rider, v.l.n.r. Christian Baumann, Andreas Thiele, Fotografin_Hilda_Lobinger

The Black Rider, v.l.n.r. Christian Baumann, Andreas Thiele, Fotografin: Hilda Lobinger

 

Metropoltheater München | Für das letzte Gastspiel der 34. Bayerischen Theatertage öffnete sich am Freitagabend im Theater am Bismarckplatz der Vorhang für „The Black Rider“, ein schräges, verrücktes und spannendes Musical, das man auf jeden Fall gesehen haben sollte.
Grundlage der Handlung ist die „Freischütz“-Geschichte: Der Schreiber Wilhelm (Philipp Moschitz) muss jagen lernen, um die Förstertochter Klärchen (Sybille Lambrich) zur Frau nehmen zu dürfen und die Försterei zu erben. Er geht einen fatalen Pakt mit dem Teufel (Viola von der Burg) ein, der ihm zwar ein paar Schuss zielsichere Munition anbietet, aber im Gegenzug das Ziel des letzten (und natürlich entscheidenden) Schusses selbst bestimmen will.

„Einer wie du trifft nicht mal eine angepflockte Kuh!“

In dem Stück ist alles drin: Witzige Sprüche und Szenen – zum Beispiel als der tollpatschige Wilhelm seine ersten Schießversuche startet, die das Publikum immer wieder zum Lachen bringen – dynamische und schwungvolle Tänze und natürlich die emotionale Ebene, als klar wird, dass der Teufel Wilhelm hinters Licht geführt hat.
Die einzigen Requisiten sind Regenschirme – in allen Größen, Farben und Formen –, die das Bühnenbild zwar einfach, aber nicht weniger lebhaft wirken lassen. Mithilfe der Regenschirme werden die Schauspieler zu Bäumen, sie dienen als Gewehre oder Schreibwerkzeuge, als Kutschenräder oder als ausgebreitete Schwingen des Teufels. Die Musik von Tom Waits – eine Mischung aus schrägen, düsteren und wunderschönen Melodien – sorgen für eine spannende Atmosphäre, die das Publikum sofort in den Bann zieht. Auch wenn vielleicht manche der Schauspieler leichte gesangliche Schwächen zeigten und die Lieder oft etwas merkwürdig und verrückt klingen, überzeugen doch (fast) alle durch ihre vielschichtigen, stimmgewaltigen Darstellungen.
Kommentiert wird das Geschehen vom rollstuhlfahrenden „Oheim“ (Christian Baumann) und seinem Diener (Andreas Thiele), die in ihren Szenen durch skurrile Bilder und lustige Anekdoten dem Stück einen ganz eigenen Humor verleihen.

Wenn die magische Kugel daneben trifft

Nach einer fünfzehnminütigen Pause beginnt der zweite Teil, der sich zeitweise etwas in die Länge zieht, aber dem ersten in Humor und Spannung in nichts nachsteht.
Wilhelm scheint die Bedingung des Teufels nicht ganz verstanden zu haben, als er sich für seine letzte Prüfung abermals treffsichere Kugeln besorgt. Denn der alles entscheidende Schuss wird vom Teufel selbst gelenkt und tötet Klärchen an ihrem Hochzeitsmorgen.
Das Gesamtkonzept ist atemberaubend: Schwungvolle Choreographien, starke Bilder und tolle Songs, dargeboten von einem sehr guten Ensemble und einer ebenso guten Band – zu Recht bedacht mit donnerndem, langanhaltendem Applaus und nicht wenigen Jubelrufen. Ein sehr faszinierender und wilder Theaterabend – der perfekte Abschluss für das „wilde Bayern“

 

 

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