Noch am Überlegen, ob es eine gute Idee war, sie um ein Interview zu bitten, nahmen wir an einem Tisch Platz. In solchen Dingen bin ich noch nie gut gewesen, immer zu aufgeregt und irgendwie eingeschüchtert. Da saß ich also und mir gegenüber: eine wunderbar aufgeschlossene und freundliche Christine Bossert, die Regieassistentin von “Mein Freund Bunbury”. Dann legten wir einfach los.
Was genau macht eigentlich ein Regieassistent?
Gute Frage! (grinst und nach kurzer Denkpause:) Ein Regieassistent assistiert, wie der Name sagt, dem Regisseur. Das heißt, man ist auf allen Proben anwesend und führt das Regiebuch. Darin werden alle Handlungen von Solisten, Chor etc. neben allen technischen Daten möglichst genau und detailliert festgehalten. Damit es immer ein Buch gibt, an dem man sich orientieren kann bei z. B. Umbesetzungen, Wiederaufnahmen oder Krankheitsfällen.
Dann macht der Regieassistent auch viele organisatorische Sachen, wie die Probenplanung, Absprachen mit den Gewerken (Requisite, Ton, Licht) und Terminkoordination für den Regisseur. Man ist also die Schnittstelle und die Verbindung aller Beteiligten an der Produktion.
Hat man gewisse kreative Freiheiten, oder ist man fest an den Regisseur gebunden?
Das kommt vor allem auf die Regisseure an. Es ist sehr unterschiedlich, was gewünscht bzw. akzeptiert wird. Wirklich selber kreativ ist man aber meist nicht. Man ist eher ein Zuarbeiter und eine Art Berater.
Gibt es für diesen Beruf gewisse Grundqualifikationen oder Ausbildungen, die man mitbringen sollte?
Es gibt ganz unterschiedliche Wege, die man gehen kann. Es gibt viele Leute, die haben Theater- oder Musikwissenschaft studiert. Sie wollen Regie machen und gehen dann als Regieassistent erstmal an ein Theater. Das ist einfach das Beste. Man kann auch an verschiedenen Hochschulen Regie studieren, aber so einen fulminanten Einblick in wirklich alle Abteilungen bekommt man fast durch keinen anderen Job. Andere Regieassistenten sind z. B. durch Hospitanzen oder Praktika hinein gerutscht.
Gibt es Phasen während einer Produktion, die schwieriger bzw. anstrengender sind als die anderen?
Die Endprobenzeit. Das fängt jetzt auch bein “Bunbury” an. Die letzten 3 Wochen sind für das Regieteam extrem anstrengend. Die Beleuchtungsproben beginnen, die szenischen Proben müssen auf den Punkt gebracht werden, man ist von morgens bis nachts im Theater und selbst zu Hause kann man nicht abschalten, weil die Lieder noch im Kopf rumspuken.
Was uns jetzt natürlich besonders interessiert, ist, wie aus deiner Sicht zurzeit die Proben für “Mein Freund Bunbury” laufen?
Super! (beherztes Lachen) Sehr, sehr gut!
Aber ein Problem bei “Bunbury” sind die Texte zwischen den Liedern. Die Musiknummern sind in sich schon ziemlich schmissig und da muss man jetzt schauen, dass die Texte auf dasselbe Niveau kommen. Und das ist natürlich relativ schwierig, da die Musik mit viel Tanz und Präsenz den inhalttragenden Text von Grund auf schon dominiert.
Ansonsten sind viel Chor- und Ballettauftritte dabei, viel Getummel auf der Bühne. Es wird dadurch sehr bunt und trubelig.
Könntest du diese Produktion kurz mit drei Worten beschreiben?
Lustig - unterhaltsam - spritzig!
Hast du eine Lieblingsszene oder -musiknummer?
Ich liiiiebe als Musik den “Hochstaplertango”.
Bist du wegen der Premiere aufgeregt?
(kurzes Überlegen) Eigentlich nicht.
… Vorfreude eher?
Ach, es ist schön, wenn es dann alles zusammenkommt und man sieht, wie alles zusammengebaut ist, darauf freue ich mich immer.
Mit dieser Frage beendete ich mein Interview und war erleichtert, dass es so einfach und locker vonstatten gegangen ist. Mein Lampenfieber war also umsonst. Ein riesengroßes DANKE SCHÖN geht an Christine Bossert, die trotz beginnenden Endprobenphasenstresses sich Zeit für uns genommen hat und meine Fragen ohne Ausnahme umfangreich und charmant beantwortet hat. Ich hoffe, ich konnte es wenigstens halb so spannend und interessant festhalten, wie ich es live empfunden habe.
Also dann bis später
die Jasmin