Archiv für die Kategorie „Heidelberger Stückemarkt 2009“

bloggy & brocki: tag 9 von 9

Montag, 11. Mai 2009

bl: gestern habe ich geweint.

br: weils zuende gegangen ist?

bl: nein, wegen einer aufführung.

br: welche denn?

bl: ein stasi-stück: ehemalige stasi-häftlinge haben aus ihrem eigenen leben erzählt.

br: also echte menschen auf der bühne.

bl: ja genau. das ist ein bißchen ein trend, aber auch schon länger. wahrscheinlich gibt es das bedürfnis nach wahrhaftigkeit, deshalb treffen wir hier auch voll ins schwarze mit unsern gesprächen.

br: meinst du wirklich?

bl: die hoffnung ist da.

br: angeber.

bl: entschuldige. wenns halt so ist…

br: erst recht angeber. ich mag keine angeber.

bl: was wahr ist, darf  man sagen.

br: genau. deshalb nenne ich dich einen angeber, einen ganz arroganten und widerlichen angeber.

bl: jetzt mach mal einen punkt.

br: ich kann angeber einfach nicht ausstehen.

bl: ja, tut mir leid.

br: schon besser.

(sie schweigen.)

br: das allerschlimmste ist, daß die welt auch immer wieder auf angeber hereinfällt.

bl: stimmt.

br: die werden manchmal sogar noch belohnt für ihre angeberei.

bl: kann schon sein. andererseits ist es doch auch verständlich, daß jemand das mitteilen will, wenn er meint, daß er etwas gut kann.

br: aber bitte nicht auf die kosten anderer.

bl: was soll das heißen?

br: das soll heißen, daß nicht unbedingt der, der am lautesten schreit, die beste ware anbietet.

bl: weiß ich nicht.

br: es schließt sich natürlich auch nicht aus, aber es ist auf keinen fall zwangsläufig.

bl: gut, das halten wir fest. das ist quasi unsere abschlußerkenntnis.

(sie schweigen.)

br: sonst noch was?

bl: äh… ja, am nachmittag gabs kindertheater, puppentheater, aus estland. schade, daß brösmeli nicht dabei sein konnte.

br: brösmeli ist doch noch viel zu klein für theater.

bl: das sehe ich anders: brösmeli kann sitzen und lachen, mehr braucht man fürs theater nicht; und wenns nicht gut ist: gehen. das ist auch immer eine wichtige option, genauso wie schlafen. alles erlaubt, wenns die anderen nicht stört.

br: du mit deiner pseudoliberalität. das geht mir echt langsam auf den senkel.

bl: fluch bitte nicht so rum, wir haben bald ein millionenpublikum.

br: träum weiter.

 

(eine bemerkung zum abschluß: der autor von “bloggy & brocki” ist teilnehmer der schreibwerkstatt am heidelberger stückemarkt 2009.)

Highlights der Woche

Sonntag, 10. Mai 2009

Das alte Bier vom warmen Kuss

Anne Laubner

4. Mai 2009

Soldat Ost. Soldat West. Schuld, viel Scheiße erlebt, Alkoholismus, symbolträchtige Bilder. Geister der Vergangenheit, Aufbrechen von Unbewusstem. Peng. Blut fließt. Psycho. Peng. Kein Entrinnen vorm Ich. - 20 Jahre Mauerfall. Ja, dieses Jahr. Falls es noch keiner mitbekommen hat, so wird man wohl anno 2009 mit DDR-Themen überhäuft. Nicht genug wurde dazu bis jetzt gesagt, geschrieben, gefilmt. Bis jetzt. Nun wird viel gesagt. Zum einstigen realexistierenden Sozialismus. Warum nicht auch schon in den letzten 20 Jahren? Vielleicht wird so viel gesagt, dass am Ende wiederum ein verzerrtes, verwässertes Bild entsteht.  Die DDR ist in. Und längst untergegangen. Mit ihr viele Menschen. Bis heute und noch fortan. Man läuft Gefahr, dass sich DDR-Klischees im Kopf festsetzen. Oder wissen Sie/wisst ihr wirklich, wie grau die Gesichter, wie bunt die Paraden, wie senil die ZKler waren. Peng.

Auf black tie

Matthias Slunitschek

4. Mai 2009

1. Rang, Reihe 1, Mitte. Von oben sieht Miriams genomische Formel aus wie Aufzeichnungen eines Messgeräts für Temperatur und Feuchte in einem Museum. Gerade in diesem Bild spiegelt sich auch das Verhältnis der Inszenierung “Black Tie” von Rimini Protokoll zum Theatersaal wieder. Das Messgerät ist notwendigerweise Teil einer Ausstellung. Nicht weil ein Kurator es zum Exponat erklärt, vielmehr weil es da (im Museum) ist und als ein solches vom Besucher betrachtet werden kann. (Gehen Sie mal nach Karlsruhe (ZKM) und beobachten das.)
Mit dieser SELBSTverständlichkeit, hier und jetzt (3.05., Städtische Bühne Heidelberg) ein ästhetisches Werk zu sein, kommt auch Miriam Yung Min Steins Biographie daher. Sie wird in einem Museen-Kontext vorgestellt, ist aber doch mehr diese Auswertung gemessener Daten, als das Ölgemälde an der Wand oder der Farb-Raum-Körper an der Decke.
Trotz alle dem bleibt “Black Tie” ein Theaterstück, kein Multi-Media-Vortrag, keine Info-Veranstaltung über Adoptionsverfahren von asiatischen Kleinkindern und die Praxis der Gen-Analyse, ein Theaterstück. Obwohl alles Thema wird: Miriam Steins Konturen verschwimmen zuweilen in der Projektion ihrer blau-grün-gelben Gensuppe, ein Video über die Adoption eines Kindes (Stein kommentiert: “Hier erfolgt die Warenübergabe”) macht einen übel und von irgendwelchen R’s oder DH’s in unserem genetischen Satz zu sprechen, die für irgendwelche Auffälligkeiten (Krankheiten) verantwortlich sind, wirkt in seiner informativen Belanglosigkeit irrsinns witzig. IST DAS EIN VON ALLER sprachlichen und dramatischen ARTISTIK BEFREITES AFFEKTTHEATER??? Eigentlich nicht so wichtig.
Viel interessanter: Was meinen Helgard Haug und Stefan Kaegi (Rimini Protokoll) eigentlich, wenn sie sagen (Nachgespräch mit Axel Preuss), sie wollten das Theater [mit ihren Stücken] hinterfragen?

Ein schöner Sonntag war das.

Gestern

Matthias Becker

5. Mai 2009

Ligna,

nein keine Holzfachmesse, sondern die Gruppe aus Hamburgs Kampnagel. Also Gruppe im weitesten Sinne. Man muss ja nicht immer alles in eine Schublade packen. Kann man aber in diesem Fall auch nicht wirklich. Performance, Radio, Theater, Gymnastik? Is auch egal. Hat spaß gemacht. Historische Abrisse über Brecht, Chaplin, Laban und Meyerhold. Durch Kopfhörer dringt in mich ein eine Stimme die mir sagt, was ich zu tun habe. Ich folge. Taste, laufe und springe. Ich beobachte dabei die anderen. Die machen das gleiche, aber zeitversetzt. Ich stelle mir vor wie das wohl von oben aussieht, was wir hier machen, dann widme ich mich den Leibesbetätigungen. Ich schwitze. Ich will nicht kategorisieren. Ich habe mich 70 min im Raum bewegt. Habe beobachtet, die anderen angesehen.

Danach sind wir zum Gastspiel aus Baden-Baden

„Morgen ist auch noch ein Tag“ vom Löhle

2 Alte kommen angerollt, der Mercedesstern unten am Rollator befestigt, verrät, dass diese beiden Alten etwas anders sind. Karl Auer( was für ein Name) ist aus seinem Beruf ausgeschieden und will jetzt zu hause lümmeln, nix machen. Nur seine Frau kommt damit nich klar. In knackig pointierten Dialogen eröffnet sich die Distanz von Mann und Frau. Die zwei Alten, wie kleine Teufel, bekehren Karl Auer endlich in den Club der Alten einzutreten. Der Club ist nicht nur Club, sondern auch eine kleine Organisation gegen Junge Menschen. Da wird sich vor ein Auto geworfen oder sich beim Vermieter beschwert. (UI, toll!) Schade, dass diese Aktionen nur an der Oberfläche kratzen und es keine Alten- Revolution gibt.Aber das is vielleicht auch ein anderes Stück. Jedenfalls bricht, das ganze ab und es bleibt offen ob es eine Versöhnung gibt. Ich mochte den langen Text über Karl Auer gleich zu beginn, der ins Publikum gesprochen wohl eine größere Kraft hätte entwickeln können. Die Dialoge und die Namen waren mir dann zu witzig (Theaterstadl). Auch eher unpassend, das Spiel der Schauspieler, diese spielten nochmals auf die Dialoge eine Spur Witzichkeit (kennt keine Grenzen…!). Schön, aber dass dieser Text abbricht und Leerstellen hinterlässt.

Die Gemeinsamkeiten des Philipp Löhle

Von Bastian Buchtaleck
Der junge Dramatiker und Hausautor am Maxim Gorki Theater Berlin Philipp Löhle war zentraler Bestandteil des Heidelberger Stückemarkts 2009. Als Lehrer leitete er eine Schreibwerkstatt. Als Mensch konnte man ihm im typischen Festivaldrumherum erleben und als Autor wurden drei seiner Stücke in einer Werkschau präsentiert. Neben „Genannt Gospodin (Aufführung am 5. Mai 2009 im zwinger 1), mit dem Löhle den Durchbruch schaffte, waren noch „Lilly Link oder schwere Zeiten für die Rev…“ (Aufführung am 7. Mai 2009 im zwinger 1) und „Morgen ist auch noch ein Tag“ (Aufführung am 4. Mai 2009 in der Städtischen Bühne Heidelberg) zu sehen. Zumindest für diese drei Stücke hat Philipp Löhle zu einem eigenen Stil und Themenkomplex gefunden.
Konkret: Es gibt Gospodin („Genannt Gospodin“), der Geld für unnötig hält und sich so ausgrenzt. Es gibt Lilly („Lilly Link oder schwere Zeiten für die Rev…“), die an den rev… Aktionen vergangener Tage festhält und sich so ausgrenzt. Und es gibt den Neu-Rentner Karl („Morgen ist auch noch ein Tag“), der nichts mehr tun will. Alle Stücke eröffnen die Frage: Wie leben in diesen kapitalistischen Zeiten? Die Hauptfiguren nehmen Haltungen ein, die konträr zu den gesellschaftlichen Gepflogenheiten stehen. Darum werden sie von ihrer Umgebung angefeindet. Adorno hat in „Minima Moralia“ den Satz geprägt: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ Aber genau das versuchen Löhles Figuren: Sie kehren dem ‘falschen Leben’ in der Gesellschaft den Rücken und streben ein individuelles ‘richtiges’ Leben an. Zugleich scheitern die Figuren in ihren Bestrebungen, aber nicht, weil es unmöglich wäre, richtig zu leben, sondern weil das falsche Leben das richtige immer sanktioniert oder einfach auffrisst.
Gemeinsam ist den Figuren auch, dass sie in einer Zweierbeziehung leben, diese jedoch zu Beginn des Stücks zerbricht. Sie verlieren mit ihrer engsten Bezugsperson ihren Halt und bekommen so erst die Möglichkeit, eine extremere Haltung einzunehmen. Stilistisch wechseln sich monologisch gesprochene Erzählpassagen mit knackigen, manchmal auch witzigen, absurden oder grotesken Dialogen ab. Die Erzählpassagen kommentieren die Dialoge oder leiten sie ein – sie haben etwas episches. Die Dialoge dagegen sind sehr weltlich, ohne dass in ihnen Weltschmerz geredet wird. Sie sind nicht Träger von Handlung oder Gefühlen, sondern beides entwickelt sich aus ihnen.

bloggy & brocki: tag 3 von 9 (teil zwei) + tag 4 von 9

Von Josef Simon

6. Mai 2009

br: willst du nicht mal berichten, was auf der bühne los ist?

bl: schon.

br: warum machst dus dann nicht?

bl: gut, von welcher?

br: sehr lustig.

bl: von der bühne vorne, meinst du?

br: naja, jedenfalls mal nicht nur von deiner eigenen, du egozentriker.

bl: warum kritisiert du mich?

br: machst du doch auch ständig.

bl: das stimmt doch gar nicht.

br: doch. Und du bist eitel.

bl: wunderbar. ich würde mal gerne gospodin zitieren: deine sicht.

br: wer ist denn gospodin?

bl: eine figur aus einem stück, so wie ich.

br: aha.

(bloggy überlegt.)

br: du langweilst mich.

bl: aha.

br: du inspirierst mich nicht.

bl: aha.

br: du schmorst die ganze zeit nur in deinem eigenen saft und suchst die ganze zeit irgendwelche anerkennung und schulterklopfer. das ist krank.

bl: ich bin also krank.

(brocki nickt.)

bl: okay, danke. dann weiß ich ja bescheid.

br: brösmeli hat papi gesagt.

bl: ich weiß.

br: ich wollte dich aufbauen.

bl: kein problem. es geht mir gut.

(brocki lächelt.)

bl: weißt du, so ein leben auf dem markt ist anstrengend. es gibt sehr viele angebote und man weiß nie, was man wirklich braucht.

br: mh.

bl: vorgestern zum beispiel gab es ein stück, bei dem man selber mitmachen konnte. die zuschauer wurden mit kopfhörern ausgestattet und dann kamen verschiedene anweisungen. und das komische war: die leute sind sofort aufgesprungen um mitzumachen. ich hab das gefühl, viele menschen brauchen jemanden, der ihnen sagt, wos langgeht.

br: so wie du.

bl: was? nein. ich bin doch ein freigeist.

br: wenn du mich nicht hättest, wüsstest du auch nicht wos langgeht.

bl: so ein quatsch. ich bin selbständig.

br: deine sicht

AUTORENPREIS DER SCHREIBWERKSTATT

Von Georg Bütow

9. Mai 2009

Wer ist der Beste? Wer bleibt in Erinnerung? Wer ist der Gewinner?

Seit 3 Tagen und manchen Nächten sitzt die Schreibwerkstatt zusammen und berät sich- Augenringe, bleiche Gesichter, Kaffee, Zigaretten, Diskussionen bis zum Morgengrauen. Handgreiflichkeiten, Zerwürfnisse, anschließendes in den Armen liegen, Verzweiflung, Euphorie, Migräne, Kopfschmerzen, Abkühlung durch einen Aphorismus, Bluthochdruck, man könnte sagen, die Krönung des neuen Königs der jungen Dramatiker beschäftigt die Schreibwerkstättler bis in die Träume.

Wer ist Ihr Favorit?

Gnadenlos, ohne Rücksicht auf die eigene körperliche und seelische Gesundheit zermartern wir uns hier die Schädel. Wer wird es sein? Der junge Mann mit den Kopfhörern? Die attraktive Griechin? Der kontrovers diskutierte Scherz? Der geheimnisvolle Schweizer aus dem Gletschereis? Oder doch jemand ganz anderes?

Sie attackierten unser Unterbewusstsein, sie brachen unser Herz, erhellten uns den Tag und raubten uns die Nacht. Jetzt steigt der Druck: Das nervöse Sextett muss sich bis Samstag um 15.00 einigen, wer den Autorenpreis der Schreibwerkstatt erhält, diesen heißumkämpften Lorbeerkranz der Poesie.

Schreiben Sie uns Ihre Favoriten!

Es wird eine lange Nacht…

P.S. Der Jurypreis der Schreibwerkstatt bestand dieses Jahr aus einem Lorbeerkranz und einem Custom- Fitted Geschenk für den Sieger

Daniel Mezger mit Findlinge

bloggy & brocki: tag 8 von 9

Sonntag, 10. Mai 2009

bl: morgen ist alles zu ende.

br: mh.

(bloggy schweigt.)

br: bist du immer noch in deiner welt-schmerz-untergangs-stimmung?

bl: weiß nicht, aber morgen ist wirklich alles vorbei.

br: na ja. es kommt doch auch immer wieder neues.

bl: aber uns gibts dann so erstmal auch nicht mehr.

br: das würd ich so nicht sagen.

bl: wieso?

br: wir kommen dann halt wieder in eine andere realität.

bl: quatsch. heute ist letzter tag, morgen ist schluß.

br: aber dafür ist ja heute noch einiges los.

bl: das stimmt. es gibt ein extrafestival im festival mit shuttlebus und podiumsdiskussion, und abends die preisverleihung.

br: spannend, oder?

bl: vielleicht.

br: wieso? ist denn schon was durchgesickert?

bl: kann schon sein.

br: was? echt?

bl: na ja, das ist doch oft so.

br: weißt du schon was? erzähl.

bl: na ja, die kennen sich doch alle. das heißt, irgendwer wirds schon wissen, wies ausgeht, und erzählts dann jemand anderem, und der dann wieder einem anderen, und so weiter.

br: aber du weißt noch nichts?

bl: natürlich nicht, mir erzählt natürlich niemand was. aber ich weiß doch, wies läuft.

br: skandal.

bl: ach quatsch, von skandal ist doch überhaupt nicht die rede.

br: jetzt schon.

bl: niemand sagt etwas von skandal oder bestechung, daß alles schiebung ist. das gibts nur im fußball.

br: und in der politik.

bl: ja, manchmal.

br: zum beispiel in afrika.

bl: nicht nur.

br: und doping?

bl: ist auch nicht so sympathisch, wird aber natürlich gemacht.

br: im theater?

bl: im theater doch nicht, theater ist doch stinklangweilig.

br: stop.

bl: was?

br: das gefällt mir jetzt nicht, was du da sagst. das ist ja destruktiv.

bl: ich bin auch nicht dafür da, daß ich nur sachen sage, die dir gefallen. es darf auch mal wehtun.

(brocki lacht.)

bl: lach jetzt bitte nicht.

br: ich lach doch gar nicht.

bl: dann hör mir zu: wozu theater?

br: was soll das denn jetzt? grundsatzdiskussion, oder was?

bl: nein, einfach nur eine frage.

br: du bist gut. das ist doch nicht bloß eine frage, das ist doch gleich eine debatte.

bl: also los.

br: äh… keine ahnung. weil man mit dem theater vielleicht gewisse möglichkeiten hat wie mit sonst keinem medium. es ist sehr - kann zumindest sehr sinnlich sein, es kurbelt die gefühle an, es ist eine kommunikationsplattform für viele themen, es ist eine begegnungsstätte, es ist live, man kanns in die hand nehmen…

bl: alles richtig, aber ein bißchen wischiwaschi.

br: find ich nicht.

bl: kino?

br: auch interessant, aber eigentlich äh… einseitiger.

bl: fußball?

br: jetzt hör doch auf mit deinem fußball. außerdem: warum muß ich denn jetzt überhaupt das theater verteidigen?

bl: weil du jetzt dran bist und es grad sonst niemand macht.

br: und du?

bl: ich stell die unangenehmen fragen.

br: bla bla bla.

bl: also gut, du hast ja recht, es ist gar nicht so einfach mit argumenten.

br: sag ich doch.

bl: genau, vielleicht ist es einfach wie mit der liebe…

br: ja, die liebe…

bl: … die kann man auch nicht erklären.

br: genau, so muß es wahrscheinlich sein.

Gospodins Konsumkritik

Sonntag, 10. Mai 2009

Philipp Löhle – Genannt Gospodin, Aufführung am 05.05.2009 im zwinger 1, Heidelberg

Gospodin beschwert sich, „Greenpeace hat mir mein Lama weggenommen“ und setzt damit die Dinge in in Gang, die ihn letztlich zu der Überzeugung bringen: “Geld darf nicht nötig sein”. Gospodin verweigert sich dem Konsum in der Hoffnung, sich damit auch dem kapitalistischen System zu entziehen.

Ob dies gelingen kann und was die Inszenierung daraus gemacht hat, kann in der vollständigen Rezension [PDF] nachgelesen werden.

Vier rev… Aktionen in zweiundzwanzig Bildern

Sonntag, 10. Mai 2009

Philipp Löhle – Lilly Link oder schwere Zeiten für die Rev…, Aufführung am 07.05.2009 im zwinger 1, Heidelberg

[B.B.] Lilly Link und ihre drei Mitstreiter probten die Rev… in vier spektakulären Aktionen, die die Sinne ansprachen. Nun hat sich einiges geändert und Lilly hält alleine an den alten Idealen fest.

Hier geht es zur vollständigen Rezension_[PDF] der Aufführung.

Drei Familien, elf Menschen, einmal Tanz

Samstag, 9. Mai 2009

pvc Tanz Freiburg Heidelberg, Sebastian Nübling: Mütter. Väter. Kinder, Aufführung 08.05.2009, zwinger 1,
Heidelberg

[B.B.] In dem Tanztheaterstück “Mütter. Väter. Kinder.” präsentieren sich drei Familien und drei Generationen als Tänzer. Tanzend erkunden sie den Begriff ‘Familie’.

Ob dieser Abend gelungen ist oder nicht, kann in der vollständigen Rezension_[PDF] nachgelesen werden.

 

 

bloggy & brocki: tag 7 von 9

Samstag, 9. Mai 2009

bl: gestern wurde getanzt.

br: auf der bühne?

bl: ja. drei familien auf der bühne, und die haben getanzt.

br: familientheater quasi?

bl: genau, familientheater, so wie bei uns.

(brocki schaut.)

bl: du schaust jetzt schon wieder so, aber ich sag jetzt mal nichts.

br: ich schau zwar gar nicht, aber… egal.

bl: gut.

br: war gestern wieder party?

bl: ja, aber das ist ein bißchen ein witz. es steht jeden tag party auf dem programm und die party schaut dann so aus, daß man rumsteht  und ab und zu ein neues bier holt. ich mein, jeden tag kann man auch nicht party machen, jedenfalls ab einem gewissen alter.

br (gelangweilt): hey, schon wieder eine erkenntnis.

bl: ach, hör mir auf mit erkenntnissen. das ist alles viel zu viel verlangt. das wird auch weit überschätzt.

br: was ist denn mit dir los? hast du einen durchhänger?

bl: kann schon sein.

br: soll ich dich wieder aufbauen?

bl: bloß nicht.

br: ich mach das aber jetzt trotzdem. letztens hat brösmeli doch papi zu dir gesagt.

bl: ja?

br: das ist doch toll.

bl: ja…

br: na ja, und jetzt hat brösmeli auch papi zu mir gesagt.

bl: na toll. dann weiß ich ja, was das wert ist. nächstes mal sagt brösmeli wahrscheinlich auch papi zu unserm wasserkocher.

br: kann schon sein…

bl: also, weißt du, das ist doch alles bloß gelaber. unser chef-kommentator, der hat schon recht, wenn er hier unsere existenz, und damit zugegebenermaßen auch seine eigene, in frage stellt.

br: wirst du jetzt philosphisch?

bl: keine ahnung. ich hab überhaupt keine ahnung. ich weiß überhaupt nichts. ich red bloß - scheinbar.

br: ach komm.

bl (äfft nach): ach komm, ach komm, ach komm.

(sie schweigen.)

br: also sinnkrise?

(bloggy überlegt.)

br: sinnkrise, ist doch gut. paßt doch zum augenblick. genieß es.

bl: du hängst da aber mit drin.

br: gut, find ich gut. fühlt sich gut an. bringt entspannung. es wird einem langsam wieder bewußt, was wirklich wichtig ist.

bl: was ist denn mit dir los?

br: nichts. ich bin einfach gut drauf.

bl: ist ja widerlich.

br: kopf hoch, bloggy.

bl: du hast leicht reden. du machst ja nicht jeden tag party.

br: gibts echt nicht irgendwas, was wirklich wichtig ist?

(bloggy überlegt.)

br: irgendwas, was dir aufgefallen ist?

bl: im theater?

br: im theater, im leben, egal wo…

(bloggy überlegt.)

br: natürlich gibts das. und du hast das auch schon alles erlebt, und die andern bestimmt auch. weil du ja davon erzählst, wenn du sagst, daß etwas direkt ins herz geht. dann löst das doch was aus.

bl: ja, kann schon sein.

br: also.

bl: na ja, also familie ist zum beispiel wichtig, stimmt schon. das war ja gestern auch das thema.

br: genau, zum beispiel.

bl: und wenn man keine familie hat?

br: jeder hat irgendwie familie.

bl: ich bin mir da nicht so sicher. viele sind nämlich auch einsam.

br: ja, klar, das gibts natürlich auch. aber wir rennen rum und kümmern uns so ein bißchen.

AUTORENPREIS DER SCHREIBWERKSTATT

Samstag, 9. Mai 2009

Wer ist der Beste? Wer bleibt in Erinnerung? Wer ist der Gewinner?

Seit 3 Tagen und manchen Nächten sitzt die Schreibwerkstatt zusammen und berät sich- Augenringe, bleiche Gesichter, Kaffee, Zigaretten, Diskussionen bis zum Morgengrauen. Handgreiflichkeiten, Zerwürfnisse, anschließendes in den Armen liegen, Verzweiflung, Euphorie, Migräne, Kopfschmerzen, Abkühlung durch einen Aphorismus, Bluthochdruck, man könnte sagen, die Krönung des neuen Königs der jungen Dramatiker beschäftigt die Schreibwerkstättler bis in die Träume.

Wer ist Ihr Favorit?

Gnadenlos, ohne Rücksicht auf die eigene körperliche und seelische Gesundheit zermartern wir uns hier die Schädel. Wer wird es sein? Der junge Mann mit den Kopfhörern? Die attraktive Griechin? Der kontrovers diskutierte Scherz? Der geheimnisvolle Schweizer aus dem Gletschereis? Oder doch jemand ganz anderes?

Sie attackierten unser Unterbewußtsein, sie brachen unser Herz, erhellten uns den Tag und raubten uns die Nacht. Jetzt steigt der Druck: Das nervöse Sextett muß sich bis Samstag um 15.00 einigen, wer den Autorenpreis der Schreibwerkstatt erhält, diesen heißumkämpften Lorbeerkranz der Poesie.

Schreiben Sie uns Ihre Favoriten!

Es wird eine lange Nacht…

Georg Bütow für die Schreibwerkstatt des Heidelberger Stückemarktes

Ach ja…

Freitag, 8. Mai 2009

Lilly Link vom Löhle

Hab den Text schon mal gelesen, war auch mächtig gespannt auf die Inszenierung. Was ich aber sah, hat mich schwer enttäuscht. Da ist ein Ding in der Mitte, sieht aus wie zusammengeschusterte Kartons, in merkwürdig blassem blau. Dieses Bühnenbild wird dann je nach bedarf anders verwendet, an sich kein schlechte Idee aber: hat nicht funktioniert. Auch sehr merkwürdig, dass man die Szenen nie wirklich ausgespielt hat. Da wird immer gleich die nächste dran geklatscht. Ich wünschte mir mehr Raum für die Szenen. Außerdem wirkten die Selbstmordsequenzen sehr fad. Beim Lesen war der Eindruck ein anderer. In der Inszenierung wurde es nie existenziell, war alles so weggespielt. Schade.

Woyzeck. (ohne Wilson)

Jede Szene realistisch gespielt, ohne dass ich was glaubte. Da wird das Gesicht verzogen bei egal welcher Emotion. Ja so spielt man Soaps. Nach so ziemlich jeder Szene gabs dann ein Liedchen. Ja freilich schön, is ja auch vom Waits. Aber zeilen wie“You are a poor child, your father won´t came back” oder so, kann man sich sparen. Die Musik hat nichts hinzugefügt, war nur Beiwerk. Vorschlag: die Szenen weglassen und nur einen Woyzeck Lieder –Abend machen. Denn singen können die ja alle.

L

bloggy & brocki: tag 6 von 9

Freitag, 8. Mai 2009

bl: ich hab gestern scheiße erzählt.

br: wieso?

bl: der fall im estnischen, wo alles auf sex endet, heißt translativ und nicht demonstrativ. außerdem funktioniert der witz mit den endungen anders.

br: endet doch nicht alles auf sex?

bl: doch schon. auf seks oder eks. aber sagen muß man natürlich vorher, daß, obwohl die esten keine geschlechter haben, also in ihrer sprache, haben sie sehr viel seks.

br: ach so.

(bloggy schweigt.)

br: ist noch irgendwas?

bl: na ja. wir haben gestern noch einen kommentar gekriegt.

br: ist doch toll.

bl: ja, aber…

br: was aber? ist doch toll, eine rückmeldung.

bl: ich weiß nicht.

br: was?

bl: na ja, ich hab halt noch mehr scheiße erzählt.

br: wie?

bl: das mit der sauna stimmt auch nicht, also das mit den brennnesseln.

(brocki schaut.)

bl: jetzt schau nicht so.

br: ich schau doch gar nicht. erzähl.

bl: also, die streichen sich nicht ein mit den brennnesseln, sondern die schlagen sich damit.

br: ach so. ja, das ist ein bißchen ein unterschied.

bl: aber was ich auch festhalten will: wir sind  keine dramatiker. wir existieren nur als stückfiguren.

br: genau. alle ähnlichkeiten mit lebenden personen sind rein zufällig.

(bloggy nickt.)

br: gibts sonst noch irgendwelche neuen erkenntnisse? irgendwelche beobachtungen?

(bloggy überlegt.)

br: was hast du gestern denn angeschaut?

bl: den brel-abend.

br: über jaques brel?

bl: ja. war super. der intendant hat am lautesten gelacht. war aber wirklich super. ging direkt ins herz. obwohl ich gar nicht alles verstanden habe. war ja vieles auf französisch.

br: lieder oder texte oder was?

bl: na ja, ein schauspieler hat quasi jaques brel gespielt und ein sänger hat ihm mit seinen chansons geantwortet. der monolog wird zum dialog.

br: der monolog als dialog, das ist doch mal eine erkenntnis.

bl: bei uns ist es, glaub ich, eher umgekehrt. der dialog als monolog.

(sie schweigen.)

br: was hast du sonst noch angeschaut?

(große Pause)

bl: uefa cup.

br: mensch, bloggy, das braucht dir doch nicht peinlich zu sein. fußball ist halt doch immer noch das bessere theater.

bl (freut sich): hey, schon wieder eine erkenntnis.