Die Oberhausener Inszenierung „Öffentliches Wohnzimmer” mit 15 Jugendlichen unter der Leitung von Nicole Schillinger empfängt die Zuschauer in einem gemütlichen Wohnzimmer: Ein Teppich und Sofas auf der Bühne laden zum Dazusetzen ein. Wer die Einladung annimmt, erlebt einen trashigen, rasanten Theaterabend irgendwo zwischen Variété und ökologischem Aufklärungsunterricht.
Erderwärmung, Atomkraft, Umweltverschmutzung, Artenschutz, Abfallentsorgung und Wasserverschmutzung. Von all dem lesen die Jugendlichen in der Zeitung und sie haben das Gefühl, das geht sie an: „Umweltschutz ist kein politisches, sondern ein privates Problem”.
„Ich habe mal versucht, eine Woche lang…”.
Herrlich naiv berichten die Jugendlichen von ihren Versuchen, die Welt zu retten, indem sie auf die kleinen Sachen achten. Energie sparen und Abfall vermeiden ist gar nicht so einfach. Standby-Schalter, CO2-Bilanz und ökologischer Fußabdruck. Immer wieder Sätze wie von einer Verbraucherzentrale. Klingt das schon „moralisch”? Nervt das?
Nein. Keiner rechnet damit, dass die über eine Live-Kamera auf die Bühne projizierten Statements, Tipps und Appelle beim Publikum eine plötzliche und nachhaltige Verhaltensänderung bewirken. Aber versuchen muss man es trotzdem, scheinen die Oberhausener entgegnen zu wollen.
„Klimaprognose mit 16 Buchstaben… Weltuntergang?”
Songs wie „Mein Freund der Baum ist tot” oder „Wann wird’s mal endlich wieder Sommer” ironisieren das Planeten-Retter-Gerede von Konsumverhalten und Aufklärungsarbeit. Dazu tanzt das Ensemble ausgelassen und prügelt sich in Slow-Motion. Es treten unter anderem auf: Ein Eisbär, ein griesgrämiger Baum und ein schüchterner Alien. Alle tragen schräge Kostüme. Das ist nicht nur lustig und unterhält das Publikum, sondern unerlässliches Gegenstück zur trocken ernsten Auseinandersetzung mit Rohstoffverbrauch und Atomenergie.
Aufklärungstheater 2010, Konsumenten-Agitation, Umweltaktivisten im dritten Jahrzehnt, all das muss ironisch sein, muss die eigene Naivität und aufgebrauchte Rituale und Bilder persiflieren. Aussagen wie „Lasst uns unsere Erde so verlassen, wie wir sie vorgefunden haben” sind sonst verdammt lächerlich und hilflos zu wirken. Ein Glück, dass „Öffentliches Wohnzimmer” mit einem deutlichen Augenzwinkern daherkommt. Das ist erfrischend.
Text: Julian Müller
Fotos: Sascha Rutzen






















