… und noch ein paar Worte zum gestrigen “Prozess”-Nachgespräch:
Neben Philipp Hochmair war auch Armin Schöpflin eingeladen, ehemals Vorsitzender der Polizeidirektion Baden-Baden und Rastatt. Es moderierte Benjamin Bracher, Chefdramaturg an unserem Haus. Diesmal ging das Konzept, einen Experten zum Thema (Überwachungs-/Unrechtsstaat in diesem Fall) einzuladen ein wenig besser auf als am Montag, vielleicht weil bedeutend weniger Menschen auf der Bühne waren, vielleicht weil Phillip Hochmair mit einer tragischen Geschichte - er wurde zu unrecht des Fahrraddiebstahls bezichtigt - direkt einen Dialog herstellte. Pflichtbewusst verteidigte Armin Schöpflin natürlich unseren Rechtsstaat und wies auf die diversen Rechtsvorschriften hin, die einen Fall wie den von Josef K. in der Bundesrepublik Deutschland unmöglich machten. Es war nett anzusehen wie Hochmair, barfuss und noch mit der Anstrengung von zwei Monolog-Vorstellungen im Nacken und Schöpflin, im Anzug und sehr solide auftretend, von Bracher moderiert und vieldeutig und unterhaltsam mimisch kommentiert, beide souverän ihre Standpunkte klar machten. Hochmair stellte dar, wie die Angst vor der eigenen Schuld in den Menschen selbst entstehen kann, Schöpflin, dass die Situation in Deutschland dazu eigentlich keinen Anlass bietet: “Wenn es in Deutschland zu einer Verurteilung kommt, kann man in den allermeisten Fällen davon ausgehen, dass es dafür sehr gute Gründe gibt.” Bleibt vielleicht die Frage, ob ein Mensch nicht durch ganz wenig äußerlichen Anlass selbst in eine Abwärtsspirale von Schuldgefühlen geraten kann und ob es überhaupt möglich ist, so etwas zu verhindern. Die Zuschauerfragen zielten dann allerdings erwartbarerweise doch hauptsächlich auf Hochmairs “Prozess”-Interpretation. Manche vermissten eine klare Antwort in der Vorführung, die Hochmair allerdings auch überhaupt nicht geben wollte. Für ihn war es eine sehr persönliche Herangehensweise und “man muss selbst entscheiden, was man darin sieht”. Das meiste lässt sich wohl in dem kurzen Dialog zusammenfassen, als eine Schülerin als letzte Bemerkung spitz fragte, inwiefern sie denn jetzt “Fit fürs Abi” seien: Theater kann keine klausurreifen Antworten geben - “die stehen, wenn überhaupt, in der kommentierten Fischer-Edition”, bemerkte Benjamin Bracher - es kann aber den Schülern Impulse geben, diese Antworten selbst zu finden.
(BT)