Hart am Wind_„Die Reise nach Ugri-La-Brek hab ich auf dem Grabbeltisch gefunden”

Ruth Rutkowski, Regisseurin und Gründerin der freien Theatergruppe „FensterZurStadt” in Hannover, entführt mit jeder Inszenierung in eine neue Welt. Zu „Hart am Wind” wurde ihr Musiktheaterstück „Die Reise nach Ugri-La-Brek” (Sonntag, 16 Uhr und Montag 10 Uhr) eingeladen, das schon in Korea und Japan aufgeführt wurde und den Jugendtheaterpreis der Lottostiftung bekommen hat. Jugendredakteurin Lena Kalisch hat mit Ruth Rutkowski über den spannenden Weg gesprochen, den ein Bilderbuch zurück legt, bis es zu einer Inszenierung auf der Bühne geworden ist.

„Die Reise nach Ugri-La-Brek” ist ja ursprünglich ein Bilderbuch. Vor welche Schwierigkeiten hat euch die Bearbeitung in eine Inszenierung gestellt?

Natürlich war es erst mal herausfordernd: Kann man ein Bilderbuch überhaupt auf die Bühne bringen? Das Buch setzt sich zusammen aus einer sehr assoziativen Sprache und sehr klaren, fantasievollen Bildern, die sehr dominant sind und oft die halbe Seite einnehmen. Die Geschichte lässt viel Raum für Fantasie. Von Beginn der Proben an waren neben zwei Schauspielern zwei Musiker dabei, die zum Text komponiert haben. Die Musik macht es möglich, die Farben, die in dem Bilderbuch so viel erzählen, zu transportieren.

Woher nimmst du deine Ideen?

Das kommt immer ganz darauf an. Manchmal kommen die Ideen durch Räume, die an sich schon so viele Geschichten zu erzählen haben. Manchmal sind es einfach Zufälle. „Die Reise nach Ugri -La-Brek” lag zum Beispiel auf dem Grabbeltisch bei Karstadt. Ich habe es für meinen Sohn mitgenommen weil es mir einfach äußerlich gefallen hat, aber erst Zuhause beim Vorlesen habe ich bemerkt, was für eine tolle Geschichte das ist. 2008 wurden wir mit dem Stück nach Korea und Japan eingeladen. Durch die Reiseinspiration sind wir auf die Idee gekommen, mit den Texten von dem japanischen Schriftsteller Haruki Murakami zu arbeiten, und so folgten neue Inszenierungen.

Haben sich die Reaktionen der Zuschauer in Japan von den Reaktionen in Deutschland unterschieden?

Die Reaktionen fallen immer ganz anders aus. Jeder interpretiert das Stück individuell und jede Interpretation ist richtig. Die japanischen Zuschauer waren sehr konzentriert und diszipliniert. Wir haben das Stück auf deutsch aufgeführt und ein paar Mal stand ein Übersetzer auf und gab eine kurze Zusammenfassung auf japanisch, das wurde dann von uns musikalisch begleitet - das war lustig, man hatte das Gefühl, das gehöre so ins Stück.

Wie hat dein Sohn auf die Inszenierung reagiert?

„Mama, das kenn ich! Das ist die Reise nach Ugri-La-Brek” Mittlerweile hat er das Stück bestimmt zehn Mal gesehen und war auch schon mit seiner Schulklasse drin. Da war er natürlich stolz, weil sein Papa mitspielt.

In vielen Inszenierungen kommen die Kostüme größtenteils von dir. Hast du auch eine Schneiderlehre gemacht?

Nein. Im Westen gabs so tolle kurze Turnhosen mit einem runden Saum. Bei uns im Osten ist man da natürlich nicht ran gekommen. Aber meine Mutter hatte eine Nähmaschine und so habe ich angefangen, zu improvisieren, zu erfinden, und mir meine Klamotten selbst zu machen. Das ist auch noch so eine Herzensangelegenheit.

Was für einen Berufswunsch hattest du als Kind?

Trainerin. Ich habe Leichtathletik gemacht und hatte so einen tollen Trainer. Nicht nur, dass er gut aussah, er war einfach ein toller, motivierender Trainer. Eigentlich bin ich das ja auch geworden. Ich arbeite mit einem Team, das ich motivieren und überzeugen muss.

Wenn du einen Wunsch frei hättest…?

Ich war noch nie an einem weißen Strand mit Palmen und blauem Meer. Ja, das klingt kitschig aber ich habe noch nie so ein Bild vom Paradies gesehen. Schon im Osten wusste ich, dass ich so einen Ort nicht besuchen könnte weil ich ja eben dort lebte. Aber jetzt würde ich gerne mal an so einen Ort, fünf Tage lang, mit meinem Freund.


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