Vom Rausch der Weiblichkeit

Es ist 17 Uhr an einem Sonntagnachmittag, es dämmert schon und ich stehe zusammen mit acht von neun Mädels des „Girls! Girls! Girls”-Ensembles des Jungen Schauspiel Hannovers in der Garderobe. Es duftet nach Parfum, Deo und jugendlichem Charme; kurzfristig haben sich die jungen Frauen dafür bereit erklärt, mir einen Einblick in den zurückliegenden Probenprozess und das persönliche Erleben jeder einzelnen Vorstellungen zu gewähren.

Von Redakteurin Tracy Stiehl

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Die neun attraktiven, jungen und blühenden Frauen im Alter zwischen 16 und 23 Jahren, die in Ives Thuwis’ Tanztheaterprojekt „Girls!Girls!Girls!” eine Party der Weiblichkeit feiern, erfahren und erleben in einer Collage aus Tanz, Gesang, Musik und Theater das Frau-Sein und geben dem Publikum gleich eine augenweidende Geschmacksprobe mit. Es ist ein Rausch der Farben, Emotionen und Sinneseindrücke, der ein Facettenreichtum der Weiblichkeit präsentiert.

Im Dezember 2008 starteten die Proben für das Tanztheaterprojekt, welches zu dieser Zeit noch den Arbeitstitel „Weibsbilder” trug. Nach etwa sechs Monaten stand Ende Mai 2009 die Premiere von „Girls!Girls!Girls!”. Auch Lars-Ole Walburg fand Gefallen an den Mädels und übernahm die Inszenierung für eine weitere Spielzeit. Die Mädels sind stolz, dass es auch 2009/2010 schon zu 20 Vorstellungen kam, doch die Nervosität bleibt, ebenso wie die Vorfreude. Nachdem sie bisher schon zwei Gastspiele hatten, folgt auch bald das dritte in Wien.

Jede der jungen Frauen, die alle schon im Vorfeld Erfahrungen im Tanz und Theater gemacht haben, hat ihre eigene, spezielle und großartige Ausstrahlung, die nicht nur auf der Bühne zu sehen und zu spüren ist. Auch während des Gesprächs lässt sich die tiefe Verbundenheit der ganzen Gruppe, die eine Folge der intensiven Probenzeiten ist, fühlen. Monatelanges Ausprobieren und Intensivproben in den Ferien, trotz Abistress, haben sie zu einem Ganzen geschweißt, und das wird auch dem Publikum nicht entgehen.

Sie haben auf Ferien, Partys und Freunde verzichtet, und haben dafür eine großartige Theaterarbeit erfahren. Die Zusammenarbeit mit Ives Thuwis empfanden sie alle als angenehm und spannend, trotz blauer Flecke und blutender Füße. Auch die anfänglichen Hemmungen fielen schon nach den ersten Proben: „Ives war immer unser Papi.”

Die Mädchen waren sich einig, dass sie sogar viel über das Frau-Sein von ihm lernen konnten:„Er hat selbst so eine Weiblichkeit, nichts war uns peinlich, wir brauchten keine Hemmungen oder Ängste haben.” Insofern verkörpert Ives für die Mädels ein Vorbild, an dem sie sich oft ein Beispiel nahmen.

Das Regiekonzept des Regisseurs gab den Darstellerinnen viele Freiheiten in der Erarbeitung des Stückes: Er ließ sie sich ausprobieren, animierte sie zu Experimenten und rief sie immer wieder dazu auf, eigene Ideen einzubringen. Auch erlaubte sich Ives, die Mädels in Privatgesprächen zu beobachten und sich von ihrem Auftreten und Gesprächen inspirieren zu lassen.

Ziel war es, dass jede sich selber spielt, allerdings mit einem Schwerpunkt auf einer bestimmten Eigenschaft. Dass Annette Thora Wurtmann der Tollpatsch ist, wird keinem Zuschauer entgehen. Die Rollenarbeit dauerte über die ganze Probenzeit an und war teilweise erst kurz vor der Premiere abgeschlossen. „Wenn wir ‘ne Woche vor der Premiere wissen, wie das Stück wird, haben wir schon Glück” - ein humorvoller Versuch des Regisseurs, den Mädels die Sorge und den Druck zu nehmen. Schließlich stammen Musik-, Bühne- und Kostümideen alle von Ives und seinem Team. Für die Girls war jede neue Info und jede getroffene Entscheidung ein Highlight: „Ja! Wir bekommen noch ein zweites Kostüm!” Dennoch blieben sie in mancher Hinsicht bis zum Schluss skeptisch: „Ist diese Musik nur zum Proben da, oder gehört die zum Stück?”, „Was, Glitzer? Discokugeln?” Nichts desto trotz hatten alle neun Mädels vollstes Vertrauen in Ives Arbeit. Und dieser Glaube in die eigene Gruppe und das gesamte Team ließ „Girls!Girls!Girls!” zu einem erfolgreichen Projekt für das Publikum Hannovers werden. Freunde, Bekannte, Verwandte und „fremde” Zuschauer bestätigen diesen Erfolg mit ausverkauften Vorstellungen und Feedbacks im Sinne von „Geil!Geil!Geil!”. Jedoch sind auch hier die Rückmeldungen geschlechtsspezifisch: Weibliche Zuschauer nicken das gespielte ab, können sich mit den Personen auf der Bühne identifizieren und finden es toll, dass so viele schöne und spannende Facetten einer Frau gezeigt werden. Das männliche Publikum wird dagegen zum Nachdenken angeregt, blickt teilweise mit offenem Mund bewundernd und erstaunt auf die Bühne und stellt überraschte Fragen: „Wie bitte, ihr rülpst auch?”

Mädchen oder Frau- sind es Weibsbilder oder Girls, haben sie Spaß am Mädchen sein oder leben sie schon die Verantwortungen einer Frau? Ist ein Mädchen eine Frau wenn sie auch mal sexy ist, haben es Mädchen leichter als Frauen?

Die Mischung machts! Und es ist von Vorteil, wenn man sich beides offen hält!

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