Armin Petras besuchte Bochum mit seinem Gastspiel aus Hamburg, genauer gesagt aus dem Thalia Theater in der Gaußstraße. Mit „Rose – oder Liebe ist nicht genug“ feiert er seinen Abschied aus dem Theater, welches er während der letzten Jahre deutlich mitprägte. Doch bevor in Hamburg der letzte Vorhang fallen wird, gab es für die Bochumer die Gelegenheit dieses hervorragende Stück zu sehen.
Die Geschichte ist schnell erzählt. Gina liebt den Rocker Ed, ist schwanger von ihm und auf der Such nach ihm – denn schon seit Tagen ist dieser verschwunden.
Sie trifft eine Freundin, sowie deren Musikproduzenten in einem abgewrackten Tonstudio. Während Gina an der Tür lauscht, sehen wir ein Pantomimenspiel erster Klasse, denn die klapprige Sperrholzkonstruktion repräsentiert unter anderem schalldichte Wände. Gina wird von Lemmy, dem Produzenten, angebaggert und schließlich geschlagen als diese ihn abweist.
Ed kehrt zurück, verliebt wie eh und je, erfährt von den Gewalttaten und schlägt Lemmy zu Brei. Als Folge ist dieser behindert und Ed in der Psychiatrie – für zehn Jahre.
Hier geschieht ein Bruch. Ohne viel Drumherum befinden wir uns plötzlich zehn Jahre später. Gina liebt nun Jonas, hat neben Rose, Eds Tochter, noch zwei andere Kinder und lebt in einem Haus. Ihr neuer Mann ist der perfekte Spießer; Tennisspieler und Redakteur. Gina wurde zu einem neuen Menschen, oder jedenfalls sollen wir das denken, bis Ed aus der Anstalt entlassen wird und zu seiner Geliebten zurückkehrt.
Es beginnt ein emotionales Hin und Her und doch ist es schon eigentlich ziemlich früh klar, dass Gina Ed liebt und zu ihm zurück gehen wird. Und so geschieht es dann auch, obgleich Gina selber sagt, dass keiner wissen würde wie lange das halten kann.
Petras erzählt eine stringente Handlung und es gibt nicht vieles das schwer zu verstehen ist. Die Handlung ist glasklar und auch die klischeehaften Figuren führen dazu, dass niemand im Dunklen bleiben muss. Kein Rockervorurteil wird ausgelassen und die Kostüme könnten kaum trashiger sein.
So sind die Figuren zwar ganze Prolls, aber niemals nicht liebenswert.
Durch die großen Sprünge in der Handlung bleiben sie schemenhaft und obwohl dies für einige Verlust bedeuten mag, so ermöglicht es auf der anderen Seite enorm viel. Wann verläuft das Leben denn schon mal nur logisch? Und so handelt Gina irrational und neurotisch. Petras lädt zum Weiterdenken ein. Weiterdenken über die Frage wie Ed und Ginas Leben verlaufen wird; was in der Anstalt geschah oder wie sich Jonas und Gina kennen lernten.
„Rose“ ist heillos romantisch und Elmar Goerden hat Recht, wenn er während des Publikumsgespräch sagt :„Es geht mitten ins Herz.“
Und dennoch: Gina verlässt nicht nur Jonas, den sie seit neun Jahren liebte, sondern auch ihre drei Kinder. Selbst Rose ist nun nicht mehr die Tochter des Rockers, sondern die des Spießers.
Neben der großen Liebe, der Seelenverwandtschaft thematisiert Petras den Verlust. Verlust von zehn verschenkten Jahren. Jahren in der Psychiatrie oder einer falschen Ehe. Verlust weil man nicht anders kann.
Obgleich das Stück allein schon gut ist, wird es erst durch die überragenden Schauspieler zu dem was es am Ende ist. Susanne Wolff als Gina bringt die innere Zerrissenheit mit einer Genauigkeit rüber die selten ist. Alle anderen sind mindestens ebenso gut und unterstützt werden sie vom hervorragenden Bühnenbild.
Mit wenig viel machen, scheint hier das Thema – und es gelingt. Der Bruch in der Handlung wird durch die Totalausräumung auf der offenen Bühne verdeutlicht und zu einer anderen Zeit wird das Tonstudio zu einer stummen Kammer. Petras zaubert wunderschöne Bilder, die man aus dem Theater heraus weiter mit sich trägt.
(Janine Wahrendorf)

