Für alle die auf “Etiquette” neugierig geworden sind - ein kleines Video:
(in englischer Sprache)
Artikel-Schlagworte: „Etiquette“
Sonntag, 21. Juni 2009
Eine ganz kleine Theaterrevolution
Sonntag, 21. Juni 2009
Begonnen wird hier nun endlich mit „Etiquette“ - entwickelt von Sylvia Mercuriali und Anthony Hampton unter ihrem Künstlerpseudonym Rotozaza.
„Etiquette“ ist eine sogenannte Autoteatro-Arbeit. Dabei wird die Handlung nicht etwa von Schauspielern entwickelt, sondern von den Zuschauern selbst.
Ausgestattet mit Kopfhörern, Wassergläsern und einigen anderen Requisiten sitzen sich zwei Teilnehmer gegenüber. Durch die Kopfhörer werden Anweisungen oder Dialoge vorgegeben und langsam aber sicher entstehen Handlungen vor den eigenen Augen. Dadurch, dass man nur die eigenen Anweisungen, nicht aber die des Partners, hört wird man überrascht und gut unterhalten.
„Etiquette“ braucht keine Schauspieler, kein Bühnenbild und keine Kostüme. Durch die Imagination und ein Stück Kreide entstehen ganze Welten.
Sitzt man in einem Moment noch einem alten Mann gegenüber, spielt sich im Nächsten ein Ehestreit a la Ibsen vor sich ab.
Im Rahmen des Festivals findet „Etiquette“ in der hauseigenen Evebar statt. Die Atmosphäre stimmt. Während sich vor einem romantische, kuriose und energische Szenen abspielen, wird hinter sich heiter getrunken, gequatscht und gelacht. Die Ideen sind pfiffig und die Zeit verfliegt nur so. Gerne wäre man auch über die dreißig Minuten hinweg sitzen geblieben.
Und doch endet der Abend schon wieder – die Gedanken an „Etiquette“ aber bleiben. Erst durch Gespräche mit dem Spielpartner zeigt sich das große Ganze und man wird immer und immer wieder in Staunen versetzt. So findet man zum Beispiel erst Stunden später ein, vom Partner beschriebenes, Kärtchen welches man zuvor in eine selten benutzte Tasche stecken sollte.
Als einziges Manko wäre hier der Preis zu nennen. 6,60€ sind schon happig - für dreißig Minuten Spaß, bei dem bis auf zwei Gläser Wasser, kaum etwas erneuert werden muss.
K15 beginnt also mit einer frischen Idee, die viel Potenzial zeigt. Vielleicht haben ja auch schon ein paar lokale Barbesitzer ein Auge auf Rotozazas Projekte geworfen.
Zu hoffen bleibt es jedenfalls, denn „Etiquette“ macht Spaß!
(Janine Wahrendorf)