Der vierte Tag, die dritte Aufführung. Die pottfiction-Gruppe des HELIOS Theaters aus Hamm spielt zum Thema „Zusammenleben“. Das Stück heißt Raumteiler und wurde von Barbara Kölling, Katja Ahlers, Stefan Blank und Steffen Moor inszeniert.
Darf ich bei dir wohnen?
Schon das Bühnenbild bezieht die Zuschauer räumlich mit ein. Man sitzt um eine rechteckige Bühne herum, an allen vier Seiten sind Bänke aufgestellt.
Das Licht geht aus und die Musik an. Das Stück beginnt mit leichten Bewegungen. Zaghaft kommen die Schauspieler hinter den Leinwänden, den Raumteilern, hervor auf die Bühne.
Es folgt eine lockere Szenenfolge, die verschiedene Facetten des Zusammenlebens ganz unterschiedlich zeigt. Zum Beispiel Alt und Jung, Sie und Er, Familie und Nachbarn.
Das Publikum wird angesprochen: „Darf ich bei dir wohnen? Und zu welchen Bedingungen?“
Jetzt erfüllt die Sitzordnung ihren Zweck, denn Publikum und Schauspieler befinden sich auf einer Ebene und können kommunizieren. Manchen ist das unangenehm, während andere sich auf ein Gespräch begeistert einlassen. Das Konzept geht also teilweise auf.
Es gibt sehr zärtliche Szenen. Wenn die Darsteller sich zur Musik annähern ist der Zuschauer berührt. In immer neuen Konstellation nähern sich die Jugendlichen an.
Doch dann der Bruch. „Du bist anders“ in sämtlichen Sprachen. Beziehungsprobleme, jeder will das Beste für den Anderen oder das Beste für sich selbst. Das kann nicht immer funktionieren.
Auch persönliche Berichte von Menschen, die auf der Straße befragt wurden, kommen zum Einsatz. Die Bürger berichten offen, wie sie leben und mit wem sie leben. Durch O-Töne kommen Menschen aus allen Altersklassen zu Wort. Alle leben anders zusammen.
Dieses Persönliche gibt dem Stück etwas Besonderes. Es ist nichts erfunden. Die Gruppe hat durch die Berichte ein Mittel gefunden, frei von Klischees zu zeigen, wie Zusammenleben sein kann.
Große Vielfalt
Es werden viele künstlerische Mittel genutzt. Die Darsteller sprechen in Chören, tanzen oder zeigen Dias. Sie malen mit Kreide, verwischen, hinterlassen ihre Fußabdrücke im Kreidestaub. Die Raumteiler werden für ein Schattenspielgenutzt. Die Darsteller bilden mit verschiedenen Bewegungen eine ineinander verzahnte Maschine. Ganz unterschiedliche Formen von Ästhetik finden in diesem Stück ihren Platz.
Am Ende werden die Raumteiler verschoben. Nun trennen sie die Bühne nicht mehr in zwei Hälften, sondern sind im Raum verteilt. Die ganze Bühne wird genutzt. Es finden wieder Begegnungen statt. Die Spieler sitzen zwischen den Leinwänden und lernen sich kennen.
Die Form die Hamm gewählt hat, ist sehr passend um das Thema „Zusammenleben“ zu präsentieren. Keine festen Rollen, keine feste Handlung, eine große Vielfalt. Das Spiel ist auf dem Punkt. Es sind schöne 50 Minuten Theater.
Sarah Lena Tzscheppan
Fotos:Julian Müller,Sascha Rutzen


























