Das in die Schillertage integrierte Festival „Schwindelfrei“ der freien Mannheimer Theater geht weiter in der Stadt auf Reisen.
Von Anne Richter
„Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“ lautet wie gesagt das Motto für die Schillertage. Wo spielt er denn über all? Die freie Theaterszene erobert mit ihren Beiträgen zum Festival immer weiter Spielorte und trägt damit Schiller und seine Themen auch zu den Menschen, die nie ins Theater gingen; ja manchmal noch nicht einmal den Namen Schiller je gehört haben, wie der 6jährige Dhruv. Vier Künstler um Maike Lex und Konstanze Schmitt verwandelten der Spielplatz auf dem Schillerplatz in ein Spiel des Lebens und Werkes von Friedrich Schiller. Ich hatte eine erfrischende und entspannte Stunde auf Schillers Spuren mit neugierigen Mannheimer um mich, denen Schiller bis dato gar nichts sagte.
Eine Stunde später startete die Theaterakademie mit ihrem Publikum auf eine lange Wanderung durch die Neckarstadt. Mal mehr und mal weniger auf Schillers Spuren boten die Schauspielschüler alles, was sie zu bieten hatten. Das war nicht immer erhellend und oft einfach nur ambitioniert.
Aber erst mal zum Schillerspielplatz:
Es ist 17 Uhr und die Sonne scheint. Der sechsjährige Dhruv geht mit seiner indischstämmigen Mutter wie immer um diese Zeit auf den Schillerplatz zum Spielen. Doch heute muss er sich in einer Vierergruppe zusammenfinden und durch eine Theaterkabine in eine Schillerspielwelt eintreten, die sich auf seinem Spielplatz breitgemacht hat. Das findet nicht nur er spannend.
Konstanze Schmitt alias Friedrich Schiller begrüßt die vier Spieler in enger Kabine und bietet einen Apfelschnitz zum Verzehr als Initiationsritus. So eingestimmt begibt sich die Vierergruppe in Schillers Lebens- und Figurenwelt. Weiterhin steht sie alias er als Fachmann für alle Fragen parat. Frag Schiller!
16 Stationen haben die vier verantwortlichen Künstler auf dem Spielplatz aufgebaut. Neben Konstanze Schmitt als Schiller agieren noch Maike Lex vom Tig7 in Mannheim als Figur Wilhelm Tell, Bernhard Wadle-Rohe vom Büro für angewandten Realismus aus Ludwigshafen als Maria Stuart und Florian Loycke vom Theater „Das Helmi“ aus Berlin als Karl Mohr. Letzterer sitzt als Räuber mit seiner Gitarre im Baum und vereint zu seinen Füßen die Mitspieler als Chor. „Die Gedanken sind frei.“ ist das meistgespielte Lied auf dem Schillerplatz, - zu seiner Verwunderung.
Bei Wilhelm Tell ist seine Welt aus Bergen und See im Sandkasten aufgebaut. Kniffelige Fragen gilt es hier mit Playmobilfiguren zu lösen. Dann darf jeder auch mit der Armbrust auf einen Tell-Apfel schießen. Bei Maria Stuart gilt es die Zeit im Kerker totzuschlagen: Mit Stricken und Wissensspielchen beschäftigt sie sich und ihre Mitspieler.
Dhruv hat am meisten Spaß beim Apfellaufen. Seit diesem Nachmittag weiß er, nach wem sein Spielplatz heißt und dass diesem Äpfel wichtig waren. Wer nicht so gerne zum Spielen animiert wird, hatte auch die Möglichkeit als Zaungast Platz zunehmen. Das nenne ich Freiheit!
Ich habe mich lange nicht mehr so entspannt mit Schiller und mit mir fremden Mannheimern beschäftigt. Ich würde gern noch weiterspielen und über Schiller reden. Aber auch mein Festivalkalender ist voll und die Zeit drängt.
„Ich Schiller 2009 – Heimat gesucht“ nannte die Theaterakademie ihre Schulprojekt zu den Schillertage. Silvanan Kraka von der Schauspielschulleitung hatte einen Spaziergang konzipiert, in dem verschiedene Rollenstudien mit Schillers Texten eingebaut waren. Fünf Zuspieler führten ihre Zuschauer in Gruppen durch einen über zweistündigen Stationenlauf. Hier war eine bunte Mischung aus Gruppenspiel als Rallye und Straßentheater geboten. Als Imbiss gab es auf der Collinibrücke Schillerlocken und Wein. Die Szenenstudien wechselten sich mit choreografischen Szenen zu Sinn-Form-Fragen und Szenen zur Heimatsuche von Künstlern ab. Was hatte dieser Stadtteilspaziergang mit Theatereinlagen und Heimatkunde auf den Schillertagen verloren?