Blog „1. Heidelberger Kinder- und Jugendkongress“

Krönender Abschluss

Montag, 25. Februar 2013

Nach einigen spannenden Präsentationen der Kinder war es auch einmal Zeit, die Erwachsenen wieder zu Wort kommen zu lassen.

Um 17 Uhr begann im Zwinger3 des Theaters und Orchesters Heidelberg eine Podiumsdiskussion zum Thema „Interkulturelles Theater: Mehr als nur kulturpolitische Pflichterfüllung!?“.  Und an Menschen, die mitreden wollten mangelte es nicht, wie man sofort feststellen konnte, als man den Zwinger betrat. Unter der Moderation von Anna Koktsidou, einer freien Redakteurin des SWR, die sich privat ebenfalls für den Austausch und die Freundschaft zwischen Deutschland und Griechenland einsetzt („Kalimera Deutschland“), begann man über das immer mehr besprochene Thema Kultur und Integration zu reden. Denn gerade die Interkulturalität kann kulturellen Einrichtungen, besonders den Theatern, neue Handlungsmöglickeiten eröffnen. Und das beruht auf Gegenseitigkeit. Nicht nur, dass sich einem multikulturellen Theater viel mehr Spielraum bietet, nein, auch den Migranten wird dadurch geholfen. Denn Theater ist schließlich die Kultur eines Landes live auf einer Bühne dargestellt. Wer ins Theater geht, lernt die Kultur und auch die Sichtweisen des jeweiligen Landes besser und schneller kennen. So kann gerade das Theater zu einer wichtigen Brücke zwischen beispielsweise deutscher Kultur und Immigranten bilden. Eine…Integrationsbrücke sozusagen! Doch leider ist genau dieser Funke bei den meisten Theatern noch nicht übergesprungen. Wie also eben diesen Theatern interkulturelle Arbeit nahe bringen?

Bei so einem Thema darf es natürlich an politischer „Prominenz“ nicht mangeln. Den Anfang macht natürlich der Heidelberger Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner. Aber auch andere wichtige Persönlichkeiten des Kulturbereiches, wie Holger Schultze (Künstlerischer Ausschuss des deutschen Bühnenvereins und Intendant des Theaters und Orchesters Heidelberg), Mergime Mahmutaj (Mitarbeiterin Abteilung Integration Stuttgart; Interkulturelle Öffnung der Kultureinrichtungen), Michael AlliMadi (Vorsitzender des Ausländer-/Migrationsrates Heidelberg) und Stefan Fischer-Fels (Künstlerischer Leiter GRIPS-Theater Berlin).  Ein weiterer Programmpunkt war eine Rede der Kulturwissenschaftlerin Dr. Azadeh Sharifi, die über das Thema Interkulturelles Theater referierte. Auch die Werkstattleiter des Jugendgemeinderates liesen es sich nicht nehmen, bereits hier die Meinung des Kinder und Jugendlichen zu vertreten! Schließlich sind wir hier immernoch auf dem KINDER- und JUGENDKongress!

Und so endete der 1. Heidelberger Kinder und Jugendkongress. Wir hatten sehr viel Spaß die Werkstätten zu besuchen und mitzuerleben, dass bereits die kleinsten Kinder begeistert vom Programm aber auch vom Theater Heidelberg an sich sind. Und hoffen, dass auch iher Freude daran hattet dieses Event mitzuverfolgen.

Von Teilnehmerseiten aus gilt jedenfalls bereits jetzt: Absoluter Wiederholungsbedarf!

Artikel von Kim Dieregsweiler

Endspurt des 1. Heidelberger Kinder- und Jugendkongresses

Sonntag, 24. Februar 2013

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Und noch einmal Mal öffnet sich der Vorhang im Alten Saal des Theaters und Orchesters Heidelberg anlässlich des 1. Heidelberger Kinder- und Jugendkongresses. Die 100 jungen Teilnehmer der Werkstätten präsentierten Freunden, Familie und Neugierigen was sie während der letzten tage so geschafft haben. Und es ist einfach unglaublich! Es wurde mit Schwarzlich gearbeitet, Skateboards rasen über die Bühnenbretter und um die Sache abzurunden werden am Ende alle, ausnahmslos alle, dazu aufgefordert die umsitzenden Mitmenschen zu umarmen. Ein toller Abschluss eines kreativen und aufregenden Wochenendes. Damit ihr wisst wovon wir reden, wollen wir an dieser Stelle gar nicht so viel schreiben….sondern lieber Bilder sprechen lassen! Es folgen noch einzelne Videomitschnitte, auf die ihr euch freuen könnt. Viel Spaß!

Das Stück "K" aus Werkstatt 5

Das Stück "K" aus Werkstatt 5

Performance aus "K"

Performance aus "K"

Verkündung des Manifestes aus Werkstatt 3

Verkündung des Manifestes aus Werkstatt 3

Spannende Schwarzlichtillusionen bei Werkstatt 4

Spannende Schwarzlichtillusionen bei Werkstatt 4

Skateboard- Darbietungen aus Werkstatt 6

Skateboard- Darbietungen aus Werkstatt 6

Die Skatertruppe

Die Skatertruppe

Gesang bei Werkstatt 9

Gesang bei Werkstatt 9

Auch die Moderation ist voller Elan

Auch die Moderation ist voller Elan

Großer Unterstützer: Herr Manfred Lautenschläger

Großer Unterstützer: Herr Manfred Lautenschläger

Hamlet mal anders...aus Werkstatt 8

Hamlet mal anders...aus Werkstatt 8

"Wir gehen erst wenn sich alle umarmen!" Werkstatt 10

"Wir gehen erst wenn sich alle umarmen!" Werkstatt 10

Blumen und Dank an alle Mitwirkenden

Blumen und Dank an alle Mitwirkenden

 

Kim Dieregsweiler 

Bühne frei…

Sonntag, 24. Februar 2013

Heute ist es endlich soweit. Die Kinder- und Jugendlichen des 1. Heidelberger Kinder- und Jugendkongresses zeigen, was sie alles während der letzten Tage erabeitet haben! Und um dem Thema des Kongresses „Wir öffnen Grenzen“ treu zu bleiben, werden auch die Grenzen der Bühne heute durchbrochen.

Den Anfang machen die Patenklassen mit ihrem Projekt 7 KLassen 7 Länder.  Deutschland, Frankreich, Österreich, Türkei…aber auch Ghana, Iran und Rumänien sind vertreten. Warum gerade diese Länder? Ganz einfach! Jede dieser Grupppen wurde von einem Schauspieler des JUngen Theaters betreut und die kommen am Theater und orchester Heidelberg bunt gemischt aus der ganzen Welt. Gemeinsam mit Theaterpädagogen haben sie schon zu Beginn des Schuljahres angefangen Informationen über ihr Land zu sammeln und haben überlegt, wie man es am besten präsentieren könnte. Die Ergebnisse können wir heute auf Plakaten und Ausstellungen bestaunen. Nur auf Plakaten?

Nein! Nichtsahnend läuft man beispielsweise durch das Foyer…eine kleine Gruppe Jugendlicher spaziert an einem vorbei…auf einmal schreit einer der Jugendlichen laut los: “ Du hast uns alle verraten!“ – „Ich habe es für das Königreich getan!“, schreit das beschuldigte Mädchen zurück. Und zack befindet man sich mitten in einem kleinen Theaterstück der Patenklasse Deutschland. Einfach so…mitten auf der Treppe des Foyers. Denn Bühne, das kann überall sein! Im ganzen Haus stehen Jugendliche der Patenklasse Deutschland und erzählen Märchen der Gebrüder Grimm.

Aber auch die anderen Gruppen sind aktiv. Im oberen Foyer hört man plötzlich rhythmisches Trommeln. Ganz klar, da ist Ghana am Start! Mit Trommeln, Rasseln und viel Begeisterung präsentieren die Schüler der Friedrich-Ebert Grundschule mit der Schausielerin Charity Laufer traditionelle Volksmusik aus Ghana. Und haben dabei mächtig viel Spaß. Oder wie wäre es etwas klassischer? Dann ist man im unteren Foyer des neuen Saals genau richtig. Hier wird man von der Gruppe Österreich empfangen, die einen auch sofort zum Tanz auffordert. Man fühlt sich wie in der Zeit zurückversetzt. Lange, prunkvolle Ballkleider und adrette Männer im Anzug wiegen sich im Walzerschritt. Wer zu lange zuschaut wird prompt zum Mitmachen aufgefordert. Ein großer Spaß für Tanzende und Zuschauer. Egal ob in Ballkleid oder Jeans, mittanzen kann jeder!

Multikulturell…so viele verschiedene Länder, so viele verschiedene Arten von Präsentationen wie Filme, die gedreht wurden, Ausstellungen wie in Rumänien über Vampire oder Theaterstücke wie bei der Grupppe Türkei. Und doch bilden sie erst gemeinsam, im gesamten Theater verteilt, eine so eindrucksvolle Atmossphäre. An einem Tag, in nur einem Haus…einmal quer duch die Welt reisen. Einfach nur super!

Und damit ihr auch etwas davon habt, hier noch ein paar Bilder einzelner Länderstationen. Gleich fangen die Präsentationen der Werkstätten an. Wir freuen uns schon darauf! 

Traditioneller Gesang bei der Patenklasse Ghana

Traditioneller Gesang bei der Patenklasse Ghana

 

Vampire erobern das Foyer

Vampire erobern das Foyer

 

Ausstellungen werden bewundert

Ausstellungen werden bewundert

 

Beim Walzer darf natürlich das Klavier nicht fehlen!

Beim Walzer darf natürlich das Klavier nicht fehlen!

 

Wunderschöne Ballkleider in Österreich

Wunderschöne Ballkleider in Österreich

 

Auch die Besucher schwingen das Tanzbein

Auch die Besucher schwingen das Tanzbein

 

Märchen werden überall im Theater erzählt...

Märchen werden überall im Theater erzählt...

Artikel von Kim Dieregsweiler

In den Startlöchern…

Sonntag, 24. Februar 2013

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Es ist soweit! Die Generalprobe ist geschafft!

 

Gestern Abend konnten wir uns zum ersten mal die Ergebnisse der Werkstätten ansehen. Und was die Kinder präsentierten war unglaublich. Von beeindruckenden Tanzeinlasgen über selbstgeschriebene Songs bis hin zu abstrakten Kunststücken mit dem Skateboard war alles vertreten. Aufgeregt warteten die Kinder in den Theaterräumen auf das Startzeichen. Auch die Wekstattleiter wurden zunehmend aufgeregter. Die Präsentationen erhalten noch den letzten Schliff…Licht, Ton und Regie sind noch heiß am diskutieren. Es herrscht ein reges Treiben. Aber schon nach kurzer Zeit sind auch die letzten kleinen Unklarheiten gelöst und einer erfolgreichen Präsentation  steht heute nichts mehr im Weg!

 

Hier noch ein paar Bilder der Generalprobe:

 

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Artikel von Kim Dieregsweiler

Redezeit

Sonntag, 24. Februar 2013

Jetzt haben wir euch so viel über die Werkstätten berichtet….aber was sagen eigentlich die Teilnehmer selbst zu dem 1. Heidelberger Kinder- und Jugendkongress?

Wir haben mal nachgefragt…

 

Nadja & Jana

Nadja & Jana

 

 

Nadja (11 Jahre) & Jana (13 Jahre)

„Es macht viel Spaß hier zu sein. Wir haben wegen des Kongresses sogar Schulfrei bekommen! Das war toll! Schlecht haben wir hier gar nichts gefunden. Die Betreuer waren super und auch das Essen war sehr lecker.“

 

Laurin, Valentin & Eloy

Laurin, Valentin & Eloy

 

 

Laurin (11), Valentin (9) & Eloy (11)

„Unsere Leiterin war toll! Wir haben das Bühnenbild für die Tanzwerkstatt gebaut. Der Killerwurm ist von uns, aber die Anderen haben am Anfang gedacht es wäre ein Karussell. Überhaupt haben wir sehr viel gebastelt…Schmetterlinge und Pferde aus Papier. Das war sehr lustig!“

 

Janel, Jule, Amber & Anna

Janel, Jule, Amber & Anna

 

 

Janel (10) & Jule (8)

„Wir sind hier weil unsere Mütter uns hier angemeldet haben. Auch zu Hause basteln wir sehr gerne, aber für eine Bühne haben wir noch nie etwas gebaut. Das ist alles so rieeeesig!“

 

Amber (8)

„Ich kenne das Theater Heidelberg schon länger. Hier habe ich sogar schon einmal für das Stück Carmen auf der Bühne stehen dürfen. Aber für das Bühnenbild selbst habe ich noch nie etwas gemacht, deswegen habe ich mich hier angemeldet und bin sehr gerne hier!“

 

Anna (9)

„Ich bin hier, weil ich ganz oft Plakate und Flyer vom Kongress gesehen habe. Das hat mich neugierig gemacht und ich habe mich über die Werkstätten informiert. Die Möglichkeit ein Bühnenbild selbst zu basteln hat mir am meisten gefallen. Wenn es so einen Kongress nochmal gibt, bin ich ich auf jeden Fall wieder dabei!“

 

Sophia, Emily, Mirjam & Emma

Sophia, Emily, Mirjam & Emma

 

 

Sophia (12), Emily (12), Mirjam (11) & Emma (11)

„Es macht sehr viel Spaß hier! Wir haben auch neue Freunde gefunden . Am Anfang war es allerdings ein bisschen komisch einfach so vor fremden Leuten zum Beispiel einen Dinosaurier zu spielen. Am Theater Heidelberg haben wir uns mit der Schule die Stücke Jim Knopf und Pünktchen und Anton angesehen. Da haben wir auch die Flyer vom Kongress gefunden und mitgenommen. Wenn es nochmal einen Kongress gibt, dann wollen wir wieder in einen Tanz- und Schauspielworkshop. Jeder der nicht da war, der hat was verpasst!“

 

Fabio & Mattheo

Fabio & Mattheo

 

 

Fabio (10)

„ Ich wollte in diese Werkstatt, weil ich selbst sehr gerne Theater spiele. Ich mag das Schauspielern, weil ich meine Gefühle spielen lassen kann. Später mal möchte ich sehr gerne etwas mit Schauspiel machen, deswegen war es cool jetzt schon in ein echtes Theater reinzuschauen.“

 

Mattheo (11)

„Ich kenne das Theater von der Schule. Meine Mutter hat mich hier eingeschrieben. Anfangs wollte ich das nicht, da ich Theater und so eigentlich gar nicht mag. Das ist jetzt nicht mein Wunsch gewesen…aber es ist auch auf keinem Fall eine Strafe. Ich habe hier viele Leute kennengelernt und wir haben viel gelacht. Beim nächsten Mal fände ich es cool, wenn es eine Werkstatt gäbe, in der man was mit Graffiti macht…zum Beispiel beim Bühnenbild oder so!“

 

Bruno, Florian & Natalie

Bruno, Florian & Natalie

 

 

Florian (11)

„Meine Mutter hat mich hier auch einfach so angemeldet. Aber ich finde das gar nicht schlimm, weil ich auch in der Schule selber in der Theater AG bin. Ich finde es interessant zu sehen, was alles an einem großen Theater vor einem Auftritt gemacht werden muss…das ist viel mehr als bei einer Schulaufführung von uns!“

 

Natalie (10)

„ Mein Bruder ist in der Werkstatt 5, deswegen habe ich mir auch eine Werkstatt ausgesucht. Als erstes haben wir eine Übung zur Entspannung gemacht. Wir stellen die Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde dar, das ist total lustig. Bei Filmen finde ich es immer sehr toll, wenn man bei den Outtakes sieht, wie der Film mit den Schauspielern gemacht wurde. Das hat mich interessiert und ich wollte wissen, wie das beim Theater so ist.“

Interview wurde geführt von Johanna Ecker und Kim Dieregsweiler

Gratis gute Laune!

Samstag, 23. Februar 2013

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Genau die wird heute Vormittag ab 11 Uhr am Heidelberger Bismarckplatz verteilt!

Mitten in der Menge von shoppenden Freunden und gestresst rennenden Menschen steht ein Mädchen still und freundlich lächelnd auf dem Platz und hält ein Schild in die Höhe:

“  Verteile Umarmungen für gute Laune!“ 

ist darauf zu lesen. Und dieses Angebot wird von den neugierigen Passante freudig angenommen. Denn wie sich herausstellt, ist trotz aller Hektik und Stress immer noch ein bisschen Zeit für ein kleines Stückchen Freude. Und dieses Mädchen ist  nicht die einzige, die heute mit der Mission Freude zu breiten in der Heidelberger Innenstadt unterwegs ist. Überall ist das „Büro der guten Laune“ vertreten. Es werden Komplimente gemacht, Geschichten vorgelesen, aber auch ernsteren Themen, die den Passanten vielleicht das Glücklichsein erschweren werden nicht ausgelassen: Schreib doch alles was dich betrückt auf einen Zettel, verpacke ihn in einem Briefumschlag und dann…lass dich nicht weiter davon belasten und wirf den Brief mitsamt seinem Inhalt einfach weg. Das Büro für gute Laune hilft dir dabei!

Diese Aktion ist das Produkt der Werkstatt Auf der anderen Seite – Performance im öffentlichen Raum, die von Stefan Kreißig geleitet wird. Der in Berlin geborene Schauspieler war bereits am Volkstheater Wien und am Baadischen Staatstheater Karlsruhe engagiert. Am Baadischen Staatstheater hatte er diverse Regiearbeiten und leitete den dortigen Jugendclub. In der Werkstatt des 1. Heidelberger Kinder- und Jugendkongresses sollen die Kinder und Jugendlichen selbstständig Möglichkeiten erarbeiten, Dinge die sie stören mit theatralen Mitteln zu kritisieren und in der Öffentlickeit zu äußern. Wo endet Schauspiel und wo beginnt ein künstlerischer Wiederstand…oder geht das eine mit dem anderen einher? Anfangs kostete es die Teilnehmer jede Menge Mut auf die fremden Menschen zu zugehen, aber jetzt sind alle fleißig und voller Begeisterung bei der Sache.

Also schaut doch mal vorbei und holt euch eure persönliche Portion gute Laune! 🙂

Die "Sorgen Entsorgung"

Die "Sorgen Entsorgung"

Artikel von Kim Dieregsweiler

Ich spreche, also spiele ich?

Freitag, 22. Februar 2013

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Ich lese Zeitung,

ich lese eine lustige Zeitung,

ich lese entrüstet die Zeitung,

ich lese konzentriert die Zeitung,

ich verstecke mich hinter der Zeitung,

…eigentlich lese ich gar nicht Zeitung.

 

Aber was mache ich dann? Ganz klar! Ich spiele Theater.

Als wir die Werkstatt im Zwinger³ des Jungen Theaters am Theater und Orchester Heidelberg betreten sitzen dort 3 Jugendliche einfach nur auf einem Stuhl, im Hintergrund leise Musik…und lesen Zeitung. Ein paar Minuten geht das so, dann wird die Musik plötzlich ausgeschaltet und die 3 Jugendlichen richten ihren Blick auf die Gruppe der anderen Teilnehmer von denen sie die ganze Zeit mit scharfem Blick beobachtet wurden. Und dann wird diskutiert. Wer hat wie gelesen? Und haben sie alle nur „gespielt“ gelesen oder hat jemand wirklich bewusst die Zeitungsartikel gelesen? Eine so simple und alltägliche Tätigkeit wie das Lesen einer Zeitung wird plötzlich zur schweren Herausforderung. Denn es ist gar nicht so einfach etwas natürlich und realistisch zu spielen, wenn es ja eigentlich nur Show, nur ein Theaterstück ist. Da wirkt vieles plötzlich aufgesetzt.

Wie genau man eben das umgehen kann, und welche Rolle der Einsatz von Sprache beim Theaterspielen hat, wird den Jugendlichen in der Werkstatt Schlagfertig! unter der Leitung von Beata Anna Schmutz aus der Theater Performance RAMPIG gezeigt. Denn gerade beim Theaterspielen, wenn man in verschiedene Rollen schlüpfen muss, ist es wichtig die eigene Identität niederlegen zu können und die eigene, teilweise auch von der Gesellschaft geprägte, Grenze zu überschreiten.

Mit verschiedenen performativen Trainings sollen die Teilnehmer zuerst einmal ihren Körper mit Mimik, Gestik und Körperhaltung bewusster wahrnehmen. Denn allein schon durch die Haltung des Körpers wird auch die Sprache verändert. Anschließend geht es an die Sprache an sich. Rhythmus, Tempo und Tonlage werden auf ihre Auswirkung auf das gesprochene getestet. Auch geht es in dieser Werkstatt nicht um das Sprechen an sich, sondern auch um den Inhalt des gesagten. So wie wir den Text interpretieren, so sprechen wir ihn auch. Dabei kann es auch mal zu Missverständnissen kommen, wenn man beispielsweise ein Stück aus einem anderen Kulturkreis spielen möchte. Und genau das wollen die Jugendlichen in diesem Workshop herausfinden: Kann man mit einem traditionsreichen Theatertext die persönlichen und inneren sprachlichen Grenzen überwinden?

Ein spannendes Experiment, dessen Ergebnis wir am Sonntag erfahren werden…wir sind gespannt!

Kritische Auswertung

Kritische Auswertung

 

 Artikel von Kim Dieregsweiler

Jetzt mal Klartext!

Freitag, 22. Februar 2013

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Einmal im Leben Politiker sein, das wäre doch was… Aber was genau würdest du verändern?

Das ist die Frage die den Kindern und Jugendlichen in der Werkstatt „Einstimmig angenommen“ gestellt wird. Zum ersten Mal und extra für den 1. Heidelberger Kinder und Jugendkongress werden die Türen des Sitzungssaales im Heidelberger Rathaus für Außenstehende geöffnet. Und die angehenden Jungpolitiker nehmen sogleich auf den Sitzungsstühlen Platz.

Hier wird keine Zeit vergeudet, nach einer kurzen Vorstellungsrunde geht es auch gleich an Punkt eins der Tagesordnung: Was soll und muss verändert werden? Jeder darf einmal das Wort ergreifen und seine Meinung kundtun…und jeder hat auch mächtig viel zu sagen!

„Bei uns auf dem Schulhof liegen immer ganz viele Zigarettenstummel herum, manchmal glühen die sogar noch! Das sieht immer hässlich aus, ist eklig und außerdem gefährlich für die jüngeren Mitschüler!“, wird mit fester Stimme von einem Mädchen ins Mikrofon gesprochen.

„Ich find es total doof, dass die Busse mit denen ich mit meinen Klassenkameraden zur Schule fahre immer zu schlechten Zeiten kommen. Da muss man entweder einen früher nehmen und ist dann schon ne halbe Stunde zu früh auf dem Hof oder man kommt zu spät. Und manchmal kommt der Bus gar nicht und wir bekommen von den Lehrern den Ärger!“, kritisiert ein Junge.

Es wird fleißig debattiert und diskutiert und am Ende gibt es sogar eine kleine Jugendkongress-Wahl.

Die Leitung der Sitzung haben Vertreter des Heidelberger Jugendgemeinderates (JGR). Und die schreiben fleißig mit, was die Kinder und Jugendlichen zur Sprache bringen. Jeder Einwurf wird besprochen, hinterfragt und nach Lösungsvorschlägen für das Problem gesucht. Denn: Gerade die Jugend hat es schwer in der Politik zu Wort zu kommen, dabei sind es gerade die kleinen Kritiken und Verbesserungsvorschläge, die das Leben in einer Stadt zu einem zufriedenen machen. Die Stimme der Jugend darf nicht untergehen! Dafür sorgt der JGR mit 30 direkt gewählten Jugendvertreter/innen im Alter von 14 bis 19 Jahren. Dieser wird alle 2 Jahre neu gewählt und vertritt die Meinung der Jugend bei Ausschüssen und sogar gegenüber dem Oberbürgermeister.

Ganz schön interessant so ein Einblick in das Leben als Politiker, mal sehen was unsere Teilnehmer noch so erreichen werden! Vielleicht sehen wir sie in ein paar Jahren ja auf den Wahlplakaten…

Ein Gruppenbild der Jungpolitiker

Ein Gruppenbild der Jungpolitiker

 Artikel von Kim Dieregsweiler

 

„Körper formen“ und „Mit dem Körper formen“

Freitag, 22. Februar 2013

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»Klatsch!«

Ist das erste was wir hören als wir den Ausstellungsraum des Heidelberger Kunstverein betreten. Da, wieder ein „Klatsch!“ und fröhliches Kindergeschrei.

Geräusche bei denen es jedem Ausstellungsleiter voll schlimmer Vorahnung eiskalt den Rücken runter laufen sollte. Doch Susanne Weiß, Kuratorin des Heidelberger Kunstvereins begrüßt und nur mit einem freudigen Lächeln und führt uns in die Ausstellung „Wir bleiben bis 1000 Uhr“ von Jan Bünnig.

Hier sehen wir den Ursprung der Geräusche und sofort kribbelt es auch bei uns in den Fingern! Die Kinder und Jugendlichen werfen mit vollem Körpereinsatz nasse Tonklumpen gegen eine weiße Wand und formen dabei ein abstraktes, dreidimensionales Wandkonstrukt. Wofür man von den Eltern im Wohnzimmer böse Blicke ernten würde ist hier sogar ausdrücklich erwünscht!

In der Werkstatt Körper formen – in Bewegung, Körper als Material, die von  Tänzerin Anna Till geleitet wird, sollen die Kinder im ersten Schritt mit einem Material, einem Körper….in diesem Fall weicher Ton, bekannt gemacht werden. Kunst bedeutet nicht, schon vorher zu wissen was entstehen soll. Ein Kunstwerk kann auch aus dem Zufall entstehen. Es ist nicht immer nur ein starres Sitzen mit Pinsel in der Hand. Nein, mit dem gesamten Körper kann Kunst geschaffen werden.

In Bezug auf die performativen Skulpturen des Künstlers Jan Bünnig sollen die Kinder sich nun als „Kunstbotschafter“ mit den aus Ton geschaffenen Kunstkörpern auseinandersetzen. „Was ist das für ein Material? Wie fühlt der Körper sich an? Wie wurde er geschaffen und wie steht er im Raum? Ist er schwer, weich, groß oder klein…?“ Und dann eine für die Kinder besonders spannende Aufgabe: „Wie kann ich dieses Skulptur mit meinem eigenen Körper nachbauen? Kann ich meinen Körper alleine so formen oder baue ich mit der Hilfe von anderen Teilnehmern ein Menschengerüst?“ Komplizierte Aufgaben, die die Kinder und Jugendliche trotzdem voller Elan bearbeiten. Skulpturen werden von allen Seiten unter die Lupe genommen. Die Kinder verbiegen, verrenken, strecken und beugen sich, probieren die besten Positionen im Raum aus. Grimassen werden geschnitten; es wird viel gelacht aber auch ernsthaft über die Skulpturen diskutiert.  

Das Besondere an diesem Workshop ist, dass man die Ausstellungsstücke nicht nur betrachten sondern auch anfassen und fühlen darf, ja sogar soll. Die Werke von Jan Bünnig werden alle 30 Minuten bewässert, damit sie ihren Ursprung und ihre Natürlichkeit bewahren. Denn genau das ist es, was der Künstler ersucht: den Schaffensaugenblick zu konservieren und die Schönheit des Moments auszudehnen. Die Skulpturen sind eher minimalistisch und abstrakt aber gerade dadurch lassen sie dem Betrachter die Möglichkeit zur Assoziation: Was ist das für ein Körper? Kann man nicht sogar sagen, dass er, eingefangen in dem Moment der Entstehung, lebt?

Ein Besuch in einer Kunstausstellung der ganz besonderen Art.

Was uns wohl beim nächsten Workshop erwartet…?

Posieren mit der Skulptur "Atem 2"

Posieren mit der Skulptur "Atem 2"

 

lustiges treiben mit Leiterin Anna Till

lustiges Treiben mit Leiterin Anna Till

 Artikel von Kim Dieregsweiler

 

Ohne dich, neben dir, gemeinsam…

Freitag, 22. Februar 2013

Ein lustiges Durcheinander

Ein lustiges Durcheinander

 

 

Wenn man die Werkstatt „Unsichtbare Grenzen öffnen“ von Magda Korsinsky betritt scheint in dem Raum auf den ersten Blick totales Chaos zu herrschen.

Alle rennen wild und ohne genaue Richtung durch den Raum, unkontrolliert, und manchmal kann man nur noch knapp eine Kollision vermeiden. Aber nach und nach beginnen die Kinder und Jugendlichen sich der langsameren rhythmischen Musik im Raum anzupassen. Man geht bewusster, bewegt jetzt auch die Arme mit beim Gehen. Weite schwimmähnliche Bewegungen, die Schultern kreisen, vorwärtsgehen…oder vielleicht auch mal rückwärts? Man läuft nebeneinander, hintereinander…man ahmt den Anderen im Raum nach oder wird selbst von jemandem verfolgt. Und auch die Musik wirkt sich zunehmend auf die Schritte der Teilnehmer aus. Auf eine langsame und ruhige Melodie reagiert man entspannt mit weiten und ausladenden Schritten. Wird der Rhythmus schneller werden auch die Gesichter der Jugendlichen aufgeweckter und lachend rennt man einander im Raum hinterher. Aus einem simplen Musikbruch entwickelt sich ein lustiges Fangspiel. Und das völlig ohne Worte.

Mehr und mehr nimmt man die Weite des Raumes wahr und auch die Bewegungen seiner Mitmenschen. Läuft man wirklich alleine oder geht man eher im Kollektiv umher? Miteinander verbunden wie in einem Bewegungsnetz, aber ohne hierarchische Strukturen, frei sich trotzdem so zu bewegen wie man es wünscht.

Das ist es, was Magda Korsinsky den Kindern und Jugendlichen in ihrer Werkstatt vermitteln will: Man muss sich nicht immer mit Worten ausdrücken, um sich mit anderen Mitmenschen zu verständigen. Schon kleinste Bewegungen und Körperhaltungen sind Signale, die man seinen Mitmenschen sendet! Die Choreographin mit tschechisch-eriträischer Herkunft arbeitet als freischaffende Künstlerin und hatte 2009 ihr Debut mit der Tanzperformance Vrstvy, ein Stück mit 9 Performerinnen und einem Musiker, in der Galerie AVU in Prag. Mit dem Stück Lena ist gerade nicht da wurde sie sogar zu den Tanztagen 2012 in den Sophiensälen eingeladen.

Anstatt einer trockenen Performance á la Magda tanzt vor, die Kinder machen es nach, konnten wir zusehen, wie die Kinder spielerisch zum Tanz aufgefordert wurden, sich selbst Schritte ausdenken durften und entscheiden konnten, was ihnen am besten gefällt. Ein Wochenende in dem mit dem Körper Grenzen überwunden werden sollen…ein interessanter Start für unsere Besuche in den Werkstätten!

Wir sind gespannt was uns im nächsten Workshop erwartet…

 

 

 

 

gemeinsam und alleine im Raum

gemeinsam und alleine im Raum

Gruppenschwimmen

Gruppenschwimmen

 

Eine kleine Verschnaufpause zwischendurch

Eine kleine Verschnaufpause zwischendurch

 

 Artikel von Kim Dieregsweiler