Theater Marabu Bonn >>Woyzeck<<

Die Bonner haben sich mutig an das offene Büchner Drama „Woyzeck“ getraut und haben eine großartige Inszenierung auf die Beine gestellt. Der Soldat Woyzeck wird von seinem sozialen Umfeld, dem Doktor, dem Hauptmann und dem Tambourmajor, unterdrückt und bespottet. Seine Freundin, mit der er ein gemeinsames Kind hat, betrügt ihn mit dem Tambourmajor.
Woyzeck bringt Marie daraufhin um. Zu Beginn hatte ich erste Bedenken, wie man mit einer so großen Gruppe wie der des Theaters Marabu ein Stück auf die Bühne bringt, in dem es nur wenige Rollen gibt. Doch während des ganzen Stückes stand nie jemand überflüssig auf der Bühne. Die Gruppe war eine sehr gute Einheit. Die einzelnen Hauptrollen wurden von allen Schauspielerinnen und Schauspielern gespielt und über das Grundkostüm hinaus mit einzelnen Kleidungsstücken, wie zum Beispiel einer dunklen Mütze für Woyzeck, verdeutlicht. Es gab viele tolle Gruppenchoreographin.
Die Inszenierung sprach in erster Linie durch seine ausdrucksstarken Bilder, beispielsweise in der Kampfszene zwischen Woyzeck und dem Tambourmajor, in der der Soldat mit Wodka abgefüllt wurde und der Alkohol nur so über die Bühne spritzte. Schön haben mir die monologisch gespielten Einblicke in das Gefühlsleben von Marie gefallen, die es im Buch nicht gibt. Marie ist in Büchners Drama in erster Linie wichtig für den Handlungsablauf, durch den Mord an ihr wird Woyzeck gänzlich von der Gesellschaft ausgeschlossen. Im Stück bekam die Figur Marie wesentlich mehr Tiefgang und Menschlichkeit. Beeindruckend war die Darstellung von der Schizophrenie des Protagonisten. Die Gruppe spielte die Stimmen in seinem Kopf, die ihn unter anderem dazu auffordern Marie zu töten. Die physische und psychische Labilität von Woyzeck wurde durch die überzeugende Spielweise der einzelnen Woyzeckspieler leicht erkennbar. Besonders positiv empfand ich, dass die Inszenierung nicht wertend war. Woyzeck ist nicht nur Opfer oder nur Täter, sondern beides. Vielen Dank, dass wir hier in Lübeck Zuschauer dieses Stückes sein durften!