Blog „Bundestreffen Jugendclubs an Theatern Lübeck“

Nachgefragt

Samstag, 25. Juni 2011

bei Emilia Kaufmann, Festivalteilnehmerin

Theater in drei Adjektiven?emilia
Quirlig, lustig, verbindend.
Was macht Jugendarbeit fürs Theater wichtig?
Als Austausch von Ideen und Eindrücken der verschiedenen Stücke. Als Nachwuchsförderung.
Prägendstes Theaterfestivalerlebnis?
Äpfel waschen morgens um 7 und das freudige Lächeln nachdem jeder Teilnehmer ihn sich selber nochmal gewaschen hat. Und die Freude aller Teilnehmer.
Deine Assoziation zu >>Leinen los<<?
Brandenburg. Jeder ist ein bisschen Brandenburg.
Schiffbruch. Dein Überlebensplan?
Immer positiv denken.
Wofür würdest du deine Mannschaft kielholen?
Für gar nichts. Jeder Mensch hat eine zweite, dritte,… Chance verdient.
Welcher Wind treibt dich voran?
Fahrtwind, Entdeckungsfreude
Freibeuter oder kronloyal?
Freibeuter
Dein dramatisches/literarisches Vorbild?
Vieles

..wenn keiner schläft und alles spricht.

Samstag, 25. Juni 2011

Die Tür schwingt auf, ein schwarzgekleideter Mann mit blauer Stabtaschenlampe, Stiefeln und einem ernsten Gesichtsausdruck geht auf eine Gruppe von sitzenden Jugendlichen zu. Er meint mit bedrohlicher Stimme: „Ich drücke heute schon das 2.Auge zu – jetzt seid ihr ruhig, sonst lass ich euch nicht mehr rein!“ Stille breitet sich aus – bis sich die Haustür der Jugendherberge Lübeck schließt und die Festivalteilnehmer lachend ihre Gespräche fortführen. Es ist 2.50 Uhr und eine Nacht wie jede andere in der „Leinen los!“-Woche: Die Aufführungen liefen gut, der Nachmittag wurde mit Diskussionsrunden und Proben verbracht und nachts finden die jungen Kreativen keine Ruhe. Die bisherige Bilanz: Drei zerstörte Rauchmelder, viele leere Flaschen im Müll und drumherum aber vor allem sind die Jugendclubs zusammengewachsen. Es hat sich ein Team gebildet, das aus ganz Deutschland angereist kam, nun aber eng zusammengeschweißt worden ist. Lachende Chemnitzer feiern mit Stuttgartern, Lübecker flirten mit Brandenburgern. Man hört Sätze wie „Schade, dass es schon vorbei ist, wir haben gerade begonnen, uns zu mischen. 14 Tage hier wären so schön!“ oder „Diese Dialekte fand ich anfangs lästig, aber jetzt.. wie cool das klingt!“ Der Ausblick ins nächste Jahr bleibt und zum Glück gibt es ja auch facebook.

Lea Lang

Logbuch II

Samstag, 25. Juni 2011

Städtisches Theater Chemnitz gGmbH: >>Don’t cry for me, Baby<<

Gleißendes Licht von 24 Spots, die direkt auf das Publikum gerichtet sind, rührt manche Augen noch mehr zu Tränen als die romantischen Schlussszenen, die noch in den Köpfen der Zuschauer eigene Assoziationen hervorrufen. Man fühlt sich, als hätte man die oft beschriebene Version der Nahtoderfahrung durchlebt, als das Licht erlischt und die Zuschauer klatschend und pfeifend ihren Tribut zu „Don´t cry for me, Baby!“ des Jugendclubs des Städtischen Theaters Chemnitz gGmbH zollen.
Die Technik und die Inszenierung des Stückes sind oftmals atemberaubend – Seifenblasen, die seitlich eines roten Spots auf die sterbenden Liebenden hinabschweben, durch Lichterketten beleuchtete Schaukeln und eine Partyszene, in der alle Beteiligten in Neon-Outfits passend zum Video „Nein Mann“ von Laserkraft 3D. Die Chemnitzer spielen eine Version, die verrückt klingt. Die Capulets sind gestylte Player, die Montagues Punks. Es vermischt sich zu einer effektlastigen Darstellung, Jugendjargon und Shakespeares Text werden gleichmäßig auf der Bühne genutzt, das Publikum lacht viel und laut.

dont-cry

Julias Vater erinnert eher an eine Rocklegende und zeichnet sich auch durch den dazugehörigen Charakter aus, alles in allem wirkt das Stück eher wie eine ewige Streiterei unter Jugendgangs.
Paris, der womöglich jüngste Schauspieler auf der Bühne, begeisterte – vor allem die weiblichen Zuschauerinnen – im weißen Anzug und Gelfrisur durch erstaunliche Bühnenpräsenz und überzeugenden Gesang.
Die musikalische Performance der Pastorin und anderer Mitwirkender beeindruckt aber genauso sehr wie die Choreografie der tanzenden Gruppen, die unglaubliche Freude am Bühnengefühl zeigen.
Die Vorstellung kann und muss man als humorvollen Ausklang des Festivals sehen, aber auch als eine „ganz andere“ und damit aufgeweckte Darstellung des Klassikers bezeichnen.

LL

Logbuch

Samstag, 25. Juni 2011

Theater Marabu Bonn >>Woyzeck<<

woyzeck

Die Bonner haben sich mutig an das offene Büchner Drama „Woyzeck“ getraut und haben eine großartige Inszenierung auf die Beine gestellt. Der Soldat Woyzeck wird von seinem sozialen Umfeld, dem Doktor, dem Hauptmann und dem Tambourmajor, unterdrückt und bespottet. Seine Freundin, mit der er ein gemeinsames Kind hat, betrügt ihn mit dem Tambourmajor.

Woyzeck bringt Marie daraufhin um. Zu Beginn hatte ich erste Bedenken, wie man mit einer so großen Gruppe wie der des Theaters Marabu ein Stück auf die Bühne bringt, in dem es nur wenige Rollen gibt. Doch während des ganzen Stückes stand nie jemand überflüssig auf der Bühne. Die Gruppe war eine sehr gute Einheit. Die einzelnen Hauptrollen wurden von allen Schauspielerinnen und Schauspielern gespielt und über das Grundkostüm hinaus mit einzelnen Kleidungsstücken, wie zum Beispiel einer dunklen Mütze für Woyzeck, verdeutlicht. Es gab viele tolle Gruppenchoreographin.

Die Inszenierung sprach in erster Linie durch seine ausdrucksstarken Bilder, beispielsweise in der Kampfszene zwischen Woyzeck und dem Tambourmajor, in der der Soldat mit Wodka abgefüllt wurde und der Alkohol nur so über die Bühne spritzte. Schön haben mir die monologisch gespielten Einblicke in das Gefühlsleben von Marie gefallen, die es im Buch nicht gibt. Marie ist in Büchners Drama in erster Linie wichtig für den Handlungsablauf, durch den Mord an ihr wird Woyzeck gänzlich von der Gesellschaft ausgeschlossen. Im Stück bekam die Figur Marie wesentlich mehr Tiefgang und Menschlichkeit. Beeindruckend war die Darstellung von der Schizophrenie des Protagonisten. Die Gruppe spielte die Stimmen in seinem Kopf, die ihn unter anderem dazu auffordern Marie zu töten. Die physische und psychische Labilität von Woyzeck wurde durch die überzeugende Spielweise der einzelnen Woyzeckspieler leicht erkennbar. Besonders positiv empfand ich, dass die Inszenierung nicht wertend war. Woyzeck ist nicht nur Opfer oder nur Täter, sondern beides. Vielen Dank, dass wir hier in Lübeck Zuschauer dieses Stückes sein durften!

Flaschenpost No.5

Samstag, 25. Juni 2011

cover5 Bitter, aber wahr: Die letzte Ausgabe der Flaschenpost kommt heute unter die Leute. Genießt es, nehmt sie mit nach Hause und bleibt alle in Kontakt! Ihr wart spitze!

Nachgefragt

Freitag, 24. Juni 2011

bei Martina Breinlinger, Jurymitglied

Theater in drei Adjektiven?breinlinger
Verbindend, stressig, geheimnisvoll
Was macht Jugendarbeit fürs Theater wichtig?
Theaterleute wollen die Leidenschaft, die Ästhetik und die Sicht auf die Welt an die Jugendlichen weitergeben. Sie wollen die Welt von den Jugendlichen erfahren um dadurch Impulse zu kriegen.
Prägendstes Theaterfestivalerlebnis?
Erstes Augenb{icjma{festiva{: „Der Teufe{ mit den drei go{denen Haaren“ vom Theater im Marienbad Freiburg
Schiffbruch. Dein Überlebensplan?
Solange wie möglich in Bewegung bleiben.
Wofür würdest du deine Mannschaft kielholen?
Ich weiß noch nicht mal was das ist!
Welcher Wind treibt dich voran?
Lust und Angst
Freibeuter oder kronloyal?
Im Moment hab ich ein Festengagement.

Wohin die Kompassnadel zeigt…

Freitag, 24. Juni 2011

Brandenburg:
Die nächsten Tage stehen ganz im Licht der Venus. Sie erleben ganz unverhofft an neuen Orten eine Wonne aus Romantik und Gefühlen. Leider stellt Saturn ihre Gesundheit stark in Frage. Doch lassen Sie ihren Kopf nicht hängen, Uranus wird in der kommenden Zeit ihr Herrscherplanet sein. Sie haben die Macht über Andere und könnten beispielsweise ihre Mitmenschen dazu bringen, sich einander emotional zu nähern. Und denken Sie daran, ihre Topfpflanzen ausreichend zu gießen.
Hamburg:
Nicht aufgeben, auch wenn das bedeutet, gegen den Strom zu schwimmen und mit allerlei Ungetümen und seltsamen Figuren und Tieren kämpfen zu müssen, Mars holt sie da heraus. Es werden sich Ihnen neue Horizonte, möglicherweise sogar Welten eröffnen. Aber vorsicht: Fallen Sie nicht!
Leipzig:
Haben Sie wirklich gedacht, dass das so einfach würde?
Die Sterne stehen bei Ihnen nicht auf Karriere und materiellen Erfolg. Sie sind in Ihrer Perspektivlosigkeit nicht alleine, Jupiter wacht über Sie.
Lübeck:
Sie werden in den kommenden Tagen von Ihrem Glücksplaneten Jupiter begleitet, der in Kombination mit Pluto für berufliche Höhepunkte sorgt und Sie komplizierte Fälle lösen lässt. Sie befinden sich in einer kosmischen Welle positiver Einflüsse und können nach den Sternen greifen. Essen Sie viel Obst.

JoJo „Esmeralda” Jessen

Logbuch II

Freitag, 24. Juni 2011

Staatstheater Stuttgart >>Kapitulation<<

„Krass… ist schon krass… also ist echt krass…“
Am Ende dieser Produktion der Stuttgarter Jugendlichen gab es im Publikum geteilte Meinungen. Das war bereits beim Applaus zu merken. Standing Ovations und eher mäßiges Klatschen mischten sich, jedoch dominierten die Jubelrufe und Pfiffe.

kapitulation
Eine der Erkenntnisse heute Abend war: „Afrika ist ´n schönes Land“
Die Jugendlichen kritisierten die westliche Gesellschaft auf ihre ganz eigene parodierende Weise. Die Figuren waren naiv und kamen zu Schlüssen wie „Alles wird besser, denn ich mache ein freiwilliges, internationales Jahr“.
Aber retten ist nicht gleich retten… denn der Wille zur Verbesserung der Welt ist da, jedoch muss jeder bei sich selbst anfangen und so kamen die Akteure schnell zu dem Schluss, dass man viel verändern möchte, jedoch nicht ohne seinen eigenen Konsum auskommt. Jeder möchte helfen, aber nur den Anderen. Keiner ist bereit etwas für die Welt aufzugeben.
An dem Beispiel von Thomas der Tomate wurde der Wege einer Globalisierungspersonifikation aufgezeigt. Der absurde Weg vom Hersteller über den Supermarkt bis zum Verbraucher wurde demonstriert und dies auf eine humorvolle Weise. Dieser Humor war nicht der Humor von allen, das sollte jedoch keinen davon abhalten die Message dieser Produktion anzuerkennen.
Das Bühnenbild, bestehend aus gepresstem Müll, wurde komplett ausgenutzt und bespielt. Die Würfel wurde sowohl als Tische als auch als Weltkugel zu Demonstrationszwecken und als kleine Bühnen genutzt.
Alles in Allem erntete das Stück viele Lacher. Alle Zuschauer sollten „wirklich betroffen“ sein, denn ein Durchschnittseuropäer beansprucht 4,8 Hektar für seinen Konsum.
„Liebe ist ein Tauschgeschäft.
Ich nehme mir was mir zusteht
Und wenn die Liebe nicht zu mir kommt, dann komm ich halt zu ihr.“
Und eins möchten wir euch noch sagen: „Wir verzeihen euch!“

Mahé Crüsemann & Laura Brust

Logbuch

Freitag, 24. Juni 2011

Centraltheater Leipzig “Kein Ort”

Aus den Kammerspielen dringt ein unangenehm modriger Geruch. Er geht von dem großen Erdklotz aus, der nebst blendendem Licht und beklemmenden Geräuschen das Stück „Kein Ort“ anjündigt.
Das Publikum betritt am frühen Vormittag ge-spannt den Zuschauer-raum und wird von den 4 Darstellern mitgerissen in die Stadt Neutal.
Die Fabrik dieser Stadt wurde geschlossen. Es folgten Arbeitslosigkeit, Bevölkerungsschwund & schließlich eine perspek-tivlose Jugend. Nun haben sich die Jugendlichen Georg und Maxim losgemacht von ohnmächtigem Zusehen und Warten und einen Plan geschmiedet um ihre Stadt zu retten: Sie haben den Sohn des ehemaligen Fabrikleiters entführt. Es breitet sich eine in den Wahnsinn treibende Anspannung aus, sodass die Grenzen zwischen Freundschaft, Rivalität und Liebe zwischen den beiden verschwimmen.

kein-ort

Als dann noch Maxims Freund Benni dazu sticht, verliert sich das Gespann in Verzweiflung, Eifersucht, Vertrauen und dem übermütigem Erstreben ihrer Ziele und Ideale.
Sie durchleben ein Auf und Ab von energischem Tatendrang und beängstigenden Zweifeln. Als sich dann zusätzlich Maxims Freundin und Georgs Schwester Marta in das Geschehen mischt indem sie den Gefangenen befreit, beginnt eine verzweifelte Hetzjagd, die der Gejagte nicht überlebt. Den Tätern bleibt nur die Flucht.
Die vielsträngige Handlung wird durch eine mitreißende Inszenierung, kontrastschaffende Lichteffekte und sagenhafter schauspielerischer Leistung zu einem absoluten Gänsehauterlebnis für den Zuschauer. Das Publikum wird von der ersten Minute an durch die konfusen Begebenheiten geleitet, ohne dass an einen Spannungsabfall oder ein kurzes Aussteigen zu denken ist. Nur Kein (W)Ort beschreibt eine solch beeindruckende Intensität.

Renée de Graaf

Eindrücke – Reclaim your space

Freitag, 24. Juni 2011

Der urbane Raum wird immer anonymer. Die Menschen passieren die Straßen geradlinig und verfolgen dabei nur ihr nächstes örtliches Ziel. Um diese Monotonie der Masse zu durchbrechen, wollen wir also die Stadt als solche für uns zurückerobern. Schließlich gehört sie ja uns. Wir überraschten am Dienstagnachmittag die Passanten mit spontanen gruppendynamischen Aktionen. Sei es das Anbeten von McDonald´s auf den Knien, das schreiende Rennen über ein Brücke oder das plötzliche Hinsetzen auf die Straße und Schuhe ausziehen:
Ganz klar, wir haben Aufsehen erregt:

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Am Mittwoch haben wir uns größtenteils auf die Präsentation vorbereitet. Hierbei haben wir uns eine Seitengasse ausgesucht und uns einfach inspirieren lassen. Wir haben gelernt mit dem richtigen Blick den gegebenen Raum zu betrachten, nach Lücken für Neues oder nach Hinweise auf mögliche Geschichten zu suchen – und zu finden: Eingangsnischen, Hausecken oder bestimmte Fassaden nutzten wir als Spielraum. Dort haben wir z.B. durch facettenreiche Performances und Aktionen die leere Gasse zum Leben erweckt.
Dank Marcel Sparmann und uns selbst haben wir den Alltagsraum mit Kunst konfrontiert und somit auf jeden Fall Spannung für den Betrachter und eine Menge Spaß für uns erzeugt.
Also Leute: Reclaim your space, cause it´s yours!!

LD