Donnerstag, 15.07.10, 17.30 Uhr
»Doch ich lebe immer noch«
»Wenn die Älteren miteinander sprachen, dann wollte ich es auch wissen und hörte so zu, dass sie mich nicht sahen. (…) Ich wusste nicht, was das Wort “Aussiedlung” bedeutet. (…) Später sah ich, wie die Deutschen das Ghetto mit einer roten Mauer einmauerten, und Mama begann ein Gespräch mit Papa, so, dass ich nichts hören konnte. Ich verstand, dass sich etwas Unangenehmes anbahnte, wenn Papa so mit Mama spricht, dass ich nichts hören kann.«
Seweryn Dobrecki, geb. 1936
Die Jugendlichen des LiteraturClubs konfrontieren sich und ihr Publikum mit den Aufzeichnungen jüdischer Kinder, die den Holocaust überlebt haben. Es sind Botschaften aus völlig fremden, unvorstellbaren Lebensumständen, zu Protokoll gegeben von Kindern und Jugendlichen, denen ein normales Aufwachsen verwehrt blieb.
Jenseits von schulischem Faktenwissen begeben sich die Jugendlichen aus Memmingen in eine szenische Auseinandersetzung zum Thema Holocaust. Einfühlendes Nachspielen kann nur scheitern. Darum versuchen sie sich erzählend der Lebenswirklichkeit ihrer damaligen Altersgenossen anzunähern, probieren improvisierend, mit Mitteln des Theaters, dazu Bilder zu finden, die ihnen die Überlebensprotokolle begreifbarer machen.
Ein Gedenken der anderen Art.
Projektleitung: Joséphine Weyers
Künstlerische Leitung: Alexander May
Bühnenbild und Kostüme: Sabine Manteuffel
Dramaturgie: Butz Buse
Theaterpädagogik: Miriam Hanf
Mit: Annika Bentele, Franziska Cramer, Román Degenhart, Ann-Kathrin Eberhard, Friederike Faas, Kim Földing, Maria Gourgis, Merita Kicmari, Rosa Kraus, Maxi Land, Kimberly Patton, Annika Rogg, Hannah Rogg, Olivia Sado, Isabell Sailer, Kristina Schott, Bianca Waldner, Julia Waldner