Blog „Heidelberger Stückemarkt 2011“

i lost my heart in heidelberg

Montag, 9. Mai 2011

wochenrückschau:

nach einer woche, in der es um peacemaker und gutmenschen ging, um sensibilisierung

wenn die türkei beginnt, müll zu trennen, werden herr dagacar und andere erst einmal arbeitslos

wenn die türkei beginnt, müll zu trennen, werden herr dagacar und andere erst einmal arbeitslos

und entstigmatisierung, um verbissene kämpfe und schmerzliche verluste, um große stücke und kleine stückchen

stückchenmarkt 2011 für einseitige dramatik

stückchenmarkt 2011 für einseitige dramatik

und supermario,

sollten wir jetzt vielleicht alle versuchen, ein bisschen zu schlafen…

leider habe ich – aus “gründen” – nicht alles einlösen können, was ich mir vorgenommen und euch versprochen habe! ich hoffe, es hat trotzdem spaß gemacht, mir auf jeden fall.
danke heidelberg, shiva und co. i lost my heart… aber: alles hat ein ende… nur die wurst hat zwei… und damit schließt sich der kreis!

macht´s gut und auf bald

fos

preisregen, preissegen

Montag, 9. Mai 2011

berkun oya hat gestern mit seinem stück SCHÖNE DINGE SIND AUF UNSERER SEITE den autorenpreis des HEIDELBERGER STÜCKEMARKTS gewonnen. der europäische autorenpreis ging an ahmet sami özbudak für DIE SPUR. bonn park konnte die jury mit DIE LEIDEN DES JUNGEN SUPERMARIO IN 2D überzeugen und den innovationspreis entgegennehmen. publikumsliebling war nach erhebung des freundeskreises ZIGEUNER-BOXER von rike reiniger. alle anderen autoren im wettbewerb durften sich überraschend über einen tausender freuen.

zu den autorentagen und der preisverleihung gibt es hier noch mehr, auf nachtkritik und – überraschung: nachtkritik

v. l. n. r., ganz hinten: berkun oya, hinten: christian lehnert, fehime seven, rike reiniger, jérôme junod, sascha macht, bonn park, vorne: stephan lack, ahmet sami özbudar, konradin kunze

v. l. n. r., ganz hinten: berkun oya, hinten: christian lehnert, fehime seven, rike reiniger, jérôme junod, sascha macht, bonn park, vorne: stephan lack, ahmet sami özbudar, konradin kunze

jury-mitglied c. bernd sucher

jury-mitglied c. bernd sucher

rike reiniger, freundeskreis

rike reiniger, freundeskreis

ahmet sami özbudak, dilek altuntas

ahmet sami özbudak, türkei-scout dilek altuntas

bonn park, bank

bonn park, bank

jury-mitglied felicia zeller

jury-mitglied felicia zeller

dalsdf

manfred lautenschläger, berkun oya, felicia zeller

illustre runde

all together...

all together

...now

peter spuhler

peter spuhler

jan linders, peter spuhler

jan linders, peter spuhler

und: konradin kunze ist leer ausgegangen… soviel zu verfrühten prognosen.

fos

der autorenwettbewerb in bildern

Montag, 9. Mai 2011

Heidelberger Stückemarkt 2011 from Junge Buehne on Vimeo.

was fehlt

Sonntag, 8. Mai 2011

HEIDELBERGER STÜCKEMARKT heißt nicht nur viel sehen, sondern noch mehr verpassen!

was fehlt – eine auswahl:

EINIGE NACHRICHTEN AN DAS ALL, wolfram lotz

das sagen die anderen:

deutschlandradio kultur

UNTER JEDEM DACH, eva rottmann

das sagen die anderen:

nachtkritik

VERRÜCKTES BLUT, nurkan erpulat

das sagen die anderen:

nachtkritik

SPUCKEN STATT SCHLUCKEN,

das sagen die anderen:

mannheimer morgen

BERG, yaron edelstein

das sagen die anderen:

titel kulturmagazin

GEGEN DIE WAND, nach fatih akin, von mareike mikat

das sagen die anderen:

nachtkritik

DIE ÜBERFLÜSSIGEN, philipp löhle

das sagen die anderen:

nachtkritik

WARTERAUM ZUKUNFT, oliver kluck

das sagen die anderen:

nachtkritik

MEDICAMENT, maya scheye

das sagen die anderen:

deutschlandradio kultur

fos

wie blöd

Samstag, 7. Mai 2011

sitze ich, seit letzten sonntag der erste von insgesamt drei autorentagen stattfand, über einer kurzkritik der sonntag vorgestellten stücke von berkun oya, fehime seven und ahmet sami özbudak. und habe nur knoten im kopf. heute um sieben ging nach vier szenischen lesungen bereits der zweite autorentag zu ende. morgen ist folgerichtig, weil letzter tag des STÜCKEMARKTS, der dritte autorentag. abends werden die gewinner bekannt gegeben… meine marschrichtung bleibt klar: ich versuche nachzuholen, aufzuholen und heute und morgen noch einen überblick über die texte im wettbewerb und ihre einrichtung zu geben… und jetzt renne ich los zum “stückchenmarkt”!

richtig, das ganze ist auch ein wettbewerb...

richtig, das ganze ist auch ein wettbewerb...

fos

erzeugerstolz

Samstag, 7. Mai 2011

heute geht die letzte ausgabe der OYUN in den druck! 9 tage spaß, neun tage stress, es hat sich gelohnt! wir haben das kind geschaukelt, gewuppt, gestemmt… vielen dank an die OYUN-redaktion, namentlich philine, valentina, andreas.

sind sie nicht schön?

sind sie nicht schön?

fos

INGA UND LUTZ, 06.05.

Samstag, 7. Mai 2011

gestern abend wurde im zwinger INGA UND LUTZ gezeigt. weil in der printausgabe der OYUN heuer kein platz mehr war für die kritik von schülerin und OYUN-redaktionsmitglied elsa, wird es sie hier zu lesen geben. viel spaß mit elsa, INGA UND LUTZ!

fos


Shit Happens

Oder wie ein Schnellkochtopf dein Leben aus dem Gleichgewicht bringen kann

trash und splatter bei INGA UND LUTZ

trash und splatter bei INGA UND LUTZ

Der Saal ist voll, mühsam finde ich noch einen Platz rechts außen, sogar noch relativ weit vorne, weil ein älterer Herr etwas zur Seite rutscht. Es strömen immer mehr Menschen in den Saal des Zwinger 3 in Heidelberg, immer und immer mehr, als würden sie angezogen von einer höheren Macht. Was diese Macht ist? Es ist ein Name, der alle Großes erwarten lässt, der des Nis-Momme Stockmann. Wer DER MANN DER DIE WELT ASS gesehen hat, mit dem Stockmann 2009 den Autorenpreis und den Publikumspreis des HEIDELBERGER STÜCKEMARKTS gewann, erwartet große Emotionen, Tragik und Komik, Dialoge, die einem das Herz zerreißen, die dem Zuschauer unbarmherzig den Spiegel vors Gesicht halten und ihn daran erinnern, dass ihm das Gleiche passieren kann, dass er doch auch nur ein Mensch ist. Wer zuletzt in EXPEDITION UND PSYCHIATRIE war, einem Stück, das Stockmann nicht nur geschrieben, sondern auch inszeniert hat, der erwartet wohl eher die große Wiedergutmachung. So oder so, der Saal ist zum Bersten voll, das Spiel beginnt. „Je perfekter das System, desto gigantischer und verheerender sein Zusammenbruch.” Ein Mann und eine Frau, die sich lieben, sich ergänzen, sich vertrauen. Inga und Lutz. Perfekt. Die Frau, die ein Kind will, die darauf drängt, endlich die kaputte Waschmaschine zu ersetzen. Der Mann, der sich lieber mit seiner Flintensammlung beschäftigt, als sich Problemen zu stellen, der es allen recht machen will, der seinen Job verliert, vom Amt als „unvermittelbar” eingestuft wird. Ein Sozialwissenschaftler, ein Akademiker, nutzlos geworden, ein Versager, der sich von seiner Frau Geld leihen will, um – auf Drängen seines besten Freundes – mit ihm eine eigene Firma zu gründen. Aber Lutz bekommt das Geld nicht, weil es für das gemeinsame Kind bestimmt ist, das er gar nicht haben will. Ein Paar in Berlin Neukölln, wo die „Depressionen architektonisch geplant sind”. Ein Paar kurz vor dem verheerenden Zusammenbruch. Ein einziger Tag im Leben von Inga und Lutz. Ganz normale Menschen in Neukölln sind das, die an einer Gesellschaft zerbrechen, die nur noch auf Geld aus ist, in der der Mensch nur funktionieren muss, in der nichts mehr echt ist. Und sie funktionieren perfekt, Inga (Anika Baumann) und Lutz (Philipp Richardt) und auch Britta (Theresa Langer) und Manni (Philipp Plessmann), ihre Freunde, sie alle erfüllen ihre Pflicht – und geraten doch ins Wanken. Sie versuchen mit aller Kraft, wieder ins Lot zu kommen, die Ordnung wieder herzustellen. Mit besten Absichten, aber ohnmächtig und verloren, stolpern sie in die Katastrophe und die Gewalt. Es sind ganz normale Menschen, die sich nach Glück sehnen, fern des Kapitalismus´. Also doch eher DER MANN DER DIE WELT ASS? Der Stoff, den er in INGA UND LUTZ verhandelt, liegt Stockmann sehr am Herzen und er ist eigentlich alles andere als komisch. Und doch ist er hier auf so kunterbunte und lustige Art und Weise aufbereitet, dass das Publikum immer wieder in Lachen ausbricht. Doch noch während man lacht, möchte man am liebsten weinen: So groß ist das Grauen der Situation. Der Stücktext ist manchmal bewegend, manchmal bedrückend – mit vielen ausdrucksstarken Metaphern und Bildern illustriert und hervorgehoben durch einen Erzähler, der das Geschehen immer wieder trocken kommentiert, als hätte er sich dieses Beispiel einer menschlichen Tragödie selbst ausgedacht. Regisseur Alexis Bug hat das Stück mit viel grellbuntem Plastikspielzeug und weißer Theke im schwarzen Raum in Szene gesetzt. Die Inszenierung vom Theater Braunschweig ist eine abstrakte, die den Text und das Innenleben der Protagonisten in den Mittelpunkt stellt und uns auf eindrucksvolle und überaus sehenswerte Weise demonstriert, dass ein nicht abgeholter Schnellkochtopf die kosmische Ordnung ins Wanken bringen kann.

Von Elsa Wellmann-Gilcher

“lass doch mal was undokumentiert wegtreiben”, 05.05.

Samstag, 7. Mai 2011

die vorstellung von DER FALL DORFRICHTER ADAM aus graz hat mich so reich gemacht, dass ich angst habe, der versuch einer kritik könnte mich wieder arm machen.

ich bin fan: ein stück feuerlöscher aus der inszenierung DER FALL DORFRICHTER ADAM

ich bin fan: ein stück feuerlöscher aus der inszenierung DER FALL DORFRICHTER ADAM

fos

zwerg im kopf

Samstag, 7. Mai 2011

gestern abend bin ich aus der welt gefallen…

Der Kobold

In einem Häuschen, sozusagen
(Den ersten Stock bewohnt der Magen),
In einem Häuschen war’s nicht richtig,
Darinnen spukt’ und tobte tüchtig
Ein Kobold, wie ein wildes Bübchen,
Vom Keller bis zum Oberstübchen.
Fürwahr, es war ein bös Getös.
Der Hausherr wird zuletzt nervös,
Und als ein desperater Mann
Steckt er kurzweg sein Häuschen an
Und baut ein Haus sich anderswo
Und meint, da ging es ihm nicht so.
Allein, da sieht er sich betrogen.
Der Kobold ist mit umgezogen
Und macht Spektakel und Rumor
Viel ärger noch als wie zuvor.
»Ha«, riet der Mann, »wer bist du, sprich?«
Der Kobold lacht: »Ich bin dein Ich!«

Wilhelm Busch

da hilft nur tom


fos

Bitte aufhören! Eine “Polemik”

Donnerstag, 5. Mai 2011

Die einfachste Art und Weise, sich zu distanzieren, sind Anführungszeichen: Seit genau sechs Tagen sehen wir auf dem STÜCKEMARKT „postmigrantisches” Theater, führen mit „postmigrantischen” Theatermachern und „ausländischen” Türken „postmigrantische” Diskussionen. Über „uns” und „die anderen” und über „ganz andere” – das sind die, die noch nicht einmal begonnen haben, eine „postmigrantische” Debatte zu führen oder „Deutsche” mit „Hintergrund” an die Theaterhäuser zu holen und auf die Bühne zu lassen. Soviel zum Modus der Gespräche, die am Rande des Festivals stattfinden. Aber brauchen wir den Begriff des „Postmigrantischen”? Schließlich haben wir alle „Hintergrund”, sitzen also nicht zuletzt alle „im selben Boot”. Sind sozusagen „qua Menschsein involviert”. Ist also nur das „Herz” der „Deutschen” nicht groß genug, von „Postmigranten” als „Deutschen” zu sprechen? Und auch die großartige Rede vom „großen Herzen” verschleiert, was Tatsache ist. Dass wir uns unsere Gönnerhaftigkeit an den Hut stecken müssen, wenn wir uns eine „geeinte Gesellschaft” wünschen. Sprechen wir doch über Europa, wenn wir uns über unser Selbstverständnis verständigen wollen. Es steckt ja im Begriff und in der Sache von „Definition”, dass es ein „uns Äußeres” bedarf, um über uns etwas aussagen zu können. Aber machen wir die Grenzen doch weiter, anstelle „das fremde Andere” hochzuhalten und unsere „Offenheit” zu offerieren. So betrachtet haben auch die Podiumsgespräche auf dem STÜCKEMARKT den Beigeschmack einer Dauerwerbesendung für das Heidelberger Theater. Natürlich brauchen wir „die Diskussion”, schon allein weil es für die Bewältigung von „Problemen” zuallererst eines „Problembewusstseins” bedarf. Aber wir können die sprachlichen Voraussetzungen ändern, unter der sie stattfindet, anstelle mit Begriffen wie „postmigrantisch” (trennende) Unterschiede immer weiter festzuschreiben. Eines muss doch klar sein. Ganz egal, ob eine politische Veränderung stets auf die sprachliche folgt oder umgekehrt: Wenn wir uns vom Theater eine performative Kraft wünschen, müssen wir eine sprachliche voraussetzen.

fos