Dienstag, den 24. April 2012:
Heute die vierte Ausgabe der Performance-Theater-Stücke-des-Tages. Langsam gehen mir Ideen aus euch mit langen Texte bei Laune zu halten
– aus diesem Grund werde ich ab heute etwas kürzer und prägnanter zu schreiben. Und versuche dennoch das Informative beizubehalten…
“Étiquette” (Rotozaza, Ant Hampton & Silvia Mercuriali, England)
Es ist Dienstag Nachmittag im beschaulichen Oldenburg und entscheide mich vor den Abendveranstaltungen weitere kleine Performances am Nachmittag zu machen. Die Wahl fällt heute auf “Etiquette” und “Ok Ok”. Ich begegne am Infocontainer meiner ersten Mitspielerin für Etiquette, einer Frau aus Oldenburg. Wir werden kurz in die “Vorstellung” eingewiesen, sitzen vor einen Tisch auf dem verschiedene Sachen liegen und bekommen Kopfhörer aufgesetzt. Dann die Stimme aus dem Kopfhörer. Sie kommt mir seltsam bekannt vor. Ich solle immer tun, was er mir sagt. Ich tue es auch immer brav. Mal soll ich etwas bewegen wie etwa die Figur, mal etwas mit der Knete kneten (welch Wortspiel!) oder etwas mit Kreide die schwarze Platte auf dem Tisch zeichnen. Genauso meine Mitspielerin. Und so entstehen Geschichten, genau genommen drei kleine, die zu einer großen Ganzen werden. Man bedient sich Hendrik Ibsens “Nora” und stellt die Endszene in der sie Thorvald verlässt, nach. Dieser Text wurde von anderen Darstellern eingesprochen und ist zu hören. Andere Dialoge spricht man mit dem Partner gegenüber – und bekommt sie durch die Kopfhörer vorgesagt. Manchmal etwas befremdlich fremde Worte in den Mund zu nehmen, aber allen in allem eine wunderbare Erfahrung. Mit das schönste ist das Entstehen der Bilder im “Stück”. Man spielt mit Wassertropfen, kleinen Botschaften, etwas Theaterblut, Knetgummi oder Spielfiguren aus Kinderzeiten.
Ant Hamptons Konzept geht voll und ganz auf. Die 30 Minuten am Tisch sind eine wunderbare Mischung verschiedener kleiner Geschichten die mit einprägsamen und einfach-funktionierenden Bildern zum Leben erweckt werden. Danke für diese Nora-Fortsetzung! Im Filmbereich gäbe es für diese Pilotfolge 10 von 10 Punkten.
“Ok Ok” (Ant Hampton, England und Gert-Jan Stam, Niederlande/Deutschland)
Diesmal hieß der Treffpunkt Hotel Rosenbohm. Wir standen zu viert draußen und unterhielten uns über das was war und vielleicht kommt. Wir gingen in den Performanceraum und bekamen zuerst wieder eine Einweisung. Dann ging es “auf die Bühne”. Vier gemütliche Sessel im Viereck, jeweils einem anderen gegenüber, einen rechts und einen links, nahmen wir uns vom Tisch am Eingang jeweils ein Skript der Marke “Eine Frau” oder “Ein Mann” – jedes lag doppelt da; und das Lesen ging los. Die Skripts waren inhaltlich alle gleich. Nur an verschiedenen Stellen markiert. Und das was markiert war musste gelesen werden – wie?..das war einem selbst überlassen.
Das Skript war natürlich so ausgelegt, das es “Komplikationen” geben musste: Da wurden farbig-markierte Schrägstriche in Texten von anderen gesetzt, rhetorische Fragen gestellt und Theater- und Leseformen und -arten in Frage gestellt: Großartig. Das Textbuch war in viele Details durchdacht und besaß die ein-oder-andere tolle Wendung, so das es bis zur letzten Seite – Pardon, vorletzten Seite – nie langweilig wurde.
Wir vier hatten sehr viel Spaß und ich hätte wie bei “Blind Lunch” oder “Étiquette” durchaus Lust das Ganze noch einmal zu machen. Großartig!..und jedem zu empfehlen. Wenn ich es noch einmal mache, verrate ich auch noch einige Leckerbissen – *ähh… Leckertextstellen. Applaus für Autoren und (Mit-)Leser.
“This is my father” (Ilay den Boer, Israel/Niederlande)
Erlebt man einen Performer am Morgen beim Frühstück im Hotel fällt es schwer diesen Moment am Abend im Zuschauerraum zu vergessen bzw. auszublenden. Vor allem wenn er genauso witzig mit seinem Vater umgeht wie auf der Bühne. Ich muss dazu sagen: An diesem Tag feierte sein Vater Geburtstag – genauer gesagt seinen 53. – und schon am Morgen machte er seinen Spaß wie eben erwähnt, Abends. Früh stellte Ilay seinem Vater eine Serviette auf das Frühstück und gab ihm irgendetwas in den Kaffee/Tee – schon eine besondere Art jemanden zu zeigen, wie sehr man ihn liebt. Aber zurück zum eigentlichen Thema.
Die Vorstellung ging so los wie das Frühstück im Hotel. Locker, flockig, familiär. Es sollte darum gehen zu vergleichen wie sehr sich Vater und Sohn unterscheiden. Christlich und Jüdisch, ohne und mit Mutter aufgewachsen, in den 60/70ern oder 90ern groß geworden. Es ging um Sport und Hobbys, Reisen und Familie, Erfahrungen und einschneidende Momente im Leben. Man bekam am Anfang der Performance einen Lebenslauf des Vaters ausgeteilt und durfte Fragen stellen was bestimmte Momente im Leben des Vater bedeuten und daran versuchten dann die beiden – bzw. eher Ilay – Unterschiede der beiden herauszufinden. Das das während die beiden auf der Bühne Fußballspielend und mit dem Publikum agierend immer mehr abgleitet in den Ernst des Lebens, bekommt man als Zuschauer erst mit, wenn es bereits zu spät ist.
Über das Fußballspielen und eine Geschichte in Illay Lebens wird die Situation immer ernster.
Kurz gefasst wurde Ilay als Kind mehrmals geschlagen, gehänselt und vorgeführt auf Grund seines jüdischen Glaubens. Und das von seinen Fußballfreunden aus der eigenen Mannschaft. Dies findet in einer performativ-inszenierten halben Stunde statt, die einen exakt von Anfang bis Ende nicht mehr loslässt. Am Ende sitz man sprach- und bewegungslos im Zuschauerraum und braucht Zeit das gesehene zu Verarbeiten. Ich habe diese “Verarbeitung” in Bilder gefasst. Lasst einfach eure Phantasie und Erfahrung sprechen.
Grandioses autobiografisches Performancetheater, welches nicht mit dem klassischen Zeigefinger arbeitet, sondern einen persönlich in heutige Formen von Antisemitismus hineinzieht. Bravo!
“White Rabbit, Red Rabbit” (Nassim Soleimanpour, Iran)
Alle guten Dinge sind drei. Und dabei ist erstmal Bergfest…
Diesmal trug die bekannte Schauspielerin Anna Thalbach das Stück vor…wie es war erfahrt ihr in einigen Tagen
– und wie gewohnt, Gruppen- und Endbild.
Bis morgen, euer Eric…








































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![Ganz scharf: [O]*ldenburger Staatstheater. Ohne läuft hier nichts!](http://www.die-junge-buehne.de/blog/wp-content/uploads/100_3505-150x150.jpg)









