Blog „Produktionsblog “Mein Freund Bunbury”“

das große krabbeln

Dienstag, 3. Mai 2011

hier ein video-beitrag vom stadttheater bern zu GRUPPE JUNGER HUND von händl klaus, das ich gestern gesehen habe, das mich aber nicht hat überzeugen können… zu den gründen später mehr!


und meine assoziation dazu: aus der reihe green porn von isabella rossellini.

fos

Komplettprobe

Sonntag, 29. November 2009

kp1_blogEine Komplettprobe ist das erste Zusammentreffen aller, die an dem Stück “Mein Freund Bunbury” beteiligt sind. Da wären zum Beispiel die Darsteller, das Ballett, der Chor, Requisite, Kostüm, Licht, Ton und Maske, denn bis dahin hat man entweder allein oder nur zum Teil gemeinsam geprobt.

Die erste Komplettprobe birgt durchaus ihre Tücken… da es für alle Beteiligten ein etwas anderes Gefühl ist als bei den Proben, da man auf der Bühne mit Originalkostümen und Licht und allem Drumherum spielen muss. Dadurch haben die Darsteller ab und an vielleicht noch mal einen Texthänger, aber dann hilft ihnen die Souffleuse weiter, die direkt neben der Bühne sitzt.

Da es in diesem Stück viele Requisiten gibt, kann es auch vorkommen, dass vergessen wird, ein Requisit aus dem Bild zu nehmen, das man aber für die nächste Szene wieder auf der anderen Seite der Bühne braucht. Durchaus versäumt auch mal jemand seinen Auftritt, da eventuell der Wechsel in ein anderes Kostüm länger gedauert hat als erwartet. Aber dann wird die Szene einfach noch mal von vorne gemacht, es ist ja schließlich keine Vorstellung.

Meine Aufgabe war es, neben Ronald Winter (Bühnenbild) zu sitzen und alles aufzuschreiben, was ihm noch nicht gefällt oder was noch geändert werden soll an der Bühne, wie zum Beispiel: der Effekt wurde zu früh gezündet, die Lichtstimmung ist zu dunkel… Denn wenn dann wirklich alle Darsteller auf der Bühne sind, sieht man erst, ob eine Szene noch mal geleuchtet werden muss, weil es einfach zu dunkel ist. Dafür gibt es extra das Nachleuchten.

Am Ende wurde das Finale umgestellt, da sehr viele Menschen auf  der Bühne sind und man versuchte, eine klare Linie in das Geschehen zu bringen.

Das war meine Sicht der Komplettprobe.

Bis demnächst! Caro

Die Bühnenorchesterprobe – Der Countdown läuft!

Samstag, 28. November 2009

Wieder zurück im heimischen Theater Nordhausen, wieder im Zuschauerraum. Es ist soweit, heute findet die erste Bühnenorchesterprobe unter Leitung von Herrn Stessin statt: Ensemble, Opernchor und Orchester gemeinsam in Aktion.

Ich komme zur zweiten Probenhälfte dazu, gerade war eine kurze Pause. Noch summt und murmelt es auf der Bühne, und im Orchestergraben werden die Instrumente nachgestimmt. Statist Ingolf übt konzentriert seine Tanzschritte, während sich der Opernchor an Bühnenbild und Requisiten erfreut: die Schöpfkelle der Gulaschkanone wird zur Kopfkelle umfunktioniert und ziert nun den Kopf einer Sängerin.

Achtung, es geht los! Die Chorsänger klatschen im Takt der einsetzenden Musik und Cecily singt!… Das heißt… normalerweise zumindest singt jetzt Cecily alias Corinna. Aber die Grippe hat auch vor ihr nicht Halt gemacht und sie muss das Bett hüten (an dieser Stelle zitiere ich Theaterpädagogin Daniela: “Theater ist wie Kindergarten. Hat’s einer, haben’s alle”.) So darf Studienleiter Herr Mönius in “Damals in Soho” die Geschichte von Jack the Ripper singen (natürlich eine Oktave tiefer) und der eintretende Joshua “Jack”  fröhlich mit der Luft plaudern, während Cecilys Text vom Bühnenrand eingesprochen wird. Mit unvorhergesehenen Hindernissen muss man eben umzugehen wissen.

Nun werden die Chorpassagen (“Ooh-ooh-oh, so war das damals”) geübt, anschließend ist das Löffel-auf-den Teller-schlagen an der Reihe. Hier übernimmt der Opernchor sozusagen einen Percussion-Part, was offenbar gar nicht so einfach ist, da “der erste Schlag mit dem Löffel sehr koordiniert sein muss” (so bittet Herr Stessin aus dem Orchestergraben).

Und endlich darf Schauspielerin Sigrid alias Miss Prism über der Gulaschkanone erscheinen, beinahe angsteinflößend mit ihrer großen Suppenkelle, mit der sie großzügig imaginäre Kohlsuppe in die Percussion-Teller platschen lässt – es beginnt ein heiteres Suppe-Essen.

Der gigantische Schallplattenvorhang wird zum Umbau heruntergefahren, das Orchester lässt die Zwischenmusik ertönen. Ronalds Kommentar zu ihrem Hollywood-Disneyfilm-Flair: “Eigentlich müssten jetzt zwitschernde Vögel über die Bühne fliegen, die einen Kuchen backen oder Cinderellas Kleid nähen”. Als der Vorhang wieder hochfährt, präsentiert der Opernchor mit klappernden Teetassen eine Teebeutel-Würfelzucker-Untertassenklapperchoreographie, zu der gleichzeitig gesungen wird.

Und nun endlich mal wieder ein richtiges Vorher-Nachher-Erlebnis: Der “Hochstapler-Tango”. Ihr erinnert euch, dieses Lied habe ich zum ersten Mal in der Ensembleprobe zu Beginn der Produktion gehört. Und nun stehen Sandra und Joshua wirklich auf der großen Bühne im Original-Bühnenbild, und dem Lied wurde eine ganze Choreographie für Solisten und Opernchor hinzugefügt. Ja, bald ist Premiere!

In meiner geliebten “Kampfszene” zwischen Algernon und Cecily springt Herr Mönius wieder für Cecily ein, singt ihren Part und lässt es sich dann auch nicht nehmen, Anton “Algernon” die finale Ohrfeige zu verpassen.

Nach einem weiteren Bühnenbild-Wechsel (ich entdecke immer wieder neue Elemente) folgt der Schallplattentanz zu “Black Bottom” – anschließend stößt der reizende geflügelte Brief bei ihrem Abflug mit einem weniger reizenden Rumpeln irgendwo gegen und trudelt wie betrunken durch die Lüfte. Wie gesagt, der Schnürboden hängt sehr voll bei dieser Produktion…

Einen Regenschirmtanz von Algernon und Jack später wird die Applausordnung choreographiert (hierbei spielt Regisseur Wolfgang das ganze Ballett). Darüber macht man sich ja als Zuschauer nun wirklich die wenigsten Gedanken – aber bei ungefähr 40 Personen, die auf der Bühne beklatscht werden wollen und das auch noch mit musikalischer Begleitung, ist es eine absolute Notwendigkeit, die Vorstellung mit einer durchdachten Applausfolge abzurunden.

Denn geklatscht wird sicher viel. Oh ja!

Mit allerliebsten Grüßen aus dem Theater,

Hannah

Die Orchesterprobe – Es lebe die Musik!

Freitag, 20. November 2009

Ich sitze im Zuschauerraum und lasse mich von Klängen berieseln. Schauplatz ist heute der Konzertsaal des Hauses der Kunst in Sondershausen, einige Kilometer vom Theater Nordhausen entfernt. Auch hier arbeitet man an “Mein Freund Bunbury”: ich darf der Probe des Loh-Orchesters lauschen.

Die Musiker, die schon auf der Bühne sitzen, spielen sich ein. Eine Flöte zwitschert das Motiv von “Kommt und seid fröhlich”, Harfenklänge umhüllen die tiefen Töne der Kontrabässe und Geigennoten hüpfen darauf herum, dazu die freundlichen Klänge des Fagott (ich liebe Fagott!). Währenddessen bauen Schlagzeugerin und Percussionist hinten auf der Bühne ihre Schlagwerk-Festungen auf. Die Hornisten kommen mit ihren Hörnern herein, die Cellisten kommen mit ihren Celli herein, die Trompeter kommen mit ihren Trompeten herein, Erster Kapellmeister und Musikalischer Leiter Alexander Stessin kommt mit seiner Wasserflasche herein. Es wird flott gestimmt, dann sorgt ein freundliches “Schönen guten Morgen” für Stille. Und es geht los – ein Orchester spielt!

Es klingt wie der Vorspann eines alten Films und ich sitze da und starre die Musiker an, die plötzlich so eine große Einheit bilden in ihrem Wechsel- und Zusammenspiel der Blas- und Streichinstrumente, mit Untermauerung von Schlagzeug und Percussion. Und vor ihnen steht Herr Stessin, der über alles den Überblick haben muss und mit großen, exakten Gesten dirigiert.

Ich muss an meine Freundin Carla denken, die sich gerade in München ein ganzes Jahr lang auf die Aufnahmeprüfung an einer Musikhochschule vorbereitet. Sie übt jeden Tag acht Stunden Geige, weil sie von Herzen Musik studieren möchte. Eine Mischung aus Leidenschaft und Disziplin ist vermutlich das Geheimnis, um es zum professionellen Musiker zu bringen…

Disziplin ist auch hier bei den Proben sehr wichtig: würde jeder Musiker zwischen den Stücken auf seinem Instrument herumdudeln/-zupfen/-schlagen, lägen wohl schon nach kurzer Zeit bei allen die Nerven blank. Naja, gegen Ende der Probe wird es dann schon ein bisschen unruhiger, doch das ist nach zweieinhalb Stunden nur allzu verständlich. Mit Konzentration und gutem Willen schafft das Orchester tatsächlich das ganze Bunbury-Repertoire in nach meinem Empfinden äußerst kurzer Zeit. Herr Stessin muss nur selten eingreifen, um eine Stelle wiederholen zu lassen.

Das heißt natürlich nicht, dass die Musiker nicht ab und zu einen Anlass finden, stumm in sich hineinzukichern (Lachtränen bei der Arbeit, wie schön), zufrieden – und auch mal leicht gequält – zu lächeln oder sich von der Tanzmusik mitreißen zu lassen (in Form eines fröhlichen Oberkörpertanzes. Ich will mitmachen!)

Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich Musik trotz exakter Töne wirken kann. Der zweite Durchlauf von “So wie du” (Disneyfilm-Charakter ;-)   ) ist so viel spannungsvoller, präsenter, energiegeladener als der erste. Waren jetzt alle konzentrierter oder vielleicht mehr mit dem Herzen dabei? Herr Stessin macht wenig Worte um die Nuancen, die er verändern möchte – das Orchester reagiert schnell. Ein paar Notizen in die Noten, und weiter geht’s.

Es macht Spaß, zuzuhören! Vor meinem inneren Auge zieht die muntere Heilsarmee-Polonaise vorbei, ich sehe Jack und Cecily tanzen und höre die Charleston-Girls in meinem Kopf Karaoke singen. Mit “Ich halt dich fest für’s ganze Leben”, inklusive Kopfkino der witzigsten Bühnenchoreographien von Cecily und Algernon, ist mein Tag gerettet. Ach, wird das cool, wenn bald alles zusammengefügt wird!

Trallala,

Hannah

Beleuchtungsprobe

Donnerstag, 19. November 2009

Bei der Beleuchtungsprobe wird, wie der Name schon sagt, “beleuchtet”. Regisseur Wolfgang Dosch bestimmt dann, welcher Scheinwerfer wann wie stark zu leuchten hat, um die Stimmung in der Szene zu übertragen. Zum Beispiel: “Mach den Scheinwerfer Nummer 15 noch mal 5 % heller und den anderen 25%, gut, das ist jetzt die neue Stimmung 26.” Die einzelnen Lichtwechsel in einer Szene werden Stimmungen genannt. Außerdem wird gleichzeitig festgelegt, wie schnell ein Lichtwechsel geschehen soll.

Die Beleuchtungsproben haben an diesem Tag um 14 Uhr angefangen, als Beleuchtungsstatisten waren Hannah und Christina eingetragen, gegen 18 Uhr war dann bis 19 Uhr Pause und im Anschluss von 19 bis 23 Uhr war ich dann zusammen mit Zivi Alexander eingeteilt. Um den Job als Beleuchtungsstatist reißt sich gewöhnlich niemand im Theater. Regisseur Wolfgang Dosch sagt einem, wo man sich hinstellen soll, und dann wird man sozusagen ins richtige Licht gerückt. Unbedingte Voraussetzung: Stehvermögen!!! Aber trotz allem ist es toll, wenn das neue Bühnenbild steht, dann erst bekommt man ein Gefühl für den Raum.

Ab und an wird nach der Technik gerufen für einen Umbau in die nächste Szene. Während der Beleuchtungsprobe kommunizieren die Technik, Beleuchtung und Regie über Lautsprecher, da sich einige Beleuchter hinter der Bühne aufhalten, um die Scheinwerfer einzurichten, und andere wiederum woanders hin verstreut sind, um ihrer Arbeit nachzugehen.

Erstaunlich ist, dass man auf der Bühne manchmal gar nicht so genau mitkriegt, was sich gerade verändert hat, anders als wenn man im Zuschauerraum sitzt.

Bis bald

Caro

“Lustig-unterhaltsam-spritzig” – Interview mit Regieassistentin Christine Bossert

Mittwoch, 18. November 2009

Noch am Überlegen, ob es eine gute Idee war, sie um ein Interview zu bitten, nahmen wir an einem Tisch Platz. In solchen Dingen bin ich noch nie gut gewesen, immer zu aufgeregt und irgendwie eingeschüchtert. Da saß ich also und mir gegenüber: eine wunderbar aufgeschlossene und freundliche Christine Bossert, die Regieassistentin von “Mein Freund Bunbury”. Dann legten wir einfach los.

Was genau macht eigentlich ein Regieassistent?

Gute Frage! (grinst und nach kurzer Denkpause:) Ein Regieassistent assistiert, wie der Name sagt, dem Regisseur. Das heißt, man ist auf allen Proben anwesend und führt das Regiebuch. Darin werden alle Handlungen von Solisten, Chor etc. neben allen technischen Daten möglichst genau und detailliert festgehalten. Damit es immer ein Buch gibt, an dem man sich orientieren kann bei z. B. Umbesetzungen, Wiederaufnahmen oder Krankheitsfällen.

Dann macht der Regieassistent auch viele organisatorische Sachen, wie die Probenplanung, Absprachen mit den Gewerken (Requisite, Ton, Licht) und Terminkoordination für den Regisseur. Man ist also die Schnittstelle und die Verbindung aller Beteiligten an der Produktion.

Hat man gewisse kreative Freiheiten, oder ist man fest an den Regisseur gebunden?

Das kommt vor allem auf die Regisseure an. Es ist sehr unterschiedlich, was gewünscht bzw. akzeptiert wird. Wirklich selber kreativ ist man aber meist nicht. Man ist eher ein Zuarbeiter und eine Art Berater.

Gibt es für diesen Beruf gewisse Grundqualifikationen oder Ausbildungen, die man mitbringen sollte?

Es gibt ganz unterschiedliche Wege, die man gehen kann. Es gibt viele Leute, die haben Theater- oder Musikwissenschaft studiert. Sie wollen Regie machen und gehen dann als Regieassistent erstmal an ein Theater. Das ist einfach das Beste. Man kann auch an verschiedenen Hochschulen Regie studieren, aber so einen fulminanten Einblick in wirklich alle Abteilungen bekommt man fast durch keinen anderen Job. Andere Regieassistenten sind z. B. durch Hospitanzen oder Praktika hinein gerutscht.

Gibt es Phasen während einer Produktion, die schwieriger bzw. anstrengender sind als die anderen?

Die Endprobenzeit. Das fängt jetzt auch bein “Bunbury” an. Die letzten 3 Wochen sind für das Regieteam extrem anstrengend. Die Beleuchtungsproben beginnen, die szenischen Proben müssen auf den Punkt gebracht werden, man ist von morgens bis nachts im Theater und selbst zu Hause kann man nicht abschalten, weil die Lieder noch im Kopf rumspuken.

Was uns jetzt natürlich besonders interessiert, ist, wie aus deiner Sicht zurzeit die Proben für “Mein Freund Bunbury” laufen?

Super! (beherztes Lachen) Sehr, sehr gut!

Aber ein Problem bei “Bunbury” sind die Texte zwischen den Liedern. Die Musiknummern sind in sich schon ziemlich schmissig und da muss man jetzt schauen, dass die Texte auf dasselbe Niveau kommen. Und das ist natürlich relativ schwierig, da die Musik mit viel Tanz und Präsenz den inhalttragenden Text von Grund auf schon dominiert.

Ansonsten sind viel Chor- und Ballettauftritte dabei, viel Getummel auf der Bühne. Es wird dadurch sehr bunt und trubelig.

Könntest du diese Produktion kurz mit drei Worten beschreiben?

Lustig – unterhaltsam – spritzig!

Hast du eine Lieblingsszene oder -musiknummer?

Ich liiiiebe als Musik den “Hochstaplertango”.

Bist du wegen der Premiere aufgeregt?

(kurzes Überlegen) Eigentlich nicht.

… Vorfreude eher?

Ach, es ist schön, wenn es dann alles zusammenkommt und man sieht, wie alles zusammengebaut ist, darauf freue ich mich immer.

Mit dieser Frage beendete ich mein Interview und war erleichtert, dass es so einfach und locker vonstatten gegangen ist. Mein Lampenfieber war also umsonst. Ein riesengroßes DANKE SCHÖN geht an Christine Bossert, die trotz beginnenden Endprobenphasenstresses sich Zeit für uns genommen hat und meine Fragen ohne Ausnahme umfangreich und charmant beantwortet hat. Ich hoffe, ich konnte es wenigstens halb so spannend und interessant festhalten, wie ich es live empfunden habe.

Also dann bis später

die Jasmin

Produktionsblog: Interview mit dem Bühnenbildner

Montag, 16. November 2009

Die Technische Einrichtung: heute werden alle fertigen Bühnen- und Dekorationsteile auf der Bühne aufgebaut, das Bühnenbild kann also zum ersten Mal  in natura in Augenschein genommen werden. Ein spannender Tag für Ronald Winter, den Bühnenbildner. Er winkt mir von weitem nervös zu, doch als er sich zum Interview neben mir auf einen Samtsessel fallen lässt, grinst er glücklich übers ganze Gesicht: “Heute werd ich Papa!”

Ronald, wie fühlst du dich gerade?

Bei technischen Einrichtungen bin ich immer sehr aufgeregt. Das muss man sich mal vorstellen: Vor eineinhalb Jahren habe ich erfahren, dass ich für das Bühnenbild von “Bunbury” verantwortlich sein würde. Vor einigen Monaten dann habe ich Regisseur Wolfgang getroffen und wir haben über das Bühnenbild gesprochen. Dann habe ich wild drauflos gezeichnet… und irgendwann wurden aus den Kritzeleien Skizzen, aus den Skizzen Entwürfe und aus den Entwürfen technische Zeichnungen. Diese wurden dann in den Werkstätten in Holz und Aluminium verwandelt und haben im Malsaal Farbe und Leben erhalten. Und jetzt steht das alles groß auf der Bühne – das ist ein geiles Gefühl!

Was könnte heute denn schief gehen?

Der Schnürboden (Anmerkung: auf dem Schnürboden verlaufen alle Züge, an denen man Bühnenteile, z. B. einen Vorhang, befestigen und während der Vorstellung hochziehen und herunterlassen kann) ist ziemlich voll, in jedem Zug hängt ein Deko-Teil. Normalerweise ist nur jeder zweite Zug bestückt, es könnte also sein, dass sich die Züge verhaken. Theoretisch sollte es klappen, aber praktisch… man hat schon Pferde vor der Apotheke…

Wie lange wird die Technische Einrichtung dauern?

Acht Stunden sollten reichen. Es müssen ja keine großen Wände zusammengebaut werden. Morgen ist dann die erste Bühnenprobe mit dem Bühnenbild.

Schaust du während der Produktion der Bühnenteile ab und zu im Malsaal vorbei, um die Arbeit zu begutachten?

Na klar, manchmal sieht man erst an Originalteilen, dass noch etwas fehlt. So habe ich zum Beispiel gemerkt, dass die weißen Deko-Elemente zu steril wirkten, und habe Jasmin gesagt, sie solle noch silbernen Glitzer draufmachen.

Was ist das größte Missgeschick, das dir je bein eine TE passiert ist?

Zum Glück habe ich bisher keines erlebt, weil ich sehr gewissenhaft bin. Es ist schon vorgekommen, dass mir die technische Leitung kurz vor einer Premiere prophezeit hat, dass mein Bühnenbild, ein großes Buch, das sich aufklappt, nicht funktionieren würde. Aber es hat geklappt – hahahahaha!

Produktionsblog: Die Technische Einrichtung – Fliegende Schallplatten oder Die pinke Gefahrenzone

Montag, 16. November 2009

Deko-Teile werden in die Zugstangen gehängtEs ist Montagmorgen, das Telefon klingelt. Aus dem Hörer ertönt ein lauter Schrei: “Vorsicht!”. Aha. Meine Einladung zur Technischen Einrichtung. Also auf ins Abenteuer! Ich betrete den Zuschauerraum und werde von einem herzlichen Quiiiietschen eines über die Bühne gezogenen Metallbalkens begrüßt. Begeisterung bei den Bühnentechnikern, sie halten sich die Ohren zu und der Übeltäter lässt das riesige Teil so unauffällig wie möglich verschwinden.

Die Bühne füllt sich. Zehn Bühnentechniker, zwei Schlosser, Zivi Alexander, Bühnenbildner Ronald und Werkstattleiter Jürgen Bley tummeln sich um die heruntergelassenen eisernen Zugstangen und ich sterbe tausend Tode, wenn wieder eine mit hoher Geschwindigkeit vom Himmel fällt – in Wirklichkeit hat sie ein unsichtbarer Techniker am Handzug fest im Griff, trotzdem bange ich um die ungeschützten Köpfe der lässig scherzenden Bühnentechniker. Jeder hat etwas an den Stangen zu tun: Man knüpft Vorhänge ab und macht neue dran, man fährt “Ringobjekte”, Elefantenköpfe, kultige Masken und riesige Blüten hoch und runter (Ronald bangt um seine Babies, als sie dumpf auf dem Boden aufschlagen, schließlich “ist das nur Sperrholz und ein bisschen Farbe”), man stellt pinke Wände mit lila Streifen auf und amüsiert sich über die “fliegende Schallplatte”, ein herzallerliebstes Quadrat mit Glitzerflügeln.

Ronald ist hier der Chef, spielt sich aber nicht dazu auf. Er trägt die ganze Verantwortung: sollte er etwas falsch kalkuliert haben, wird es auch falsch aufgebaut. Es ist nichts falsch kalkuliert. Offenbar ist seine nächtliche Arbeit (“Für mich ist der Tag nichts für kreative Arbeit, erst ab 23 Uhr fließen meine Ideen”. Ich frage mich, wann er überhaupt schläft.) tatsächlich so exakt, wie sie auf dem Miniatur-Bühnenbild, das vor der Bühne steht, aussieht.Das Bühnenbild - Original und Modell

Einige Stunden später hat sich die Bühne in ein bonbonfarbenes Sixties-Studio verwandelt. Sehr cool! Eine riesige Schallplatte schwebt an der silbernen Rückwand und versteckt sind natürlich noch die zahlreichen Deko-Elemente, die heruntergelassen werden können… Morgen dürfen sich die Darsteller hier also zum ersten Mal auf dem Original-Bühnenbild austoben. Das wird ein Spaß!

Wie immer fröhliche Grüße

von Hannah

Produktionsblog: Bericht aus dem Malsaal

Freitag, 13. November 2009

Sehr geehrte Kunst- und Kulturfreunde,

trotz meiner mangelnden Medizinkenntnisse gelang es mir während der intensiven Arbeit im Malsaal, viele seltene Krankheiten zu erkennen und zu erforschen.Pinkfarbene Gassen im Malsaal

Die erste Erkrankung – von mir als “Schallplattenkrankheit” bezeichnet (in Fachkreisen auch als “Däumlingssyndrom” bekannt) – führt dazu, dass man sich klein und schäbig vor den riesenhaften Bodentüchern und Prospekten vorkommt. Insbesondere die riesige Schallplatte (DDR-Originalausgabe), die von Carsten und Sven kunstvoll aufgemalt wurde, führt dazu, dass man sich winzig vorkommt.

Eine weitere nur im Malsaal vorkommende Erkrankung ist die Farbfleckenkrankheit. Um intensive Eindrücke bei den Zuschauern zu erzielen, ist es mitunter notwendig, große Flächen einfarbig zu gestalten. Das führt zu farblicher Verwirrung, die sich dann darin äußert, dass man die ganze Welt rosa-rot gefleckt erscheint. Der geneigte Zuschauer mag sich davon aber selbst ein Bild machen.

Auch das kübelweise Verarbeiten von aromatischen Farben führt zu einer Krankheit, die als eingeschränkte Wahrnehmung des Geruchssinns bezeichnet werden kann, was jegliche Form von Nahrungsaufnahme sehr schmackhaft werden lässt ;-)

All diese Krankheiten zusammengenommen führen zu einer Bunburysierung, sprich totalen Erschöpfung der Werkstattmitarbeiter…

Eure Nadja

Produktionsblog: Sie singen!

Dienstag, 10. November 2009

Es ist mal wieder Zeit! Mit reichlich Verspätung öffnen sich euch nun die großen Tore zum kleinen Chorsaal des Theaters, an dem ich wochenlang immer nur vorbeigelaufen bin. Denn hier fand zu Beginn der Probenzeit im Oktober die erste Ensembleprobe der “Bunbury”-Produktion statt.

“Guten Morgen, ich bin Gwendolen.” – “Und ich die Cecily”, die beiden jungen Sängerinnen Sandra und Corinna schütteln sich herzlich die Hand, sie treffen sich heute zum ersten Mal. Soso, man stellt sich also direkt in seiner Rolle vor. Nach und nach tröpfeln die anderen Sänger und Schauspieler herein: Joshua “Jack”, Anton “Algernon”, Uta “Lady Bracknell”, Sigrid “Lady Greenham” und Thomas “Chasuble”. Und natürlich Studienleiter Mathias Mönius mit Pianist Johannes, der seinen Rucksack neben das Klavier segeln lässt und das angeregte Gemurmel mit einem pompösen Akkord übertönt. Die Probe beginnt. Man singt.

Wow, man singt! Für meine Ohren klingt es schon genial. “Mein Freund Bunbury” und “So wie du” (letzteres wird laut Herrn Mönius “das große Finale, wie bei einer Fernsehshow”) gehen herunter wie Honig. Doch schon bald beginnt die erste Tüftelei: Zäsuren werden in die Notenbücher eingetragen, Atemeinsätze geübt, Akzente überbetont und manche Musical-Weisheit neu entwickelt: “Alle begnadeten Tenöre und Soprane singen den hohen Ton, und die weniger Begabten nicht – ähm, ich meine, die tieferen Stimmen…” Diskriminierung im Musiksaal?!

Ach, es ist herrlich, dass Regisseure und Studienleiter aus einem schier unerschöpflichen Füllhorn von Metaphern zu schöpfen wissen, um Sängern und Schauspielern ihre Figur näherzubringen: Herr Mönius rät Joshua und Corinna, dem swingenden Rausschmeißerstück “Goodbye” (Joshua übt hier schon einmal seine Jazz-Hands mit passendem Hüftschwung) “einen Hauch von Johann Sebastian Bach” hinzuzufügen, “aber nur einen Hauch!” Tihihi. 

Nun der Hochstapler-Tango: Nachdem Klavier-Johannes den “String-Tango” als “nur mit Streichern besetzten Tango” definiert hat (ja, eine Ensembleprobe lässt auch Raum für kleine Assoziationsketten), und der aus den USA stammende Joshua das Parkett nun auch wie den Tanzboden und nicht mehr wie eine Postsendung ausspricht, besteht Sandra nach einigen Anläufen auch den “Pisa-Test” und singt vom “schiefen Turm von Pisa” und nicht mehr vom “tiefen Turm von Pisa”. Nun ja, nach dem Hinweis, sie solle an einer Stelle etwas tiefer singen, ist dieser Versprecher ja kein Wunder…

Töne werden verfeinert (“Das ist ein E! Bei dir klang es jetzt jetzt sehr Essig. Also… wie ein Es. Mut zum E!”), Selbstkritik wird geübt (“Käse spiel ich da gerade”), man (Anton) bereitet sich auf zukünftige Stepptanzeinlagen vor, man wundert sich über kapitalistische Anglizismen in den Liedtexten, wie z. B. “Baby”. Das in “Piccadilly” von Corinna “selbst erdachte G” muss weichen, denn es klingt laut Johannes ”zwar besser, nach Gospel oder Blues, aber das hier ist leider nur Bierzelt”. … und zwischendurch bietet der Spiegel an der Wand eine großartige Möglichkeit, sich die Haare zu richten  und einsame Grimassen zu schneiden. Jaja, die Künstler ;-)

Ach, war das schön. Ich bin mal wieder um einen Haufen Ohrwürmer reicher - kein Wunder, dass sich meine Bürokollegen jetzt ständig mein Geträller anhören müssen. Verzeiht!

Bis bald, glückliche Grüße ausm Theater

Hannah