Blog „radikal jung 2009“

kommt´s wieder

Samstag, 25. April 2009

letztes-bild1

ich verweigere mich einem resümee, das sich zur aufgabe macht, lacher, küsse und kreuzigungsszenen zu zählen. das sollen andere machen. deswegen in aller kürze: radikal jung 2009 am volkstheater münchen - sieben tage, acht stücke, viel gehaltvolle aber verdaubare theaterkost. alle acht inszenierungen konnten auf ihre weise gefallen, berühren, nachdenklich machen. vor allem haben sie in ihrer gesamtheit die ganze bandbreite an junger regie gezeigt.

wenn radikal jung, wie c. bernd sucher in einem interview zu mir gesagt hat, ein produkt* ist - dann verkauft es sich gut. die meisten werden wiederkommen. ich auch. und damit schließe ich, tired an emotional. sattgesehen aber glücklich.

auf wiedersehen. und denkt daran: wenn man sich an die regeln hält - dann ist der berg euer freund. fos

* hier könnte eine mögliche kritik ansetzen

schön war´s

Samstag, 25. April 2009

ein fazit

bei deutschlandradio kultur

noch ein fazit: eine bilanz des festivals radikal jung 2009 von thomas koppelt

bei bayern 2

23.04. faust von simon solberg

Samstag, 25. April 2009
faust

simon solberg...

faust

... spart nicht an material

man kann simon solberg wahrscheinlich einiges und vermutlich mit recht vorwerfen… tatsächlich aber macht solbergs faust einfach spaß. und berührt trotz des rasanten tempos. das letzte stück, das bei radikal jung gezeigt wurde, - ein einziges kontrastprogramm zu den anderen eingeladenen inszenierungen: spielwütig, überfrachtet. in welcher gesellschaft leben wir eigentlich, könnte man mit faust fragen und mit solberg antworten: in einer bunten warenwelt mit überangebot und leistungsdruck: höher, schneller, weiter - jeder dem anderen ein wolf. faust, die raupe nimmersatt, läuft dem maximalen genuss/erlebnis/gefühl… hinterher und der zuschauer stolpert mit. mit spielwut spurten die schauspieler, sechs verwandlungskünstler, durch diese inszenierung, liefern sich eine requisitenschlacht - jedes ding kommt multifunktional und ideenreich zum einsatz. solbergs faust erinnert an impro-theater, ist ein gagfeuerwerk, kein popkulturelles zitat wird ausgelassen - beinahe unmöglich (oder unmöglich?), (beim ersten sehen) alle querverweise zu entschlüsseln. simon solberg, heißt es im publikumsgespräch, greife aus der luft, was in der luft liegt. nicht alle im publikum können diesen weg mitgehen. dabei ist solbergs ansatz ein durchaus ernster: kalkulierter blödsinn als kapitulation vor der welt. fos


von der kunst, gegen die tatsachen zu existieren

Samstag, 25. April 2009

caligula

„menschenschlächter“ würde die bild wahrscheinlich über caligula titeln. wesentlich facettenreicher ist das bild des schreckenherrschers, das jette steckel in ihrer inszenierung caligula entwirft. galigula verzweifelt am (un-)sinn des lebens: er muss für sich erfahren, dass ihm das leben per se nicht grund genug ist, sich an seiner selbst, an seiner existenz beziehungsweise am leben zu erfreuen. um andere menschen gewaltsam zur selben einsicht zu zwingen, errichtet er eine schreckensherrschaft, ihnen die fragwürdigkeit von werten und moral zu diktieren. einen selbstmord maximaler dimension hat jette steckel mit caligula inszeniert: alle müssen sterben, bevor caligula selbst hand an sich legt, - auch das publikum. das ist bei caligula teil des stückes, das zwischen spiel/spaß und blutigem ernst alterniert. um die personage von einer zwei- auf eine einstellige zahl zu verringern, hat jette steckel das publikum mit eingebunden (nachzulesen bei „www.nachtkritik.de). wichtiger: steckels caligula, gespielt von marco kreibich, changiert zwischen kindlicher naivität, depression und verzweiflung, sadismus, größenwahn und entertainment. ein urteil im sinne der bildzeitung zu brechen, dazu lädt steckel nicht ein. vielmehr fühlt man mit den figuren mit. caligula ein sinnsuchender, der das gefühl für das rechte maß verloren hat. einzige befriedigung scheint ihm der griff nach den sternen zu sein: man soll ihm den mond beschaffen - das unmögliche wollen als antwort auf die frage nach dem sinn?

ein ähnliches problem, wenngleich im hinblick auf die tragweite mit wesentlich gemäßigteren konsequenzen, haben thomas bernhards figuren in gehen. gehen beschreibt die korrespondenz von gehen und denken und erzählt die geschichte von karrer, der verrückt geworden ist. in welcher beziehung gehen von thomas bernhard mit caligula von camus steht? hier einige aufschlussreiche passagen aus gehen zum nachlesen und nachvollziehen: „von einem augenblick auf den andern überhaupt nichts mehr zu akzeptieren, heißt verstand haben, keinen menschen und keine sache, kein system und naturgemäß auch keinen gedanken, ganz einfach nichts mehr und sich in dieser tatsächlich revolutionären erkenntnis umbringen.“ caligula ein revolutionär? jette steckel zeigte sich von camus beeindruckt, weil er die anstrengung unternehme, einen gedanken konsequent zu ende zu führen. was es meint, einen gedanken zu ende zu denken, hat steckel mit caligula zu zeigen versucht. mit bernhard ließe sich caligula der rat geben: „die kunst des nachdenkens besteht in der kunst, […] das denken genau vor dem tödlichen augenblick abzubrechen.“ was sonst passiert, verrät karrer-caligula: „einmal überschreitet diese übung die grenze zur verrücktheit, darauf kann ich aber keine rücksicht nehmen, so karrer. die zeit, in welcher ich rücksicht genommen habe, ist vorbei, ich nehme keine rücksicht mehr, so karrer. der zustand der vollkommenen gleichgültigkeit, in welchem ich mich dann befinde, so karrer, ist ein durch und durch philosophischer zustand.“ fos

verpeilt und verschallert

Freitag, 24. April 2009

das festival ist rum, die luft raus und ich bin wieder zuhause… nach einer mütze schlaf findet ihr morgen an dieser stelle gedanken zu caligula, einen kommentar zu faust und ein paar resümierende worte über das festival… fos

23.04. welch schauspiel!

Freitag, 24. April 2009

eine kritik zu simon solbergs faust

bei “www.nachtkritik.de”

bei “www.welt.de”

bei “www.dradio.de”

schön gesagt

Freitag, 24. April 2009

publikumsgespräch zu simon solbergs inszenierung faust: anlässlich der frage, ob zu oft die gleichen popkulturellen referenzen zitiert würden, bemerkte mareike mikat über die arbeit von jungregisseuren: “wir sind sampler. vielleicht ist das das verbindende…” fos

“ich habe schon ein gewissensproblem”

Freitag, 24. April 2009
abschlussgespräch

im gespräch: rothenhäusler, sommerhäuser, jakubaschk, mikat

gestern abend fand ein abschlussgespräch mit vier der insgesamt acht eingeladenen jungregisseure statt. felix rothenhäusler, corinna sommerhäuser, ronny jakubaschk und mareike mikat unterhielten sich, angeleitet von bayern 2, über ost-west-unterschiede, das biotop theater und politik auf der bühne… ein kleiner auszug:

über theater

mareike mikat: wir haben die aufgabe, die zukunft des theaters zu entwickeln

ronny jakubaschk: es lohnt sich, dafür zu kämpfen, einen raum zu haben, in dem kommuniziert wird

felix rothenhäusler: es geht um ein sich in ein verhältnis stellen zu dem, was passiert

corinna sommerhäuser: ich habe schon ein gewissensproblem, wenn theater mit solchen summen unterstützt wird, aber frauenhäuser geschlossen werden

muss theater auf die krise reagieren?

felix rothenhäusler: eine unmittelbare reaktion auf probleme ist zu kurz gegriffen; es geht mehr um eine suche nach langfristig gültigen themen

über politisches theater

mareike mikat: wenn man ganz konkret etwas will, wird es schwierig. es gibt eine diskrepanz zwischen der forderung an junge regisseure politischer zu sein und der kritik, wenn tatsächlich stellung bezogen wird

über das biotop theater

mareike mikat: ich liebe es, permanent zu arbeiten. wenn ich nicht probe, werde ich wahnsinnig

ronny jakubaschk: theaterarbeit ist ein permanenter dialog

über ost-west-unterschiede

mareike mikat: deutschland ist bis heute ein geteiltes land. zu den zwei seiten ost und west ist eine dritte dazugekommen: die der migrationskinder

fos

and the winner is…

Freitag, 24. April 2009

jette steckel

caligula! jette steckel hat gestern abend den publikumspreis für ihre inszenierung caligula entgegengenommen. überreicht und gestiftet wurden die 2500€ durch die freunde des münchner volkstheaters.

die studenten der theater-, film- und fernsehkritik der bayerischen theaterakademie überreichten ebenfalls einen preis. ihre flasche wein ging an felix rothenhäusler. studenten der regie, theaterwissenschaft und dramaturgie setzten mit einem kasten bier noch einen drauf: auch sie hielten felix rothenhäuslers produktion ödipus für preiswürdig. fos

münchner alternativen

Donnerstag, 23. April 2009

dass es auch anders geht, zeigt stephan kimmig mit seiner version von glaube liebe hoffnung an den münchner kammerspielen, die mich übrigens mehr für sich einnehmen konnte. fos