Blog „Schlossfestspiele Schwerin 2010“

Heute Abend ist Premiere

Freitag, 25. Juni 2010
Shavleg Armasi (Padre Guardiano), Daniel Magdal (Alvaro) und Adva Tas (Leonora) - Foto: Silke Winkler

Shavleg Armasi (Padre Guardiano), Daniel Magdal (Alvaro) und Adva Tas (Leonora) - Foto: Silke Winkler

An unserem letzten Tag des Festival-Blogs wünschen wir allen Beteiligten für die heutige Premiere Toi, toi, toi und allen Besuchern der diesjährigen Schlossfestspielen einen spannenden Opernabend.

Nina Heinrich und Fabian Holthus

Die Generalprobe und die Fußball-WM

Donnerstag, 24. Juni 2010
Volle Ränge bei der Generalprobe - Foto: Silke Winkler

Volle Ränge bei der Generalprobe - Foto: Silke Winkler

Gestern Abend war es soweit: Die große, letzte Probe von Die Macht des Schicksals fand auf dem Alten Garten bei herrlichem Wetter statt. Die Generalprobe war nicht nur für die Mitwirkenden der letzte Testdurchlauf, sondern auch für das Servicepersonal der ingold airlines, denn das Bodenpersonal ist Teil der fiktiven Fluggesellschaft (siehe hier), darunter die Programmverkäufer, das Catering- und Abenddienstpersonal. So konnte man noch sehen, wo es wackelt und es noch etwas zu verbessern gilt.

Erstaunlicherweise klappten alle Übergänge wunderbar, das von den Pyrotechnikern entfachte Feuerwerk brachte die Besucher zum Staunen. Lustige Szenen wechselten sich mit berührenden Szenen ab.

Nur eine Sache vermochte die Atmosphäre kurz zu trüben: Der Sieg Deutschlands beim abendlichen Fußballspiel (und das auf der Freilichtbühne im Schlosspark stattfindende Public-Viewing) überschnitt sich mit dem ersten Teil der Probe. So dröhnten zwischen dem Schicksalsmotiv und der Leonora Arie des 2. Aktes Vuvuzelas durch die Luft. Vereinzelt Fangesänge vermochten die Darsteller nicht zu irritieren und so konnten die Besucher auf der vollbesetzten Tribüne bis kurz vor Mitternacht einen spannenden Opern-Abend genießen.

Mit diesen Erlebnissen freuen uns auf ein schönes, Vuvuzela-freies Premierenwochenende.

Fabian Holthus

Von dunkelblond zu schwarz-gelockt

Dienstag, 22. Juni 2010

Wunderschönes dichtes, dunkelblondes Haar schmückt die Sängerin Sarah van der Kemp, die bei der Macht des Schicksals als eine der beiden Darstellerinnnen der Zigeunerin Preziosilla auf dem Alten Garten zu erleben sein wird – hier allerdings mit einer schwarzen, voluminösen Lockenmähne. Sie muss sich für die Rolle bei den diesjährigen SCHLOSSFESTSPIELEN SCHWERIN jedoch nicht die Haare färben und eine Dauerwelle machen lassen, sondern die Chefin der Maskenbildnerei Iris Kettner und ihre Mitarbeiterinnen fertigen für die Sängerin eine Perücke an.

Die Chefin der Maskenbildnerei Iris Kettner fertigt die Perücke für die Preziosilla - Foto: Nina Heinrich

Die Chefin der Maskenbildnerei Iris Kettner fertigt die Perücke für die Preziosilla - Foto: Nina Heinrich

Die Haare hierfür stammen vor allem aus Indien und Asien. Diese dann so auf den Kopf Sarah van der Kemps zu bringen, dass sie in der Gestalt einer Zigeunerin überzeugen kann, bedeutet sehr viel Arbeit: Das Herstellen einer Perücke nimmt etwa 40 Stunden in Anspruch. Zuerst wird ein Gipsabdruck des Kopfes der Sängerin genommen, der die Vorlage für das Netzteil liefert, an das dann die einzelnen Haare geknüpft werden. Die Haare werden erst gespalten, dann gebleicht und anschließend eingefärbt. Dringend muss darauf geachtet werden, dass die Strichrichtung der Haare beibehalten wird, da diese ansonsten nicht mehr brauchbar wären – die Perücke würde niemals frisierbar sein. Im Normalfall lässt sich eine Perücke pflegen und frisieren wie normales Kopfhaar. So können die Haare fetten, wenn der Darsteller darunter schwitzt, und werden daraufhin dann auch mit Shampoo gewaschen, wie eben das richtige Kopfhaar. Durch zuviel Haarspray oder beispielsweise eine Dauerwelle können Perücken genauso auch trocken und brüchig werden und Spliss bekommen.

„Eine Herausforderung besteht darin, dass die Perücken für die Zuschauer aus der ersten und auch aus der letzten Reihe so aussehen müssen, wie es für das Wirken der Inszenierung notwendig ist. Die Perückenfrisur muss definiert sein, nichts darf zufällig oder modisch privat wirken. Das Haar ist zwar nur ein Steinchen im Mosaik, doch der muss stimmen,“ erzählt Iris Kettner. Speziell im Falle der diesjährigen Schlossfestspiele besteht eine weitere Herausforderung darin, dass die weibliche Hauptpartie der Leonora, die alternierend von Adva Tas und Capucine Chiaudani gesungen wird, am Anfang der Geschichte als Frau auftritt und sich später als Mann verkleidet. Es ist daher für die Masken- und auch Kostümbildnerinnen einzuplanen, dass schnelle Kostümwechsel auch mit der Perücke möglich sind.

Die blonde Sängerin Sarah van der Kemp verwandelt sich in die Zigeunerin Preziosilla - Foto: Silke Winkler

Die blonde Sängerin Sarah van der Kemp verwandelt sich in die Zigeunerin Preziosilla - Foto: Silke Winkler

„Etwa zwanzig Perücken haben wir für ‚Die Macht des Schicksals’ angefertigt, der größte Bedarf besteht bei den Statisten,“ erläutert Iris Kettner. Begonnen hat sie die Arbeit zu den Schlossfestspielen zusammen mit ihren Mitarbeiterinnen etwa fünf Wochen vor Premierenbeginn, wobei weitere parallel zu diesem Zeitraum laufende Produktionen mit ausgestattet werden mussten. Auch Bärte und Augenbrauen werden aus Echthaar in der Maskenabteilung des Theaters gefertigt.

Ab dem 25. Juni schließlich wird das Ergebnis des zeitintensiven Handwerks der Maskenabteilung bei Die Macht des Schicksals auf dem Alten Garten zu erleben sein. Die blonde Sarah van der Kemp wird sich dann alternierend mit Hermine May, die dank ihrer dunklen Naturlocken keine Perücke benötigt, als feurige Zigeunerin präsentieren können.

Nina Heinrich

Für die Vermittlung zwischen Produktion und Publikum: Katja Lorenz

Montag, 21. Juni 2010

Heute war für sie die Arbeit am Schlossfestspiel-Programmheft beendet. Musiktheaterdramaturgin Katja Lorenz hatte die letzten acht Seiten für das Programmheft freigegeben, damit bis Mittwochabend auch die Druckerei noch rechtzeitig liefern kann. „Wir mussten es bis zum letzten Augenblick herauszögern, da wir sonst nicht ausreichend Fotos von allen Darstellern gehabt hätten.“
Bis zur Premiere sind noch vier Tage Zeit. Auf dem Alten Garten laufen die letzten Proben. Am Mittwoch findet die Generalprobe mit Publikum statt.

Was sind die Aufgaben eines Musiktheaterdramaturgen?

Katja Lorenz: Texte und Bilder müssen für das Programmheft ausgesucht und redaktionell bearbeitet werden. Der Zuschauer möchte auch später noch Hintergrundinformationen zur Produktion und der Oper zuhause nachlesen. Die Handlung und deren mögliche Änderungen, wenn überhaupt dramaturgisch möglich, müssen mit dem Regisseur abgesprochen werden. Daneben müssen kleinere Auftritte und Promoaktionen geplant werden. Außerdem arbeite ich viel mit der Presseabteilung in unserem Haus zusammen. Mehr oder weniger bin ich für die Vermittlung zwischen Produktion und Zuschauer zuständig.

Bereitet man sich anders auf die Schlossfestspiele als auf „normale“ Inszenierungen vor?

KL: Nein. So sollte man auch nicht an seine Arbeit herangehen. Für andere verändern sich die Bedingungen (für manche Sänger ist es in diesem Jahr das erste Mal, dass sie unter freiem Himmel singen), aber für mich ist es eine Produktion wie jede andere auch. Ob es nun ein Open-Air- oder eine Große-Haus-Inszenierung ist.

Hast du eine Lieblingsszene bei Die Macht des Schicksals?

KL: Keine Szene in dem eigentlichen Sinne. Für mich ist es die Abwechslung, die das Stück so spannend macht. Auf der einen Seite sieht man am Anfang das Unglück, kommt dann auf ein lustiges Dorffest und wieder zu einem Kloster, um dann später eine Schlacht mitzuerleben. Da erlebt der Zuschauer schon eine Achterbahn der Gefühle. Dabei sind fast alle Bevölkerungsschichten am Geschehen beteiligt. Außerdem finde ich die Thematik von der Rache Don Carlos und sein Wille die Familienehre wiederherzustellen sehr interessant.

Die Fragen stellte Fabian Holthus

Ein paar Bilder

Donnerstag, 17. Juni 2010

Heute einmal ein Fotobeitrag. Zu sehen sind Bilder von der ersten Komplettprobe, fotografiert von Silke Winkler:

Adva Tas (Leonora), Statisterie

Adva Tas (Leonora), Statisterie

Chor, Hermine May (Preziosilla)

Chor, Hermine May (Preziosilla)

Michael Kraus (Don Carlo), Daniel Magdal (Don Alvaro)

Michael Kraus (Don Carlo), Daniel Magdal (Don Alvaro)

Martin Winkler (Melitone), Chor, Statisterie

Martin Winkler (Melitone), Chor, Statisterie

Markus Vollberg (Ein Feldarzt), Daniel Magdal (Don Alvaro), Michael Kraus (Don Carlo), Statisterie

Markus Vollberg (Ein Feldarzt), Daniel Magdal (Don Alvaro), Michael Kraus (Don Carlo), Statisterie

Proben auf Hochtouren

Dienstag, 15. Juni 2010

Die Probe von „Die Macht des Schicksals“ am Abend des 14. Juni beginnt auf Kommando des Regisseurs Peter Lotschak, der in ein Mikrofon spricht und dessen Stimme über sämtliche Lautsprecher auf dem Alten Garten schallt. Der Dirigent Martin Schelhaas betritt den szenischen Raum und verbeugt sich. Ein Detail des Ablaufplans der Inszenierung, das stimmen muss wie alles andere. Es ist die erste Komplettprobe, ein Durchlauf mit sämtlichen Darstellern in Maske und Kostüm. In der Regel wird der erste Durchlauf einer Inszenierung von großer Aufregung und Anspannung beherrscht, weswegen es auch schon einmal chaotisch zugehen kann. So wird unter anderem ausgelotet, wie die einzelnen Inszenierungselemente ihre Anschlüsse finden, ob die Darsteller zwischen den Szenen genug Zeit habe, sich umzuziehen und welche Teile des Ganzen vergleichsweise unsicher und schwerfällig verlaufen.

Peter Lotschak, vormals langjähriger Intendant der Bad Hersfelder Festspiele, Experte für Open-Air-Produktionen und exzellenter Verdi-Kenner inszenierte in Schwerin bereits erfolgreich "La Traviata" und "Il Trovatore" - Foto: Silke Winkler

Peter Lotschak inszenierte in Schwerin bereits erfolgreich "La Traviata" und "Il Trovatore" - Foto: Silke Winkler

Erstmals treffen alle an der Produktion Beteiligten zusammen. Das Orchester zählt nicht dazu, da es hierfür gesonderte Bühnen-Orchester-Proben gibt. Der Opernchor, der Rachwahlchor, die Schweriner Singakademie, die Solisten, die Pferde, die Statisten und natürlich das Leitungsteam sowie das verantwortliche technische Personal sind gleichzeitig auf dem Alten Garten versammelt. Die Herausforderung besteht darin, einen möglichst fließenden, wie vom Regisseur vorgesehenen, Übergang zwischen den einzelnen Auftritten zu erreichen. Für die musikalische Begleitung sorgt an diesem Abend der Solo-Repetitor Clemens Kraft am Klavier. Links und rechts an den Absperrungen finden sich schauende und lauschende Zaungäste ein, um erste Einblicke in die diesjährige Produktion der Schlossfestspiele zu erhalten. Laut zwitschernd und sehr tief fliegt ein Vogelschwarm während eines Duetts des Liebespaares Leonora und Don Alvaro über den Alten Garten, als wollten sie mitsingen.

Die erste Komplettprobe von "Die Macht des Schicksals" auf dem Alten Garten - Foto: Silke Winkler

Die erste Komplettprobe von "Die Macht des Schicksals" auf dem Alten Garten - Foto: Silke Winkler

Kleine Probleme bereitet dann die Aufstellung des Mönchs-Chor im zweiten Akt, die Peter Lotschak noch nicht zusagt. Innerhalb kürzester Zeit erreicht er von der Tribüne aus den szenischen Raum, um die Sänger jeweils eigenhändig zu platzieren. Außerdem treten einige der beteiligten Mönch-Darsteller nicht rechtzeitig auf: „Es kommen noch Mönche aus Wismar an…“, lockert der Regisseur die angespannte Situation durch einen Spaß auf. Eine weitere Unterbrechung kommt durch einen Fehler im Soundsystem zustande: Aus den Lautsprechen quillt ein disharmonischer Ton, woraufhin die Stimme des Regisseurs schallt: „Woran liegt es? An einem technischen Gebrechen?“. Insgesamt verläuft die Probe jedoch erstaunlich gut.

Gegen etwa 23 Uhr und damit unerwartet früh kann Peter Lotschak einen Großteil seines „Teams“ in den Feierabend entlassen. Nur für ihn selbst ist dieser noch nicht absehbar, denn die anschließende Beleuchtungsprobe geht bis in die frühen Morgenstunden.

Nina Heinrich

Schwerinblicke – Künstlersichten

Montag, 14. Juni 2010

Zum ersten Mal in der Geschichte der Schlossfestspiele arbeiten das Staatliche Museum Schwerin und das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin aktiv zusammen. In den letzten Wochen entstand auf dem Alten Garten in Absprach mit dem Bühnenbildner Lutz Kreisel eine Open-Air-Installation von Res Ingold im Eingangsbereich der Schlossfestspiele.

Seadrome Schwerin von Res Ingold - Foto: Fabian Holthus

Seadrome Schwerin von Res Ingold - Foto: Fabian Holthus

Wer ist Res Ingold? Der 1954 geborene schweizer Konzeptkünstler hat sich mit dem Projekt ingold airlines einen Namen gemacht. Dabei handelt es sich um eine fiktive Fluggesellschaft, die nur aus Logos, Corporate Identity und Werbe- und Präsentationsmaterial besteht. Dieser Künstler landet jetzt auf dem Schweriner See. Im Rahmen der Ausstellung Schwerinblicke – Künstlersichten lud das Staatliche Museum internationale Künstler ein, die sich mit Schwerin auseinander setzten.
Res Ingold „platziert“ jetzt als Teil dieser Ausstellung einen Wasserflughafen auf dem Schweriner See, den er an seine fiktive Fluggesellschaft anbindet. „Was wäre, wenn wir anstelle morgens in Bus oder Bahn zu steigen, am Schweriner Schloss ein Wasserflugzeug betreten würden, um nach Paris, Moskau, New York oder Rom zu fliegen?“ Auf dem Alten Garten stehen im Eingangsbereich der Schlossfestspiele deshalb 8 Türme (jeder ca. 5 Meter hoch). Auf Ihnen spielt er mit dem englischen Titel der Verdi-Oper: Power of Destiny, würfelt Buchstaben durcheinander, bildet Anagramme, integriert die Rückseite der Tribüne in die Installation.

Fabian Holthus

Mit zwei Solisten durch Schwerin

Donnerstag, 10. Juni 2010

Open-Air-Pressetermine scheinen das schlechte Wetter anzuziehen. Geplant war ein Spaziergang mit den Solisten Adva Tas (Leonora) und Daniel Magdal (Don Alvaro) durch Schwerin, verbunden mit einem Interview im Café Prag als Beitrag für das NDR Nordmagazin. Es regnete. Peter Harke rief in der Pressestelle an und sagte den Termin – angesetzt waren drei Stunden am Nachmittag mit Fernsehteam – ab. Etwa fünf Minuten, nachdem von Seiten der Presse alle Hebel in Bewegung gesetzt wurde, den Beteiligten Bescheid zu sagen, stoppte der Regen und die Sonne kam hinter den Wolken hervor. Im gleichen Moment rief auch schon der Redakteur an und machte seine Absage rückgängig…

Foto: Nina Heinrich

Foto: Nina Heinrich

Um 15 Uhr schließlich fanden sich Ton- und Kameramann, der Redakteur und die Solisten, Daniel Magdal vollständig in Weiß gekleidet und Adva Tas, Schuhe und Haare mit inbegriffen, in komplett schwarzer Erscheinung (es war nicht abgesprochen) auf dem Alten Garten ein. Zu Beginn des Fernseh-Nachmittages wurden Aufnahmen von „spontanen“ Gesangseinlagen der beiden auf der Bühne gemacht, beginnend mit dem Duett Leonoras und Alvaros aus dem ersten Akt: „Seguirti fino agl’ultimi…“, was übersetzt soviel heißt wie: „Ich werde dir bis ans Ende der Welt folgen“. Daraufhin folgten die Sänger dem Redakteur Peter Harke zumindest durch die Innenstadt von Schwerin und viele Schlender-Sequenzen vor dem Schloss und dem Schweriner See wurden inszeniert und gefilmt.

Foto: Nina Heinrich

Foto: Nina Heinrich

Zu einem Ende kam der Beitrag im Café Prag bei einem Interview mit Wasser und Apfelschorle. Es ging im Gespräch um Schwerin und darum, welche Bedeutung die beiden den Schlossfestspielen beimessen, um Verdi, um die Rolle der Leonora und um die des Alvaro, es wurde über das Interesse junger Menschen an Opern gesprochen, über Berlin und über Hamburg. Unerwarteterweise war der Beitrag nach nur 1,5 Stunden „im Kasten“.

Nina Heinrich

Die Regen-Reportage

Dienstag, 8. Juni 2010

Am Montag war NDR 1 Radio MV-Reporterin Katja Feller zu Besuch auf dem Alten Garten, um über verschiedene Arbeitsprozesse zu den diesjährigen Schlossfestspielen zu berichten. Der Ablaufplan stand: Um 7.30 Uhr sollte es ein Interview in der Kostümabteilung geben, um 8.30 Uhr war ein Gespräch mit dem Werkstättenleiter Mirko Hirsch auf dem Alten Garten geplant, um 9.30 Uhr schließlich stand ein Termin mit dem Orchesterwart Rainer Trepke auf dem Plan, um 10 Uhr sollte eine Open-Air-Probe beginnen, um 13 Uhr war ein Interview mit Hermine May, die alternierend mit Sarah van der Kemp die Rolle der Preziosilla singt, angesetzt, um 18 Uhr sollte der Ablauf eines Soundchecks mit dem Orchester und um 22.30 Uhr der einer Beleuchtungsprobe auf dem Alten Garten über das Mikrofon von Katja Feller dokumentiert werden. Zwischen Soundcheck und Beleuchtungsprobe wollte sie sich noch mit dem Leiter der Tonabteilung John Schröder unterhalten.

Soweit die Theorie.

Praktisch schüttete es an diesem Morgen wie aus Eimern. Der Termin in der Kostümabteilung lief ohne Probleme und auch Mirko Hirsch fand sich um 8.30 Uhr auf dem Alten Garten ein, der Regen hatte inzwischen nachgelassen. Dem Orchesterwart war es allerdings wegen der Feuchtigkeit in dem klassizistisch anmutenden Tempel, eins der Bühnenelemente auf dem Alten Garten, in dem das Orchester während der Vorstellungen untergebracht ist, nicht möglich, den geplanten Zeitpunkt einzuhalten. Die Probe wurde zeitlich verschoben und verkürzt. Um der Reporterin ein Alternativprogramm für das ausgebliebene Orchesterwart-Gespräch und die Probe zu liefern, sprang der Leiter der Requisite Andreas Albrecht ein. Es fand ein kurzes Gespräch zu den für „Die Macht des Schicksals“ benötigten Requisiten statt. Im Übertragungswagen, in dem Katja Feller gekommen war, war es ihr möglich, die Beiträge umgehend zu schneiden, sodass nur wenige Minuten später gesendet werden konnte. Die Probe am Abend musste wegen des schlechten Wetters entfallen, zu groß wäre die Gefahr für die Sänger und Sängerinnen gewesen, auszurutschen und sich so kurz vor der Premiere zu verletzen. Um aus der Situation das Beste zu machen, wurde schnell ein Interview mit dem Regisseur Peter Lotschak und der Regieassistentin Agathe Schulz improvisiert, die sich beide auf dem Alten Garten eingefunden hatten. Plangerecht kam die 24-Stunden-Reportage mit dem Gespräch mit John Schröder zum Soundcheck und der Beleuchtungsprobe am späten Abend zu einem Ende.

Nina Heinrich

Die Macht des Schicksals – leicht verständlich

Montag, 7. Juni 2010

Keine Verdi-Oper ist so komplex und beinhaltet auf engem Raum so viele Wendungen und Geschehnisse wie “La forza del destino”. Deshalb sollte es hier die Möglichkeit geben, den Inhalt der Oper auf das Wesentliche in einer Grafik zusammen zu fassen:

Personenkostellation - Grafik: Fabian Holthus

Personenkostellation - Grafik: Fabian Holthus

Leonora, die Tochter des Marchese von Calatrava, liebt Don Alvaro, Sohn eines spanischen Adeligen und einer Inkaprinzessin. Als sie sich eines Abends mit ihm auf die Flucht begeben will, werden sie vom Marchese überrascht. Es löst sich ein Schuss. Der Marchese fällt tot zu Boden. Das Liebespaar verliert sich in diesem Tumult.

Leonora findet Zuflucht in einem Kloster und findet dort Trost in einer Einsiedelei. Alvaro dagegen, inzwischen unter falschem Namen ins Heer eingetreten, kämpft in Italien. Dort trifft er Don Carlo, Bruder Leonoras, der den Tod des Vaters an seiner Schwester und deren Geliebten rächen will, und freundet sich mit ihm an. Durch Verwicklungen auf dem Schlachtfeld kommt Don Carlo hinter die wahre Identität Alvaros, doch ehe es zu einer Entscheidung kommt, werden die Kämpfenden voneinander getrennt. Alavaro beschließt ins Kloster einzutreten. Zufällig ist es das Kloster, wo Leonora ebenfalls Zuflucht gesucht hat. Don Carlo, der Jahre später immer noch unermüdlich auf Rache sinnt, findet ihn schließlich. Die beiden Liebenden kommen erst auf dem Totenbett wieder zusammen.

Fabian Holthus