




Die letzten 3 Wochen war Weltaustellung in Tempelhof. Das HAU macht Staffelübergabe und feiert Performing Arts Feuerwerke. Eins davon war „the world is not fair“ auf dem Tempelhofer Flugfeld.
Das Tempelhofer Flugfeld ist ein riesiger leerer Platz mitten in Berlin, zwischen Neukölln und Tempelhof. Bis vor 5 Jahren wurde hier noch Flugzeug geflogen, heute ist es ein großer, windiger Park um den sich ganz Berlin zankt. Die einen wollen hier bauen, die anderen wollen, dass es frei bleibt und sich darauf Stadtkultur entwickelt. Die Guten wollen das zweite, die Bösen das Erste. Und die Guten vom HAU haben da jetzt ein paar Wochen Performance Buffet veranstaltet. Während sich zwei streiten hat der Dritte Zeit auf dem Tisch zu tanzen.
15 „Pavillions“ wurden aufgestellt.Entweder fast frei stehende Installationen wie das begehbare Daumenkino von Rabih Mroués „Double shooting“ oder fest getacktete Performances wie die von Toshiki Okada und „machina ex“.
(Zu „Doubleshooting“ sowie zu „unable to see“ von Toshiki Okada findet ihr mehr, weiter oben im Blog!)
Machina ex ist eine performancegruppe aus Hildesheim, die es sich zur Mission gemacht hat Computerspiele theatral ins echte Leben zu übersetzen. Sie haben den alten Hundezwinger der Flughafenhunde besetzt und daraus einen Gameparcour gebastelt. Es riecht nach Hund, obwohl es die seit Jahren dort nicht mehr gibt. Eklig aber faszinierend. Wir werden zu einem Aussichtstrum geführt und ab dem Moment werden aus uns paar Fremden wird schnell eine Gruppe gemacht, unser Team für das Spiel. Das Spiel ist: Die Welt ist schon längst untergegangen, es hat nur keiner bemerkt. Gott hat schon lang das Handtuch geschmissen und „Metatron“, sein Assistent sollte diese Nachricht bereits längst verkündet haben. Der aber weigert sich und sperrt seit jeher alle, die Wahrheit verraten wollen, in ein dunkles Gefängnis. Durch knifflige Aufgaben können wir als Team die Häftlinge befreien und der Welt die Wahrheit sagen. Das gelingt uns auch und nach 20 Minuten werden wir wieder als Einzelgäste auf das helle, friedliche gottverlassene, bezaubernde Tempelhofer Feld entlassen.
Mit dem Fahrrad tatsächlich nur knapp nebenan, ein riesiger Fernseher auf dem junge Performer eine sich über den gesamten Festivalzeitraum erstreckenden Seifenoper erfinden und sie nonstop spielen. Die südafrikanische Künstlerin Tracy Rose hat den Blaupunkt- TV der während ihrer Kindheit in der Zeit der Apartheid ihr Tor zur Welt war, überlebensgroß nachgebaut. Ihre 3 Wochen- Performance gab dem Festival auch seinen Namen. „The world is not fair“. Ein Spiel mit –die Welt wie sie eben ist, not fair- und was sie in den normalen „Weltaustellungen“ versucht zu sein. Eine Messe. Die Welt ist keine Messe.
Jeden Abend zum Sonnenuntergang gab es eine kleine Ausklangsperformance von Tamer Yigit und Branka Prlic, dem Quartier 52.4697°N 13.396°E. Sie schufen während des Festivals eine Versammlungsstätte für Menschen ohne festen Wohnsitz, in diesem Fall waren die meisten Sinti und Roma aus Rumänien und Bulgarien, die es seit dem EU Beitritt dieser Staaten in den Westen zieht. Ein kreisrundes Holzrotunde in der aus umgebauten Campingwagen selbstgemischtes Essen und Trinken verkauft wurde. Teile der täglichen Performance waren selbstgeschriebene und selbst gelesene Texte der dort Wohnsitzlosen Kinder und Jugendlichen. Alles sehr einfach und selbstgemacht und damit die volle Ladung Authenitizität. Zumindest fühlt es sich so an. Die Performancebesucher saßen inmitten des Camps und hörten zu. Zum Sonnenuntergang wurde von den bulgarischen und rumänischen Jungs Musik aufgelegt und die Zuschauer tanzten tatsächlich ohne Ausnahme, zögernd aber eben doch, ganz ein bißchen fröhlich, in die Abendsonne.
Am Rande des großen Flugfeldes fand man das „Festivalzentrum: Umschichten“. Ein sich stetig verwandelnder Ort mit Live Musik verschiedener internationalen Art live Acts. Ich war Samstag Nachmittags da und In einem Fall herrschte ein 3 stündiges Percussionsfeuerwerk. Nebenan gab es einen kostenlosen Aerobic Workshop auf der Wiese für alle Festivalbesucher, die sportlich und mutig genug waren mitzumachen. Zu sehen gab es im Festivalzentrum außerdem einen bunten Aussichtsturm, Pläne wie die Weltkruste aussehen könnte, picknickende Kunststudenten und Fußball spielende Neuköllnern.
Insgesamt war die Veranstaltung „the world is not fair“ gar nicht zu fassen. Ein sich wandelndes Biotop das sich stetig verändernde Performances beherbergte. Das Tempelhofer Feld ist ein so riesiges Feld, fast alles wirkt winzig auf ihm. Die einzelnen Performance- Stätten lagen weit voneinander entfernt. Und weit heißt: zu Fuß 20 Minuten. Was zu der Empfehlung führte, das Festival mit dem Fahhrrad zu besuchen. Das machten die meisten auch und so hatte das Ganze etwas von einer Fahrradtour durch eine geheime Welt.
Geheim weil, nicht nur die Welt wirkt winzig auf so einem MegaFeld- auch die Besucherzahlen. Man sieht immer wieder vereinzelte Kulturinteressiert aussehende Menschen mit dem Fahrrad fahren. Man weiß nicht, sind das Parkbesucher oder Performance Besucher?
Und das stimmte für mich auch für das heilige „Insgesamt“: Die Welt schreit angeblich ein großes Lautes. Aber seh ich mich um, sehe ich einzelne radelnde Einzelne, die im Frühling durch einen Park fahren.






