Michelle: Du erzählst jeden Tag bei vis-à-vis Märchen. Wie bist du überhaupt dazu gekommen, Märchen zu erzählen?
Athena: Seitdem ich denken kann, habe ich mich schon immer mit Märchen beschäftigt. Stundenlang konnte ich mit einem Buch in der Ecke sitzen und später habe ich allen möglichen Leuten selbsterdachte Märchen erzählt. Vor ein paar Jahren habe ich dann beschlossen, mich eingehender mit Märchen zu beschäftigen und Kontakt zu einem professionellen Märchenkreis gesucht.
Michelle: Was ist für dich das Besondere daran, Märchen zu erzählen?
Athena: Der Unterschied zum Märchenvorlesen ist der, dass du zu keinem Zeitpunkt genau weißt, wie das Märchen weitergeht. Es verändert sich ständig, auch wenn der Schluss schon vorgegeben ist. Das kommt immer darauf an, wie ich mich selber fühle. Aber es kommt noch viel mehr auf meine Zuhörer an. Manchmal schmücke ich jedes Detail aus, weil ich merke, dass es den Kindern Freude macht, mitzudenken und sich alles ganz genau vorzustellen. Manchmal lasse ich die Kinder miterzählen, weil sie eigentlich viel besser wissen, was als nächstes geschehen sollte und manchmal führe ich sie auf eine falsche Fährte und genieße dann ihre erstaunten Gesichter. Bei Erwachsenen ist das ein bisschen anders, die müssen erst wieder lernen, das Märchen selbst mitzuerleben.
Michelle: Welche Märchen hast du dir für das Festival ausgesucht?
Athena: Friesische und niederländische Märchenbücher habe ich gewälzt und schließlich die Schönsten ausgesucht. Richtig typisch sind in diesen Märchen natürlich die Meerjungfrauen, die Erdmantjes und die geheimnisvollen Schätze.
Michelle: Wie war es bei vis-à-vis, gab es einen besonderen Moment?
Athena: Ich habe zu jedem Märchen einen Gegenstand mitgebracht und noch bevor ich etwas dazu sagen konnte, haben sich die Kinder schon Märchen gewünscht, in denen ihre Lieblingsgegenstände vorkamen. Das hat mich sehr gefreut, weil ich ihre Begeisterung dafür spüren konnte.
Michelle Claßen