Artikel-Schlagworte: „Akira Takayama“

(M)Ein Date aus dem “Mc Donalds Aquarium” („Compartment City“ hautnah)

Dienstag, 14. Juni 2011

Blick in das Programmbuch von "Compartment City Tokyo", in dem alle Antworten auf die 30 gestellten Fragen gesammelt wurden und das jeder von uns als Geschenk erhalten hat!

Als man da so in der Dating-Kabine sitzt und perplex überlegt, worüber man denn sprechen könnte, kommt einem als angehende Journalistin und “Festwochen-reporterin” natürlich ganz von alleine die Idee eines Interviews. Christa, mein „Date“ aus dem “Mc Donalds Aquarium” der Dating Tour im Rahmen von “Compartment City”, ist freundlich, lacht viel und auch meine Fragen beantwortet sie gerne.

Kritikerrunde: – Wie kommen Sie zu diesem Projekt? Wurden Sie einfach am Karlsplatz angesprochen?

Christa: – (lacht) Nein! Ich komme durch Bekannte von mir dazu. Ich wurde einfach gefragt und habe ‚ja‘ gesagt!

KR: – Wieso haben Sie zugesagt?

Christa: – Ich habe einfach gefunden, dass es sich interessant, naja, eher skurril, anhört (lacht).

KR: – Kennen Sie auch den Künstler Akira Takayama persönlich? Haben Sie mit ihm eine Art Einführung zu dem Projekt gemacht?

Christa: – Ja, er hat uns allen erklärt, was genau er sich vorstellt.

KR: – Was halten Sie von diesem Projekt? Und von den Festwochen generell?

Christa: – Ich finde es unglaublich interessant, weil hier so viele Menschen zusammenkommen, die sonst nichts miteinander zu tun hätten. Zu den Festwochen gehe ich an und für sich schon. Zumindest ein paar Veranstaltungen besuche ich jedes Jahr!

KR: – Wie lange dauert dieses Dating-Tour Projekt schon? Sind Sie von Anfang an dabei gewesen?

Christa: – Zwei Wochen, von 16 bis 22 Uhr. Ich bin auch schon von Anfang an dabei – was bedeutet, dass ich jeden Tag ein Mc Donalds Menü zu essen bekomme! Ich habe auch gleich vorgeschlagen, dass wir nach diesen vierzehn Tagen den zweiten Teil zu „Supersize Me“ drehen (lacht).

KR: – Wie haben Sie diese zwei Wochen erlebt? Haben Sie diese anderen Leute, die mit Ihnen im Container sitzen, kennengelernt?

Christa: – Ja, ich habe viel Zeit gehabt, mit Ihnen zu reden. Anfangs kamen ja wirklich sehr wenige Besucher, da hatten wir umso mehr Zeit, uns kennen zu lernen und zu quatschen. Es ist total interessant, weil die Gruppe aus ganz verschiedenen Leuten besteht, die sich an und für sich gar nicht kannten. Mittlerweile kennen wir uns alle ganz gut, wir sind eine total harmonische Runde geworden. Irgendwie harmoniert es einfach! (lacht) Es ist überhaupt nicht so wie bei Big Brother. Der Container ist ja einerseits sehr eng, und außerdem ist die Gruppe sehr klein, wir sind ja nur acht Leute. Es gab bis jetzt gar keine Spannungen! Und irgendwann treffe ich diese Leute bestimmt wieder… vielleicht ja sogar am Karlsplatz. Oder anderswo.


Dann kommt irgendwo aus einem Lautsprecher in einer Ecke eine Ansage. „Kabine 2, Christa, die zehn Minuten sind um!“ und Christa schüttelt zum Abschied herzlich meine Hand.

Bianca Marion


„So etwas habe ich noch nie erlebt!“ – Eindrücke zu „Compartment City“

Samstag, 4. Juni 2011

Selbst der Getränkeautomat war eine faszinierende Überraschung: Die Getränkedosen kamen gekühlt, die Maissuppen-Dose (1. v. re.) heiß aus dem Automaten!                       Foto: Katharina Kolar

Zuerst wusste ich nicht ganz genau, was mich bei Compartment City erwarten wird. Ich wusste nur: Kabinen, DVD‘s und Interviews. Das Resultat kann sich wirklich sehen lassen, vor allem die dahintersteckende Idee von Akira Takayama finde ich großartig. Menschen jeder Altersklasse und jeden Standes beantworten die selben Fragen, nur die Antworten machen den Unterschied. Der Fragenkatalog ist geschickt aufgebaut und verschachtelt wichtige, gesellschaftsrelevante Fragen in persönlichen Argumenten. Die Unterschiede sind drastisch und man ist wirklich jedes Mal aufs Neue gespannt, wie geantwortet wird und wie man diese Person eingeschätzt hat. Ich habe bei der großen DVD-Menge versucht möglichst verschiedene Menschen herauszusuchen. Vom Kind angefangen über Jugendliche über in Wien-lebende-Ausländer bis hin zu Pensionisten. So konnte ich die Antworten gut vergleichen. Ich habe mir auch selbst immer gedacht, was ich jetzt antworten würde und ob meine Antwort immer eine gute Antwort gewesen wäre. Auf alle Fälle bringt einen „Compartment City“ reichlich zum Nachdenken und man kann sich einen tollen Einblick beziehungsweise Überblick über das Leben anderer „genehmigen“.                                   

Corinna Harrer


So etwas habe ich noch nie erlebt. Akira Takayama’s „Compartment City“ ist eine eindrucksvolle Installation. Abgesehen von der Atmosphäre in dem Container am Karlsplatz, überzeugen auch die Videokabinen und diverse Videos von Menschen aus Wien und Tokio. Es herrscht eine gemütliche Atmosphäre in den kleinen Videokabinen. Auf einem Polster sitzend, mache ich es mir bequem und schaue insgesamt 11 Videos von Passanten in Tokio und Wien an. Die verschiedenen Antworten auf die gleichen 30 Fragen sind witzig, inspirierend und menschlich. In “Compartment City” werden japanische Speisen und Getränke angeboten. Es ist wahrlich eine kleine Reise nach Tokio gewesen. Aber am aller meisten hat mich das “Dating Café” beeindruckt. Dort angekommen habe ich die Wahl, mit welcher der Personen ich reden möchte. Es war etwas unangenehm eine Wahl zu treffen, jedoch die Hintergrundidee des “Dating-Cafés” und das Gespräch waren sehr interessant. Spannung und Aufregung sind jede einzelne Minute während des Besuchs garantiert. Die Art wie Takayama den „Modernslum“ Tokios den Wienern nahebringt ist meisterhaft. Ich kann nur sagen, dass dieses Auftragswerk eine Sensation ist und ich jedem rate, der am Karlsplatz vorbeikommt, sich in eine Videokabine zu setzen und im Anschluss das „Dating-Café“ zu besuchen! Ich kann kulturelles Entertainment versprechen!

Stella Whitney Fuhs


Manche der Interviews und Personen bleiben länger bei Einem, man vergisst sie nicht mehr und möchte mehr über sie erfahren, während andere dagegen weniger im Gedächnis bleiben. Hier stellt sich für mich natürlich sofort die Frage: Was ist es, das wir als erinnerungswert empfinden? Was „muss“ man machen um in Erinnerung zu bleiben?

Die Fragen, die gestellt wurden, sind nicht einfach zu beantworten, das Aquarium mit Menschen, aus denen man sich ein „Date“ auswählen kann, ist ungewohnt und verunsichert den ein oder anderen. Doch ist das Gespräch ungezwungen und ich zum Beispiel fand es total schade, dass man diesen Menschen, den man gerade eben erst kennen gelernt hat, sofort wieder verliert.

„Compartment City“ verursacht mit den vielen DVDs eine Reizüberflutung, doch nach einer Weile findet man sich zurecht und würde am Liebsten alle DVDs anschauen. Das zentrale Thema „Wer bin ich“ kommt perfekt zur Geltung und man kann sich noch Tage nachher dabei ertappen, wie man über das Beantworten von einigen Interviewfragen nachdenkt. Gerade auf „Wer sind Sie?“ könnte man jeden Tag anders antworten.

Katharina Köberl

Was einen erwartet, wenn man einen Container betritt der umstellt von japanischen Automaten ist, rot/gelb mit Neon am Karlsplatz leuchtet und „Compartment City“ genannt wird? Ja, eben: K E I N E Ahnung, nicht einmal den blassesten Schimmer, außer vielleicht dass es möglicherweise etwas mit Japan zu tun hat. Genau weil ich eben so völlig plan-und ideenlos war habe ich beschlossen, das auch so zu lassen. Da, wo ich normalerweise vorher immer ein Minimum an Information habe, wenn ich ein Stück oder eine Installation besuche, wollte ich diesmal eben meine Ahnungslosigkeit sein lassen und mit ihr in den Container marschieren – mal schauen, was da so alles drinnen auf uns wartet! Wie in einer Videothek ist es da drinnen, nur kleiner und enger, mit Regalen in denen DVDs lagern, von denen Menschen aus aller Welt uns anlächeln, oder auch einfach nur ansehen. Das heißt, Menschen aus aller Welt ist im Grunde genommen nicht korrekt. Es sind Leute aus Wien (oder zumindest solche, die in dem Moment gerade in Wien waren). Und Leute aus Tokyo, Japan, die dort arbeiten, leben; wie auch immer. Mit Körbchen voller DVDs und den Taschen voller japanischer Süßigkeiten geht es dann weiter, in den hinteren Teil des Containers, wo, wie kleine Umkleidekabinen, Abteile stehen… voll ausgestattet mit japanischen Massagestühlen, Fernsehern und Anleitungen aus Japan. Original, eben. Die Fragen, die den Menschen die interviewt werden, gestellt werden, sind nicht immer einfach zu beantworten. Was man zum Frühstück gegessen hat, das geht gerade noch. Wer oder was man selbst ist, das ist dann doch eine viel kompliziertere Frage. „Ein ganz normaler Mensch“, sagen viele. Akira Takayama, Künstler und geniales Hirn hinter der ganzen Aktion, gibt in dem Interview welches wir später mit ihm führen dürfen, eine ganz andere Antwort auf diese Frage. Zumindest heute sei er einmal einfach nur unser Spiegelbild, vielleicht unserer Gesellschaft, vielleicht das der seinen, vielleicht auch einfach nur der Menschen.

Der zweite Teil der Aktion ist noch ungewohnter, radikaler möchte ich fast sagen. Mit Plan ausgestattet wird man alleine in den Großstadtdschungel geschickt, um nach zehn Minuten (weniger, wenn man sich allzu leicht an den Vienna Opera Toilets orientiert) am Ziel anzukommen. Dann ist alles wie in einem Traum: Treppen in einem scheinbar verlassenen Lokal, schummriges Licht, Pfeile, die den Weg weisen, Vorhänge, auf denen „ENTER“ steht. Ein freundlicher junger Herr, der dem Besucher, der meist etwas baff ist, als er das menschliche Mc Donalds-Aquarium im Dunkeln leuchten sieht, entgegenkommt. Wie beim Fleischer kommt man sich vor, wenn man vor den Glasscheiben steht, durch die man nur von einer, unserer, Seite durchsieht. Man wird freundlich gebeten, sich einen der Menschen, die da ihr Mc Donalds Menü (fr)essen, „auszusuchen“. Völlig perplex steht man da. Ungewohnt und ja, auch unangenehm findet man die Situation vielleicht. Und wird nach langem Zögern und einer letztendlich unwillkürlichen Wahl mit seinem „Stück Fleisch“ in eine Dating Kabine geschickt. Zehn Minuten quatschen, dann ist der Spuk vorbei. Gelernt hat man vielleicht nichts, aber doch zumindest eine nette Unterhaltung geführt. Oder vielleicht hat man doch, vielleicht habe ich doch, etwas gelernt: über meinen eigenen Schatten springen, das ganz bestimmt. Mit einem völlig unbekannten Menschen in einer kleinen, engen Kabine sitzen und reden, reden müssen. Und wenn man da so sitzt und dieselben Fragen, die in den Container-Interviews gestellt wurden, beantworten muss, dann lernt man vielleicht auch einiges über sich selbst. Takayamas Experiment zwingt einen nämlich zumindest dazu: über sich selbst, und auch ein bisschen über die Welt, die uns umgibt, wenigstens die des Wiener Karlsplatzes, nachzudenken.

Bianca Marion

Zum Interview mit Akira Takayama geht es hier!


Interview mit Akira Takayama – Compartment City

Samstag, 4. Juni 2011

Im Anschluss an den Besuch der Videokabinen und des Datingcafés trafen wir Akira Takayama im Container am Karlsplatz zum Gespräch!

What was the idea and background of „Compartment City“?

How did you choose the 30 questions?

Why did you „create“ a Dating café?

Reactions on Compartment City in Tokyo

How the audience „chooses“ persons and differences to „Compartment City“ in Tokyo

Are there similar projects in progress at the moment?

Always the last question of the interview(s): „Who are you“?

And last but not least: We talked about studying and football