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CAR MEN & BIRTH DAY

Montag, 22. Juni 2009

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Der tschechische Choreograph Jiří Kylián brachte zusammen mit der niederländischen Tanztruppe PARADOX gleich zwei seiner Werke in die Kammerspiele in Bochum.
Begonnen wurde mit einem halbstündigen Stummfilm, angelegt an die Oper „Carmen“. Während man nur an einigen kurzen Momenten Musikfetzen aus dem Original wieder finden konnte, waren die vier Hauptfiguren kaum verändert.
So gab es also die Verführerin Carmen welche von Don Jose verehrt wird. Dessen einfache aber herzensgute Schwester Micaela und den Frauenhelden Escamilio.
Das Werk ist angefüllt mit schrägen Soundeffekten, verzogenen Grimassen schnellen Bewegungen und durchgeplanten Choreografien– also eine Hommage an den Stummfilm.
Die Personen bewegen sich in einer offenen Kohlemiene, welche zeitgleich als Schrotthalde zu funktionieren scheint. Das Setting also ist surreal und die Handlung ebenso, wenn man überhaupt von Handlung sprechen mag. Da werden zum Beispiel verschiedene Rad ähnliche Schrottteile wild durch die verstaubte Gegend gerollt und dabei herum gesprungen.
Anders aber als bei Salvador Dalis surrealistischem Werk „Ein andalusischer Hund“ fehlt CAR MEN der subtile Humor. Es ist regelrecht anstrengend dem albernen Rumgehüpfe zu zusehen. Noch viel schlimmer allerdings war die danach folgende dreißigminütige Pause. Das hauptsächlich ältere Publikum wurde deutlich ungeduldig und betonte nach etwa zwanzig Minuten schon „Es kann jetzt weiter gehen!“
Und das tat es dann auch endlich. Die Protagonisten des Filmes (mit 2 Abweichungen) betrat die Bühne in barocken Gewändern, um an einem Tisch Platz zu nehmen. Begleitet wurden sie in „Birth Day“ von klassischer Musik von Mozart.
Es wurde eine Choreographie mit Fächern gezeigt, die aber leider zu häufig wiederholt schien und sich mit der Zeit abnutzte.
Während einige der Tänzer immer mal wieder abgingen, konnte man durch eine Beamer Projektion am Geschehen in den anderen Räumen des Hauses teilnehmen.
Laut Programmheft sollte es um die vielen Seiten des eigenen Geburtstags gehen. Das Leben, der Tod und die Zeit dazwischen; ein melancholischer Tag voller verschiedener Aufladungen. Was sich zuerst einmal spannend anhört wurde aber leider nur durch Singen eines Geburtstagsliedes und einer Torte wieder aufgegriffen.
Der Abend schien allzu unzusammenhängend. Es fehlte an Bewegung und Körperlichkeit – und dennoch: man sah den Tänzern ihren Spaß und ihr Engagement an und das Publikum schien zufrieden. Vielleicht hatte also nur ich andere Vorstellungen von diesem „Tanzabend“.

(Janine Wahrendorf)