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Uraufführung!

Freitag, 16. März 2012

Tagesbanner

Es ist soweit, das Tagesbanner hängt, auf der Bühne wird noch Hand an Choreografien und Musikalisches gelegt – der letzte Schliff für die heutige Uraufführung.

Es gibt sogar noch ein paar Karten, also sehen wir uns heute Abend um 19.30 Uhr in den Kammerspielen des Bochumer Schauspielhauses.

Und wer aus unerfindlichen Gründen nicht kann, sollte sich einen der folgenden Termine einplanen:

21.3. / 28.3. / 1.4. / 21.4. (mit Publikumsgespräch)

Weitere Termine dann in den Monatsspielplänen oder im Netz.

Mehr Jeans im Theater!

Samstag, 10. Dezember 2011

ein Interview, geführt im letzten Frühling, Erstkontakt zwischen Dramaturg und „der Klasse“ und gleich mitten rein in unser Thema:

BOROPA - Spielzeitmagazin 2011/12

BOROPA - Spielzeitmagazin 2011/12


Frühlingsanfang. Eine kleine Garten-Idylle zwischen Mietskasernen. Einige Schauspielstudierende nutzen die ersten Sonnenstrahlen, um die Grillsaison zu eröffnen und nach einem arbeitsintensiven Projekt durchzuatmen. Ein Gespräch über Schauspielerei mit Damir Avdic und Lisa Förster.

Was hat euch zum Schauspielstudium an die Folkwang-Uni verschlagen?

Lisa: Ich hatte einfach diese fluxe Idee, Schauspielerin zu werden. Ich fand das faszinierend. Aber bis zum Abi wusste ich nicht einmal, dass es Schauspielschulen gibt. Ich bin völlig ahnungslos zu den Vorsprechen gegangen. An der Folkwang- Schule habe ich mich gleich wohl gefühlt und wie eine Verrückte gekämpft, um aufgenommen zu werden. Das war toll, man ist echt durch die Hölle gegangen. Ich hatte keine Ahnung, wie das geht, sondern habe einfach gezeigt, wie ich denke, dass es sein könnte. Das kam offenbar gut an. Als es dann geklappt hat, wusste ich erstmal überhaupt nicht, was mich erwartet.

Damir: Ich habe eigentlich nie den Wunsch gehabt, Theater zu spielen. Aber ich stand schon mit neun im Zirkus auf der Bühne und habe gezaubert. Ich war hier in Bochum auf der Hauptschule und kam über „Hauptschule in Bewegung“ zum Jungen Schauspielhaus. Ich war in der Mediengruppe – damals habe ich mich noch gar nicht getraut selbst auf der Bühne zu stehen. Aber dann habe ich gemerkt, dass das ziemlich viel Spaß macht. Als dann auf einmal alle von Schauspielschulen erzählt haben, dachte ich, das könnte mir helfen, weil ich Zauberer werden wollte. Bei den Vorsprechen hatten die anderen Bewerber immer einen riesigen Druck. Ich habe das gar nicht so wichtig genommen. Aber irgendwas in mir sagte „Ja“. Es ist immer noch ein Rätsel für mich, warum ich das mache. Aber ich merke: Es gibt mir viel, weil ich ganz viel geben kann.

Warum wollt ihr Schauspieler werden? Was macht den Beruf aus?

Damir: Das ist ein Beruf wie eine Achterbahnfahrt. Das fasziniert mich. Du hast riesig Schiss davor, aber es macht so viel Spaß. Wenn ich morgens sehe, wie Leute an der Theaterkasse stehen, wenn ich merke, dass wir ihnen etwas schenken können, sie manchmal sogar glücklich machen – das ist wunderschön! Deswegen mache ich es, für die Zuschauer. Ohne sie gäb’s das Theater nicht.

Lisa: Das stimmt. Wenn man merkt, dass man Spannung erzeugen kann auf der Bühne, dass ein ganzer Saal voller Menschen auf einmal bei dir ist – das finde ich super. Die Bühne ist ein magischer Ort, da ist ganz viel Wahrhaftigkeit. Wo man sich sonst gerne herauswindet, auf der Bühne kommt man nicht mehr drumrum. Das ist das Schöne.

Wollt ihr berühmt werden?

Lisa: Ich denke da gerade nicht dran. Ich möchte in diesem Beruf so gut wie möglich werden, nicht so berühmt wie möglich.

Damir: Also ich will überhaupt nicht berühmt werden. Ich will einfach, dass das Theater als Ganzes die Leute packt. Für mich ist Theater wie ein Körper: wenn nur das Herz da ist, bringt das überhaupt nichts. Der ganze Körper muss funktionieren.

Gibt es auch Momente, in denen man verzweifelt?

Lisa: Ja. Gerade nachdem man einen entscheidenden Schritt nach vorne gegangen ist, fällt man oft gefühlte sieben Schritte zurück. Das Empfinden ist in solchen Momenten sehr absolut. Aber das gehört auch dazu: richtig an sich zweifeln und dann die Kraft besitzen weiter zu machen.

Damir: Das ist ein sehr gefährlicher Beruf. Daran kann man auch kaputt gehen. Du musst es 100 Prozent wollen – es reicht nicht, dass es dir ganz gut gefällt, du brauchst die Bereitschaft zu bluten! Und es ist natürlich auch deswegen hart, weil man uns nicht braucht. Man braucht keine Schauspieler. Mein Vater kann auch leben, ohne dass er je ein Theater besucht hat.

Trotzdem habt ihr euch für die Schauspielerei entschieden. Was ist so faszinierend am Theater?

Damir: Ich finde es toll, dass man einfach alle Emotionen herbeirufen kann. Es ist eben nicht nur Unterhaltung. Leute weinen, lachen, kriegen Angst, stehen sogar auf, weil sie konfrontiert werden mit Sachen, die sie nicht kennen oder nicht kennen lernen wollen.

Oder die sie ganz genau kennen…

Lisa: Eben! Man konfrontiert die Leute mit Dingen, denen sie vielleicht im Leben ausweichen. Und vielleicht regt das an und inspiriert die Leute. Leider besteht das Publikum oft nur aus sehr kultivierten Menschen. Ich würde mir wünschen, dass man es schafft, auch andere Menschen ins Theater zu bringen – gerade die jungen, denen es fremd ist.

Damir: Oft sagen Leute, sie gehen da nicht hin, weil sie nicht die richtigen Klamotten dafür haben! Da sage ich ganz klar: Mehr Jeans im Theater! Ich will, dass die Sicht aufs Theater sich ändert. Dafür stehe ich auch auf der Bühne.

Lisa: Ja! Da habe ich die Hoffnung, dass wir als junge Schauspieler Zugang zu diesen jungen Menschen kriegen können. Dass man nicht irgendwelche alten Dinge versucht aufzubacken, sondern was Neues schafft, gemeinsam mit dem Publikum.

Warum hat die Welt genau auf euch gewartet?

Lisa: Weil wir jung sind, weil wir ganz viel Energie mitbringen und die Kraft, etwas zu verändern.

Damir: Die Welt hat gar nicht auf uns gewartet.

Interview: Sascha Kölzow
erschienen in BOROPA, Spielzeitmagazin 2011/12, Schauspielhaus Bochum, S. 136/37 (print) bzw. S. 138/39 (online)