Artikel-Schlagworte: „Elizabeth Marvel“

Meeting with Light Designer James F. Ingalls

Mittwoch, 1. Juni 2011

It was a lucky coincidence which allowed us to meet James F. Ingalls, the light designer of Desdemona after the final rehearsal. Right at the beginning he greeted us with a warm smile and we all sat down next to him.

It felt a bit like childhood when we looked at him, listening to his “glorious” stories of former plays and new plays, which all came to life due to his magnificent talent to make light change emotions. He told us about the million ways light can revolutionize a play and patiently answered every question we raised.

We instantly noticed that he is not just being politely answering questions, no, he was really interested about what we wanted to know.

All in all we learned a lot and also got a great insight in his daily work. The talk didn’t only show us, that theater really is one big, big family, it also gave us the feeling of belonging there and being welcome.

Katharina Köberl

Desdemona auf afrikanisch – Ein Monolog der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Dienstag, 17. Mai 2011

Peter Sellars inszenierte mit „Desdemona“ eine Art musikalischen Literaturvortrag mit einem Hauch Schauspiel und einer großen Portion Faszination.
Obwohl er früher Othello zu einem der schrecklichsten Werke von William Shakespeare zählte, schaffte es Toni Morrison ihn davon so zu überzeugen, dass er nicht nur im Jahre 2009 „Othello“ im Rahmen der Wiener Festwochen aufführte, sondern sich heuer auch einzig und allein der tragischen Gestalt der Desdemona widmete. Peter Sellars bezeichnet Desdemona als eine der schönsten Kreationen aus den Werken Shakespeares‘ und nennt sie: „Jesus Christ as a woman“.

In Desdemona werden den Toten Stimmen gegeben. Nobelpreisträgerin Toni Morrison verfasste hiermit eine Antwort auf „Othello“ mit der Grundidee, der Frau Platz zum Reden zu geben, da in Shakespeare die Frau meistens still ist. Sie wollte es Desdemona ermöglichen zu antworten, da Othello Sie kurz nach der Hochzeit schon ermordet hatte.

Die Bühne ist kahl und wird durch grandioses Licht, von Light-Designer James F. Ingalls, zu einem Ort, an dem man sich geborgen fühlt. Einzelne Glühbirnen hängen vom Schnürboden herunter und weißes, grelles Neonlicht bestrahlt auf dem Boden stehende Glasgefäße, welche alle unterschiedliche Formen haben. Das Licht bestimmt die Stimmung des Zuschauers, auch wenn dieser die Veränderungen des Lichts oft nur unbewusst wahrnimmt. Auch die auf die weiße Rückwand geworfenen Schatten geben dieser Atmosphäre eine ganz besondere Note.
Die Darstellerinnen und die beiden Musiker sind AfrikanerInnen, welche mit ihren wunderschönen Klängen das Publikum verzaubern und sie alle Probleme für einen Moment vergessen lassen, während Desdemona von der grandiosen New Yorker Schauspielerin Elizabeth Marvel verkörpert wird.

Die Schatten tragen wesentlich zur Atmosphäre bei                                Foto: Ruth Walz

Bereits zu Beginn wird klar, dass es sich hierbei nicht um ein Theaterstück handelt. Vier verschiedene Mikrofone, durch die Desdemona ihre Stimme erhebt, sind auf der Bühne aufgestellt. Jedes einzelne ist mit einer anderen Szene verbunden, wobei es so scheint, als würde das Mikrofon ihrem Spiel den Ausdruck und die Glaubhaftigkeit nehmen. Sobald Sie nämlich ohne jegliche technische Hilfsmittel ihren Monolog hält, glaubt man ihr sofort, dass Desdemona und keine Schauspielerin, welche versucht Desdemona zu sein, spricht, wobei man es andererseits nur als gekonnten literarischen Vortrag verstehen kann. Mit Sicherheit ein gewollter Aspekt, welcher aber zu Beginn des Stückes einige Konfusionen hervorrufen könnte. An der Leistung der Schauspielerin gibt es nichts auszusetzen. Im Gegenteil. Mit verschiedenen Stimmlagen trägt sie auch Dialoge vor, welche keinerlei weiteren Erklärungsbedarf schuldig bleiben.
Unklar bleibt jedoch, warum sie ein ipad mit sich herumträgt, da sie textlich keinerlei Schwierigkeiten zu haben schien, wo wiederum ein weiteres Lob angebracht ist, das ipad jedoch ein Requisit ist, welches die ganze Stimmung durch den Aspekt der neuesten Technologie etwas trübt.

Hauptsensation ist jedoch Rokia Traoré, die mit ihrem wunderbaren Gesang jeden berührt, auch wenn man den Untertitel nicht liest und den Text nicht versteht. Das Gefühl, welches Sie in jeden einzelnen Song – nein in jedes einzelne Wort – legt, ist einfach unersetzlich. Die Lieder sind von ihr selbst verfasst und sie wird von drei weiteren Damen im Background mehrstimmig begleitet. Diese wunderschönen Lieder verführen einen jedoch oft dazu mit den Gedanken etwas abzuschweifen, beziehungsweise diese einfach auszuschalten und die eigentliche Geschichte dahinter kurzzeitig auszublenden, was eigentlich nicht der Sinn sein sollte.

Rokia Traoré berührt mit ihrem wunderbaren Gesang jeden                        Foto: Ruth Walz

Trotz der guten Übersetzung der Untertitel sind sie für Leute mit guten Englischkenntnissen etwas störend, da sie sehr groß auf die Rückwand projiziert werden und das immer phrasenweise. Daher wirken künstlerische Pausen oft nicht, da man den Text schon vorgreifend lesen kann.
Der Schluss erwürgt die Atmosphäre regelrecht, da plötzlich die ganze Bühne in grelles Licht getaucht wird und somit Verwirrung beim Publikum auslöst und dieses auch erschreckt. Die Stimme von Cassio hallt viel zu laut durch den Saal und verwirrt den Zuseher, welcher sich bei dieser Stelle fragt, was das jetzt soll.

Alles in allem ist es ein sehr ruhiges Werk ohne viel Bewegung, welches durch Musik und textliches Verständnis die Geschichte einer Frau, welche Opfer von Eifersucht und Misstrauen ist, näher bringt. „My life was lead by my own choices – and it was mine“ (Desdemona) Starke Textaussagen werden zwar durch den Untertitel abgeschwächt, aber das Verständnis dahinter bleibt erhalten. Für große Bühnen ist diese Aufführung wohl eher ungeeignet, da hierbei die ganze Atmosphäre im großen Saal ertrinken würde, jedoch trotzdem: Gratulation Herr Sellars.

Corinna Harrer