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Verwirrung der Einsamkeit

Montag, 30. Mai 2011

Mit „Rêve d‘automne“ und “I am the wind“ bringt Patrice Chéreau gleich zwei Stücke Jon Fosses mit dem zentralen Element der Einsamkeit in das Wiener Museumsquartier. Ausgeschrieben als zwei einzelne Theaterstücke schwingt doch bei dem Großteil des Publikums die Message mit, sich beide hintereinander anzusehen, und somit sind beide Vorstellungen mit einem gefüllten Zuschauerraum zu verzeichnen. Man möchte glauben, dass beide Stücke zusammengehören, sind sie doch bis auf ein paar Parallelen sehr unterschiedlich. Nicht nur alleine durch ihre Sprache, sondern auch aufgrund der Inszenierung.

In „Rêve d‘automne“ wird man sofort von einem großartigen Bühnenbild beeindruckt, welches einen zu verschlingen droht. Chéreau hat den Originalschauplatz, einen Friedhof, in das wohl bekannteste Museum der Welt verlegt, in den Pariser Louvre. Hierbei drängt sich sofort die Frage auf: „Wozu?“ Die Fantasie des Publikums wird alsbald gefordert, da es sehr verwirrend ist, warum sich alle auf einem Friedhof befinden, aber eigentlich in einem Museum sind. Klarheit erlangt man in diesem Stück sowieso selten, wenn überhaupt. Große Zeitsprünge, ohne jegliche Ankündigung, werden erst viel später aufgeklärt und verursachen somit eine Verwirrtheit, der man mit Unkonzentriertheit entgegensteuert. Musikalische Einschübe weisen eher etwas Filmisches auf, wie aus einer Serie bei der zu gewissen Schlagworten die Musik beginnen muss um eine gewisse Gestik zu unterstreichen und somit ihre Wirkung zu verstärken. Es ist ein ständiger Kampf gegen das Alleinsein und die Angst. Ein Kampf, den die Hauptdarsteller alle auf ihre Art zu bewältigen versuchen.

In den letzten Minuten des Stückes fallen dann die Worte „Was suchen wir?“. Was für dieses Stück mit: „Homogenität und Aussagekraft“ beantwortet werden kann.

Ganz anders verhält es sich jedoch bei “I am the wind“. An Glaubhaftigkeit sind die beiden Schauspieler kaum zu übertreffen. Obwohl der Text sehr absurd und konfus ist, findet man hier eine geschlossene Handlung vor, ja sogar einen Kreis der sich wieder schließt, da der erste Dialog der beiden ident ist mit dem Schlussdialog, jedoch versteht man erst zum Schluss dessen Sinnhaftigkeit. In “I am the wind“ liefern sich die beiden Darsteller, Tom Brooke und Jack Laskey, vorwiegend ein Frage-Antwort-Spiel und den verzweifelten Versuch die schönen Dinge des Lebens zu finden und zu erleben.

Zwei großartige Schauspieler...                           Foto: © Simon Annand

Zwei Männer, ein Boot. Das ist die Grundlage für diese Geschichte. Während im Hintergrund die Wellen wiegen und ein Mann vergeblich versucht seinem Freund einzureden, dass das Leben schön ist, widerspricht sich dieser ständig und lässt das Gefühl aufkommen, dass er sich selbst eigentlich überhaupt nicht kennt. Es ist ein absolut tiefsinniges Stück mit der großen Gabe die Spannung aufrecht zu erhalten und das Publikum neugierig zu machen, was noch alles passieren wird, denn in diesem Stück muss nichts Großes passieren um eine Wirkung zu erzielen. Es reichen wenige Worte um einen Gedanken zu vertiefen. Mit den Worten „I left with the wind – I am the wind“ schließt das Stück und hinterlässt großen Gedanken-Ordnungs-Bedarf in den Köpfen der Menschen.

Corinna Harrer

Eine Aufführung, bei der man zu schielen beginnt…

Montag, 30. Mai 2011

Drei kritische Augenpaare mit lila Fleck im Sichtfeld...      Skizze: Stella Whitney Fuhs

Noch bevor sich der Vorhang hebt wird das Publikum schon darauf aufmerksam gemacht, dass die Darsteller heute ihre Partien nicht ganz aussingen werden, da es sich ja nur um die Generalprobe handelt und die SängerInnen ihre Stimmen für die Premiere – zwei Tage darauf – schonen werden. Dies stößt bei vielen im Publikum auf Unverständnis, da sie sich so von Schauspielern abzuheben scheinen, jedoch muss man sagen, dass im Endeffekt nur musikalisch geschulte Ohren einen Unterschied bemerken konnten.

Das Bühnenbild ist, wie bei den meisten Produktionen der Wiener Festwochen 2011, imposant, aber dennoch schlicht gehalten. Schwarze Bühnenelemente die sich zu den passenden Szenenbildern verschieben ragen bis in den Schnürboden hinauf und lassen somit die Bühne irrsinnig groß erscheinen. Ebenso die Kostüme sind passend zu der Inszenierung abgestimmt, einziger Dorn im Auge ist jedoch Rigoletto‘s (George Gagnidze) knalliger violetter Hosenanzug. Sonst eher alles Ton in Ton wird er durch seinen Hosenanzug dinglich hervorgehoben, was eher irritierend wirkt, als Gefallen hervorruft.

Die Tatsache, dass die Untertitel an den äußersten Rändern der Bühne angebracht sind, führt einen dazu, eine Grätsche mit den Augen zu versuchen. Es ist nicht möglich sich auf die Darstellung sowie auf den Text gleichzeitig zu konzentrieren. Höchstwahrscheinlich ein gewollter Aspekt, jedoch der Sache nicht ganz dienlich, da man ohne die Untertitel dem Handlungsstrang nur sehr schwer folgen kann, wenn man vorher die Geschichte nicht kennt.

Schauspielerisch ist natürlich alles sehr überspitzt dargestellt und übertrieben und wirkt unnatürlich, aber das haben Opern so an sich und soll auch keine Kritik ihrerseits sein. Es handelt sich hierbei einfach um ein anderes Genre, welches nicht mit Theater verglichen werden sollte.

Gilda (Chen Reiss) und der Herzog von Mantua (Francesco Demuro) sind zwar beide exzellente Sänger, jedoch scheint die Chemie zwischen ihnen nicht zu stimmen. Vergleichbar mit zwei Edelgasen, die keine Verbindung miteinander eingehen können.

Im Großen und Ganzen wäre Rigoletto ja in Ordnung, doch durch die leichten Schwächen, welche sich das ganze Stück über anhäufen, ist es leider nicht möglich ihr das Prädikat „grandios“ zu verabreichen.

Katharina Köberl und Corinna Harrer

„Dunkel, Genossen, ist der Weltraum, sehr dunkel“

Samstag, 28. Mai 2011

Nach monatelangem Entgegenfiebern sitze ich, als bewährter und treuer Lepage-Fan, endlich, endlich wieder im Theater, oder vielmehr in der Traumwelt von Robert Lepage. Der gebürtige Kanadier aus Québec, der schon vor vielen Jahren mit The Far Side Of The Moon auftrat und dessen Alter-Ego auf der Bühne schon lange die Zuschauer in seine Weltraumtagträume mitreißt, bringt auch heuer, 2011, sein Solo-Stück wieder zu den Wiener Festwochen.

Mit Yves Jacques in der einzigen Rolle ist das Stück zwar wesentlich kürzer als Lipsynch, der 9-Stunden-Epos, der letztes Jahr das Festwochen-Publikum verzauberte, aber nicht minder großartig. Es geht in The Far Side Of The Moon um zwei Brüder (beide von Jacques gespielt), die den Tod ihrer Mutter verarbeiten müssen, aber die sich auch untereinander aussöhnen, wieder zueinander finden müssen. Es geht aber auch um den Wettlauf im All, den sich USA und Russland während des Kalten Krieges lieferten; um die Poesie des Lebens auf unserer Erde, sogar dem ganz alltäglichen Leben, und um die absurde Idee, einen Aufzug in den Weltraum zu bauen. Im Grunde geht es vielleicht um die Tagträume und Wünsche eines Jeden. Trotzdem ist die Handlung, wie meist bei Lepage, nur ein Mittel zum Zweck: In Wahrheit geht es bei Lepage vorallem auch um die Magie seiner Inszenierung. Als Zauberer der Bühne, der die Grenze zwischen Realität und Traum gekonnt wie kein anderer verschwinden lässt, schafft es Lepage, mit ganz einfacher Technik alles nur Erdenkbare entstehen zu lassen. Gerade so, als ob der Zuschauer in Kindheitserinnerungen, Tagträumen und Wünschen schwelge, gestaltet sich die Bühne: Eine bewegliche Spiegelwand verwandelt sich in einen unendlichen Weltraum, eine Thermoskanne wird zur Rakete, eine Waschmaschine zur Raumschiffluke. Spielerisch und einfach, gekonnt, ist die ganze Bühnengestaltung: Als würde sich auf der Bühne die Anziehungskraft der Erde lösen und tatsächlich in Schwerelosigkeit umwandeln schwebt die Hauptfigur, völlig vom Ballast der Realität befreit, durch seine Träume.

Knapp zwei Studen fesselt mich das Stück an meinen Platz, und die Enttäuschung, als das Stück zu Ende ist, ist dieselbe Enttäuschung die man verspürt, wenn man aus einem wunderschönen Traum aufwacht oder von einer langen, unglaublichen Reise zurückkommt. Und auch der Rest der Zuschauer ist dem Zauber von Robert Lepage, der sowohl Wehmut als auch kindliche Freude an dieser Traumweltbühne auslöst, völlig ausgeliefert und feiert den Künstler mit Standing Ovations.

Bianca Marion

Ein kunstvolles Meisterwerk

Freitag, 27. Mai 2011

„Opening Night“ – nach John Cassavetes gleichnamigem Film über die Vorbereitungen eines Theaterstücks – ist eine von jenen Inszenierungen, die für immer in Erinnerung bleiben. Nicht, weil die Geschichte so herausragend wäre, sondern schlichtweg deswegen, weil auf der Bühne etwas komplett Neues geschaffen wurde.

On-Stage Kameras filmen live das Geschehen mit und bringen es auf einen Screen direkt über der Bühne. Problematik hierbei ist allerdings, dass Mimik und Gestik von Film- und Theaterschauspielern nicht gleich ist. Dementsprechend unpassend wirken die Schauspieler auf dem Screen. Ob sie während des Stückes in die Situation hineinwachsen oder ob man sich schlichtweg an die Spielweise gewöhnt, kann nicht gesagt werden, aber gewiss ist, dass man sich an den Screen gewöhnt.

Mag man am Beginn noch schockiert gedacht haben „Schon wieder Kameras auf der Bühne!?“, so merkt man nach kurzer Zeit: Hier passt es. Zunächst sind allerdings viele Zuschauer verwirrt, es ist ihnen nicht klar, wohin sie schauen sollen, das Multitasking überfordert und die Handlung ist rasch – es bleibt keine Zeit zum Nachdenken oder zum Entscheiden, wohin man lieber schauen möchte. Auch die nicht ganz korrekte und nicht vollständige Übersetzung vom Holländischen ins Deutsche ist etwas störend, einige wichtige Gags werden nicht übersetzt.

Wer sich nicht frustrieren lässt, wird aber rasch bemerken, wie kunstvoll dieses Werk ist. Bemerkenswert wird mit dem Licht umgegangen, sanftes Violett unterstreicht die gefühlvollen Szenen der Hauptdarstellerin, helle Scheinwerfer verdeutlichen Verwirrung. An jeder Schlüsselszene wird Musik eingesetzt. Der Inhalt wird mit der Zeit verständlicher, man erkennt, wo das „Stück im Stück“ anfängt und wo es endet, realisiert, dass kurze Lichtspiele jeweils zu Beginn und Ende solcher Sequenzen stehen. Auch die Zuseher werden nun einbezogen: Es wird nicht für das Publikum, sondern mit ihm gespielt.

Die elf Schauspieler überzeugen allesamt, letztendlich sogar am Screen. Man hat sich an die überzogene Spielart von Elsie de Brauw (Myrtle) gewöhnt und staunt nur mehr darüber, was sie alles spielen kann, tausend verschiedene Dinge und Gefühlslagen, alle 100%. Fedja van Huêt und Jacob Derwig sind zwei Schauspieler, die so großartig spielen, dass man ihre Emotionen nicht nur in ihren Gesichtern sieht, sondern auch spürt. Für Sekunden bringen sie den Zuschauer tatsächlich dazu, zu vergessen, was Stück und was Realität ist, all das von Maurice und Manny Erlebte ist plötzlich real.

Katharina hat die beim Publikumsgespräch anwesenden SchauspielerInnen um Autogramme gebeten...   Foto: Katharina Kolar

„Opening Night“ nimmt sich nicht nur die Bühne als Stage, auch vor dem Theater wird weitergespielt, dank der Kamara ist das Publikum live dabei: Mitgeh-Theater, ohne dass man den Platz verlassen muss.

Es ist sichtbar, dass der Regisseur genaue Vorstellungen hatte, wie er alles auf die Bühne bringen möchte. Da auf 2 Seiten der Bühne Zuschauer sind, musste noch genauer geplant werden. Dass die Zusammenarbeit zwischen SchauspielerInnen und Regisseur funktionierte zeigt sich schon allein daran, dass die Proben zum Stück nur 21 Tage dauerten.

Auch wenn manche Zuschauer von der modernen Aufführung und dem adaptierten Ende (z.B. wurde die im Film pompöse Endszene zu der intimsten Szene des ganzen Stücks gemacht) enttäuscht sind, so ist das Gesamtwerk dennoch hervorragend.

Auch die On-Stage Kameras machen in diesem Fall Sinn, denn jede Geschichte kann aus mehreren Blickwinkeln erzählt werden. Dieses Theaterstück erzählt und zeigt sie alle gleichzeitig. Der Zuschauer kann selbst entscheiden, welche Geschichte er hören möchte. Zusammenfassend lässt sich sagen: Ivo van Hove hat mit „Opening Night“ einen Meilenstein der modernen Theatergeschichte gesetzt.

Katharina Köberl

„melting pot“ – Ein Konzert der Ultimative.

Montag, 23. Mai 2011

“melting pot” schildert eine musikalische aber auch soziale Vermischung von Musikgenres bzw. Kulturen. Wolfgang Schlag hat das Stück in Auftrag gegeben und dieses Wunderwerk ermöglicht. In einer Einführung mit dem Komponisten Bernhard Gander, MA21, EsRap und Streetlife Supreme erzählt uns der Komponist, dass er bereits früh Interesse an Musik gehabt und sich schon immer für sein Talent engagiert hat. Er schildert seine Arbeitsweise und seinen herkömmlichen Arbeitsalltag. Die Zusammenarbeit mit Jugendlichen bereitet ihm besondere Freude und Inspiration, beiläufig zeigt er uns mit Vergnügen seine bis jetzt längste Komposition “melting pot”. EsRap erzählt uns ihre Geschichte, wie sie zu Rap gekommen ist und es soweit gebracht hat. Sie schreibt ihre Texte selbst und rappt über soziale Themen, die in Wien Alltag sind. Ein Mitglied der Gruppe MA21, einer HipHop-Rap Gruppe, stellt sich mit seinen Kollegen vor und erzählt über die gelungene Zusammenarbeit mit dem RSO Wien und Bernhard Gander.

Es ist Freitag Abend und es herrscht eine hervorragende Stimmung in der Shopping Mall. Die Menschen drängen zur Bühne und können es kaum mehr erwarten bis das Konzert losgeht. Die Erwartungen sind hoch. Nach langem Warten der Zuschauer geht es endlich los. Die Künstler, das Orchester und die Musiker werden vorgestellt. Der Dirigent Cornelius Meister beginnt mit dem RSO Wien und Dj Zuzee steigt gekonnt mit ihren Electronics ein. Es ist ein wahrlicher Genuss für die Ohren. Die MA21 macht den Anfang mit Rap und das Publikum reagiert euphorisch. Der Dirigent Cornelius Meister bewegt sich passend zu dem Sound von Dj Zuzee/Waxolutionist und dem Orchester. Die Bühne wird abwechselnd in verschiedenen Farben beleuchtet und hinter dem Orchester, welches sich ebenfalls auf der geräumigen Bühne befindet, ist eine Leinwand installiert, auf welcher Videos, Texte der vorgetragenen Raps und Fotos zu sehen sind. Künstler wie Fii (Beatbox), Sara (Beatbox), Yasmin Hadef (Slam Poetry), MA21 (Rap), EsRap (Rap) und ihr Bruder, welche mit türkischem Gesang und Rap die Arena des Donauzentrum erfüllt haben, sitzen oder stehen seitlich auf der Bühne und warten jeweils auf ihren Part. Sara und Fii liefern eine ultimative Show mit ihren Beatboxing-Einlagen und überzeugen das Publikum sofort mit ihren Beats. Dann beeindruckt Yasmin mit Slam Poetry und erreicht die Köpfe der Zuschauer mit ihren Texten, welche sich mit sozialen, politischen und internationalen Problemen beschäftigen. Aber zu all den musikalischen Einlagen erregen Streetlife Supreme, die für ihre Tanzshows am Stephansplatz bekannt sind, mit ihrer Performance die komplette Aufmerksamkeit der Zuschauer. Begonnen bei “Windmills” bis zu “Head Spins” staunen die Zuschauer bei jedem Tanzmove der trainierten Breakdancer.

Foto: Sabine Pichler

Die Tatsache, dass der Schauplatz im Donauzentrum perfekt zu dieser Uraufführung passt und die gewisse Partystimmung zwischen all den Geschäften und Rolltreppen sorgen für noch mehr Unterhaltung und Begeisterung. Die Atmosphäre an diesem multikulturellen Abend ist mit Sicherheit, kontinuierlich am Höhepunkt gewesen.

Es folgen Interviews mit Streetacademy-Künstlern und eine Aftershowparty:

Interview mit Yasmin Hafedh (Slam Poetry)

Interview mit Fii (Beatbox)

Ich kann nur hoffen, dass es weitere Vorstellungen des Auftragswerkes geben wird, denn jeder, der nicht dabei gewesen ist, hat eindeutig was verpasst. Alle Beteiligten haben in jeder Hinsicht wirklich hervorragende Arbeit geleistet.

von Stella Whitney Fuhs

Zuschauerreaktion: Großartig!

Nachgefragt – Meinungen zu „Oresteia“ aus dem Publikum

Montag, 23. Mai 2011

Erste Reaktionen unmittelbar danach…

Kannten Sie „Oresteia“ im Vorfeld schon?

… und was hat gefallen bzw. nicht gefallen?

Vier Kritiker-Meinungen zu Oresteia

Sonntag, 22. Mai 2011

Feuer. Altgriechischer Gesang. Ausgefallene Kostüme.

Das Musiktheater Oresteia hat mich mit seiner Pyrotechnik und Performance beeindruckt, doch wie viele Wiener am Donnerstag Abend gemerkt haben, ist das Stück sehr anspruchsvoll gewesen, da es nötig ist sich über das Stück und die Handlung der Orestie vorher zu informieren. Man wird von griechischem Gesang unterhalten, welcher eine lange Sequenz in dem Stück einnimmt. Nach einem Ausfall der Technik hat die Inszenierung kurz vor Ende eine zweiminütige Pause einlegen müssen. Es war sogar die Rede von Sabotage. Jedoch ist die Stimmung am Resselplatz nicht gekippt. Mit der Karlskirche im Hintergrund wirkt die Performance noch atemberaubender.

Stella Whitney Fuhs

Oresteia – ein Musiktheater in altgriechischer Sprache.

Ich habe das ganze Stück auf den Höhepunkt gewartet. Auf irgendeine Explosion, aber es gab keine. Selbst das Ende war für mich nicht zu erkennen. Die Technikpannen haben mich zusätzlich vewirrt. Ich empfand das Stück als sehr anstrengend und ich hätte gerne zu jedem einzelnen Teil eine Erklärung gehabt. Dem Männerchor konnte man sehr gut zuhören und auch die verschiedenen Klänge haben die ganze Inszenierung sehr mystisch gemacht. Die Kulisse war bestens geeignet und die Karlskirche rötlich beleuchtet. Nur die Handlung habe ich leider nicht verstanden, am liebsten hätte ich genau wie die zwei Enten, die dann am Wasser gelandet sind, alles von der Vogelperspektive beobachtet.

Pia-Maria Fünck

Atonalität im großen Rahmen oder einfach gesagt: tolle Kostüme und ein bisschen Feuer, machen noch lange keine gute Show.

Beim Betreten des Areals sieht alles sehr vielversprechend aus. Massenhaft Leute scharren sich vor dem Areal vor der Karlskirche. Die erste Sequenz der Orestie lässt auf ein großes Spektakel hoffen, mystische Gestalten planschen aus dem grünen, dreckigen Wasser hervor, doch schon in der nächsten Sequenz wird diese Mystik vernichtet, da die schrille Stimme eines Mannes, welcher sich darum bemüht Frauen-Sopran zu singen, alles zerschmettert. Da helfen selbst die groß angekündigten „Specialeffects“ nichts mehr, welche im Grunde einfach ein paar kleine unspektakuläre Feuerchen sind. Keine großen Explosionen oder ähnliches, jedoch viel Rauch, der die Massen eher vertreibt und es unmöglich macht etwas zu sehen.

Das Herumwandern während dem Stück und die ständige Suche nach einem Platz wo man alles im Blick hat, nervte dann auch schon irrsinnig. Hier hat es sich einfach noch nicht herumgesprochen, dass sich Wandertheater einfach nicht positiv auf die Gemüter des Publikums auswirkt.

Der musikalische Aspekt ist einfach Geschmacksache. Entweder man mag die Musik von Iannis Xenakis oder eben nicht. Man konnte zwar eindeutig hören, dass das kleine Ensemble zwar stimmlich gut ist, jedoch gingen sie in diesem riesigen Areal damit baden.

Mit der Hoffnung, dass der Kinderchor zum Schluss noch alles herausreißt, war es dann wohl auch eine Hoffnung zu viel.

Corinna Harrer

Eine Publikumsstudie

Im Grunde genommen besteht Oresteia aus einer Menge griechischem Gejaule zu mystischen Bewegungen. Generell wären die Voraussetzungen gegeben, ein bemerkenswertes Stück zu produzieren, denn die Location ist gigantisch. Einerseits stört die Zuseher aber das Fehlen einer nachvollziehbaren Handlung – nur etwa 10 Minuten des eineinhalbstündigen Werkes sind Deutsch –, andererseits ist eine Donauinselfestatmosphäre entstanden, die für das schwere Stück fehl am platz ist.

Zwielichte Gestalten, Betrunkene, verkappten Musikstars und aufgebrachten Damen, bei Oresteia kamen sie alle vor – nur leider im Publikum anstatt im Stück.

Die großartige Kulisse geht ein wenig verloren und wenn man nicht zufällig richtig steht entgehen einem die meisten Aktionen. Grundsätzlich wirkt die gesamte Aufführung wie ein pompöser Beginn zu einem tollen Stück, auf das man leider vergeblich wartet.

Letztendlich waren die Zuseher und Menschen im Publikum mindestens genauso interessant wie die einenhalbstündige Show – denn diese konnten immerhin ihre Gedanken artikulieren.

Katharina Köberl

Desdemona auf afrikanisch – Ein Monolog der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Dienstag, 17. Mai 2011

Peter Sellars inszenierte mit „Desdemona“ eine Art musikalischen Literaturvortrag mit einem Hauch Schauspiel und einer großen Portion Faszination.
Obwohl er früher Othello zu einem der schrecklichsten Werke von William Shakespeare zählte, schaffte es Toni Morrison ihn davon so zu überzeugen, dass er nicht nur im Jahre 2009 „Othello“ im Rahmen der Wiener Festwochen aufführte, sondern sich heuer auch einzig und allein der tragischen Gestalt der Desdemona widmete. Peter Sellars bezeichnet Desdemona als eine der schönsten Kreationen aus den Werken Shakespeares‘ und nennt sie: „Jesus Christ as a woman“.

In Desdemona werden den Toten Stimmen gegeben. Nobelpreisträgerin Toni Morrison verfasste hiermit eine Antwort auf „Othello“ mit der Grundidee, der Frau Platz zum Reden zu geben, da in Shakespeare die Frau meistens still ist. Sie wollte es Desdemona ermöglichen zu antworten, da Othello Sie kurz nach der Hochzeit schon ermordet hatte.

Die Bühne ist kahl und wird durch grandioses Licht, von Light-Designer James F. Ingalls, zu einem Ort, an dem man sich geborgen fühlt. Einzelne Glühbirnen hängen vom Schnürboden herunter und weißes, grelles Neonlicht bestrahlt auf dem Boden stehende Glasgefäße, welche alle unterschiedliche Formen haben. Das Licht bestimmt die Stimmung des Zuschauers, auch wenn dieser die Veränderungen des Lichts oft nur unbewusst wahrnimmt. Auch die auf die weiße Rückwand geworfenen Schatten geben dieser Atmosphäre eine ganz besondere Note.
Die Darstellerinnen und die beiden Musiker sind AfrikanerInnen, welche mit ihren wunderschönen Klängen das Publikum verzaubern und sie alle Probleme für einen Moment vergessen lassen, während Desdemona von der grandiosen New Yorker Schauspielerin Elizabeth Marvel verkörpert wird.

Die Schatten tragen wesentlich zur Atmosphäre bei                                Foto: Ruth Walz

Bereits zu Beginn wird klar, dass es sich hierbei nicht um ein Theaterstück handelt. Vier verschiedene Mikrofone, durch die Desdemona ihre Stimme erhebt, sind auf der Bühne aufgestellt. Jedes einzelne ist mit einer anderen Szene verbunden, wobei es so scheint, als würde das Mikrofon ihrem Spiel den Ausdruck und die Glaubhaftigkeit nehmen. Sobald Sie nämlich ohne jegliche technische Hilfsmittel ihren Monolog hält, glaubt man ihr sofort, dass Desdemona und keine Schauspielerin, welche versucht Desdemona zu sein, spricht, wobei man es andererseits nur als gekonnten literarischen Vortrag verstehen kann. Mit Sicherheit ein gewollter Aspekt, welcher aber zu Beginn des Stückes einige Konfusionen hervorrufen könnte. An der Leistung der Schauspielerin gibt es nichts auszusetzen. Im Gegenteil. Mit verschiedenen Stimmlagen trägt sie auch Dialoge vor, welche keinerlei weiteren Erklärungsbedarf schuldig bleiben.
Unklar bleibt jedoch, warum sie ein ipad mit sich herumträgt, da sie textlich keinerlei Schwierigkeiten zu haben schien, wo wiederum ein weiteres Lob angebracht ist, das ipad jedoch ein Requisit ist, welches die ganze Stimmung durch den Aspekt der neuesten Technologie etwas trübt.

Hauptsensation ist jedoch Rokia Traoré, die mit ihrem wunderbaren Gesang jeden berührt, auch wenn man den Untertitel nicht liest und den Text nicht versteht. Das Gefühl, welches Sie in jeden einzelnen Song – nein in jedes einzelne Wort – legt, ist einfach unersetzlich. Die Lieder sind von ihr selbst verfasst und sie wird von drei weiteren Damen im Background mehrstimmig begleitet. Diese wunderschönen Lieder verführen einen jedoch oft dazu mit den Gedanken etwas abzuschweifen, beziehungsweise diese einfach auszuschalten und die eigentliche Geschichte dahinter kurzzeitig auszublenden, was eigentlich nicht der Sinn sein sollte.

Rokia Traoré berührt mit ihrem wunderbaren Gesang jeden                        Foto: Ruth Walz

Trotz der guten Übersetzung der Untertitel sind sie für Leute mit guten Englischkenntnissen etwas störend, da sie sehr groß auf die Rückwand projiziert werden und das immer phrasenweise. Daher wirken künstlerische Pausen oft nicht, da man den Text schon vorgreifend lesen kann.
Der Schluss erwürgt die Atmosphäre regelrecht, da plötzlich die ganze Bühne in grelles Licht getaucht wird und somit Verwirrung beim Publikum auslöst und dieses auch erschreckt. Die Stimme von Cassio hallt viel zu laut durch den Saal und verwirrt den Zuseher, welcher sich bei dieser Stelle fragt, was das jetzt soll.

Alles in allem ist es ein sehr ruhiges Werk ohne viel Bewegung, welches durch Musik und textliches Verständnis die Geschichte einer Frau, welche Opfer von Eifersucht und Misstrauen ist, näher bringt. „My life was lead by my own choices – and it was mine“ (Desdemona) Starke Textaussagen werden zwar durch den Untertitel abgeschwächt, aber das Verständnis dahinter bleibt erhalten. Für große Bühnen ist diese Aufführung wohl eher ungeeignet, da hierbei die ganze Atmosphäre im großen Saal ertrinken würde, jedoch trotzdem: Gratulation Herr Sellars.

Corinna Harrer

„Stimmen“ zur Eröffnung

Sonntag, 15. Mai 2011

„Festwochen goes International und setzt auf Brüderlichkeit“ fiel Bianca auf…
Zum 60. Geburtstag der Wiener Festwochen, da musste schon etwas ganz besonderes her.
Vorgestern, am 13. Mai 2011, ist es so weit: Am Wiener Rathausplatz, vor zirka 50. 000 Zuschauern, werden die 60. Wiener Festwochen offiziell von Kulturstadtrat Mailath-Pokorny eröffnet.

Kulturstadtrat Mailath-Pokorny eröffnet die Wiener Festwochen 2011                             Foto: Corinna Harre
Durch den Abend führt der Wahlwiener, Kabarettist und Moderator Dirk Stermann, mit viel Witz und einem charmanten deutschen Akzent. Den Rahmen für den Eröffnungsabend bildet das Projekt „Österreich singt“: Die menschliche Stimme, der Gesang stehen im Mittelpunkt der Eröffnung. Gesangschöre aus ganz Österreich, aber auch bekannte Solisten wie Michael Schade oder Genia Kühmeier sind mit von der Partie.

Genia Kühmeier und Michael Schade                                                   Foto: Corinna Harrer
Gleichzeitig werden auf riesigen Bildschirmen live verschiedene Chöre aus Kärnten, Niederösterreich und, zum Beispiel, Tirol übertragen (der technische Aufwand ist übrigens lobenswert und beeindruckend!).

Auffallend ist dabei, dass an dem Abend vorallem auf “International” gesetzt wird: der Kärntner Chor singt eine Strophe auf Slovenisch (wobei man hier an eine Wiedergutmachung wegen der jahrelangen Ortstafelndebatte denkt), die „Bulgarian Voices Angelite“ bringen ein wenig bulgarische Tradition mit und die großartige Lynne Kieran und ihr Gospelchor ein Stück Soul auf die Bühne. Von Kierans Worten „Lay your hand in his“ bis hin zu Mailath-Pokornys Rede über Gesang, der zusammen bringt, dreht sich an dem Abend alles um das Zusammentreffen von Menschen, die aufeinander zugehen um gemeinsam Freude am Leben, und eben am Gesang, zu finden. Genau unter diesem Motto findet dann auch das große Finale der Eröffnung statt: Als Höhepunkt des Abends schließen sich alle Chöre, die Solisten des Abends, sowie das Publikum zusammen und bilden den größten Chor Österreichs, um gemeinsam die Ode an die Freude, Beethovens Vertonung von Schillers Gedicht, zu singen. Ein Zeichen, dass wir alle, egal welcher Abstammung oder Nationalität, zusammengehören.

„Alle Menschen werden Brüder“, sang der Rathausplatz, und für einen Moment, den Moment, wo alle Stimmen zusammenschmelzen, die bulgarischen, die slovenischen, die kärntner und die wiener Stimmen, und auch sonst alle, die sich an dem Finale beteiligen, da möchte man fast daran glauben.

… während Katharina auf das große Ganze und Details achtet…
Auch wenn der Moderator Dirk Stermann vor der Ode an die Freude meint: „Vielleicht gibt es ein Zeichen von Oben“, bei der Wiener Festwochen Eröffnung wird Nichts einer göttlichen Macht überlassen, alles ist von Menschenhand geplant, umgesetzt und praktiziert.

Gleich zu Beginn reißt Dirk Stermann das Publikum mit und entführt es in eine Mischung aus Kultur, Faszination und Humor. Beginnend mit dem Lied „Chili con carne“ sollte rasch bemerkt werden: Dieser Abend wird würzig werden! Unter klarem Himmel und Mondschein treten Michael Schade, Lynne Kieran und viele weitere herausragende Künstler auf. Großartige Lichttechnik und stilvolle Nutzung des Infoscreens machen die Festwochen zu dem was sie sind: Das Tor zur wundervollen Welt der Wiener Kultur.

Lynne Kieran                                                                                     Foto: Corinna Harrer
Trotzdem der Rathausplatz mit Menschen gefüllt ist, fühlt man sich hier vollkommen sicher, die vertrauensvolle Security überwacht den Platz. Etwa 50 000 Menschen waren anwesend, als Erwin Ortner nach dem Ausruf von Dirk Stermann „Möge sich nun der Auserwählte aus unserer Mitte zum Himmel erheben“ tatsächlich aus der Menschenmenge heraus erhoben wird.

Das Österreich die Europahymne vereint singt, funktioniert problemlos, mit Hilfe von Erwin Ortner lässt sich das Publikum mitreißen und während der Text eingeblendet wird, spürt ein jeder plötzlich: Aus 50 000 fremden Menschen ist eine Einheit geworden.
Mit Stil werden die drei Außenstellen Melk, Innsbruck und Klagenfurt dazu geschalten. Kein Windstoß stört die Singenden, kein Regentropfen wagt es, das Ensemble zu irritieren, zu groß ist die Magie, die von diesem Platz ausgestrahlt wird.

Als der letzte Ton verklingt bricht tosender Applaus los. Erst jetzt bemerke ich, dass ich Gänsehaut habe.

… nimmt Pia Orchester und Dirigenten ins Visier…
Die imposante Eröffnung der Wiener Festwochen war ein voller Erfolg. Rund 50.000 Menschen verfolgten das Chorspektakel und sangen fleißig bei Beethovens Ode an die Freude mit.

Das Radio Symphonieorchester begleitete die Chöre den ganzen Abend unter der Leitung von Cornelius Meister. Cornelius Meister ist 31 Jahre jung und seit September 2010 Chefdirigent und künstlerischer Leiter des RSO Wien. Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien ging 1969 aus dem Großen Orchester des Österreichischen Rundfunks hervor und profilierte sich seitdem als eines der vielseitigsten Orchester in Österreich.

Das RSO Wien unter der Leitung von Cornelius Meister                                        Foto: Corinna Harrer
Cornelius Meister dirigierte sehr schwungvoll und man merkte ihm die Freude an der Musik wirklich an. Bei fast jedem Stück sang er begeistert mit, einen Notenständer brauchte er allerdings nicht dazu. Es war wirklich interessant das Orchester aus der ersten Reihe zu beobachten. Die Freude an der Musik konnte jeder an diesem Abend spüren!

… und Corinna die Party im Rathaus unter die Lupe…
Mit einem überfüllten Rathausplatz und einem tollen Konzert starteten Festwochen fulminant in die heurige Spielsaison. Bei der Aftershow-Party nach der Eröffnung im Rathaus traf man auch auf allerlei österreichische Prominenz, unter anderem waren Harald Serafin, Alexander Wrabetz oder auch Life Ball-Organisator Gery Keszler anwesend.
Das Rathaus war in wunderschönes violettes Licht getaucht und der große Saal wurde durch die toll aufgelegte Musik einer DJane zu einer wunderbaren Partyszene. Egal ob jung oder alt, alles versammelte sich auf der Tanzfläche und bewegte sich zu den Klängen der Musik – bis in die frühen Morgenstunden. Auch wir jungen Kritikerinnen konnten nach getaner Arbeit nicht mehr still halten und schwangen uns auf die Tanzfläche.
Alles in allem war es ein sehr gelungener Abend mit einer tollen Eröffnung, einer sehr lustigen Aftershow-Party und das alles noch dazu in einem traumhaften Ambiente!

Rund 53 000 Zuschauer waren am Wiener Rathausplatz                                                   Foto: Corinna Harrer
… last but not least wurden Besucherstimmen eingefangen
Wir haben sowohl vor als auch nach dem Eröffnungskonzert Leute interviewt und uns verschiedene Meinungen zum Thema Festwochen eingeholt: Der Großteil unserer Interviewpartner war schon öfter bei der großen Eröffnungsfeier: „Wir sind Wiener. Das ist doch ein Muss, dass man hierher kommt.“
Einige unserer Interviewpartner haben sich schon Karten gesichert, auch oft für mehrere Vorstellungen, während andere noch im Programmheft schmökern und sich daraufhin entscheiden, welche Stücke sie sich ansehen werden – viel Spaß mit dem Eröffnungsfest-Sound!

Der Sounddesigner von „Wastwater“ Gareth Fry, wie sich herausstellt…
Eine Wiener Gemeinderätin zum Eröffnungsfest
Zwei Musiktheaterliebhaberinnen

Wiener Festwochen WIR kommen!

Donnerstag, 12. Mai 2011

Es ist wieder soweit: Morgen Abend wird am Wiener Rathausplatz ab 21:30 gefeiert! Die Wiener Festwochen werden eröffnet, die Musik steht den ganzen Abend im Vordergrund: Das ORF-Radio-Symphonieorchester unter der Leitung von Cornelius Meister und der Arnold Schoenberg Chor unter Erwin Ortner werden zu hören sein. Wir werden Zuschauer von Chören aus Salzburg, der Steiermark, Kärnten, Niederösterreich und Tirol sein, die als Gewinner-Chöre des Wettbewerbs „Österreich singt!“ hervorgegangen sind. den besten Chören Österreichs – neue Stücke werden aufgeführt und ältere Stücke neu interpretiert. Außerdem eingeladen sind ein Gospelchor und ein bulgarischer Frauenchor. Neugierig sind wir schon auf das Finale: die gemeinsame Chorinterpretation von Beethovens „Ode an die Freude“. Die Moderation übernimmt Kabarettist und Autor Dirk Stermann.
Ein Musikabend, den man (hoffentlich) nicht so schnell vergessen wird. Ihr könnt nicht kommen? … nicht den Kopf hängen lassen, 3sat und ORF2 übertragen live!

In den kommenden fünf Wochen stehen insgesamt 41 Produktionen aus 23 Ländern auf dem Programm. Hinter all den Produktionen der Künstler, dem Marketing und den Vorstellungen steckt viel Arbeit des Wiener Festwochen Teams, der diversen Sponsoren und natürlich der Künstler selbst. Der Intendant Luc Bondy, die Schauspieldirektorin Stefanie Carp sowie viele weitere Mitarbeiter haben ein vielfältiges und sehenswertes Programm zusammengestellt:

Begonnen bei Robert Lepage, mit dessen „The far side of the moon“ eine kanadische Produktion nach Österreich kommt. Die Inszenierung des Kanadiers ist eine wortwörtliche Reise ins Weltall, bei der Künstler Yves Jacques in mehrere Rollen schlüpft.

Mit einem Japan-Schwerpunkt werden neue Theaterformen und ungewöhnliche Produktionen vorgestellt. Akira Takayama stellt beispielsweise mit „Compartment City – Vienna“ das Leben, wie es viele Obdachlose in Tokio gewohnt sind, ins Rampenlicht – und zwar in kleinen Videokabinen und einem Datingcafé am Karlsplatz, Resselpark. Damit ist für die Besucher viel an kultureller Information zu erwarten.

Ebenfalls besondere Aufmerksamkeit erhält der etwas jugendlichere Zweig „Into the City“ von uns, welcher von Wolfgang Schlag gegründet wurde. Produktionen wie „Wünsch dir was“, „Safe European Home“ und „Melting Pot“ finden im Donauzentrum, vor dem Parlament und am Siebenbrunnenplatz statt – alles Orte, an denen öffentliches Geschehen an der Tagesordnung steht. Die Produktionen überzeugen nicht nur mit neuen und innovativen Ideen, sondern auch mit Musik, Tanz, Schauspiel und Workshops.

Wir können es gar nicht mehr erwarten und wünschen allen Besuchern und uns schöne und unvergessliche Festwochen!

Die Kritikerrunde

PS: Wer oder was ist die Kritikerrunde? Fünf Jugendliche erleben und erkunden 2011 die Wiener Festwochen und berichten hier davon: Dazu sind sie in Bibliotheken und backstage unterwegs, erhalten Pressekarten und fallen in Vorstellungen auf, weil sie ständig mitschreiben!

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Viel Spaß wünscht euch die „junge bühne“.