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Drei bedrückende Königreiche

Sonntag, 17. Juni 2012

Ekel, Belustigung, Skurrilität, Tragik und Erschütterung – bei „Three Kingdoms“ gab es gemischte Gefühle. Paradox und seltsam, kompliziert und derb. Diese Inszenierung, zu der abermals Simon Stephens die literarische Vorlage lieferte (2011 war sein Stück „Wastwater“ bei den Wiener Festwochen zu sehen), ist all das und noch vieles mehr. Erbarmungslos schildert sie das Thema Zwangsprostitution und Menschenhandel. Gut und Böse vermischen sich. Das kleinkarierte Muster so mancherlei Kriminalserien löst sich in der dynamischen, von Sebastian Nübling inszenierten Verbrecherjagd durch England, Deutschland und Estland, wie in Luft auf.


Der junge Tommy wird verhört. Eine Tasche. Ein Kopf – mit einer Säge bei lebendigem Leibe abgetrennt. Die Prostituierte Eva wurde gefoltert, ihr Kopf in den Fluss geworfen. Vom wem? Von Tommy. Dadurch wird er auf unabsichtliche Weise in ein Verbrechen verstrickt, das sich auf mehrere Länder ausdehnt. Zwei Polizisten, Detective Sergeant Ignatius Stone (Nick Tennant) und der besonders intellektuelle Kriminalinspektor Charly Lee (Ferdy Roberts) ermitteln. Der leicht cholerische aber gutherzige Detective Stone ist liiert mit einer 15 Jahre jüngeren Frau, die ihm viel Kummer und Sorge bereitet. Der erste Teil des Dramas spielt sich fast ausschließlich zwischen den zwei Londoner Polizisten ab, die sich gegenseitig ergänzen und mit ihren aberwitzigen Dialogen stark im Kontrast zu dem behandelten Thema stehen. Immer weiter dringen sie in die Gewaltszene ein, bis sie in Deutschland den Kriminalpolizisten Dresner (Steven Scharf) antreffen, der ihnen bei ihren Untersuchungen behilflich sein soll. Doch Dresner spricht nicht nur eine andere Sprache als Stone und Lee. Er hat außerdem eine völlig andere Mentalität und – mag die Beatles. Freudig gibt er einige ihrer berühmtesten Songs zum Besten, ganz zum Entsetzten der Londoner, die diese Band verabscheuen. Auch während der Verhöre gibt sich der deutsche Polizist äußerst freizügig und gewalttätig. Zwielichtig, zweigleisig – das trifft seinen Charakter wohl am ehesten.


Im zweiten Teil des Stückes dominiert eben dieser Austausch zwischen den drei Polizisten von denen einer, Detective Stone, kein Wort Deutsch spricht. Sie sind auf der Suche nach „Rebane“, einem der großen Bosse im Handel mit Prostituierten, und „The white bird“. Die Kriminalpolizisten begegnen Frauen, die als Prostituierte arbeiten und von ihren Zuhältern misshandelt und missbraucht werden. Sie sind gefangen in einem Netz aus Gewalt und Drohungen, gestrickt von Perversen, die in dem Stück einige Male mit Wolfsmaske auftreten. Die Untersuchungen gehen bis hin nach Estland. Inspektor Stone begibt sich auf immer gefährlicher werdendes Terrain, während Charley Lee im dritten Teil des Stückes, von der Bühne, ganz und gar verschwindet. Schließlich, wird Stone von einem dort ansässigen, zu der Gang gehörenden Verbrecher ermutigt auf jemanden einzuschlagen. Er fragt auf Druck der anderen Männer eine Prostituierte, ob sie mit ihm aufs Zimmer gehen wolle. Danach fällt diese bewusstlos auf den Boden. Am Ende steht wieder ein Verhör. Doch diesmal ist Stone der Angeklagte. Wer ist „Rebane“? Niemand anderer als Kriminalpolizist Dresner. Der Fall bleibt unaufgeklärt, da Stone dem Clan gar nicht mehr entkommen kann.


Three Kingdoms“ ist eine Koproduktion des Teater NO 99 Tallinn, der Münchner Kammerspiele und des Lyric Hammersmith Theatre London. In Wien wurde das Stück am Theater an der Wien aufgeführt.


Bedrückend wirkt nicht nur der Inhalt des Stückes. Auch die Eintönigkeit des Bühnenbildes (Ene-Liis Semper) spielt da eine große Rolle. Ein Raum mit Betonwänden, durch unterschiedliche Lichtinstallationen von Stephan Mariani in verschiedenen Farben gezeigt, ist einmal Verhörraum des„Scotland Yard“, dann wiederum ein dreckiges Hotelzimmer. Abstruse Pornofilme werden da gedreht. Ob man alles auf Kamera habe, fragt eine der Mitwirkenden. Die sprachliche Vielfalt des Stückes macht das Stück zwar noch komplizierter aber natürlich zugleich auch umso komplexer. Englisch, Deutsch, Estnisch und Russisch – Silben unterschiedlichster Klangform fliegen durch den Raum. Verwirrend, aber zugleich auch extrem interessant. Zum Glück gab es die jeweiligen Übersetzungen!


Doch das alles wäre nichts ohne die musikalische Inszenierung! Düstere Klänge und „La Paloma“ bilden die musikalischen Einlagen. Die „Taube“ gibt der junge, magere Risto Küber in seinem weißen Anzug. Die Performances des akrobatischen Sängers waren zwar sehr ausdrucksstark, jedoch etwas zu häufig. Am Ende hatten sie eine eher einschläfernde Wirkung. Überhaupt hätte das ganze Stück ruhig gekürzt werden können. Mindestens um eine halbe Stunde. So dynamisch und energiegeladen die Schauspieler und Schauspielerinnen auch spielten – und das taten sie in der Tat – so ermüdend wirkte dann gegen Ende aber auch die Komplexität und Undurchschaubarkeit der Handlung.


Schauspielerisch geben Nick Tennant und Ferdy Roberts ein gutes Vorbild ab. Sehr konzentriert und aktiv spielten sie ihren jeweiligen Part. Steven Scharf und Gert Raudsep verkörperten jeweils den unberechenbaren deutschen Kriminalpolizisten und gruseligen Gerichtsmediziner auf unheimlich und zugleich witzige Art. Lediglich die Performance von Çigdem Teke, die die junge Frau des Inspector Stone spielte, war eher enttäuschend. Von den Kostümen (Ene-Liis Semper) und Requisiten her verstörten vor allem Wolfsmasken (Männer), Rehköpfe (Frauen), Plastikgenitalien und der seltsame Gebrauch eines Baseballschlägers.


Nach drei Stunden ist man dann schon froh, wenn das Stück aus ist. Auf jeden Fall gibt „Three Kingdoms“ einem Bilder, die man erst einmal verdauen muss. Entspannung bietet das Stück nicht gerade. Aber das war vermutlich auch nicht der Zweck dieser Inszenierung. Ein echt harter Theaterabend.

Franziska Lamp

Wer hat Vera Petrova getötet?

Samstag, 16. Juni 2012

Wenn das so einfach zu beantworten wäre, hätten wir nicht drei verwirrend- belustigende Stunden im Theater an der Wien verbracht. Three Kingdoms ist nicht nur das fiktive Hirngespinst eines weltfremden Bühnenautors, hinter diesem Skript stehen fünf Jahre Recherche- und Vorbereitungsarbeit über die Thematik, die zwischen philosophisch-psychologischem Versteckspiel und überzeichneten Szenen aus dem Alltag im internationalen Menschenhandel schwankt.

Eine Parabel über den Teufel in jedem von uns, ein Spiegel für das ach-so-vereinte Europa will die Produktion sein, die der dreisprachige Ensemblemix – es sind eine estnische, eine deutsche und eine englische Theatergruppe, die in zweieinhalb Monaten gemeinsam dieses Stück erprobt haben, und man kann sagen: Es gelingt. Wenn auch mit leichten Mängeln.

Die „Story“ der zwei Scotland-Yard-Ermittler, die auf der Suche nach der Wahrheit von den Verhörenden zu den Verhörten, zu den Opfern eines Spiels, dessen Dimensionen sie unterschätzt und dessen Regeln sie nicht verstanden haben, werden, ist guter „Grundstoff“.

Darauf wird teils hervorragend und kunstfertig, teils nachlässig und schlampig aufgebaut. Vielleicht verstehe ich wieder einmal „die große Kunst“ nicht richtig, doch über Gags, die mitten in Passagen über brutale Morde und Zuhälterwesen eingebaut sind, kann ich nicht gut lachen. Die Handlung scheint permanent in Hotelzimmern stattzufinden, was aber durch den nicht vorhandenen Bühnenumbau kaum ersichtlich ist, außerdem geht auf der Reise plötzlich einer der Ermittler verloren und kommt erst zum Verbeugen wieder. Die meisten Wendungen in der Handlung als auch die Charakterentwicklung der Hauptdarsteller waren für mich in keinster Weise nachvollziehbar, wir Kritikerinnen mussten nach dem Schlussapplaus erst einmal noch gemeinsam versuchen, das Gesehene zu rekonstruieren, um einen roten Faden zu finden. Da finden sich derbe Späße neben philosophischen Abhandlungen neben Kampfszenen, ein weißbeanzugter Mann, der dem Unbewussten entsprungen zu sein scheint singt sich mit Playback durch die Vorstellung, während Menschenhändler mit Wolfs- und importierte Prostituierte hinter Rehmasken (eine der wenigen Metaphern übrigens, die ich verstanden habe) über die Bühne hirschen.

Abgesehen von all der Verwirrung gibt es aber ein paar echt gute Momente; Witze, die perfekt an ihren Platz passen, Charaktere, die „normal“ wirken und deren Gedankengängen man folgen kann. Ausdrücklich loben möchte ich an dieser Stelle die musikalische Gestaltung, wie bei einer Soap gibt es bestimmte „Motive“, diese hier sind wohl unter Electro einzuordnen. Ich liebe die dröhnenden Bässe die, stets perfekt zur Situation passend, emotional beim Zuschauer „andocken“ und auf das Kommende vorbereiten.

Doch spätestens ab dem nachgestellten Pornodreh (inklusive Rasierschaumspritzerei, Riesenumschnalldildos und Exkrementen, die an Wände geschmiert werden) wird es ungesund skurril, bis sich die verwirrende Groteske in der Schlussszene gipfelt, als der Traumentsprungene im weißen Anzug der zwischenzeitlich als Transvestit im rosa Tutu aufgetreten ist, mit dem nun verhafteten Ermittler einen Origami-Schwan basteln will und ich nur noch Bahnhof verstehe.

Diana Peutl

Conte d´Amour – Kellerfamilie und finnischer Love Metal

Montag, 11. Juni 2012

Das skandinavische Theaterstück Conte d´Amour, Sieger des „Impulse“ Festivals 2011, lässt den Zuschauer drei Stunden lang in die Abgründe der Menschheit schauen, um ihn mit der Frage zu entlassen: War es nicht eigentlich Liebe?

Ein weißer Zaun, ein grüner Rasen, dahinter ein Haus. Zwei Stockwerke, ein „normaler Raum“, darunter der mit weißen Planen verhangene Keller. Nur Lichter und Silhouetten zeigen dass sich das Geschehen wirklich dort abspielt, das mit dem Beamer an die Wand darüber projiziert wird. Die nötige Distanz? Nach ungefähr 20 Minuten verlassen die ersten Leute das kleine Theater der Garage X. Nach einer Stunde ist fast die Hälfte der Zuschauer gegangen, der Rest weiß, es wird keine Hoffnungsblicke geben in diesem Stück, keine Atempause. Gnadenlos wird das Schicksal vierer Personen dargestellt, doch sind sie Männer, oder eine Familie? Nichts konkretes, ein gezielter Schockeffekt. Es könnte jeder sein. Da ist „Vati“, er ist die Verbindung zur Außenwelt, führt wahrscheinlich irgendwo da draußen ein normales Leben, wo er Chips einkauft bei Lidl, oder McDonalds Menüs. Das Kind, helles, schrilles Gelächter, ein junger Mann in engen Strumpfhosen. Noch eine Mutter, sie säugt das Kind. Eine ältere Schwester vielleicht, auf der Couch. Vier Männer, die ihre Machtpositionen andauernd wechseln, niemand kann sich selber wirklich entfliehen. Der Keller bietet keine wirkliche Barriere, sie sind nicht wirklich körperlich eingesperrt, es gibt eine Leiter, doch diese Menschen, diese speziellen Menschen sind Gefangene von sich selbst. Es wird zunehmend schwerer alles mit anzusehen, angedeutete Vergewaltigungen, Tränen, ein Kellerraum, der immer kleiner zu werden scheint. Fast schon klaustrophobisch wird man da. Nach der ersten Hälfte lachen ein paar Menschen im Publikum, vielleicht können sie es nicht anders verkraften, das Stück ist eindeutig nicht lustig. Die Musik lässt die Spannung ansteigen, bringt sie auf Höhepunkte, der Gewalt, des Wahnsinns und lässt sie wieder fallen, anders wäre es vielleicht einfach nicht auszuhalten. Trotzdem kommt es einem vor wie Tage, nicht wie drei Stunden, einfach dadurch das man alles sieht, mehr typisch für Live TV als für ein normalerweise in Szenen unterteiltes Theaterstück.

Andauernd versuche ich den Figuren bestimmte Rollen zuzuordnen, versuche etwas Sinn ins Stück zu bringen. Dieser wird einem als Zuschauer nur langsam gefüttert, immer wieder kleine Informationen, dabei wird aber über alles hergezogen, über Religion, über Gesetze, über Familienbilder und Klischees. Alles im Kontext zur Kellersituation. Mit jedem Wort wird die Psyche dieser Menschen etwas aufgedeckt. Inwiefern ist ein Monster ein Monster? Ist es nur ein Monster weil wir es nicht verstehen können, weil es fremd ist, weil es uns Angst macht? Inwiefern ist ein Opfer ein Opfer? Wie unschuldig kann man eigentlich sein, wird man nicht immer ein Teil von dem was über einen dominiert? Inspiriert wurde das Stück ja vom Inzestfall Fritzl.

Conte d´Amour. Photo: Markus Öhrn

Love will tear us apart once again. Es geht um Liebe. Das wird einem im Laufe des Stückes klar. Ist der Versuch Familienrollen anzunehmen, nur ein Weg eine Liebe zu imitieren, die grundsätzlich, angeboren ist? Lieder wie Hello is it me you´re looking for, True Colors und Love will tear us apart, werden zum Besten gegeben, grotesk wirkt ihre Schönheit in Mitten all der Gewalt. „Wie darf man lieben?“ fragen die Darsteller, doch für sie ist es klar. Sie lieben wie sie wollen, sie lieben frei, für sich richtig. Für die Gesellschaft keinesfalls. Tabus. Doch ist Liebe, egal in welcher Form, nicht immer schön? Vielleicht gibt es keine Antwort, das Stück gibt einem keine, es lässt es dem Publikum offen darüber nachzudenken.

Die Darsteller filmen sich gegenseitig, stilistisch wurde die Videokamera als „Film“ im Film, oder eben Theater, besonders in den letzten Jahren eher für negative, erschreckende Bilder verwendet. Die Videokamera hat den Vorteil, dass genau das gezeigt werden kann, was gezeigt werden soll, auf eine rucklige, unprofessionelle Art, die einen näher bringt, als ein ruhiger Videoschnitt. Besonders die Anwendung im Theater finde ich sehr interessant, es distanziert einen zwar von den Schauspielern, doch zeigt es einem Sachen, die man sonst vielleicht nicht gesehen hätte.

Gezielt werden in Conte d´Amour unter anderem Porzellanpuppen in Nahaufnahme gezeigt, nervlich kann einen der Anblick eines Porzellanbärs an den Rand eines Zusammenbruchs bringen, wenn die Nerven durch das bisher Gesehene sowieso schon strapaziert sind.

Das Stück endet plötzlich, doch darüber ist niemand enttäuscht, keiner will mehr sehen. Vielleicht wird das Ende etwas unreal, es lässt einen aus der bisherigen kalten Realität aussteigen, als die Darsteller den Keller verlassen und ein Cover von Wicked Game mitsamt E-Gitarre hinlegen. Die persönliche finnische Note. Die wenigen, die noch im Theater geblieben sind, brechen in Beifall aus. Ich verlasse das Theater begeistert, verstört, mit viel Material zum Nachdenken und einem Ohrwurm von Wicked Game.

Melanie Balaz

Zwischen Liebe und Besessenheit

Freitag, 8. Juni 2012

Ein Kellerloch. Drei, vier, fünf Menschen sind eingesperrt. Sind es Frauen, Männer, Kinder?

Ein Junge, eingerollt wie ein Embryo, gibt glucksende Geräusche von sich. Über ein Seil werden Nahrungsmittel nach unten geschafft. Ein Mann steigt von einer Klappleiter zu ihnen herab: Er grinst, scheint die ganze Situation zu genießen. Er ist fast nackt, hat nur Boxershorts an, Socken und einen karierten Bademantel drüber, den er nach seiner ersten Vergewaltigung auszieht. Der kleine weinerliche Junge steht auf und geht auf ihn zu, nennt ihn „Papa“.

Das Loch, in dem sie hausen, ist gerade mal so groß, dass sie vier oder fünf Schritte machen können, bevor sie wieder an einer Wand anstoßen. Mitten im Raum steht eine Stange, rundherum liegt das Essen verstreut am dreckigen Boden, von oben hängen Kabeln in ihre Gesichter.

Auf einem alten Sofa liegt ein Mann, der wie eine Frau gekleidet und geschminkt ist und ab und zu vor sich hin singt. Auf den anderen Betten liegen regungslose Menschen wie Puppen.

Die Geräusche einer ratternden Waschmaschine, Schreie und Trompetenmusik lenken für einige Minuten von den Geschehnissen ab, die sich immer wieder wiederholen. Schläge, sexuelle Handlungen und Macht wechseln ständig Täter und Opfer, all das wird von Kameras aufgezeichnet und live auf eine Leinwand projiziert.

Immer hat man im Kopf, dass das Stück eigentlich von Liebe handelt, von den verschiedensten Arten wie diese ausgeübt werden kann und oft nicht soll. Und dass als Quelle der Inspiration ausgerechnet Josef Fritzl genannt wird, macht es nicht einfacher, Zuschauer zu sein und nicht eingreifen zu können. Die beiden skandinavischen Theatergruppen stellen durch Conte d’amour die Fragen in den Raum: Was ist Liebe? Und wann wird sie zur Besessenheit?

Im Laufe der Zeit wird der Täter plötzlich zum brutal zusammengeschlagenen Opfer, wird vom Kind vergewaltigt und schlägt seinen Kopf gewaltsam gegen eine Wand, er scheint genauso wie seine Opfer aus dieser Situation nicht mehr herauskommen zu können.

Kurz darauf erklärt er den Zuschauern wie man richtig von allen Seiten in Menschen eindringen kann, “It’s not too complicated“, sagt er, während der junge Mann neben ihm verzweifelt beginnt zu weinen.

Die verzerrten Gesichtszüge und die verwackelten, dokumentarfilmähnlichen Aufnahmen lassen den Zuschauer Gefangener werden, mit dem Gefühl, diesem Szenario nie wieder entkommen zu können. Für immer in dieser Härte gefangen zu sein und nie mehr das Licht und das Leben genießen zu können.

Das erste Gebot des Testaments lautet: „Du sollst lieben.“ Aber wen soll man lieben? Und wie darf man lieben? Und wann darf man hassen?

„Mutter, Vater, Tochter, Sohn. Und ein Inzestverbot, mit den dazugehörigen Gefühlen“, sagt der Täter.

Das Stück ist bedrückend. Die nie endende, stimmungssteigernde Musik und die völlig verrückten Darsteller, die Geschichte, die Laute aus den Mündern, das Schlagen und die Erniedrigung verbunden mit dem seltsamen Kichern im Hintergrund.

Alle paar Minuten stehen Zuschauer auf und verlassen den Raum, der anfangs ganz gefüllte Saal ist nach nur einer Stunde nur noch zur Hälfte besetzt. Die restlichen bewegen sich ständig, können kaum ruhig sitzen.

Mein Fazit: Ein absolut verstörendes Stück.

Anastasia Lopez

Böse Buben – Männer allein im Keller

Donnerstag, 7. Juni 2012

In einem Interview mit der NYT sagt Regisseur Ulrich Seidl, dass er nicht weiß, ob es gut ist, wenn das Publikum keine „Buhs“ für sein Werk hat. Bei der Reaktion zur gestrigen Uraufführung von „Böse Buben“ muss er sich darüber jedenfalls keine Gedanken machen.

Zuschauermeinungen zu "Böse Buben"

Wenn Ulrich Seidl draufsteht, weiß man ja schon, dass man sich auf was gefasst machen kann. Auf was Obszönes, was Unangenehmes, was Verstörendes. Hier wird nichts beschönigt, sondern radikal „entschönigt“. Wer Hundstage schon kannte, dem kommt der Stil hier schon bekannt vor: Die Männer mit aufgeknöpften Hemden und Goldketterln, die überdeutlich gezeichneten Charaktere, denen die Hose bis zum Bauchnabel gezogen wird.

Mannsbilder

Sieben sind es an der Zahl, die hier auf der Bühne eingetrudelt sind. Die Betonoptik im oberen Drittel und die freiliegenden Rohre (Bühne: Duri Bischoff) machen unmissverständlich klar, dass wir uns hier nicht im Theater Akzent, sondern in einem, wenn nicht DEM von Männern fetischisierten Keller befinden.

Männer, die ihr krankes, ordinäres Innen nach außen stülpen, wir haben sie hier in allen Formen und Stimmlagen vorrätig, wie sie den Keller in seinen verschiedensten Geheim-Funktionen nutzen, als Sportkeller, zum Saufen, um dort Pornoheftchen zu betrachten oder für den vertraulichen Viagra-Beschaffungs-Talk.

Lassen Sie mich vorstellen:

Einarm-Johnny, der per Trillerpfeife seine „Mitstreiter“ bei Leibesübungen in der kollektiven Trainingsuniform dirigiert und seinen verkümmerten linken Arm in seinem mehrphasigen „Aufriss-Plan“ als „seine Geheimwaffe“ fix eingeplant hat;

ein Ausländer, der seit 30 Jahren in Österreich ist, weil er den Landsmännern hier netterweise den Service anbietet, ihre unverschleierten Frauen mit seinem unbeschnittenen Schwanz zu befriedigen, sogar ohne vorherige Vereinbarung, doch wer sicher gehen will, soll ihn anrufen;

ein Bäcker, der seinen Sohn das letzte Mal vor sieben Jahren gesehen hat und nach einem routinierten Rendezvousdurchlauf mit jeder Frau, die einwilligt– und das sind erstaunlich viele – seine „Bondage-Zeremonie“ vollzieht;

ein Campingplatzwart, der auf den Tretbootverleih, nicht aber seine beginnenden Erektionsprobleme stolz ist;

ein ehemaliger Boxer mit zu engen Anzug, der seine unkontrollierbare Angewohnheit, im Bett prosozialistische Slogans zu brüllen, unbewusst als Vorwand benutzt um keine Beziehungen aufbauen zu müssen;

ein seriös aussehender Anzugträger, gediegen gekleidet und mit gewählter Ausdrucksweise, der das Programm regelmäßig mit seinen Darbietungen von Volksliedern unterbricht und dem man das „…nicht, dass ich irgendjemandem wünsche, vergewaltigt zu werden“ nicht wirklich abkaufen kann…

Diese sechs bilden eine Einheit, lassen einzeln die Hosen runter und singen, das T-Shirt nach unten ziehend, dem Publikum Volksweisen entgegen, blasen beim Trompetespielen Kondome auf, üben den Bond-007-Schieß-Move mit ihren eingebildeten Pistolen so lange, bis man aufstehen und schreien oder, wenigstens, weinen möchte.

Abseits von allem haben wir dann noch den Siebenten, er wirkt wie ein alter Professor, den die Demenz erfasst hat und der sich nun unkontrolliert in vulgären Redeschwällen über seine befremdlichen sexuellen Abenteuer ergeht und während den schockierendsten Erzählungen, welche vom Bühnenrand aus mitgeteilt werden, amüsiert einen riesigen Stoß an Pornoheften „abarbeitet“.

Gags und Bilder, die man nicht im Kopf haben wollte

Anfangs ist der „Spaß“ ja noch – verhältnismäßig – harmlos, es gibt unangenehme, „grausliche“ Geschichten, Abstoßendes, das man aber durchaus noch leicht verdauen kann, von der Bedeutungsschwere her ist der Großteil wohl wie eine der skandalöseren Aussagen aus der Barbara-Karlich-Show einzuschätzen, auch wird – dafür möchte ich an dieser Stelle dem Autor meinen tiefsten Dank aussprechen – nicht mit Pointen zur Stimmungsauflockerung gespart. Doch der letzte Herr, der an den Bühnenrand tritt, um seine Meinung kund zu tun, um „seine Geschichte“ zu erzählen, hat es in sich: Während der Rest des Ensembles wie ungezogene Schulkinder mit dem Gesicht zur Wand steht, gibt er höchst kontroversielles Gedankengut zum Thema Vergewaltigung und Missbrauch von sich, eine gefühlte Stunde lang geht es in gewählter, grausamst bildhafter Sprache so zu. Als er endlich seinen „Sprechplatz“ verlässt und das Licht ausgeht, spürt man ein kollektives Aufatmen in den Zuschauerreihen. Der Rest des anfänglichen Publikums, der bis zum Ende geblieben ist, quittiert das Gesehene mit einer gesunden Mischung aus Applaus und Ausbuhen. Ich hätte nie gedacht dass ich das einmal sage, vor allem nicht zu einem Theaterstück, aber: Das hier braucht eindeutig eine Altersbeschränkung.

Text und Foto: Diana Peutl

The Master and Margarita

Donnerstag, 7. Juni 2012

Moskau in den 1930ern, ein Schriftsteller der im Irrenhaus landet, seine Geliebte, die ihre Seele an den Teufel verkauft um ihren Geliebten wiederzusehen, und der Teufel, der erzählt was genau damals auf dem Balkon zwischen Pontius Pilatus und Jeshua Ha-Nozri vorgefallen ist. Der Roman von Michail Bulgakow war nach der Ersterscheinung ausverkauft, die damals zensierten Passagen wurden mit der Hand vervielfältigt. Seit damals zählt er zu den Klassikern und die Handlungsorte des Romans in der Moskauer Innenstadt werden von Bulgakow-Fans besucht. Simon McBurney nahm es auf sich die Kreuzigung Christi und die Straßen Moskaus auf die Bühne zu bringen.

"The Master and Margarita". Bild: Denise Ocampo 2012.

Durch Videoaufnahmen werden einzelne Gesichtsausdrücke, Blutspritzer oder Szenen groß auf die hintere Wand der Bühne projiziert. Wenn es in Moskau einen Schauplatzwechsel gibt, sieht man die Stadt aus der Vogelperspektive. Durch diesen großartigen Effekt bekommt man ein viel besseres Gefühl von der großen kalten Stadt und den Einzelschicksalen – wie das des Ivan Nikolajevich. Oft ist für mich allerdings die Videobegleitung auf der Wand zu viel und ich hätte gerne bei Schlüsselszenen, wie der Kreuzigung, einen Moment Ruhe gehabt um diese besser zu verdauen.

Es ist beeindruckend und effektiv wie mit dem Licht gearbeitet wird. Es werden so ganze Zimmer in Sekundenschnelle geschaffen.

Die schauspielerische Leistung ist grandios. Die zierliche Margarita, gespielt von Sinead Matthews mit ihrer tiefen rauen Stimme geht neben den Männern nicht unter. Die Kostüme sind eher schlicht und unauffällig. Da meist sehr viele Leute auf der Bühne stehen, müssen die Schauspieler mit Stimme überzeugen.

Die Katze Behemoth ist eine Puppe mit roten Augen in Menschengröße, die von Puppenspielern geführt wird. Ich hätte es passender gefunden, wenn die Katze von einem Menschen in einem Kostüm gespielt worden wäre. Die im Roman so lebendige Verkörperung eines kleinen Teufels wurde für mich durch die Puppe nicht zum Leben erweckt.

Die bewegende Geschichte über Mitgefühl von Michail Bulgakow wurde von großartigen Schauspielern präsentiert. Alle Szenen waren atemberaubend – aber mit Musik und Technik manchmal zu viel. Die Reizüberflutung ließ für mich die eine oder andere wichtige Botschaft des Romans über Vergebung, Einsamkeit und die Rolle des Teufels untergehen.

Text und Bild: Denise Ocampo

Le Socle des Vertiges – Ein Aufschrei von Unzufriedenheit

Sonntag, 27. Mai 2012

Le Socle des Vertiges, geschrieben von dem Kongolesen Dieudonné Niangouna, greift die Thematik des von vielen Seiten beanspruchten, niemals völlig freien Kongos auf. Die verwirrende Geschichte zweier entfremdeter Brüder, ihrer gemeinsamen Liebe und dem Kind, von dem man nicht weiß, wer der Vater ist, zieht sich durch das zweistündige Stück, das eigentlich nur eins ist und sein will: Ein Aufschrei von Unzufriedenheit.

Dabei stehen die Gefühle im Vordergrund, der Hass den man spürt wenn einem jemand versucht das eigene Land, die eigenen Ansichten zu enteignen, einen zu formen wie ein Stück Ton. Hier wird von Zwang gesprochen, Aufzwang eines politischen Systems, einer Ansicht nach der man zu Leben hat, und von Zerstörung, von Aufbau und Aggression, die sich szenenhaft widerspiegelt. Die Situation eines ausgebeuteten Staates, dargestellt in bildhafter, schöner Sprache, die zum Teil in bodenloser Aggression verschwindet, in einer Tirade aus Schimpfwörtern, die mehrere Leute während der Aufführung zum gehen bewegt hat.

Das Stück versucht die Unzufriedenheit über eine allgemeine Situation und den Schrecken einer spezifischen Situation, die der zwei Brüder zu verbinden. Dies funktioniert insofern nicht, da die Geschichte der Brüder, von denen einer seine wahre Abstammung sucht, zwar erschreckend aufgrund der Gewalt ist, aber sonst eigentlich keine Verbindung zum Kongo aufweist. Das Ziel des Stückes ist nicht einen zum Nachdenken zu bringen, es soll einen einfach schockieren. Dazu werden alle Mittel eingesetzt, Beamerprojektionen von Tierschlachtung, bildliche Erzählungen von Gewaltszenen und eine äußerst aggressive Sprache. Die Parallelen zum Kongo muss man zum Teil dann schon selber hineininterpretieren. Die bildliche Sprache hat auf jeden Fall Vorteile, denn das Bühnenbild verwirrt mehr als es hilft, einen an den Ort des Geschehens zu bringen.

Die Schauspieler sind alle sehr stimmkräftig, auch die Interaktion mit dem Publikum wird versucht, dies funktioniert jedoch nicht so ganz, da das Publikum statt mit zu interagieren, verzweifelt auf den Übersetzungsbildschirm schaut, was sie denn grade auf Französisch gefragt wurden. Störend ist außerdem das Ein- und Ausschalten und über die Bühne fahren des Projektors, da es den Fluss des Stückes unterbricht. Besonders auffällig ist die Freudigkeit der Schauspieler sich auf der Bühne auszuziehen, man fragt sich, wozu?

Le Socle des Vertiges hat eine Wirkung (siehe auch Zuschauerreaktionen). Auf jeden der im Publikum sitzt . Aufgestaute Gefühle und Gedanken jahrerlanger Ausbeutung in zwei Stunden losgelassen. Ob schockiert, angewidert, fasziniert, niemand im Publikum kann sagen es hat ihn nicht auf irgendeine Art berührt.

Melanie Balaz

Herz und Gewalt

Die Kritikerrunde macht sich startklar – Teil I: „Interviews“

Freitag, 11. Mai 2012

Zum Start in die Kritikerrunde beschäftigten wir uns bereits Ende April in einem Workshop mit Mona Moore – landesweit bekannt für ihre Interviews und ihre raue Stimme –  eingehend mit… „Interviews“.

Auf geht´s! Nach den Einzelinterviews mit der ganzen Runde.

Zuerst wurden wir einzeln in den Seminarraum gebeten, ohne jegliche Vorbereitung oder Ahnung, was darin passieren würde. Mona Moore saß alleine an einem Tisch, bat mich mich zu setzen, schaltete ihr Aufnahmegerät ein und fing an Fragen zu stellen. Diese Übung vermittelte sofort das Gefühl eines Interviewten. Für Manche vielleicht positiv aber für mich ein definitiv negatives Erlebnis. Zuerst war ich nervös, weil ich nicht wusste, was passieren würde und dann, als sie anfing Fragen zu stellen, wurde ich panisch, dass ich hoffentlich eine Antwort auf alle Fragen hätte. Schließlich wird alles, was man sagt, aufgenommen und wenn ich nervös werde, fange ich an zu plappern, also hatte ich Angst, dass ich etwas falsches sagen würde.

Danach fing es richtig an. Mona Moore erzählte von ihrem Leben, ihren Erlebnissen und Erfahrungen mit Interviews. Sie erklärte uns zum Beispiel, dass „Off The Record“ inoffizielle aufgenommene Details sind, die aber aus privaten Respektgründen unter keinen Umständen veröffentlicht werden dürfen. Mona machte uns auch darauf aufmerksam, dass man schauen sollte, dass die Antworten immer länger als die Fragen sind und dass man keine zu langen und komplizierten Fragen stellt, da der Künstler im Vordergrund steht und nicht der Interviewer. Interessant fand ich auch, als sie uns erklärte, was eine „Gretchenfrage“ ist, nämlich eine Frage, die dem Gefragten meist unangenehm ist, da sie direkt ist und von dem Gefragten eine bisher versteckte Absicht entlarvt.

Hier sind die wichtigsten Punkte, die ich aus dem Workshop zusammenfassen konnte:

  • Hintergrundinfos und gezieltes Vorbereiten sind die Grundvoraussetzung eines gelungenen Interviews – Nichts ist peinlicher, als wenn ein befragter Autor darauf kommt, dass der Interviewer sein Buch nicht genau kennt.
  • Sicher sein, dass die Technik passt – Ein ganzes Interview umsonst, weil die Batterie des Aufnahmegeräts leer war, kann vermieden werden.
  • Gute Fragen stellen und keine Standardfragen – Der Fragende, Gefragte und das Publikum sollten daran interessiert sein und man sollte originelle Fragen stellen und definitiv Keine, deren Antworten nach einer Suche im Internet sofort herausgefunden werden können.
  • Spontan auf Antworten reagieren – Damit ein Fluss entsteht, sollte man keine „Ja oder Nein“ Fragen stellen und auf alle Antworten spontan reagieren. Man sollte auch die Antworten mit den nächsten Fragen inhaltlich verbinden, so bekommt man das Meiste aus dem Gespräch raus.
  • Körpersprache beachten – Wenn zu dem Gefragten kein Augenkontakt besteht, gibt es keinen Anhaltspunkt und somit fühlt sich der Gefragte distanziert und nicht respektiert.

Die Notizblätter füllen sich!

Obwohl der Einstieg in den Workshop mich abgeschreckt und verunsichert hat, gab er mir einen guten Einblick in das Gefühl des Interviewten. Mona Moore vermittelte uns außerdem ein Fingerspitzengefühl für Interviews in ihrem sehr informativen Workshop.

Mary Sarsam und Anastasia Lopez

In eigener Sache: Antwort auf eine E-Mail ohne Absender

Freitag, 27. April 2012

Hallo liebe Blogleser.
In den letzten Tagen ist es etwas still geworden. Das wird sich jetzt ändern. Die versprochene Container-City-Berichterstattung kommt erst am Samstag, da Freitag erst schönes Wetter wird – bis jetzt gibt es echt nur hässliche Fotos. Aber bevor ich zu den heutigen Stücken komme die ich gesehen habe, ein unschönes anderes Thema.
Gestern Nacht (den 25. April) hat mich 1.10 Uhr eine „seltsame“ bis unschöne Mail erreicht. Normalerweise hätte ich einfach nachgefragt um die Sache zu klären bzw. die vielleicht der Einfachheit ignorieren können – kann ich aber nicht. Denn die Person die mir die Mail gesendet hat, hat mich blockiert, so das ich nicht nachfragen oder darauf reagiere kann. Da er oder sie aber den Blog zu lesen scheint, würde ich gern hier kurz darauf reagieren – und vielleicht wird dann manchen auch mehr klar. Hier die Nachricht:

Am 25. April 2012 um 1.10 Uhr: „Du solltest dir echt überlegen, wo eure Zielgruppe ist, wer dazugehört und welche Medien man heutzutage ganz wertneutral zur Kommunikation benutzt. Ignorieren _ist_ eine bewusste Beleidigung, und wenn man nicht wei[ß], wie die lokale Kulturs[z]ene aussieht, ist es empfehlenswert, sich ein bis[s]chen an den üblichen Höflichkeitsregeln zu orientieren. / Dies ist eine informelle Mitteilung. / Tip[p]: Schmier[e] dir die Paranoia in den Hut. / [Yo]u lose. Keine Berichterstattung. / [B]ye.“ (Schreibfehler korrigiert, Schrägstriche zeigen Zeilenumbrüche.)

Und meine „Stellungnahme“/Antwort dazu:
1. Satz: „Eure Zielgruppe“ kann ich nicht im Namen der „Jungen Bühne“ beantworten, aber für mich liegt die Zielgruppe bei 12- bis 25-jährigen jungen Theaterinteressierten. Das ist sehr schwer für Jugendliche zu schreiben die zum einen noch in die 5./6. Klassen gehen, wobei andere schone studieren – verdammt schwer allen gleich zu kommen, weder zu hoch noch zu einfach zu schreiben.
1.1 Welche Medien ich einsetzte; das ist der Text den ich schreibe, der meine Meinung vertritt und ansonsten Fotos und Videos. Diese Medien (F&V) sind beide absolut wertneutral, da sie alles genau so darstellen, wie es vor der Linse ist. Ich bearbeite meine Fotos nicht.
2. Ich weiß nicht wen ich ignoriere. Über die Woche besuche ich alle Stücke und Performances um breit gefächert und vollständig berichten zu können – und ich wette das kann keine Zeitung hier. Ich versuche dabei keine Kritiken zu schreiben, sondern auf formale, künstlerische und arbeitsorientierte Prozesse einzugehen, Inszenierungskonzepte vorzustellen und den Lesern einen Einblick in die neuen Theaterformen der Zeit zu zeigen; vor allem denjenigen, die bis dato nur eigenes Stadt- oder Schultheater kennen – so wie ich mit 14 Jahren.
2.1 Die lokale Kulturszene kenne ich nicht, das stimmt. Aber das spielt bei diesem Festival nur eine kleine Rolle – meiner Meinung nach bzw. für meinen Zweck – da ich für Deutschland schreibe und nicht ein Oldenburger Lokalblatt.
2.2 …und was verbindet das mit „üblichen Höflichkeitsregeln“? Ich schreibe manchmal mit einem Hauch Ironie – aber in erster Linie für junge Menschen ohne Theaterspezifische Ausbildung. Erika-Fischer Lichte sagte einmal: „Das wichtigste ist oft ins Theater zu gehen und im Anschluss darüber zu sprechen.“ – und genau das versuche ich. Ich beleidige keinen und schreibe keine zerreißenden Kritiken, sondern versuche „Performancetheater“ zu vermitteln.
3. Danke. Aber leider kann ich mit der nicht viel anfangen.
4. Seit wann habe ich Paranoia? Oh, da fliegt Peter Pan!
5., 6. und 7. >> Siehe 3.

Ich kann mit dem Geschrieben durchaus auf die Nase fallen. Aber in meinen Augen ist es das im eintretenden Falle wert.
Liebe Grüße und bis gleich zum nächste Blog, Eric.