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Persönliche Statements und Kommentare zu „Groß und klein [Big and Small]“

Freitag, 25. Mai 2012

Anastasia Lopez:

Mein erster Eindruck?

Völlig wirr und faszinierend. Vor allem war ich vom Bühnenbild begeistert: von der Straße, Bushaltestelle zum Zimmer – alles war dargestellt, und irgendwie auch nicht.

Es war das erste Mal, dass ich vergessen habe im Theater zu sitzen. Das Licht, die Musik und die Emotionen haben sich in meinem Kopf zu einem einzigartigem Film zusammengestellt.

Für mich persönlich war es allerdings sehr schwer mich an das schnelle Englisch zu gewöhnen, ich musste mich ständig entscheiden, was wichtiger war: der Text oder das Geschauspielte.

Letztendlich bin ich mit Cate Blanchett verschmolzen, hab all ihr Leid miterlebt, mit der Hoffnung auf eine Besserung in ihrem Leben.


Mary Sarsam:

“Groß und klein” war für mich ein Theater-Erlebnis der anderen Art. 180 Minuten lang dauerte die Vorstellung. Diese Zeit verbrachte ich teils unheimlich schockiert über die Absurditäten dieser Inszenierung, teils erstaunt, wie sehr man sich in die Lage und in die Gefühle der Hauptperson hineinversetzen konnte. Obwohl Lotte Kotte innerlich am verzweifeln ist, findet sie den Ehrgeiz und Willen weiter zu suchen und zu leben, fällt weiterhin aber immer tiefer in ihr Hasenloch, verloren wie “Alice im Wunderland”. Die Situationskomik in diesem Stück zwingt das Publikum zu lachen, obwohl die eigentliche Lebenslage der Hauptperson nur deprimierend ist. Ich verlor während dem Stück oft den Bezug zur Realität und vergaß, dass ich im Theater saß und nicht selbst Teil von Lottes’ Leben war. Das Bühnenbild erstaunte mich, fließende Übergänge, die genau in das Stück integriert waren, minimalistisch und kalt, gab den Zusehern die Möglichkeit sich selbst ein Bild der Szene vorzustellen. Die Musik von Max Lyandvert passte perfekt in das Stück hinein, genau deswegen, weil sie überhaupt nicht in die Szenen hineinpasste und somit alles noch absurder erscheinen ließ. Die Kompositionen rissen die Zuschauer regelrecht aus ihrer vorigen Stimmung heraus und bereitete sie auf die nächste kleine Geschichte von Lotte Kotte vor. Der Übertrag ins Englische von Martin Crimp und der Vergleich mit dem Originaltext von Botho Strauß, der übertitelt war, war für mich sehr interessant. Als Englisch Nativespeaker musste ich nicht mitlesen, aber da ich mich dafür interessiert habe, ob die Dialoge und Monologe im Original genauso komisch waren wie in dieser Inszenierung, habe ich teilweise mitgelesen und war erstaunt und enttäuscht, dass die Komik nicht im gleichen Ausmaß der Übersetzung im Original vorhanden war.


Denise Ocampo:

Wie geht man in der heutigen Gesellschaft mit Einsamkeit um? Lotte, gespielt von Cate Blanchette, packt den Zuschauer gleich von Beginn des Stückes. Man wird mit auf die Reise ihres Charakters genommen, in der sie, so scheint es mir, einfach nur ihre Einsamkeit entgehen will. Die Monologe, am Anfang noch mit einem Hauch Komik werden trauriger, verwirrter, bizarrer und die labile Frau scheint ihren Verstand zu verlieren.

Das Stück zeigt brutal und offen die schlechte Seite des Menschen und wie Lotto daran immer wieder scheitert Sicherheit und Freunde zu finden.

Cate Blanchette zog mich mit ihrer tiefen weiblichen Stimme in den Bann. Sie schafft es, dass man die ganze Geschichte mit einer kühlen Distanz beobachtet aber gleichzeitig tiefes Mitgefühl für Lotte hat. Mit Musik und Licht wird achtsam, dafür sehr effektvoll umgegagen. Das Ende lässt den Zuschauer rätseln, für mich findet Lotte auf eine Gewisse Art Frieden. Jubel ohne Ende für Cate Blanchette.


Melanie Balaz:

Die australische Inszenierung von Groß und klein [Big and Small] ist meiner Meinung nach eine sehr gute moderne Auffassung des Originals. Abgesehen von Cate Blanchetts viel gerühmter schauspielerischer Hochleistung, ist das Stück auch vom szenischen Aufbau spannend und enthält von lustigen Monologen bis zu impulsiven Tanzeinlagen für jeden etwas, der gerne ein bisschen Tiefgrund hat.


Diana Peutl:

Groß und klein [Big and Small] ist großes Theater. Gut, dass die Halle E im MQ große Bühne und großes Publikum für die Sydney Theatre Company, die von Cate Blanchett und ihrem Mann geleitet mit Botho Strauß’ Werk durch Europa tourt, parat hat. Anfangs skeptisch gegenüber dem Schlagzeilen-dominierenden Hollywoodstar, überzeugt mich Cate Blanchett bald mit ihrer überraschend tiefen Stimme und der absoluten Authentizität ihrer Darstellung der verlassenen Grafikerin, die sich tapfer von keiner menschlichen Zurückweisung entmutigen lässt, während die soziale Kälte ihres Umfelds sie in den religiös gefärbten Wahnsinn und die fixe Vorstellung, sie sei eine von Gott auserwählte Gerechte, treibt. Das namhafte Ensemble des STC zeigt seine große Kunstfertigkeit darin, gerade in den kurzen, kleinen Auftritten nicht unterzugehen, sondern ein würdiger „Gegenspieler“ für Lotte, unsere Heldin, zu sein. Das Bühnenbild ist genial, etwas zum „Festhalten“ fürs Auge, aber dennoch genug Platz für die Phantasie des Zuschauers einräumend. Das einzige, was mich nicht ganz überzeugen konnte, ist der nicht nachvollziehbare Einsatz von wahllos durcheinander gewürfelt wirkenden Musiksequenzen. Doch, wie jeder etwaige Mangel, wurde dies durch die wild über die Bühne tanzende Lotte kompensiert, die ich am liebsten an der Hand genommen, ihr einen Tee gemacht und mit ihr über ihre Probleme geredet hätte.


Franziska Lamp:

Nach Verlassen des Theaters, habe ich mich gefragt, warum Lotte in Botho Strauss „Groß und klein [Big and Small]“ eigentlich immer abgewiesen wird. Ist es, weil sie anders und obendrein vielleicht zu anhänglich ist? Nein, das kann es nicht sein, denn keinen der Charaktere aus „Groß und klein “ würden wir als „normal“ definieren. Aber was bezeichnen wir eigentlich als „normal“? Ist es nicht völlig normal, wenn man versucht Kontakte zu knüpfen und sich zu integrieren? Und genau das tut Lotte doch! Genauso normal wie Lottes Annäherungsversuche sind die Probleme der anderen Figuren. Es wird also klar: Alle Personen ähneln sich in einem gewissen Bereich. Umso schwerer kann ich nachvollziehen, wieso Lotte als „Aussätzige“ behandelt wird, denn im Grunde ist sie ja ein Mensch wie jeder andere auch! Ich kann nicht verstehen, wieso Lotte im Leben ewig alleine bleiben muss! Es ist für mich nicht erklärbar. Vermutlich sind die anderen Charaktere schlichtweg zu viel mit sich selbst und mit ihren Problemen beschäftigt, als dass sie noch das nötige Maß an Freundlichkeit für die hilfsbereite Lotte aufbringen könnten. In deren Welt kümmert sich jeder um seine eigenen Sorgen und versucht mit sich selbst klar zu kommen. Lotte hingegen interessiert sich für ihre Mitmenschen und will ihnen helfen ihre Probleme zu lösen. Vielleicht macht sie ja genau diese Eigenschaft zur ständigen Außenseiterin? Eine weitere Frage, die sich wohl alle Besucher dieses Theaterstückes stellen mussten, ist, wo geht Lotte am Ende hin? Gibt sie resignierend auf oder stirbt sie gar? Nein, ich glaube, dass Lotte so weiter macht wie bisher und weiterhin versucht ihr Leben auf die Reihe zu bekommen. Sie lässt sich nicht kleinkriegen.

Kritikerrunde trifft auf Profi Kritiker – Die Kritikerrunde macht sich startklar, Teil 2

Montag, 14. Mai 2012

„Der erste Satz ist der bedeutendste, er soll den Leser packen und zum Weiterlesen animieren.“ Das ist wohl eine der schwierigsten Sachen beim Schreiben einer Kritik. Aber nicht nur das haben wir am 3. Mai von Gert Korentschnig, Leiter des Resorts Kultur und Stellvertretender Chefredakteur des Kurier gelernt. Mit einer Kritik muss eine breite Leserschaft erreicht werden, es soll ein Überblick gegeben werden, sowohl für die, die nicht vor Ort waren.

Gert Korentschnig mit wertvollen Tipps zum Thema "Kritiken"Beim Schreiben einer Kritik fließen die eigenen Gedanken in das Geschriebene, deshalb braucht man eine Meinung zum Thema, man muss es beurteilen und durchschauen.

Gut zu bedenken ist auch der Titel, der fast noch wichtiger ist, als der erste, einleitende Satz. Viele Leser schenken nur ihm Beachtung und wenn sie sich davon nicht genug angesprochen fühlen, blättern sie einfach weiter. Titel sollen humorvoll, abwegig, ironisch und raffiniert sein, am besten ist ein schräger Zugang zum Thema. Einen solchen Titel dann tatsächlich zu finden, ist immer schwer.

Notieren, notieren...Laut Korentschnig werden die Leser nicht nur wegen dem Inhalt von einem Thema fasziniert, sondern auch wegen der Länge und des Sprachstils. Es gilt „kurz fassen“! Bei langen Kritiken droht man den Leser zu verlieren. Zu vermeiden ist das Verwenden von Worten, wie „gut“ und „schlecht“, diese haben keinerlei Aussage über etwas und begründen nicht, warum nun etwas als „gut“ oder „schlecht“ empfunden wird. Es gibt so viele Eigenschaftswörter mit denen man Dinge beschreiben kann, auch abgesehen von „interessant“ und „super“.

Ein weiterer zu beachtender Punkt beim Schreiben von Kritiken ist, dass sie kein Wissen voraussetzen sollen. Kritiken werden vor allem von Menschen gelesen, die nicht vor Ort waren. Vorher gilt es aber zu überlegen, wie viel man davon verraten will oder darf. Bei Filmen ist es beispielsweise ein Tabu das Ende zu verraten.

Eine Kritik soll also immer einen anziehenden Titel, einen spannenden ersten Satz und einen aufschlussreichen Mittelteil beinhalten und mit einem gut formulierten Fazit enden. Der Mittelteil, der nicht nur aus eigener Meinung besteht, sondern ebenfalls den Inhalt, Hintergrundgeschichten, Schauspieler, Regisseur und die Inszenierung erklärt bzw. erzählt, ist der Hauptteil einer Kritik.

Ein guter Rat, den uns Gert Korentschnig mit auf den Weg gegeben hat, ist, „Demut vor den Künstlern und dem Regisseur“ zu haben. In jedem Stück steckt viel Arbeit und diese sollte man sich bewusst machen. Ist man auch von der Aufführung enttäuscht oder hat Teile davon nicht verstanden, jedes Werk hat Respekt verdient und ist mit riesigem Aufwand verbunden, dazu zählen auch Dinge, die meist links liegen gelassen oder vergessen werden, wie die richtige Lichtstimmung, das Bühnenbild oder die Übersetzung, die ebenfalls in einer Kritik zu erwähnen sind.

Gert Korentschnig arbeitet seit über 15 Jahren als Kritiker. Er schreibt hauptsächlich Kritiken über klassische Musik, aber auch andere Kulturereignisse und Politikkommentare. Meinem Eindruck nach liebt er seine Arbeit, auch wenn sie mit sehr viel Recherche, Vorbereitung und Wissen verbunden ist und einiges an Erfahrung dazu gehört. Ich bin mir sicher, wir alle haben viel von ihm gelernt und hoffe, dieses Wissen auch anwenden zu können.

Carina Habel

Sie sind zu spät.

Sonntag, 13. Mai 2012

Massen von Kunst- und Kulturinteressierten wohnen am elften Mai der Eröffnung der Wiener Festwochen am Rathausplatz bei, im Glauben, sie wären die allerersten. Doch das sind sie nicht – sie sind zu spät dran. Denn die Festwochen wurden schon längst eröffnet.

Das BOEM* an der Koppstraße

Jawohl. 12 Tage zuvor wurden die Wiener Festwochen eröffnet – im ehemaligen Lagerraum eines Eckcafés in der Koppstraße im 16. Wiener Gemeindebezirk. Und zwar von Alexander Nikolic. Dieser lud nämlich am Vorabend des Weltarbeitertages zur ersten öffentlichen Probe der „New BOEMIAN GASTARBEITER OPERA“ ein.

Inspiriert von der 1977 im damaligen Jugoslawien uraufgeführten Gastarbeiteroper inszeniert Nikolic den fünfteiligen „Probenparcours“. Dieser findet unter Einbindung der Öffentlichkeit und mit Unterstützung des von ihm und Sasa Miletic gegründeten Chores „Hor 29.Novembar“ (das Datum der Gründung der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien), rund um das BOEM*, besagtes Eckcafé, welches von Nikolic und zwei weiteren Künstlern betrieben wird, statt.

Akt 1mit dem Motto „Aufbruch – Aneignung“, findet im ehemaligen Lagerraum des BOEM* statt: ebenerdig, separat zu betreten und seit fast genau zwei Jahren Schauplatz von Ausstellungen und anderen Veranstaltungen zu Themen wie Arbeit, Migration oder interkultureller Identität. Am Beginn des Abends ist dem neugierigen Publikum, das sich in der baustellengleichen Stätte, die wir alle laut Programmheft als „Poliere und Lehrlinge des Geschmacks“ Stück für Stück „gemeinsam bauen und zusammenstückeln“ sollen, überhaupt nicht klar, welcher Grad an Partizipation – und vor allem: Partizipation woran?, denn nichts deutet darauf hin, was gleich passieren wird – zwischen diesen frisch verputzten Wänden auf uns wartet.

Neben Nikolic, der im Wiener Slang und mit deutlichem Einfluss des Meidlinger Ls verkündet, dass es bald losgeht, bemerkt man vorerst nur einen Videokünstler, Martin Hollerweger, und Michael Kalivoda, einen bärtigen Mann mit Mikrofon, die, wie sie nachher im Gespräch erklären, den Abend dokumentieren. Sie sind die zwei anderen Künstler hinter dem Projekt, Alexander Nikolics „Wingmen“ sozusagen. Sie sind es, mit denen Nikolic in ihrer gemeinsamen WG vor mehr als zwei Jahren die Idee entwickelte, eine Infrastruktur zwischen ihrem Wohnen, dem künstlerischen Schaffen und den Menschen im Grätzel zu kreiren.

Gesagt, getan, übernahm das Trio recht bald das BOEM* von gegenüber. Der Lagerraum wurde zur „Galerie“ umfunktioniert (auch bei ihrer ersten Ausstellung, „Die Schönheit der Arbeit“ wurde sie in eine Baustelle verwandelt – das sei aber nur Zufall und nicht die Regel, erklären sie), das Café aber ganz absichtlich so belassen wie es schon immer gewesen war, um die Stammkundschaft nicht zu verschrecken und eine Entfremdung aufgrund des Betreiber- und auch Nutzungswechsels des BOEM* zu unterbinden.

Wie heute werden sie auch die BOEM* - nicht nur Kaffeehaus, nächsten vier Akte, als Zwischending von Künstler, Techniker und Zuschauer, dokumentieren. Diese „Mosaikteilchen“ werden Anfang Juni, zusammengesetzt, multipliziert zum End-Produkt der fünf Akte dieses „Probenparcours“ im WUK in Form der New BOEMIAN GASTARBEITER OPERA zu sehen sein.

Genug aber der Vorankündigungen – Es geht los! Als Erstes erwartet uns Mitschunkeln und – wer den Text kennt – Mitsingen, sonst kulturschockmäßig überwältigtes Zuhören, wie der Hor 29. Novembar, dessen Motto „ko peva zlo ne misli“ übersetzt „Wer singt, denkt nichts Böses“ heißt, serbokroatische, deutsche und italienische Partisanenlieder aus seinem mehrsprachigen Repertoire zum Besten gibt.

Auf diese leidenschaftlich-laute stimmbandliche Eskapade folgt etwas für die grauen Zellen: Branimir Stojanovic, Psyhoanalytiker, Aktivist und Philosoph aus Belgrad, erklärt uns, wie und warum der heutige Arbeiter ganz wie der Gastarbeiter in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, nur ein Gast ist. Damals Gast in Österreich, zwar zum Hier-Arbeiten eingeladen, zum Hier-Leben aber nicht willkommen, heute ein Gast im kapitalistischen System, seine Identität und Macht verleugnend. Sein Vortrag wird satzweise aus dem Serbischen ins Deutsche übersetzt, was durchaus künstlerisch wertvoll ist und eine passende Stimmung erzeugt, die darauf aufmerksam macht, dass etwas, was in einer anderen Sprache gesagt wird, genauso eine Bedeutung hat wie wenn es gleich verständlich auf Deutsch daherkommt (eine Tatsache, die im täglichen Ottakringer Alltag fallweise vielleicht zu oft vergessen wird), aber: In Kombination mit der Zigarettenrauchbelastung, die mindestens so hoch ist wie in einem schlecht belüfteten Ottakringerstraßen-Club, wird die Konzentration der Zuschauer schon ein wenig in Mitleidenschaft gezogen.

Blick in die "Baustelle" - der Chor steht ganz hinten!Dann ist es auch schon wieder aus. Nach dem stürmisch-fußstampfenden Auftakt ist das zwar überraschend und fühlt sich noch unfertig an, auch kam das Publikum innerhalb dieser einen Stunde irgendwie nicht wirklich zum Partizipieren, aber das ist am ersten Abend, der ja mit „Aufbruch“ betitelt ist, schon okay. Die Zuschauerbeteiligung soll sich mit der Zeit steigern, erklärt Matthias Pees, leitender Dramaturg der Wiener Festwochen, genauso wie die anfängliche Baustelle mit jedem wöchentlichen Proben-Akt wohnlicher und am Abend des fünften Aktes schließlich fertig renoviert sein soll.

Nun also „entlässt“ Nikolic, der auf Serbokroatisch und Deutsch durch den Abend geführt hat, das Publikum. „Raucht eine Zigarette, redet, trinkt, verliebt euch!“ ist das Motto – Bier und Vodka sind an der Türschwelle einer improvisierten „Bar“ erhältlich, also nichts leichter als das! Das Publikum dünnt sich langsam aus und immer mehr nimmt der Anteil der Freunde von Mitwirkenden und von Anrainern und BOEM*-Kunden zu, Künstler und Publikum vermischen und formieren sich neu zu einem bunten, heterogenen und darin doch wieder homogenen Haufen. Hier finden die Festwochen auch für jene statt, die nicht auf dem Rathausplatz sein werden, die sich keine Karten für die Oper oder für Cate Blanchett kaufen werden.

Diana Peutl

Die Kritikerrunde beim Warmschreiben bzw. Niederschreiben der Erwartungen an die Lecture Performance

Was ich von der Kritikerrunde mitgenommen habe?

Montag, 4. Juli 2011

Stella bei der Arbeit!Die Kritikerrunde hat mir gezeigt, das Theater von einer anderen Perspektive zu betrachten. Natürlich ist es Arbeit gewesen, aber es hat besonders viel Spaß gemacht. Die einzelnen Aufführungen sind eine Sensation gewesen und ich persönlich habe nur wenige als uninteressant empfunden. Wir haben Menschen aus dem Publikum, wichtige Persönlichkeiten und Künstler interviewt. Wir haben hervorragende Unterstützung von dem Wiener Festwochen Büro, unserer Betreuerin und anderen Mitunterstützern erhalten.

Als Teil der Kritikerrunde habe ich mich stark gefühlt. Wir haben unsere Erfahrungen in Bereichen Kunst, Kultur, Theater und Musik ausgetauscht und uns ideal ergänzt. Somit ist es mir möglich gewesen mein Wissen in dieser Hinsicht zu erweitern.

Bianca, Kathi, Corinna, Pia und Katharina sind mir wirklich ans Herz gewachsen und ich kann mir nicht vorstellen ohne sie zu einer Produktion oder Installation zu gehen. Aber leider sind die Festwochen zu Ende. Die Kritikerrunde ist eine Erfahrung, die ich nie und nimmer hergeben werde. Sowohl meine Familie als auch meine Freunde und Bekannten sind stolz auf mich. Nicht nur über die Tatsache, dass ich mitgemacht habe sondern auch über die Tatsache, dass ich es überhaupt versucht habe trotz eigener Zweifel. So haben mir die Wiener Festwochen gezeigt, was in mir steckt, wenn ich mich für Etwas wirklich engagiere.

Auf jeden Fall möchte ich besonderen Dank an unsere bereits schon erwähnte Betreuerin richten, da sie mich persönlich immer unterstützt hat, immer gute und produktive Ideen vorgeschlagen hat und uns trotzdem die Möglichkeit gegeben hat unsere Ideen einzubringen. Sie verwaltete auch unseren Blog und dafür möchte ich ihr nochmals danken!

Ich kann jedem Jugendlichen empfehlen es nächstes Jahr zu versuchen und ebenfalls atemberaubende Festwochen zu erleben – als Teil der Kritikerrunde. Denn so etwas ist wirklich einzigartig! Es macht Spaß, man lernt Leute kennen und kann sein kulturelles Wissen erweitern.

Stella Whitney Fuhs

Dieses Leben ist ein Traum, bitte weckt mich nicht auf

Dienstag, 21. Juni 2011

Ich kann nicht leugnen, dass ich anfangs ein wenig unsicher bezüglich der Teilnahme an der Wiener Festwochen Kritikerrunde war. Meine Freude, die Chance teilzunehmen bekommen zu haben, war natürlich riesig, aber auch Gedanken wie „Matura und Kritikerrunde, kann das gehen?“ kamen mir in den Sinn. Letztendlich hätte ich mir keine Gedanken zu machen brauchen, die Theaterbesuche waren für mich nicht nur sehr interessant, sondern auch eine großartige Abwechslung zum „normalen“ Schülerdasein.

Katharina bei der ArbeitGenauso verschieden wie wir 5 Kritikerinnen waren auch die Theaterstücke und Events, denen wir beiwohnten. Dennoch hat jede von uns mindestens eine Sache gefunden, die ihr für immer in Erinnerung bleiben wird. Die Eröffnungsfeier, „Opening Night“, das „Blind Date“ bei Compartment City, für mich sind es unzählige Dinge gewesen, die ich nicht mehr vergessen werde. Auch sind wir in Kontakt mit SchauspielerInnen und MitarbeiterInnen gekommen und haben dadurch noch weitere Erfahrungen gesammelt.

Die Wiener Festwochen waren für mich das Eintauchen in die phantastische Welt des Theaters und der Illusionen. Jeden Tag Neues zu erleben, von einem Stück ins Nächste zu tauchen und dazwischen mit großartigen Menschen in Kontakt zu kommen, all das gehörte zu meinen Festwochen. Schade, dass sie so schnell vorbei gingen, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir, die Kritikerrunde, uns weiterhin öfter im Theater sehen werden – sei es geplant oder zufällig. Denn ins Theater zieht es uns schließlich alle.

Katharina Köberl

Rollentausch: Die Kritikerrunde im Interview

Montag, 13. Juni 2011

Nach dem gemeinsamen Besuch von Robert Lepages „The Far Side of the Moon“ am 21. Mai im Burgtheater stand für Katharina, Pia-Maria, Stella und Bianca ein „Interview-Termin“ auf dem Programm – allerdings nicht mit einem der Ensemblemitglieder oder dem Publikum, sondern mit einer Redakteurin um über „erste Theaterabende, Kunsterlebnisse und die Erziehungsaufgabe, Kinder für Kultur zu interessieren“ zu sprechen.

Die Kritikerrunde im Interview über "erste Theaterabende, Kunsterlebnisse und die Erziehungsaufgabe, Kinder für Kultur zu interessieren"

Der Artikel „Theater war Mama-Zeit“ ist am 12. Juni in der „Kurier“-Beilage „Mein Sonntag“ erschienen.

Spezialeffekte, Dreharbeiten und ein „Kinobesuch“ der etwas anderen Art!

Montag, 6. Juni 2011

Shoot me – Signed, sealed and delivered

Die gute Stimmung der Gäste im Foyer des Tanzquartiers hat mir bereits einen positiven Eindruck vermittelt. Das Publikum kommt herein und es geht auch schon los! Die Künstler Luke Baio und Dominik Grünbühel beginnen bereits mit der Vorstellung.

Anfangs ist mir nicht klar gewesen, wann es endlich losgeht, ich habe ernsthaft gedacht, dass noch einige technische Proben durchgeführt werden, aber nach ein paar Minuten war klar: das alles gehört bereits dazu. Es war pures Entertainment und ich muss leider sagen, jeder, der es nicht gesehen hat, hat wirklich Etwas verpasst. Denn die zwei Tänzer arbeiten mit Musik- und Lichttechnikern zusammen. Schwarz und weiß sind die Farben der Show. Die Künstler erstellen aus Musik, Performance, Kostümen und Licht ein wahres Meisterwerk. Der Zuschauer wird auch oftmals in die Arbeit miteinbezogen. Luke Baio und Dominik Grünbühel ziehen sich zahlreiche Male um, sind für das „Bühnenbild“ zuständig und bedienen die Kamera, mit welcher sie einzelne Szene aufnehmen. Es stellt sich heraus, dass am Ende der „Dreharbeiten“ ein Kurzfilm gezeigt wird – mit altmodischem Kinosofa, auf welchem es sich die Tänzer bequem machen und Popcorn für alle. Während der Präsentation gibt es eine Live-Gesangseinlage mit Gitarrenbegleitung der Tänzer von „Black Or White“. Bei Popcorn und guter Musik im Hintergrund entsteht ein einzigartiges Kinoerlebnis des heutigen Zeitalters.

Musik und Spezialeffekte

Schon sehr früh ist mir die extravagante und spezielle Musik aufgefallen. Wobei ich sagen will, dass ich mit diesen Adjektiven die Genialität der Musik betonen möchte. Es sind die einfachen Schluck- oder Atemgeräusche, welche der Performance das gewisse Etwas verliehen haben. Die Musik ist von Mathias Koch und Herbert Michael Kopitar live produziert und gespielt worden. Mit diversem Equipment, das die zwei Musikkünstler zur Hand hatten. Es war einfach „outstanding“ und ich hoffe sehr, dass eine CD aufgenommen wird, denn diese würde ich mir auf jeden Fall zulegen.

Eine DVD für jeden zum Mitnehmen gab es auch. Diese Idee finde ich phänomenal, da sie mich immer wieder daran erinnern wird, wie toll diese Vorstellung gewesen ist.

Durch die schwarz-weißen Kostüme und Kulissen wirkt es im Film oftmals als würden die Künstler schweben. Mit vielen kleinen Tricks zeigen sie, wie ein Film entstehen kann. Außerdem setzten sie mit “Shoot Me” einen wichtigen Beitrag zu Kommunikation und Intergration – schon allein durch die Farben und die Gesangseinlage.

Die Künstler und Mitarbeiter, die bei „Shoot Me“ mitgewirkt haben, würde ich im Auge behalten, denn ich bin mir sicher, dass in Zukunft noch viele ebenso atemberaubende Shows folgen werden. Also Augen und Ohren offen halten!

Stella Whitney Fuhs

Interview mit Akira Takayama – Compartment City

Samstag, 4. Juni 2011

Im Anschluss an den Besuch der Videokabinen und des Datingcafés trafen wir Akira Takayama im Container am Karlsplatz zum Gespräch!

What was the idea and background of „Compartment City“?

How did you choose the 30 questions?

Why did you „create“ a Dating café?

Reactions on Compartment City in Tokyo

How the audience „chooses“ persons and differences to „Compartment City“ in Tokyo

Are there similar projects in progress at the moment?

Always the last question of the interview(s): „Who are you“?

And last but not least: We talked about studying and football