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PTSdT(4) >> “Étiquette”, “Ok Ok”, “This is my father” und “Rabbit” (Vol.3)

Donnerstag, 10. Mai 2012

Dienstag, den 24. April 2012:
Heute die vierte Ausgabe der Performance-Theater-Stücke-des-Tages. Langsam gehen mir Ideen aus euch mit langen Texte bei Laune zu halten ;-) – aus diesem Grund werde ich ab heute etwas kürzer und prägnanter zu schreiben. Und versuche dennoch das Informative beizubehalten…

“Étiquette” (Rotozaza, Ant Hampton & Silvia Mercuriali, England)

Es ist Dienstag Nachmittag im beschaulichen Oldenburg und entscheide mich vor den Abendveranstaltungen weitere kleine Performances am Nachmittag zu machen. Die Wahl fällt heute auf “Etiquette” und “Ok Ok”. Ich begegne am Infocontainer meiner ersten Mitspielerin für Etiquette, einer Frau aus Oldenburg. Wir werden kurz in die “Vorstellung” eingewiesen, sitzen vor einen Tisch auf dem verschiedene Sachen liegen und bekommen Kopfhörer aufgesetzt. Dann die Stimme aus dem Kopfhörer. Sie kommt mir seltsam bekannt vor. Ich solle immer tun, was er mir sagt. Ich tue es auch immer brav. Mal soll ich etwas bewegen wie etwa die Figur, mal etwas mit der Knete kneten (welch Wortspiel!) oder etwas mit Kreide die schwarze Platte auf dem Tisch zeichnen. Genauso meine Mitspielerin. Und so entstehen Geschichten, genau genommen drei kleine, die zu einer großen Ganzen werden. Man bedient sich Hendrik Ibsens “Nora” und stellt die Endszene in der sie Thorvald verlässt, nach. Dieser Text wurde von anderen Darstellern eingesprochen und ist zu hören. Andere Dialoge spricht man mit dem Partner gegenüber – und bekommt sie durch die Kopfhörer vorgesagt. Manchmal etwas befremdlich fremde Worte in den Mund zu nehmen, aber allen in allem eine wunderbare Erfahrung. Mit das schönste ist das Entstehen der Bilder im “Stück”. Man spielt mit Wassertropfen, kleinen Botschaften, etwas Theaterblut, Knetgummi oder Spielfiguren aus Kinderzeiten.

Knete, Haufen, Kugel, Hügel, Grab, Wiese, Lichtung, Zukunft, Hoffnung, ...

Knete, Haufen, Kugel, Hügel, Grab, Wiese, Lichtung, Zukunft, Hoffnung, ...

Ant Hamptons Konzept geht voll und ganz auf. Die 30 Minuten am Tisch sind eine wunderbare Mischung verschiedener kleiner Geschichten die mit einprägsamen und einfach-funktionierenden Bildern zum Leben erweckt werden. Danke für diese Nora-Fortsetzung! Im Filmbereich gäbe es für diese Pilotfolge 10 von 10 Punkten.

The End. Fade to black.

The End. Fade to black.


“Ok Ok” (Ant Hampton, England und Gert-Jan Stam, Niederlande/Deutschland)

Diesmal hieß der Treffpunkt Hotel Rosenbohm. Wir standen zu viert draußen und unterhielten uns über das was war und vielleicht kommt. Wir gingen in den Performanceraum und bekamen zuerst wieder eine Einweisung. Dann ging es “auf die Bühne”. Vier gemütliche Sessel im Viereck, jeweils einem anderen gegenüber, einen rechts und einen links, nahmen wir uns vom Tisch am Eingang jeweils ein Skript der Marke “Eine Frau” oder “Ein Mann” – jedes lag doppelt da; und das Lesen ging los. Die Skripts waren inhaltlich alle gleich. Nur an verschiedenen Stellen markiert. Und das was markiert war musste gelesen werden – wie?..das war einem selbst überlassen.

Innen warten die Textbücher...

Innen warten die Textbücher...

Das Skript war natürlich so ausgelegt, das es “Komplikationen” geben musste: Da wurden farbig-markierte Schrägstriche in Texten von anderen gesetzt, rhetorische Fragen gestellt und Theater- und Leseformen und -arten in Frage gestellt: Großartig. Das Textbuch war in viele Details durchdacht und besaß die ein-oder-andere tolle Wendung, so das es bis zur letzten Seite – Pardon, vorletzten Seite – nie langweilig wurde.

Vier Personen: Lesen. Lesen. Lesen. Lesen.

Vier Personen: Lesen. Lesen. Lesen. Lesen.

Wir vier hatten sehr viel Spaß und ich hätte wie bei “Blind Lunch” oder “Étiquette” durchaus Lust das Ganze noch einmal zu machen. Großartig!..und jedem zu empfehlen. Wenn ich es noch einmal mache, verrate ich auch noch einige Leckerbissen – *ähh… Leckertextstellen. Applaus für Autoren und (Mit-)Leser.


“This is my father” (Ilay den Boer, Israel/Niederlande)

Erlebt man einen Performer am Morgen beim Frühstück im Hotel fällt es schwer diesen Moment am Abend im Zuschauerraum zu vergessen bzw. auszublenden. Vor allem wenn er genauso witzig mit seinem Vater umgeht wie auf der Bühne. Ich muss dazu sagen: An diesem Tag feierte sein Vater Geburtstag – genauer gesagt seinen 53. – und schon am Morgen machte er seinen Spaß wie eben erwähnt, Abends. Früh stellte Ilay seinem Vater eine Serviette auf das Frühstück und gab ihm irgendetwas in den Kaffee/Tee – schon eine besondere Art jemanden zu zeigen, wie sehr man ihn liebt. Aber zurück zum eigentlichen Thema.

"This is my Father" (unkommentiert, 5)

"This is my Father" (unkommentiert, 5)

Die Vorstellung ging so los wie das Frühstück im Hotel. Locker, flockig, familiär. Es sollte darum gehen zu vergleichen wie sehr sich Vater und Sohn unterscheiden. Christlich und Jüdisch, ohne und mit Mutter aufgewachsen, in den 60/70ern oder 90ern groß geworden. Es ging um Sport und Hobbys, Reisen und Familie, Erfahrungen und einschneidende Momente im Leben. Man bekam am Anfang der Performance einen Lebenslauf des Vaters ausgeteilt und durfte Fragen stellen was bestimmte Momente im Leben des Vater bedeuten und daran versuchten dann die beiden – bzw. eher Ilay – Unterschiede der beiden herauszufinden. Das das während die beiden auf der Bühne Fußballspielend und mit dem Publikum agierend immer mehr abgleitet in den Ernst des Lebens, bekommt man als Zuschauer erst mit, wenn es bereits zu spät ist.

"This is my Father" (unkommentiert, 4)

"This is my Father" (unkommentiert, 4)

Über das Fußballspielen und eine Geschichte in Illay Lebens wird die Situation immer ernster.

"This is my Father" (unkommentiert, 3)

"This is my Father" (unkommentiert, 3)

Kurz gefasst wurde Ilay als Kind mehrmals geschlagen, gehänselt und vorgeführt auf Grund seines jüdischen Glaubens. Und das von seinen Fußballfreunden aus der eigenen Mannschaft. Dies findet in einer performativ-inszenierten halben Stunde statt, die einen exakt von Anfang bis Ende nicht mehr loslässt. Am Ende sitz man sprach- und bewegungslos im Zuschauerraum und braucht Zeit das gesehene zu Verarbeiten. Ich habe diese “Verarbeitung” in Bilder gefasst. Lasst einfach eure Phantasie und Erfahrung sprechen.

"This is my Father" (unkommentiert, 2)

"This is my Father" (unkommentiert, 2)

Grandioses autobiografisches Performancetheater, welches nicht mit dem klassischen Zeigefinger arbeitet, sondern einen persönlich in heutige Formen von Antisemitismus hineinzieht. Bravo!

"This is my Father" (unkommentiert, 1)

"This is my Father" (unkommentiert, 1)


“White Rabbit, Red Rabbit” (Nassim Soleimanpour, Iran)

Alle guten Dinge sind drei. Und dabei ist erstmal Bergfest…

Groupie-Gruppe.

Groupie-Gruppe.

Diesmal trug die bekannte Schauspielerin Anna Thalbach das Stück vor…wie es war erfahrt ihr in einigen Tagen ;-) – und wie gewohnt, Gruppen- und Endbild.

Das Ende_in.

Das Ende_in.

Bis morgen, euer Eric…

PAZZ reloaded! Es geht weiter…

Dienstag, 8. Mai 2012

Das PAZZ ist zurück!

Wie jetzt, fragt ihr euch vielleicht…und so einfach es klingt, so kompliziert ist es auch ;-)

Zusammengefasst fünf Punkte:
1. In Oldenburg hat mich das Internet nicht gemocht und ich konnte nicht wirklich bloggen; deswegen:
2. Die Entscheidung in Ruhe das Festival zu besuchen und euch nachträglich von zu Hause aus alles zu berichten. Da aber:
3. der Heidelberger Stückemarkt dazwischen kam, habe ich mich entschieden mit den nachträglichen PAZZ-Blogs noch zu warten. Und damit es
4. nicht zu viel Text auf einmal ist, werde ich synchron zum Geschehen vor zwei Wochen die Blogeinträge posten – so dass es auch nicht auf einmal zu viel Text wird. Abschließend
5. ist zu sagen, das es heute als “Reaktivierung” der Gedanken an das PAZZ-Festival eine große Bildergalerie – erst mal ganz ohne viel Text – gibt, damit ihr wieder in das Geschehen von vor zwei Wochen reinkommt…

Ich wünsche euch also jetzt von Herzen viel Spaß beim zweiten Teil des Festivalblogs “PAZZ 2012 in Oldenburg”! Mit besten Grüßen, diesmal aber aus Hildesheim, euer Eric!

In eigener Sache II – Das Internet in Oldenburg

Samstag, 28. April 2012

Liebe Blogleser.

Ich sitze im McDonalds Oldenburg und nehme ein ungesundes Mittagessen zu mir, nur damit ich Bilder hochladen, zügig Texte bearbeiten und anschließend Bilder einfügen kann. Nachdem ich mich nun seit Tagen mit dem Internet hier rumquäle und auch keinen deswegen Schuld in die Schuhe schieben möchte, habe ich mich gerade dazu entschieden lieber das PAZZ-Programm ordentlich durchzuziehen, als immer zu McD. zu rennen. Das heißt also alle kleinen Performances zu besuchen und gute Fotos zu machen, anstatt sich mit dem W-LAN rumzuärgern, wie gestern wieder im Hotel:

Bildschirmfoto vom 28.04.2012 um 01:03 Uhr

Bildschirmfoto vom 28.04.2012 um 01:03 Uhr

Aus diesem Grund wird, wenn sich das W-LAN nicht plötzlich von selbst regeneriert, der Blog bis Montag schlafen. Dafür dann aber ab Montag zu neuer Blüte erwachen, da ich euch dann alle Artikel, Bilder und Filme nachreichen kann – und werde.

Ich hoffe ihr könnt meine Entscheidung verstehen, habt Geduld bis Montag und genießt dennoch ein schönes Wochenende.

Beste und wahrscheinlich letzte Grüße aus Oldenburg, Eric.

PS.: Wie gesagt entsteht dieser Artikel gerade im McDonalds Restaurant Oldenburg. Welch Ironie!

PPS. – ein Nachtrag: Das im Hintergrund des Bildes der Blog-Bearbeitungsbereich und facebook geladen sind, liegt daran, dass es meine Startseiten sind und das WLAN anfangs immer geht, aber irgendwann dann eben nicht mehr – wer weiß wieso…

In eigener Sache: Antwort auf eine E-Mail ohne Absender

Freitag, 27. April 2012

Hallo liebe Blogleser.
In den letzten Tagen ist es etwas still geworden. Das wird sich jetzt ändern. Die versprochene Container-City-Berichterstattung kommt erst am Samstag, da Freitag erst schönes Wetter wird – bis jetzt gibt es echt nur hässliche Fotos. Aber bevor ich zu den heutigen Stücken komme die ich gesehen habe, ein unschönes anderes Thema.
Gestern Nacht (den 25. April) hat mich 1.10 Uhr eine “seltsame” bis unschöne Mail erreicht. Normalerweise hätte ich einfach nachgefragt um die Sache zu klären bzw. die vielleicht der Einfachheit ignorieren können – kann ich aber nicht. Denn die Person die mir die Mail gesendet hat, hat mich blockiert, so das ich nicht nachfragen oder darauf reagiere kann. Da er oder sie aber den Blog zu lesen scheint, würde ich gern hier kurz darauf reagieren – und vielleicht wird dann manchen auch mehr klar. Hier die Nachricht:

Am 25. April 2012 um 1.10 Uhr: “Du solltest dir echt überlegen, wo eure Zielgruppe ist, wer dazugehört und welche Medien man heutzutage ganz wertneutral zur Kommunikation benutzt. Ignorieren _ist_ eine bewusste Beleidigung, und wenn man nicht wei[ß], wie die lokale Kulturs[z]ene aussieht, ist es empfehlenswert, sich ein bis[s]chen an den üblichen Höflichkeitsregeln zu orientieren. / Dies ist eine informelle Mitteilung. / Tip[p]: Schmier[e] dir die Paranoia in den Hut. / [Yo]u lose. Keine Berichterstattung. / [B]ye.” (Schreibfehler korrigiert, Schrägstriche zeigen Zeilenumbrüche.)

Und meine “Stellungnahme”/Antwort dazu:
1. Satz: “Eure Zielgruppe” kann ich nicht im Namen der “Jungen Bühne” beantworten, aber für mich liegt die Zielgruppe bei 12- bis 25-jährigen jungen Theaterinteressierten. Das ist sehr schwer für Jugendliche zu schreiben die zum einen noch in die 5./6. Klassen gehen, wobei andere schone studieren – verdammt schwer allen gleich zu kommen, weder zu hoch noch zu einfach zu schreiben.
1.1 Welche Medien ich einsetzte; das ist der Text den ich schreibe, der meine Meinung vertritt und ansonsten Fotos und Videos. Diese Medien (F&V) sind beide absolut wertneutral, da sie alles genau so darstellen, wie es vor der Linse ist. Ich bearbeite meine Fotos nicht.
2. Ich weiß nicht wen ich ignoriere. Über die Woche besuche ich alle Stücke und Performances um breit gefächert und vollständig berichten zu können – und ich wette das kann keine Zeitung hier. Ich versuche dabei keine Kritiken zu schreiben, sondern auf formale, künstlerische und arbeitsorientierte Prozesse einzugehen, Inszenierungskonzepte vorzustellen und den Lesern einen Einblick in die neuen Theaterformen der Zeit zu zeigen; vor allem denjenigen, die bis dato nur eigenes Stadt- oder Schultheater kennen – so wie ich mit 14 Jahren.
2.1 Die lokale Kulturszene kenne ich nicht, das stimmt. Aber das spielt bei diesem Festival nur eine kleine Rolle – meiner Meinung nach bzw. für meinen Zweck – da ich für Deutschland schreibe und nicht ein Oldenburger Lokalblatt.
2.2 …und was verbindet das mit “üblichen Höflichkeitsregeln”? Ich schreibe manchmal mit einem Hauch Ironie – aber in erster Linie für junge Menschen ohne Theaterspezifische Ausbildung. Erika-Fischer Lichte sagte einmal: “Das wichtigste ist oft ins Theater zu gehen und im Anschluss darüber zu sprechen.” – und genau das versuche ich. Ich beleidige keinen und schreibe keine zerreißenden Kritiken, sondern versuche “Performancetheater” zu vermitteln.
3. Danke. Aber leider kann ich mit der nicht viel anfangen.
4. Seit wann habe ich Paranoia? Oh, da fliegt Peter Pan!
5., 6. und 7. >> Siehe 3.

Ich kann mit dem Geschrieben durchaus auf die Nase fallen. Aber in meinen Augen ist es das im eintretenden Falle wert.
Liebe Grüße und bis gleich zum nächste Blog, Eric.

PTSdT(3) >> “Cue China”, “Ten Journeys” und “Lachen”

Mittwoch, 25. April 2012

Performance-Theater-Stücke des Tages – Teil 3: Montag, den 23. April 2012


Cue China (AT, Ant Hampton, England)

Ich möchte ehrlich sein. Es ist das Erste was ich auf dem PAZZ sehe von dem ich nicht begeistert bin. Punkt. Dennoch für euch zur Info:
1. PAZZ in Progress: ist der Rahmen den das Festival Projekten bietet sich weiterzuentwickeln und in einem Arbeitsstadium erste Ergebnisse zu zeigen. Die Performance wird im Sommer zum Malta-Festival seine Uraufführung “feiern”.
2. Ant Hampton ist ein typischer Engländer, relativ nett – auch wenn er mir Fotos während der Präsentation verboten hat*, obwohl ein Anderer alles filmte *grummel* – also sind die Fotos eher anderer Natur; ach ja, und er hat schöne Schuhe.

Die Schönen Schuhe des Ant Hampton - Nachgespräch.

Die schönen Schuhe des Ant Hampton - Nachgespräch.

3. Ist seine Idee nicht neu: Zwei Menschen sitzen sich gegenüber, schauen sich durch Halb-Spiegel an. Wenn ein Beamerbild das Glas trifft, verschwindet der Mensch dahinter und man sieht die Projektion. Hauptsächlich war ein Chinese zu sehen, der über die Arbeitsverhältnisse in den lokalen Fabriken sprach. So verschwinden Identitäten der Zuschauer und der Projektionspersonen und Text kann unterschiedlichste Ebenen annehmen.
4. Ich freue mich 2014 in Oldenburg das fertige Ergebnis zu sehen – vielleicht kann es mich dann überzeugen. Momentan leider noch nicht.

You see all and nothing. - Vorbereitungen für die Performance #versuchsanordnung

You see all and nothing. - Vorbereitungen für die Performance #versuchsanordnung

*) Dieses Foto entstand in der Vorbereitungsphase…

“Ten Journeys to a place where nothing happens” (Juha Valkeapää und Taito Hoffrén, Finnland)

Das Pfand- *ähh, Pfannkuchen überall anders gemacht werden, anders aussehen und schmecken wissen wir ja alle. Aber das man damit eine besch—eidene Performance richtig gut machen kann, ist mir neu. Eine Reise nach Finnland – und zurück.

Ich habe einen Disney-Pfannkuchen bekommen *yeahr'...

Ich habe einen Disney-Pfannkuchen bekommen *yeahr'...

Man(n) nehme*:
“8 Eier
2 Liter Kefir, Sauermilch oder Naturjoghurt
1 kg Weizenmehl
4 TL Backsoda
4 TL Salz
eine Handvoll Zucker und Öl zum Backen”
…mische das alles gut durch und gebe es in eine heiße Pfanne auf einem mobilen Mini-Cerankochfeld in der Mitte eines Zeltes welches mit ca. Zuschauern gefühlt ist, die alle auf zwei Performer sehen, welche eben jenen Teig braten bzw. die fertigen ausgeben, dabei ein halb-traurig-halb-glückliches finnisches Volkslied singen und dem Raum, also dem Setting, mit ihrer Kleidung den letzten Schliff verleihen. (*Puh!*) Fertig ist der Beginn der Performance.
Und so bleibt es bis zum Ende. Das einzige was sich ändert ist das aus dem Singen eine andere Aktion wird. Mal schaut man ein Video, dann wird ein Baum zerkleinert, dann Tee gekocht, dann mehr Pfannkuchen gebacken, dann ein Bär reingebracht, dann ein Musikgast eingeladen. Und dazwischen: Geschichten aus dem Tagebuch der Performance lesen, da das Vorgelesene ein Finnisch-Englischer-Kauderwelsch ist. Aber das passt auch wieder ins Bild der beiden Performer. Zwei echte Finnen, wie sie le(i)ben. Geschmackssache!

“]”"Wir machen uns einen Bären" oder "Wir nerven jeden Tag das Festivalpublikum mit Kettensägenlärm" [;-)]

"Wir machen uns einen Bären" oder "Wir nerven jeden Tag das Festivalpublikum mit Kettensägenlärm" [;-)

*) zitiert aus: “Zehn Reisen an einen Ort, an dem nichts passiert” (Umschlagseite 4) von Juha Valkeapää und Taito Hoffrén, übersetzt von Katja von der Ropp und verlegt von PAZZ 2012.

“Lachen” (Antonia Baehr, Deutschland)

Es ist Dienstag früh. Ich sitze im Hotel beim Frühstück und am anderen Ende des Raumes nimmt Frau Baehr Platz. Ich habe am Abend davor angefangen diese Kritik zu schreiben und hatte eine Blockade – passiert. Ich habe mich nicht getraut sie anzusprechen.

Ich bekomm' sie nicht scharf - nur am lachen die Frau! #nachgespräch

Ich bekomm' sie nicht scharf - nur am lachen die Frau! #nachgespräch

Einige Stunden später setzte sie sich im Foyer der Exerzierhalle neben mich und ich habe sie ohne nachzudenken und aus dem Blauen heraus gefragt: “Was ist für sie Lachen?” – Darauf die Antwort: (Sie lacht. Dann denkt sie kurz nach.) “Eine Geste. (Pause) Bewegung von Körper und Klang. (Pause) Lachen ist Identitätsmerkmal. Lachen bewegt und bewegt sich. Es wandert zwischen den Menschen und ist flexibel. (Pause) Wie unsere Identität flexibel ist – durch das Lachen.”

Rien-Laugh-Lachen - Ein überaus interessantes Buch; und sie wieder am lachen!

Rien-Laugh-Lachen - Ein überaus interessantes Buch; und sie wieder am lachen!

Und genauso kann man die Performance “Lachen” bezeichnen. Ein Meer aus Lachen, ein Rauschen im Publikum und die Erweiterung des Horizonts. Am Anfang erfährt man das es Lachpartituren gibt und viele verschiedene Autoren solcher. Dann geht es schon los. Via Beamer wird der Autor an die hintere Wand projiziert und schon geht das “Konzert” los. Verschiedene Lachsalven von Antonia lösten ganz andere im Publikum aus. 50 Minuten ging die Vorstellung verschiedenster Lacharten: Vom einfachen Kichern, über Horst-Schlämmer-Grunzen, das Jauchzen von glücklichen Lachmomenten oder herzhaftes Bauch-Krampf-auslösendes-Lachen! Später wurde immer mehr Bühne genutzt, Requisiten eingesetzt und mehr mit Licht gearbeitet. Es baute sich auf und endete in einer Audioaufnahme der Künstlerin mit ihrer Mutter.  So wurde am Ende aus dem Solo-Chor*-Stück noch ein Dialog-Chor-Moment (*Chor=Publikum).

Ich bin einige Male fast vom Stuhl gefallen. Vor allem wenn man Lacharten personalisieren konnte und sie mit Freunden und Verwandten im Bekanntenkreis “abgleichen” konnte. Herrlich!

Scharf! Also das Bild...und Einblicke in das Buch!

Scharf! Also das Bild...und Einblicke in das Buch!

So, das war viel Text in den letzten Blogs – deswegen: Bald gibt es wieder Bilder ;-) — genauer gesagt habe stelle ich euch im nächsten Blog die Container-City vor.

Liebe Grüße aus Oldenburg, Eric.

PTSdT(2.1) >> “Avanti Infantilitanti” zzgl. Interview

Mittwoch, 25. April 2012

Performance-Theater-Stücke des Tages – Special zum Teil 2


“Avanti Infantilitanti” (Marc Becker, Deutschland)

“Avanti” wurde vom Oldenburger Hausautor und -regisseur Marc Becker speziell als Eröffnungsstück für das PAZZ-Festival geschrieben und inszeniert. Das merkt man – meine ich zumindest. Ich kenne das Staatstheater Oldenburg leider nicht gut genug, um es mit 100 prozentiger Sicherheit sagen zu können; aber sagen wir mal so: Hätte ich es in Zwickau, an meinem Haustheater gesehen, hätte ich gedacht, man verrät sich selber.
Das Stück ist das Paradebeispiel erster Schritte Richtung Postdramatik und Performativität an den derzeitigen Stadt- und Staatstheaterlandschaft Deutschlands. Das was vor Jahren in der freien Szene begonnen hat, nimmt nun (endlich) Platz auf den “großen” Theaterbühnen ein. Natürlich ist es genau das Richtige Stück für das PAZZ, nur wirkt es in meinen Augen leider etwas “platt”.

Rester einer performativen Vorstellung...

Rester einer performativen Vorstellung...

Aber erst einmal zum Stück: Und entschuldigt das, was man als meckern verstehen könnte. Es war das Gefühl was mich nach dem Stück noch im Stuhl sitzen ließ. Doch die Minuten davor waren toll. Zu aller erst: Ich liebe das Bühnenbild. Das “Problem”: Ich habe das Stück leider nicht Open-Air gesehen, sondern im Theater Wrede nahe des Bahnhofes. Ich glaube das hat ganz viel vom eigentlichen Konzept “verschluckt” – leider. Dennoch: Ein überproportionaler Tisch mit vier Stühlen und speziell gefertigten Hütchen vermittelten dem Publikum das die erwachsenen Darsteller gerade einmal einen Meter groß sind. Im Hintergrund ein Podest (im Original der weiße Container) mit einer Zwei-Mann-Band. Aus dem Off: Die Stimme dieses jungen Mädchens – auf deutsch und englisch! Und überall überproportionales Spielzeug – zum Großteil extra für “Avanti” angefertigt. Im Hintergrund ein kuschliger Berg aus Fell. Fertig ist das Setting.

Die Off-Stimme aus "Avanti" inspiziert (oder eher durchsucht) nach der Vorstellung das Bühnenbild nach essbaren Resten - soooo süß!

Die Off-Stimme aus "Avanti" inspiziert (oder eher durchsucht) nach der Vorstellung das Bühnenbild nach essbaren Resten - soooo süß!

Los geht es: Während man den Zuschauerraum betritt, spielt die Band plus vier weitere Personen ein sehr amüsantes Musikstück. Alle sitzten; während der erste Schauspieler vom Podest auf die Bühne tritt die Off-Stimme: “Das ist (ichhabemirdienamenleidernichtgemerkt-imsorry). Er feiert heute seinen Geburtstag. (Pause) This is N.N. He celebrates his birthday today.” und das Spiel geht los. Er schießt sich den Weg auf der Bühne frei, klettert und macht, was eben ein Junge allein so macht. Dann wieder die Off-Stimme und die einzige Schauspielerin betritt die Bühne – mit Geschenk. Es ist ein Sektkorken. Unser Geburtstagskind freut sich und benutzt es als Waffe – das Mädchen bleibt links liegen. Der dritte Gast und der vierte Gast. Wieder Sektkorken – beides Jungs – was passiert? Sie jagen und erschießen sich – das Mädchen bleibt links liegen.
Es ist einfach köstlich anzusehen, mit welchem Spieltrieb die vier Darsteller das Ganze auf die Bühne bringen. Emotional tief verwurzelt in uns allen selber erinnert man sich an die eigene Kindheit. Gesichtsausdrücke, also Mimik, und Gestik sind niemals übertrieben, sondern man sieht immer ein 4-5jähriges Kind am überdimensionalen Tisch sitzen. Dabei eine ganz tolle Szene: Es geht ans Essen des Geburtstagskuchen und die vier müssen auf die Stühle klettern: Ein Traum! Der eine über Kopf, der andere springt, sie zieht sich irgendwie hoch und der andere hängt wie ein nasser Sack über der Sitzfläche.
Und so werde immer wieder kleine Geschichten erzählt. Urkomisch. Zwischendurch eine kleine direkte Sozialkritik – habe ich aber überhört. Am Ende wird aus dem Fellberg rechts hinten ein gigantischer Teddybär und das Bühnenbild gleicht einem Schlachtfeld. Dazwischen musikalische Einlagen und wunderbare Beispiele tiefen menschlichen Verhaltens – nicht wie das Tier in uns, sondern das Kind in uns.

Bravo! Ich will nochmal. Nochmal teilhaben und sich wie in Kind fühlen – denn das geht hier wunderbar.

Und jetzt: Es werde Licht... Clemens im (für die Nacht und gegen das Wetter) abgebaute und -deckte Bühnenbild von "Avanti".

Und jetzt: Es werde Licht... Clemens im (für die Nacht und gegen das Wetter) abgebaute und -deckte Bühnenbild von "Avanti".

Das “Special”: Interview mit dem Regiehospitanten Clemens Kellner

Junge Bühne: Hallo Regiehospitant!
Regiehospitant: Hallo Junge Bühne!
JB: Regiehospitant – wer bist du denn eigentlich?
Rh: Also, ich bin Clemens Kellner, 23 Jahre alt, wohne in Hildesheim, komme aber ursprünglich aus Hannover.

Clemens im Interview während eines Soundchecks im Festivalzentrum

Clemens im Interview während eines Soundchecks im Festivalzentrum

JB: Ahh, Clemens! Schön deinen Namen zu kennen. Aber was machst du so, wenn du nicht gerade auf dem PAZZ unterwegs bist?
Clemens: Hauptsächlich studiere ich Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis mit den Fächern Theater und Medien im vierten Semester. Neben dem Studium moderiere ich beim Radio und eine Konzertreihe in Hildesheim. Was das Theater betrifft bin ich bei “Kontraproduktion.plus” und spiele im Improvisationstheater “Mischpoke” mit.
JB: Interessant. Und wie kamst du jetzt zum PAZZ?
C: Ich habe mich am Oldenburger Staatstheater für ein Praktikum in der Dramaturgie beworben. Eine schnelle und nette Antwort kam und ich wurde zur Konzeption von “Avanti” eingeladen. Da der Dramaturg aber sehr beschäftigt war, wurde ich Hospitant für die Regie bzw. -assistenz, was mir mehr Möglichkeiten vor Ort gegeben hat.
JB: Du kanntest das PAZZ also zuvor nicht?
C: Leider nein. Erst als ich erfuhr das “Avanti” das Eröffnungsstück für das Festival wird, kam ich mit dem PAZZ in Berührung. Ich bin also durch einen glücklichen Zufall zum PAZZ gekommen.
JB: Kennst du denn andere Festivals?
C: Ich war bisher nur auf Musikfestivals, wie z.B. das Melt! oder Boot Boo Hook, aber das PAZZ ist meine Theaterfestival-Premiere.
JB: Und wie ist es so?
C: Alles ganz neu. Frisch und interessant.
JB: Aber zurück zu “Avanti”. Was genau ist deine Aufgabe?
C: Als Hospitant unterstütze ich die Produktion und helfe dem Regieteam. Ich kläre Organisationsfragen, räume die Bühne auf, mache sauber – alles theatral – aber natürlich habe ich auch Kaffee gekocht. Bei Entstehungsprozessen des Stückes war ich eher Zuschauer: Nicht teilnehmen, aber teilhaben. Und das hilft für das Studium ungemein.
JB: Von Hildesheim sind es zwei bis drei Stunden Zugfahrt – du bist also sicherlich hergezogen?
C: Ich habe für zwei Monate in einer WG eine Zwischenmiete bekommen. Sehr schön da.
JB: …und Oldenburg?
C: …ist eine kleine, schöne und überschaubare Stadt. Schönes Theater, schöne Vorstadt, die man gut zum Sport machen nutzen kann, u.a. zum laufen und joggen.
JB: Laufen. Wohin willst du mal laufen? Wo soll dein Weg mal hingehen?
C: Früher, vor dem Studium, wollte ich Schauspieler werden. Aber durch eigene Erfahrung und Gespräche merkte ich, das ich mehr will. Auch hinter den Kulissen etwas tun. Regie, Dramaturgie – oder auch Journalismus. Jetzt, u.a. durch das Praktikum oder das Studium weiß ich, das es so viele Facetten gibt. Momentan geht es vor allem in die Medien oder Theaterrichtung. Im Sommer werde ich noch ein Praktikum bei ‘ffn’ absolvieren um mir beide Richtungen offenzuhalten. Danach weiß ich sicher mehr.
JB: Was nimmst du dabei speziell aus dem Praktikum hier in Oldenburg mit? Vielleicht etwas, was du auch unseren Lesern mitgeben möchtest?
C: Man sollte sich Raum und Zeit für sich selbst nehmen. Theater ist Zeit- und Arbeitsintensiv, vor allem im Rahmen eines solchen Festivals. Man freut sich da über Ruhepausen, denn geregelte Arbeitszeiten wie in Medienbereichen wie Radio und Fernsehen wo man auch einmal fertig ist, gibt es nicht; im Theater entsteht immer wieder etwas Neues. Und so auch neue Arbeit. (überlegt)
JB: Ja?
C: Oldenburg war eine wunderbare Erfahrung. Nicht immer einfach, aber genau daran bin ich gewachsen. Ich kann es nur jedem empfehlen. Und man sollte keine Scheu haben; man wächst an den Aufgaben und kann sich erst durch solche Prozesse im künstlerischen Bereich verorten – was ich auch selbst bemerkt habe.
JB: Vielen Dank für das Interview und alles gute für deinen Weg!

Clemens klebt! - Abschluss mit einem Spaßbild aus der Kategorie "Schnappschüsse": Denn diesen Berg an Gaffa hat Clemens zum Schutz der Darsteller von "Avanti" an die Beine des Containers geklebt.

Clemens klebt! - Abschluss mit einem Spaßbild aus der Kategorie "Schnappschüsse": Denn diesen Berg an Gaffa hat Clemens zum Schutz der Darsteller von "Avanti" an die Beine des Containers geklebt.


PTSdT(2) >> “Avanti”, “Coffee”, “Blind”, “Dress me up” und “White Rabbit / Red Rabbit” (Vol. 2)

Dienstag, 24. April 2012

Performance-Theater-Stücke des Tages – Teil 2: Sonntag, den 22. April 2012


“Avanti Infantilitanti” (Marc Becker, Deutschland)

Dieses Stück stelle ich euch im nächsten Blog vor. Denn ich habe mit dem Regiehospitanten ein Termin zum Interview. Diese Gelegenheit nutze ich natürlich um euch Stück und Hintergrundwissen im gebündelten Doppelpack zu präsentieren.

"Avanti" bleibt noch verborgen...bis morgen!

"Avanti" bleibt noch verborgen...bis morgen!

“Coffee & Prejudice” (mercimax, Schweiz)

Ich sitze im Festivalcafé und schreibe gerade die Kritik von “Avanti Infantilitanti”. Plötzlich sitzt drei Reihen weiter die Frau die mir gerade bei “coffee & prejudice” erzählt hat, dass sie in Griechenland sieben Jahre im Frauengefängnis gesessen hat weil sie im Flughafen auf ihren Liebhaber geschossen hat – zwei Mal.

Sie sieht unschuldig aus - ist es aber nicht. Angst?

Sie sieht unschuldig aus - ist es aber nicht. Angst?

“coffee & prejudice”. ‘Kaffee und Vorverurteilung’ – und genau so war es. Ich wurde an einen Tisch in einem normalen Wohnhaus nahe der Container geführt, bekam Kopfhörer auf und durfte Kaffee trinken. Bis plötzlich jemand nach Hause kam. Ein unbehagliches Gefühl, weil man weiß, bzw. nicht weiß, wer zu wem gehört und wo man eigentlich ist. Er, ein junger Mann setzt sich nach dem er Schlüssel und Jacke abgelegt hat an den gedeckten Platz gegenüber und wenige Momente später höre ich seine Stimme aus den Kopfhörern. Ich höre ihn sprechen, obwohl sein Mund geschlossen bleibt. Ich denke es sind seine Gedanken – aber er erzählt seine Geschichte mir, den, den er mit “du” anspricht. Ich kann nicht wirklich reagieren; der Augenkontakt fällt schwer, der Kaffeelöffel vor mir wird zum Spiel- und Ablenkungsobjekt. Seine Geschichte unglaublich. Weiter geht es mit einem weiteren Mann. Die Erzählung wird immer unglaublicher. Am Ende kommt eine Frau ins Zimmer und holt aus dem Schrank Kekse für mich – ihre Geschichte: Am unglaublichsten! (Siehe oben.)
Das Konzept: Jemand erzählt die Wahrheit – oder eine Lüge. Was bin ich bereit zu glauben, und was nicht. Doch am Ende wird aufgelöst und manchmal hofft man falsch gehört zu haben. Ich sitze einer Mörderin gegenüber. In der Performance. Und jetzt beim Schreiben. Das Schlimmste: Im Stück hatte sie ihre Hände unter dem Tisch. Zuvor holte sie aus dem Schrank Kekse. Was holt sie unter dem Tisch hervor. Die Phantasie ist auf diesem Festival mein stärkster Freund und Feind.
Jetzt geht die Frau zur Bar. Sie wirkt älter und gebrechlicher als in dem Moment in dem sie mir gegenüber saß. Dennoch fällt mir in diesem Moment auf, dass sie nichts über mich weiß. Hätte ich kein Namensschild umgehabt, wüsste sie weder meinen Name, noch das ich als “internationale presenter” arbeite. Ich überlege was sie in der Zeit, in der ich ihre Geschichte hörte, über mich gedacht hat. Umso länger ich über das Stück nachdenke, um so mehr Facetten der (zum einen Absurdität, aber vor allem der) Genialität dieser 12-minütigen Performance-/Installationsaktion.
“coffee & prejudice” – Großartig war sich die Mühe macht und danach noch etwas Nachdenkt. Danke an die Frau die sich mir gegenüber gesetzt hat.

Ich musste nicht lange warten...

Ich musste nicht lange warten...

PS.: Der Kaffee war übrigens Galle-bitter – selbst mit zwei Löffeln braunen Zucker!

“Blind Lunch” (Katia Giuliani, Italien)

Am Ende haben wir per USB-Stick Fotos von “Rabbit” ausgetauscht, denn sie war gestern Nummer fünf. Sie ist eine der wenigen Übersetzerinnen in Europa für Performancekunst und Vermittlung von Sprachbarrieren. Wir redeten über Synchronisierungen, Symposien, Synonyme und Sünden. Auch wenn sie 15 Minuten verspätet kam, war sie doch da. Inzwischen trank ich im Hinterzimmer einen trüben Apfelsaft. Angenehme Ambientsounds ließen mich im Stuhl versinken. Es roch bereits nach Essen. Aber noch mehr erwartet ich mein Date.

Hier ein kleiner filmischer Beitrag: >> Warten auf \”Blind Lunch\” (@youtube)

“Blind Lunch” ist wie der Name sagt ein Blind Date bei dem sofort gegessen wird – zumindest nachdem serviert wurde. Dabei “sitzt” man auf einem Holzhöckerchen – Gewöhnungssache – und wird sobald man den Aktionsraum betreten hat zum Objekt der Aufmerksamkeit, also zum Akteur. Wie? Der Container in dem das Ganze stattfindet ist am Ende “offen” – also, verglast.

Der "offene" Container mit der hübschen Tapete...

Der "offene" Container mit der hübschen Tapete...

Da ich mich mit meinem Date aber so gut verstanden habe, haben wir begonnen zu experimentieren Wir haben das Spiel umgedreht und die Zuschauer zu Akteuren gemacht, in dem ihnen zu gesehen haben. So einfach wie genial, hatten wir auf einmal eine Menge zu lachen. Aber das Essen darf nicht kalt werden. So unterhielten wir uns über (siehe oben) und gaben uns erste PAZZ-Tippzz *höhö* — Die Zeit verging wie im Flug und es war eine angenehme Erfahrung.
Das Konzept der Performance geht auf und lädt zum Spielen und Experimentieren ein. Ich würde gern noch ein-zweimal in den Container steigen und neue/andere Menschen kennen lernen – eben auf diese spezielle Art und Weise bei Wein und Wasser.

“Dress me up in your love” (Theatre Replacement, Kanada)

Berührend. Nachdenklich machend. Geschichte(n) erzählend. – Einfach toll.

Nah am Endbild, rechte Bühnenseite.

Nah am Endbild, rechte Bühnenseite.

Theatre Replacement begonnen die Arbeit an diesem Stück beim letzten PAZZ im April 2010. PAZZ IN PROGREZZ, Pardon: PROGRESS, heißt das Programm in dem 2010 mit den Proben begonnen wurde (auf das Projekt “PIP” gehe ich morgen noch einmal genauer ein). Damals wurde ein Arbeitseinblick gezeigt. 2011 dann in Kanada die umjubelte Premiere. 2012 zurück in Oldenburg: Applaus ohne Ende. Ein wunderbarer Theaterabend. Knappe 100 Minuten vergingen auf eine ganz besondere Art. Sehr musikalisch, kreativ und überzeugend das Ensemble.

Näher am Endbild, rechte Bühnenseite.

Näher am Endbild, rechte Bühnenseite.

Aber was habe ich gesehen? Kurz: 200 Kleidungsstücke; und jedes erzählt eine Geschichte. Der “Stoff” aus dem Träume sind; oder auch Alpträume. Die Performer arbeiteten (auto-)biografisch. Die Performer geben unter dem Schutz der Kleidung die sie zu diesem Zeitpunkt getragen haben, ihre persönlichsten Momente wieder. Von verstorbenen Brüdern und Eltern (Krebs.), grauenvollen Entjungferungen (Eine Nacht Hotel bezahlt für eine Minute Akt.), peinlichen Situationen im Sportunterricht (Mädchen sollten keine Boxershorts für Männer tragen.), erste Arbeitserfahrungen (In Kanada für McDonalds am Malaysia-Pavillon der Weltausstellung 1986.) oder auch die glücklichsten Augenblicke ihres Lebens (Das goldene Hochzeitskleid und die Frau die seit dem die “Goldene Braut” genannt wird).
Natürlich stammen diese Momente nicht nur von den Performern selbst. Es werden auch Kleidungsstücke bester Freunde und Familienmitglieder gezeigt und mit ihren Geschichten vorgestellt. Bewegende Momente und Momentaufnahmen entstehen. Speziell wenn durch Langzeitbelichtung kurze Nachrichten mit Taschenlampen aufgenommen werden und dann für das Publikum via Beamer projiziert werden. Diese sind manchmal Teil der wenigen, dafür aber guten und schön umgesetzten, Tanzchoreografien – aber auf jeden Fall musikalisch unterlegt. Die fünf Performer und eine Musikerin geben sprichwörtlich ihr letztes Hemd für einen wunderbaren Theater-vs-Performance-Abend. Klar bleibt es eine Performance, doch hier im Form eines Paradebeispiels für eine exzellente Arbeit und thematische Auseinandersetzung mit dem Stoff – und dem Stoff, ihr wisst was ich meine.
Zum Abschluss ein Satz der Darstellerin Maiko Bae Yamamoto im Nachgespräch, auf die Frage wie sie auf die Auseinandersetzung mit Kleidung kam: “Clothes are like a skin we wear; shows who and how we are.”

Am nächsten - ähh, nähesten am Endbild, rechte Bühnenseite.

Am nächsten - ähh, nähesten am Endbild, rechte Bühnenseite.

“White Rabbit / Red Rabbit” (Nassim Soleimanpour, Iran) - zum zweiten.

Diesmal hielt der “Polizeiruf 110″-Schauspieler und Grimme-Preisträger Edgar Selge die Blätter in der Hand. Wie es war? Geduldet euch noch einige Tage. Aber hier das Gruppen- und Endbild der zweiten “Aufführung”.

Die zweite Gruppe...

Die zweite Gruppe...

...und das zweite Ende.

...und das zweite Ende.

Damit verabschiede ich mich mit einer Anmerkung bis zum “Avanti”-Special:
Das Festival läuft toll, nur die Hälfte der Toiletten streikt, das WLAN im Hotel und im PAZZ-Container lässt zu wünschen übrig und so kann ich leider nicht so schnell arbeiten, wie ich gern würde. Aber ich lege für euch heute noch eine Nachtschicht ein, um die Tage wieder aufzuholen. *zwinker* Ihr sollt euch schließlich am Ende fühlen, als wärt ihr dabei gewesen und habt alle Stücke gesehen ;-)
Beste Grüße aus Oldenburg, Eric!

SamSonntag in Bildern…

Montag, 23. April 2012

Wer nicht so viel Lesen möchte, darf hier gern etwas optischer werden. Einige Eindrücke vom PAZZ aus Oldenburg und was mir da noch so vor die Linse kam. Es wären sicherlich mehr Bilder, wenn nicht das Wetter so kalt und regenlastig wäre. Aber eigentlich kann es nur besser werden…eigentlich.

Bis morgen! Eric.

PAZZZZZZZZZZZZZZZzzzzzzzzzzz*chrrrr…zzzZZZzzz…

Sonntag, 22. April 2012

Tag eins. Oder zwei? Keine Angst. Ich zähle von nun an in Festivaltagen, also:

TAG ZZZZZZZZZWEI!*

PAZZ Blocks

PAZZ Blocks

22 Uhr. Westkreuz Oldenburg. Auf dem Weg von “Leo” zu den Hasen habe ich mich verfahren. Die Rettung: Burger King. Gegen die Abnahme einer kleinen Pommes erfahre ich den Weg zurück zur PAZZ-Container-City. Willkommen in Oldenburg – der Stadt ohne Straßensystem**.
Dagegen ist das Buchungssystem für die Performances am Nachmittag der Clou schlecht hin. Wie ihr auf dem Bild seht, gibt es feste Zeiten, Startpunkte, benötigte Personen, etc. die dann Tag-für-Tag mit Kreide abgestrichen werden, wenn man sich anmeldet. So einfach wie genial.

Täglicher PAZZ-Performance-Zeitplan und Reservierungssystem

Täglicher PAZZ-Performance-Zeitplan und Reservierungssystem

Aber hier beim PAZZ ist so vieles genial; wie zum Beispiel das erste Stück was ich gerade gesehen habe: Leo. Die “Kritik” gibt es morgen zu lesen. Dann die Pressemappen: Einfach nur schwarz aber jede handbedruckt mit PAZZ-Logo – wenn man mit dem Finger darüber fährt, erlebt man eine Sekundenperformance. Als nächstes hätten wir die Container-City (Fotos folgen morgen). Aber was ist das eigentlich alles?
Also: Das Festival wird unter der Leitung von Thomas Kraus vom Oldenburger Staatstheater organisiert und durchgeführt. Es gibt neben den normalen Spielstätten des Theaters die Container-City – zu der ich euch in den nächsten Tag noch einen eigenen Blog schreibe, weil die einfach mal HAMMER! ist – und den Stadtraum für site-specific-Projekte. Gezeigt werden Gastspiele die eingeladen werden, Stücke aus dem Repertoire des Oldenburger Theaters, sowie eigene Produktionen für das Festival bzw. die für Oldenburg geschrieben bzw. umgeschrieben wurden. Das Publikum ist international – ich stoße vor allem auf Besucher aus den BeNeLux-Staaten und dem skandinavischen Bereich — Englisch ist also Pflicht; siehe auch Programmheft. À propos Programmheft. Hier der Link zum Heft, welches noch für acht Tage mein Leben bestimmt >> http://pazzfestival.info/wp-content/uploads/2012/03/PAZZprogramm_2012_Heft.pdf Punkt!
So. Bevor ich zur zweiten Vorstellung des heutigen Abends gehe noch die Erklärung der E-Mailadresse pazz@coasteric.de – und zwar schreibt mir eine kurze Mail wenn ihr mehr wissen wollt, Fragen oder Verbesserungsvorschläge und auch Wünsche an mich habt – wie das? Zum Beispiel lest ihr im Programmheft von einer Produktion die euch extrem interessiert und möchtet darüber mehr wissen. Das könnt ihr mir dann einfach schreiben und ich werde zu eurer Wunderlampe!

Das war es dann erst einmal von heute. Morgen dann Beschreibungen zu “Leo” und “White Rabbit/Red Rabbit” – mit Video ;-)
Euer Eric…

Der P(AZZ)erformance-Plan - von hinten...

Der P(AZZ)erformance-Plan - von hinten...

*) …zet-zet-zet…überall PAZZ-Zets! Schlüsselanhänger, Taschen, Eintrittskarten, Plakate, T-Shirts, Programmhefte, … ich glaube das wird eine Fotostory!

**) Natürlich könnte es auch an mir liegen, oder daran dass es schon dunkel war, oder dass es kalt war, oder dass Aladdin gerade auf dem Teppich vorbei geschwebt kam… *hust*

Tag 1. Oder 0?!

Samstag, 21. April 2012

Tag eins oder null. Das ist hier die Frage.
Heute wurde das PAZZ-Festival in Oldenburg eröffnet. Leider ohne mich. Denn ich bin momentan noch in Hildesheim da ich morgen am Samstag um 12 noch eine Vorstellung habe. Damit ihr dennoch was zu lesen habt, habe ich mit Felix Worpenberg geredet der mit mir studiert und eine Assistenz beim PAZZ-Festival macht. Und im Anschluss gibt es noch einige Infos (zum freiwilligen lesen), falls ihr wissen wollt, wer ich bin und was ich so mache – wenn ich nicht gerade Festivalsblogs schreibe ;-)

Tag Eins. Ein Gespräch mit Felix


Ich habe für euch Felix, einen Freund von mir aus Hildesheim, kurz beiseite genommen und ihm schnell eine Hand-voll Fragen gestellt – und so schnell er da war, war er wieder weg. Denn in Oldenburg gibt es viel zu tun:

Junge Bühne: Hallo Felix, zu Beginn: Wer bist du?
Felix: Hallo liebe Blog-Leser. Ich bin Felix, 24 Jahre alt und studiere in Hildesheim an der Universität Szenische Künste mit den Fächern Theater, Medien und Kunst.
JB: Wie kamst du zum PAZZ-Festival?
F: Das Festival, welches ja in Oldenburg stattfindet, liegt nicht weit entfernt von Hildesheim. Außerdem ist es im Studium wichtig neben der Theorie die Praxis kennen zu lernen, sowie Netzwerkarbeit – so habe ich auch vom PAZZ erfahren und mich hier beworben.
JB: Und was genau machst du jetzt hier in Oldenburg?
F: Ich mache für die englische Gruppe blast theory mit ihrer Produktion “A Machine To See With” eine Künstlerassistenz.
JB: Hast du zuvor schon auf anderen Festivals gearbeitet oder ist das Neuland für dich?
F: Ich habe unter anderem letztes Jahr in Hildesheim das Diskursfestival State of the Art mit organisiert. Weiterhin bin ich im Großteam des transeuropa-Festivals.
JB: Was hebt das PAZZ von anderen Festivals ab?
F: Mir fallen da spontan zwei große Punkte ein. Zum ersten der sehr direkte Kontakt den alle, also die Künstler und das Publikum, haben, sowie zum zweiten das große site-specific-Programm.
JB: À-propos site-specific. Wie ich gehört habe, bist du dafür extra nach Oldenburg gezogen. Wie gefällt dir die Stadt?
F: Nordisch devot.
JB: Wenn das mal kein Schlusswort war! Vielen Dank für das Interview und ein herzliches “Toi-toi-toi.” für morgen.

Wer noch mehr wissen möchte, hier Links zu einigen Schlagworten aus dem Interview:
PAZZ >> http://pazzfestival.de/
Oldenburg >> http://de.wikipedia.org/wiki/Oldenburg_%28Oldenburg%29
Felix Produktion >> http://pazzfestival.de/a-machine-to-see-with-blast-theory/
State of the Art >> http://www.uni-hildesheim.de/stateoftheart/
transeuropa >> http://www.transeuropa-festival.de/2012/
site-specific >> http://de.wikipedia.org/wiki/Ortsspezifisch
Szenische Künste >> http://www.uni-hildesheim.de/index.php?id=1559

Felix W. zum Interview in der PAZZ-Container-City

Felix W. zum Interview in der PAZZ-Container-City

Tag Null. Ich (ohne Freud).


So, jetzt noch einmal ein herzliches “Hallo!” von mir. Ich bin Eric, 22 Jahre alt und studiere wie Felix Szenische Künste in Hildesheim. Ich komme ursprünglich aus Zwickau in Sachsen. Dort habe ich jahrelang im Jugendclub gespielt und später dann auch auf der Großen Bühne des Theater-Plauen-Zwickau. 2010 habe ich das erste Mal selbstständig inszeniert: die Uraufführung von “1/4 Leben” (>> www.einviertelleben.de) – und das Ganze neben meinem Zivildienst. Danach habe ich ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Kultur – kurz: FSJ-Kultur – in der TheaterFABRIK Gera (>> www.theaterfabrik-gera.de) absolviert und im Rahmen dessen mein zweites Stück auf die Bühne gebracht. “Klaviatur/Fragment” wurde dann sogar mit dem “tatort Kultur”-Preis der Sparkassenkulturstiftung ausgezeichnet. Im Oktober 2011 bin ich dann nach Hildesheim gezogen und habe mein Studium begonnen.
Ansonsten liebe ich Achterbahnen und Freizeitparks, mixe selber Cocktails, bin mir Freunden unterwegs und genieße das Leben. Ich koche oft und gern, habe Fische und eine kleine “Firma”, mit der ich aber kein Geld verdiene, sondern ehrenamtlich arbeite und helfe. Wenn ihr Fragen zu mir habt, schreibt einfach: pazz@coasteric.de – und wieso es diese Mailadresse gibt, erfahrt ihr morgen genau(er).

Also bleibt dran am Festivalblog zu “PAZZ” 2012 in Oldenburg.

Herzlichst, euer Eric.

PS.: Morgen wird alles auch bunter, denn dann gibt es (vielleicht sogar bewegte) Bilder!